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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-07-10 · 28 (10.7.1935) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
28 (10.7.1935)
Date
1935-07-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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(Fortsetzung von Seite 1) Der Zugang zur elterlichen Wert- und Berufswelt blieb Akndemikerkindern verschlossen, anderen wurde ,er erschwert. Die' eigenen .Kreise lösten sich auf, der eine, ging dahinj der anderedorthin. Bindungen muß-' Jen ,teife gelöst werden, teils lösten sie sich von selbst. Die Leere üm.sie wuchs. Im Anfang kamen Berichte der Freunde j von außerhalb, hoffnungsvolle und verzweifelte. , In der Folge wurden, sie spärlicher.; Manche blieben ganz: aus.- Die. Geographie zerstörte [ festeste Bande. Die übliche Geselligkeit wurde reizlos. Hier eine Lücke, dort eine Lücke.- Die Gespräche verstummten plötzlich, die Stimmung war gedrückt. Die Arbeit, Wenn man sie hatte, wurde Betrieb, Leerlauf eben. Das Schicksal wurde riesengroß, der Widerstand wurde geringer. Der Ausgleich fehlte allenthalben. Das Erschütterndste aber an all dem war: diese; Tragödie vollzog sich im Geheimen, im Privaten. Die Öffentlichkeit nahm keine Notiz davon. — Sie registrierte in ihrer Presse nur die groben Erschütterungen, das Schicksal des unbekannten Juden blieb grundsätzlich unentdeckt. Wo aber keine Diagnose gestellt wird, ist auch die Therapie nicht möglich. Zuweilen aber setzte sie an falscher Stelle ein. Man versuchte im eigenen Kreise zu ersetzen, was im Umkreis verloren. gegangen war. Der Rummel der abgebrochenen Geselligkeit wurde wieder im jüdischen Kreis aufgebaut. Jüdische Kabaretts, jüdische Tanzlokale, jüdisches Variete, jüdische Organisationen veranstalteten Chanukka- und Purim-BälTe, die mit den festlichen Anlässen nicht mehr als das Datum gemein hatten. Der anfängliche Zuspruch war Strohfeuer. Das ganze wirkte wie aufgeschminkter Anachronismus. Die Oberflächlichen und Seichten, die sich immer und überall amüsieren, kamen und blieben, die Ernsten blieben fort. Sie empfanden deutlich, daß die Zeit selbst die unschuldigsten. Vergnügen zu Karikaturen und die harmlosesten Gewohnheiten zu Stillosigkeiten machen kann. So blieb man lieber allein. Aber mit wachsender Vereinsamung vergrößerte sich das Verlangen nach menschlicher Nähe. Robuste Naturen vertrugen die Isolierung, wenn sie genügend geistige und seelische Reserven besaßen und genügend große Individualisten waren. Die Mehrzahl aber wollte sich zu der Einsamkeit des Erwachsenen nicht verstehen. So versuchte man den Ausgleich der Jüngeren, den „Bund". Aber dies Wagnis glückte nicht vielen. Es gab Jüngere, denen die Rückkehr zum „Bündischen" total glückte; die meisten der „Zwischengeschichteten" erkannten recht bald die Grenzen ihrer Assimilationsfähigkeit. Schließlich: sie waren längst über 20. Keine reifen Persönlichkeiten, zugegeben, aber doch in-' gewissem Grade' schon durch die Erfahrung, die Gepflogenheiten und das Erlebnis der Privatheit hindurchgegangene „Erwachsene". Geprägte mit allen sichtbaren und unsichtbaren Merkmalen ihrer unbündischen Vergangenheit, mit Verhärtungen, wie sie der Druck des Lebens und die Energie der Selbstbehauptung mit sich .bringt. Gewiß, sie waren gern bereit, auf krasse Individualismen oder gar Egoismen zu verzichten, aber sie konnten sich aus Gründen der , Ehrlichkeit nicht' ganz verleugnen. Das Gebot der inneren Totalität, das jeder Bündler .an sich stellt und das nicht mehr und nicht weniger als jederzeitige und hundertprozentige Bereitschaft für den Bund und seine Forderungen bedeutet, konnten sie nicht mehr erfüllen. Der Bund war eine Erziehungsgemeinschaft. Seine Aufgabe war sinngemäß zunächst -nach innen gerichtet, an seine noch bildungsfähigen und gemeinschaftshungrigen Menschen. Sie, die Zwischengeneration, aber war nur noch wenig erziehbar und gemeinschaftsfähig nur in gewissem Grade. Gewiß waren auch sie aus Gründen der Gemeinschaft in den Bund gekommen, aber es stellte sich sehr bald heraus, wie zweifelhaft es ist, Gemeinschaft zu halten, wenn man nicht mehr 15 oder 16 Jahre alt ist. Den meisten blieb dos Erlebnis der Gemeinschaft verschlossen. Es war nicht ihre Schuld. Es lag ganz einfach daran, daß eben nur der jüngere, aufgeschlossene, vorurteilslose Mensch die Energie zur Gemeinschaft bedingungslos besitzt. So bedingungslos ist-dieser Wille, so. hemmungslos diese Kameradschaftlichkeit, daß alles andere — Fahne und Idee — zuweilen ruhig verschwinden darf. , . Diese Bedingungslosigkeit, richtiger noch: diese Beziehungslosigkeit der Gemeinschaft war dem Älteren fremd. Wollte er Gemeinschaft, so bedurfte er eines Dritten, einer Sache, einer Idee als Mittler, als vermittelnde Kraft zwischen sich und dem anderen. Aber so gelang es den Älteren kraft der großen menschlichen Hemmung, die sie aus der Einsamkeit ihrer Privatheit .. übernehmen, auf dem. Weg über das Dritte zur "Gemeinschaft zurückzufinden. Sie öffneten sich nicht zuerst dem Menschen, sondern der Aufgabe, die die, Gemeinschaft trug. 1 In dieser Tatsache liegt etwas Grundsätzliches und vielleicht sogar etwas Therapeutisches. Die Zwischen generation in ihren aktivistischen Teilen ist allem Anschein nach auf dem Wege dazu, die auf pädagogischem Wege geweckten Energien der Bündler in politische Kräfte zu verwandeln und sie ,, damit praktisch nach außen hin wirksam zu machen. Die Quelle dieser Kräfte bürgt dafür, daß der verderbliche Dualismus zwischen Moral und Politik aufgehoben wird. Sollte diese Arbeitsleistung sich bewähren, so wäre die Therapie erst vollständig. Der Zwischerigeneratiön wäre nicht nur' die Chance eines fruchtbaren Einsatzes gegeben, sondern die selbstlose Aufgabe zugefallen, die Kräfte der jungen Generation durch die rechte Führung der Gesamtheit nutzbar zu machen. Mag sein, daß diese Aufgabe keine Popularität erlangen wird, mag sein, daß ihre Träger so namenlos bleiben wie das Schicksal, das sie berufen. Dem es wirklich und in aller Tiefe ernst mit seiner Aufgabe ist, genügt das Verdienst und nie der Name. Die größte Erbfchaft der Welt Um eine Milliarde—Die Hinterlaffenfdiaft Leppold Weißbergers—Wer ift erbberechtigt? Durch Wiener Blätter geht zurzeit eine Nachricht, die zahlreiche Familien in gewaltige Aufregung versetzt hat. Es handelt sich dabei um nicht weniger als rund cinundcineviertcl Milliarde Reichsmark, die die Erbschaftsmassc eines Mannes namens Leopold Woißbcrgcr darstellen. Diese zweifellos größte Erbschalt der Welt hat eine interessante Vorgeschichte. Leopold Wcißbcrgcr, der jüdischer Abstammung war, verließ vor etwas mehr als hundert Jahren sein Heimatdorf, einen Ort in den ungarischen Karpathen, um nach Australien auszuwandern. Es gelang ihm, dort zu großem Reichtum zu kommen, und als er starb, hinterließ er ohne ein Testament'ein Vermögen, dos im Laufe der Zeit mit Zinsen und Zinseszinsen auf die ansehnliche Summe von hundert Millionen englischen Pfunden angewachsen ist. Als die Nachricht von der Erbschaft damals durch die Welt eilte, meldeten sich aus allen erdenklichen Landern Leute, die den Namen Wcißbcrgcr fahrten und den Nachweis zu erbringen suchten, daß sie Erbansprüche hatten. Die australische Regierung, die das ungeheure Vermögen verwaltete, stellte langwierige Untersuchungen an, Nachforschungen und Erbauscinnndersctzungen nahmen Jahre in Anspruch. Dbb Vermögen wurde inzwischen einer englischen Großbank überwiesen, und nur ein kleiner Teil der Zinsen kam durch die Vcrwaltungsspesen des .Vermögens in Abrechnung. Inzwischen brach der Weltkrieg aus, ohne daß es der australischen Regierung gelungen war, eine Entscheidung darüber zu treffen, wer nun tatsächlich einen rechtlichen Anspruch auf das Vermögen Wcißbergers hatte. Die zahllosen' Erbansprüche gestalteten den Fall immer schwieriger. Schließlich zog sich die australische Regierung dadurch aus der schwierigen Lage, daß sie die größte Erbschaft der Welt nach Ungarn überführen ließ und die ungarische Regierung bat, das Vermögen zu verteilen und den Erbberechtigten zukommen zu lassen. Die Folge war, daß erneut ein Sturm angeblicher Erbberechtigter aus aller Welt einsetzte, die die ungarische Regierung um Auszahlung der Summe baten. Auch in Wien haben sich zahlreiche Familien mit dem Namen Weißbcrger u. a. gemeldet mit der Behauptung, erbberechtigt zu sein. Wie man hört, haben sich die „Wiener Erben" sogar einen Rechtsanwalt genommen, der sich an die ungarische Regierung gewandt und um diplomatische Unterstützung in der Angelegenheit gebeten hat. Die ungarische Regierung hat nldo jetzt die große Arbeit, alle die zahlreichen Erbansprüche zu überprüfen und gegebenenfalls das Riesenvermögen an die wirklich Erbberechtigten auszuzahlen. Es dürften also noch einige Jahre vergehen, bis die Hinterlassenschaft Leopold Wcißbcrgcrs zur ' Auszahlung gelangt. Ein Rabbiner nimmt Abfchied Bericht für die „Jüdische Allgemeine" Hildesheim. Unter stärkster Anteilnahme der hiesigen Gomeindemitgliedcr und der zum Landrabbinatsbezirk gehörenden Provinzgemeinden fand im festlich geschmückten Gotteshaus eine eindrucksvolle Feierstunde anlaßlich deB Abschiedes des Herrn Landrabbiners Dr. Lewinsky statt, der nach fast 43jährigem segensreichen Wirken im hiesigen Amt in den wohlverdienten Ruhestand tritt. Nach Einleitung der Feier durch Orgelvorspiel und Kinderchor, richteten dio Vorsteher der Hildesheimer Gemeinde, Rchfeld und Dr. Berg, zugleich im Namen der Landgemeinden und der Gemeinden des von Rabbiner Dr. Lewinsky mitverwalteten Rabbinatsbezirks Stade, warme Worte des DankeB an den Scheidenden. In seiner Festansprache gab Rabbiner Dr. Italiener, Homburg, als ehemaliger Schüler und Freund des Hauses ein unvergeßliches Bild vom Leben und Wirken des zu Ehrenden. Ausfehend von der Berufung Josuas, dessen Name die unversiegbare [offnung auf Gottes immerwährende Hilfe verkörpere, .verglich er die Zeiten 'des Amtsantritts des Dr.' Lewinsky mit den Problemen, die die Jetztzeit den Bekennern des Judentums stellt und rückte die Persönlichkeit des scheidenden Landrabbiners in ihrer vornehmen Würde, sein nicht genügend bekanntes Wirken als Wissenschaftler, insbesondere als Historiker und ehrenvoll berufenes Mitglied bedeutender wissenschaftlicher Vereinigungen, vor allem aber Bein unermüdliches beredtes Eintreten für das Festhalten an unserem heiligen religiösen Gut und dio Verbreitung echter Gotteserkenntnis zum Heile und Wohle des Judentums und aller Mitmenschen in das hello Licht eines von Dankbarkeit erfüllten Rückblicks. Er überbrachte zugleich die besonderen Grüße und Wünsche des Allgemeinen Rabbinervorbandes und seines Vorsitzenden, Rabbiners Dr. Bacck, sowie den Ausdruck treuer Verbundenheit des Nordwestdeutschen Rabbinorvorbondcs unter Überreichung der „Briefe Franz Rosenzweigs" als Ehrengabe. Anschließend sprach dann in ergreifenden Worten Landrabbiner Dr. Lewinsky von seiner langgewohnten Stelle zum letzten Male zu seiner Gemeinde. Im. Hinblick auf die Grundsätze, von denen er sich in den fast 43 Jahren seiner ihm ans Herz gewachsenen Amtstätigkeit alle Zeit habe leiten lassen, versicherte er die Mitglieder seiner bisherigen Gemeinden seiner unverbrüchlichen Verbundenheit in alle Zukunft. Zum Schluß segnete er die versammelten Gcmcindemitglicdcr zum letzten Male. Mit dem „Jigdal", das von Kantor Cysner und dem Kinderchor im ^Vechßolgeaang vorgetragen wurde, schloß die in Orgelspiel ausklingcnde Feier. L. Rabbiner Dr. Karl Romenthal 50 Jahre Am 16. Juli wird Rabbiner Dr. Karl Rosenthal 50 Jahre alt. In Lade in Lippe geboren, wurde er 1914 als Prediger und Lehrer der Gemeinde Hörde angestellt. Der Krieg unterbrach diese Tätigkeit. 1919 bezog Rosenthal, der zweimal schwer verwundet wurde, die Universität, Die Jüdischo Reform gemeinde Berlin berief ihn dann 1925 als Prediger. In dieser Tätigkeit, ola klarer Kämpfer für seine Uberzeugung, an seiner Heimat hängend, ist Dr. Rosenthal besonders der Jugend Helfer und Ratcr. Auch im RjF ist Dr. Rosenthal. als Mitglied des Führerrats und Vorsitzender der Gruppo Moabit unermüdlich für seine Kameraden aus dem Weltkriege tätig. Wir wünschen dem 'Jubilar noch viele, viele Jahre segensreiche Tätigkeit im Interesse des Judentums. Der 75 j Uhrige Hermann Lipfchitz Direktor Hermann Lipschitz, ein treuer Anhänger des religiösen Liberalismus, begeht am 11. Juli in geistiger und körperlicher Frische seinen 75, Geburtstag. Der Jubilar gehört seit vielen Jahren dem VorBtand der Jüdischen Reformgemeinde an und hat seine besondere Liebe der Ausgestaltung der gottesdienstlichen Veranstaltungen zugewandt. Sein Alter hat ihn in der eifrigen Arbeit für die Idee des religiösen Liberalismus nicht erlahmen lassen. Wir wünschen Hermann Lipschitz, der auch sozial nach Kräften tätig ist, noch viele Jahre ungetrübten Wirkens für die jüdische Gemeinschaft. Andre Citroens Ende Paris. Der französische Autoinobilindustricllc Andre Citroen, der in seiner Glanzzeit der „Ford Frankreichs" genannt wurde, ist im Alter von 57 Jahren gestorben, nachdem er kurz vor seinem Tode den Abstieg und Zusammenbruch seiner überaus glänzenden Laufbahn hatte erleben müssen. Vor etwa einem Monat natto sich Citroen in besorgniserregendem Zustand in eine Pariser Privutklinik zurückziehen müssen. Nach der Operation eines Magengeschwürs ist er dort am vergangenen Mittwoch gestorben. Citroen entstammte einer holländisch-jüdischen Familie, hat sich aber niemals um jüdische Dinge bekümmert. Die entscheidende Wendung in seiner Laufbahn war eine Amerikareise, die der 34jährige, der gleich nach Verlassen der Schule eine Fabrik für Zahnräder eigener Erfindung ins Leben gerufen hatte, im Jahre, 1912 unternahm, und in deren Gefolge.er dio Produktion . seiner Fabriken auf 100 Wagen im Monat steigerte. Seine amerikanischen Erfahrungen konnte er in größerem Rahmen, während des Krieges ausbauen; damals entstanden seine großen Fabriken, in denen er täglich 55 000 Granaten herstellen ließ. Diese Arbeitsmethode wandte er nach dem Kriege zur Serienfabrikation der Autos an, die den Namen Citroens weiter in die Welt hineingetragen haben als seine riesigen Reklameschriften, mit denen er den Eiffelturm und den ganzen Pariser Himmel bedeckte. Zum Tode Nicodem Caros Wie die „Jüdische Allgemeine" bereits, kurz berichtete, ist Professor Nikodem Caro im 65. Lebensjahr in Zürich gestorben. Die Beisetzung hat auf Wunsch des Verstorbenen im engsten Familienkreis^ ein .Meran stattgefunden. ' Eine schwere,, langsam sich entwickelnde Krankheit, gegen die er zuerst mit aller Kraft angekämpft hat, hatte ihn veranlaßt, nach Meran zu gehen. Dort erfuhr er auch den größten Schmerz seines Lebens, als* ihm seine Lebensgefährtin, mit der er vierzig Jahre lang in ungetrübter Ehe verbunden war, durch den Tod entrissen wurde. Kurz vor seinem Ende hatte sich Nikodem Caro unter Aufsicht seines langjährigen, aufopferungsvollen Arztes, Geheimrat Georg Klcmpcrcr, der bis zum letzten Augenblick an seinem Lager weilte, nach Zürich bringen lassen, wo er seinem Leiden crlcgcri ist. Nikodem - Caro war als jüngster von vier Söhnen eines deutschen Kaufmanns am 26. Mai 1871 in Lodz geboren. Nach Absolvicrunjr der dortigen Gewerbeschule kam er als Achtzehnjähriger auf die Technische Hochschule in Berlin, wo seine Lehrer alsbald seine Hervorragenden Fähigkeiten erkannten. Professor Adolf Frank, mit dem sein Name in der Geschichte der Wissenschaft untrennbar verbunden ist, richtete ihm an der Landwirtschaftlichen Hochschule ein Privatlaboratorium ein, wo die Grundlage für die S t i o k b to f f ge w i nnu n g aus der Luft durch Kalk geschaffen wurde. Nachdem er in Rostock zum Dr.-Ing. promoviert war, machte er auch eine ganze Reihe anderer praktisch bedeutsamer Erfindungen, u. a. auf dem Gebiet der Azctylcnbcleuchtung. Nie ist es bei Caro bei der bloßen Theorie gebhoben, er hat in allen Fällen seine Erfindungen in die Praxis umgesetzt und sich durch die Kombination von Wissenschaft und Praxis Beine außerordentliche Geltung im deutschen Wirtschaftsleben verschafft. Seine Hauptarbeit, die Kalkstickstoff-Fabrikation, die während des Krieges wesentlich zur wirtschaftlichen Stärkung des Deutschen Reiches beigetragen und die fehlenden natürlichen Schütze mit den Mitteln der Wissenschaft und denen der praktischen Industrie ergänzt hat, hat ihm größte Verdienste um Deutschland erworben. Bei Kriegsausbruch organisierte er die Bayerischen Stickstoffwcrkc bei Trostberg und die Werke in Piesteritz, aus denen er 1933 ausschied. . Von der Schweiz aus versucht* er im Interesse Deutschlands wirtschaftliche Vorbindungen anzuknüpfen, indem er Bich mit dem Plan trug, in Palästina und Rußland die Stickstoff-Fabrikation einzurichten. Es soll nicht vergessen werden, daß Nikodem Caro während des Krieges auf die Einnahmen aus den Stickstoffwerken zu Gunsten des Reiches verzichtet hat. Nikodem Coro, der zum Ehrendoktor mehrerer Universitäten ernannt wurde und den Aufsichtsräten der. bedeutendsten deutschen industriellen jfSVcrke und Handolauntcrnehmungen angehörte, hat über diese Tätigkeit nie sein Judentum vergessen. In aller Stille wirkte dieser Tjcschcidene und liebenswürdige Mann, der stolz war auf seine Abstammung aus einer altjüdischen Gelehrtenfamilie, der auch sein Bruder, der Berliner Frauenarzt Dr. Leo Caro, entstammt, im Sinne der jüdischen Nächstenliebe. Für dio sozialen und humanitären jüdischen Bestrebungen hatte er Btcts eine freudige Hand. Er unterstützte auch junge Studenten aller Bekenntnisse u,nd ließ sie auf seine Kosten studieren. So hat Nikodem C(iro nicht nur für die gesamte Öffentlichkeit, sondern auch für den Kreis der Jüdischen Gemeinschaft segensreich und wohltätig gewirkt. Sein Name wird nicht vergessen wordön. Jüdifdher Kulturbund in Breslau gegründet Breslau. Die seit einiger Zeit bestehende Absicht, den Jüdischen Kultur kreis in Breslau in einen Kulturbund umzuwandeln, ist verwirklicht worden. In einer Versammlung wurdo ein „Jüdischer Kulturbund Breslau" gegründet. Als Dachorganisation sorgt er insbesondere für eine planmäßige Zusammenfassung und Verteilung aller Veranstaltungen und für dio Durchführung eines einheitlichen Programms. Dem neuen Kulturbund haben sich der Jüdische Musikvorcin Breslau, der Museumsverein, trauenbund, C.-V. und RjF. korporativ angeschlossen. Eine enge Zusammenarbeit mit der Breslauer Synagogcngemeindc wird erstrebt.

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