Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 27 (3.7.1935)
- Date
- 1935-07-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Es wird gemeldet: ■ Im „Reichsanzeiger" werden weitere Widerruf« von Einbürgerungen mitgeteilt. Der badischo Minister des Innern hat sieben Widerrute ausgesprochen, der Regierungspräsident von Aachen einen. , * ■ Die Gemeindeverwaltung des Oatsccbadca Hcringsdorf hat folgenden einstimmigen Beschluß gefaßt: „Juden sind im Seebad Hcringsdorf unerwünscht." ■ Die Hamburger Tagcsprcsse hob die Rettungstat des 25jährigen Johne T u n e s hervor, der untor Lebensgefahr einen Mann, der sich beim Baden in Tanggewächsen verstrickt hatte, ~ vomTodcdesErtrinkenscrrcttct hat. Tuncs ist Jude. * ■ Wie in der Deutschen Postzeitung mitgeteilt wird, wurden bei der Reichspost vom Gesetz zur Wiederherstellung dcB Berufsbeamtentums 9939 (4,52o/o) Beamte, 130 (l,50/0) Angestellte und ~2ViB (3,3o/0) Arbeiter erfaßt. In welchem Ausmaß nichtarische Abstammung hierbei maßgebend war, wird in der Wiedergabe des „Berliner Tageblatt" nicht angeführt. * ■ In Faikcnbcrg bei Halle wurde ein jüdischer W a - renhausbesitzer in Schutzhaft genommen. Er hatte einem seiner Angestellten, einem SA-Mann, der sich zur Wehrmacht gemeldet hatte und durch den SA-Führer zu einer ärztlichen Untersuchung bestellt war, den Urlaub verweigert und weiter erklärt, daß er nicht daran denke, den Posten des Angestellten, wenn dieser zur Wehrmacht käme, für ihn freizuhalten. Angesichts der Erregung, die sich in der Bevölkerung zeigte, wurde dann Schutzhaft angeordnet. . * . 0 Auf dem zweiten Apothekertag, der in Breslau stattfand, hielt Ministerialrat Dr. Stähle (Stuttgart) einen Vortrag über „Rassenpflcgc im Alltag des Apothekers", in dem er ausführte, daß der Apotheker in Zukunft Arier sein müsse, ein Anders rassiger werde k eine Konzession mehr bekommen, bis alle Apotheken in deutschen Händen seien. « ■ In dem bei Mannheim gelegenen Rheinbad H erweck kam es zu Kundgebungen gegen jüdische Besucher dcB Bades. Einer von ihnen wurde von der Polizei verhaftet. Spater wurden am Eingang des Bades Schilder mit der Aufschrift „Juden sind hier unerwünscht" angebracht. * ■ Wie die in Glogau erscheinende „Nordschlcsischc Tageszeitung" mitteilt, werden die in Betracht kommenden Unternehmungen in den nächsten Tagen aufgefordert, sich das neue Kennzeichen für deutsche Geschäfte zu besorgen. Das Kennzeichen erhalten nur die von der Partei anerkannten arischen Geschäfte, die Ärzte, Rechtsanwälte, Zahnärzte, Dentisten, Kauflcute und Handwerker, die in der DAF organisiert sind. * ■ Max Reinhardt hat dieser Tage die Ehe mit der Schauspielerin Helene Thimig geschlossen, nachdem seine Scheidung von Else Heims verkündet worden war. * ■ Im Alter von 67 Jahren ist in Warschau der polnischjüdische HisWrikcr Simon Askenazy gestorben. Professor Askcnazy, der dem assimilatorischen Flügel der polnischen Judcnheit angehorte, war eine der größten Autoritäten auf dem Gebiet der Napolconischen Geschichte. * B Aus dem soeben veröffentlichten Bericht des Verbandes der Synagogenge mein den Amerikas ist zu ersehen, doß die Zahl der Synagogengemeinden in den Vereinigten Staaten und Kanada zurzeit 286 beträgt. Seit dem 1. Januar 1935 wurden sechs neue Synagogcngcmcindcn gegründet. ■ Der kürzlich verstorbene Chicagoer jüdische Rechtsanwalt Henry Wolf hat eine Million Dollar zur Errichtung eines jüdischen Krankenhauses in Chicago hinterlassen. * B Nach einer Meldung ans Moskau hat der „Apikoircs", die einzige antireligiöse jüdische Zeitung Sowjetrußlands aus Mangel an Lesern ihr Erscheinen eingestellt, ein Beweis dafür, daß die russischen Juden die von den Sowjets betriebene Gottloscnbcwcgung ablehnen. ■ Die judenfeindlichen Ausschreitungen, die vor kurzem in G r o d n o stattfanden, haben ein zweites Todesopfer gefordert. Nach dem Sohn des Chorleiters der Grodnoer Synagoge ist der 50jährige Gcdalja Blcclicr im jüdischen Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. * B . Ein bekannter Warschauer Bildhauer hat soeben den Entwurf eines Hcldendenkmals fertiggestellt, tlas auf Veranlassung der Warschauer Jüdischen Gemeinde zum Andenken an die 247 jüdischen Soldaten, die bei der Verteidigung Warschaus gegen den Angriff der Bolschewiken im polnisch-russischen Krieg des Jahres 1920 gefallen sind, errichtet werden soll. Das Denkmal wird im Vorhof des Warschauer jüdischen Friedhofs aufgestellt worden. Vcpfanunlungspaufe im Juli Für olle jüdischen Organisationen und Vereine Auf Wunsch der Staatspolizcistcllo Berlin wird im Gcmeindcblatt der Berliner Jüdischen Gemeinde folgende Bekanntmachung an alle jüdischen Organisationen und Vereine veröffentlicht: In Anbetracht der allgemeinen Urlaubszeit im Monat Juli wird erwartot, daß in diesem Monat keinerlei Versammlungen, Sitzungen, Heimabende usw. stattfinden. Ausgenommen sind Spiel und Sport im Freien. Sollte es sich, wie wir bemerken, aus besonderen Gründen erweisen, daß Sitzungen nicht aufschiebbar sind, so iBt dies dem Gcmeindevorstando rechtzeitig vorher onzuezigen. Demzufolge bleiben alle Jugendheime im Monat Juli geschlossen. Ein Kölner Verfuchsballon Bericht für die ^Jüdische Allgemeine" Köln. Die Meldungen in verschiedenen jüdischen Blättern, die von einer Einigung der Parteien in Köln über dio neue Zusammensetzung des Gemeindevorstandes sprachen, eilen nicht nur den Tatsachen weit voraus, sie sind vielmehr als ein Versuchsballon zu bezeichnen, den man unverantwortlichcrwcisc hat aufsteigen lassen. Dem auch nur oberflächlich Eingeweihten mußte eine solche Falschmeldung sofort auffallen. Ein derartiges Ergebnis' der Verhandlungen war schon deshalb nicht möglich, weil die Unterhändler der liberalen Seite zu einer solchen Proportion, bei der den Zionistcn 50 Prozent der Sitze zugefallen wären, von der Fraktion gar nicht ermächtigt waren, ein Abschluß der Verhandlungen aber ohne nochmaliges Anhören der Fraktion gleichfalls' deren Befugnisse überschritten hätte. Es ist klar, daß diejenigen, die derartige Meldungen verbreiten, der Sache bestimmt nicht dienen. Anscheinend ist dabei allzu sehr der Wunsch der, Vater des Gedankens gewesen. Aus dem gleichen Grund ist auch dio später ausgegebene JTA-Mcldung zu bedauern, weil sie wiederum den Eindruck erwecken muß, ab ob Mos Ergebnis der Verhandlungen auf der gleichen Basis läge. Demgegenüber ist festzustellen, daß bis jetzt noch gar kein Ergebnis.vor au »zusehen ist. Die Liberalen hoben lediglich ihro Bereitwilligkeit zu Verhandlungen bekundet, die eine Stärkcrc fachliche Heranziehung der Volkspartei berücksichtigen soll. Bei den Verhandlungen ist auch die Konservative Fraktion boteiligt. Es muß ausgesprochen werden, daß gerade in unserer Zeit doch alles vermieden worden müßte, was nach Parteikampf, Taktik und Überrumpelung aussioht. Das müßte die Gegensätze vertiefen, statt dio gemeinsame Linie zu finden, nämlieh den frieden in, der Gemeinde zu wahren. Das aber war doch der Sinn der Verhandlungsbereitschaft der Liberalen. eigentlichen religiösen Leben zu dienen, sondern allen jüdischen Veranstaltungen geistiger Art einen ihnen angemessenen Rahmen zu bieten, wie er seitens der Gemeinde bisher nicht vorhanden war, wie er aber infolge immer geringer werdender Bchelfsmöglichkcitcn heute in Dresden dringend erforderlich ist. Richard Elb. Erweiterungsbau der Dresdener Synagoge Bericht für die „Jü dis che All gern ei n e" Dresden. In diesem Plane, der schon in Kürze in Angriff genommen und bis. zu den hohen Feiertagen vollendet sein soll, Bändelt es sich um einen der für die Allgemeinheit bedeutsamsten Beschlüsse des Dresdenor Gemeinderates seit langer Zeit. Schon vor dem Kriege stand es fest, daß der alte, vor fast 100 Jahren geschaffene. Semper'- Bau in vielem verbesserungsbedürftig sei, leider konnte es aber zu diesem großzügig geplanten Umbau nicht kommen, weil der von tatkräftiger Leitung für den Zweck gesammelte Fonds inzwischen zusammengeschmolzen war. Jetzt will man sich' nun mit einem kleineren Umbau begnügen, wobei ausdrücklich festgelegt wurde, doß die Baukosten nur aus dem bestehenden Fonds genommen, dio dafür vorhandenen Mittel also nicht überschritten werden dürfen. „ Die Umänderung betrifft . vor. allem den besonders für Trauungen und Jugendgottesdienste in Betracht kommenden Vortompel, die sog. Winterschule, die so gestaltet werden soll, daß sie einerseits auch im Winter für dio gewöhnlichen Gottesdienste anstelle der Hauptaynagogo Verwendung finden kann, daß aber anderseits durch Vereinigung mit diesor an den Hohen Festen nauni für 180 Männer- und 80 .Fi-auenplätze. mehr geschaffen wird; natürlich wird auch den,- Belangen des Chors., allerdings unter Beschränkung, auf Harrnoniumbe.gleitung, in dem heuen kleinen,.Synagogenraum Rechnung getragen. ...... .■• Ein schönes, ein'.für lunitigo Verhältnisse großes Werk ist somit in. Dresden im Gange,, dazu bestimmt,]'..nicht nur dem Schießens Provinzgemeinden tagten Bericht für die „Jüdische Allgemeine" Breslau. Die letzte Hauptversammlung dcB Provinzialvcrbnntlcß der Synagogengemeinden Niederftchlcßicns, die unter dem Vorßitz von Dr. Guttmann stattfand, war au» allen Klein gemeinden erfreulich gut beschickt. Zwei Rcfcrnto „Aus der Werdezeit der Jüdischen Gemeinde" (Gcm.-Rabb. Dr. Vogclstcin) und „Die Pflichten einer jüdischen Gemeinde in der Zeit des Maimonides" (Gcm.-Rabb. Dr. Hoffmann) eröffneten die Tagung. Rechtsanwalt Scheycr, Licfmitz, und Herr Scidcnbcrg stellten den Antrag, beim Preußischen Landesverband dahingehend vorstellig zu werden, daß dieser seine hohen Ausgaben einschränkt, weil die Mittel- und Kl ein gemeinden nicht imstande seien, die hohen Beitrage aufzubringen. R.A. Friedmann, Glogau, kritisierte ebenfalls die Finanzwirtschaft des Landesverbandes, und ein Antrag Philipp Lachs, Breslau, ging dahin, engere Verbindung zwischen Landesverband und Gemeinden durch Entsendung eines Vertreters zu den Hauptversammlungen der Provinzialvcrbündc zu schaffen. Dr. Lux sali die Ursachen der hohen Unkosten des Landesverbondcs im Nebeneinanderbestehen zweier Spitzcnorganisationcii wie der des Preußischen Landesverbandes und der Rcichsvcrtrctung. Unter der Voraussetzung, daß bisher vom Landesverband besonders betreute Gebiete, wie die Unterstützung der Bczirksrabbinatc nicht leiden dürften, wünschte er Zusammenlegung der Reiehavcrtrctung und des Landesverbandes. Im weiteren Verlauf der Debatte wurden wieluigc Kurzreferate über Arbeitsgebiete der Gemeinde erstattet. Aus der Tätigkeit der Beratungsstelle ist hervorzuheben, daß in 350 Fallen bei der Einrichtung kleiner Existenzen entscheidend mitgeholfen wurde. Zusammen mit der Frfinkelschcn Stiftung wurden in 220 Füllen Darlehen gewährt. Mit dem Palüatina-Amt zusammen wurden 250 Auswanderer beraten. Die Stelle hat ferner eine große Bezuschustrung und Transfcricrung von Studiengcldcrn nach dem Ausland in ihr Gebiet aufgenommen. Sie vcranloßte Sprachkurse, Handwerker- und hauswirtschoftlicho Kurse und widmete sich eingehend der Rentnerfüraorge. Bürodircktor Glaser sprach über die Tätigkeit des Wohlfahrtsamtes, wahrend Dr. Hirschfcld über die des jüdischen Arbeitsnachweises referierte. 1934 seien 40 Prozent mehr Menschen untergebracht worden als 1933, wahrend im laufenden Jahr die Situation wieder schlechter geworden sei. Mangel bestehe wie allerorten an Hausangestellten, Spezialisten und Lehrstellen. Der Redner regte an, daß in den Provinzgemeinden Vertreter für die Interessen des Arbeitsnachweises eingesetzt werden möchten. R. Ti, Religiös-liberale Arbeit in Mannheim Bericht für die „Jüdische Allgemeine" Mannheim. Die hiesige Jüdische religiös-liberale Vereinigung hielt im großen Saal der Lamey-Logc ihre Generalversammlung ab. Aus dem Jahresbericht, den ihr verdienter Vorsitzender, Prof. Dr. Billigheimor, erstattete, ging hervor, daß der Höhepunkt der Veranstaltungen des Jahres der Vortrag Heinrich Stcrns-Berlin war. Für die künftige Arbeit der religiös-liberalen Vereinigung stellte Prof. Billighcimer mehrere wegweisende Grundsätze auf. „Der jüdisch-religiöse Liberalismus", heißt es darin, „bewahrt eine uneingeschränkte Hochschätzung des Aufbauwerkes in Ercz Israel und findet seine besondere Einsatzbereitschaft für die Förderung des dortigen religiösen Aufbaues. Hierbei soll Bcino Mitarbeit am Aufbau des jüdischc-i Lebens in den übrigen Ländern der Welt nicht für minderwertiger erachtet werden, weil der rcligiöso Liberalismus ühorall, wo Juden leben, für diese die Pflicht erkennt, die Betätigung ' des Judentums auf dem Boden seiner hohen sittlich religiösen Forderungen zu fördern." Die Grundsatze sollen das Gerüst für eine Verbreiterung und Erneuerung der hiesigen Organisation bilden. Zu den Synodalwahlcn referierte Dr. Hans Götzl. Im Hinblick aut dio liberale Struktur der hiesigen Gemeinde kam man zu der Einigung, daß von den 8 Mannern, die Mannheim zur Synode entsendet, vier Liberalo, 2 Zionistcn und 2 Orthodoxe sind. Gleichfalls mit Bezug auf die Synodalwahlen referierte dann Justizrat Dr. Appel in sehr instruktiver Weise über die Synode und ihro Aufgaben. Aus dem Bericht des Rechners Ludwig Oppenheim ging hervor, daß Bich die Einnahmen und Ausgaben mit 865 HM ausgleichen. Der Jahresbeitrag pro Mitglied wufde auf Antrag des Rechners widerspruchslos von 2 RM auf 5 RM erhöht. Synagogenrat Stiefel berichtete dann Über dio Beziehungen zu Berlin und dankte dem Vorsitzenden für seine hingebende, beispielhafte Tätigkeit und schlug seine Wiederwahl vor, die unter lebhaftem Beifall einstimmig erfolgte. Ebenso wurde auch der gesamte Ausschuß wiedergewählt. —nn. Kassel. Viele, die sich noch des Künstlerchepaarcs Sigmund W e 111 i n g c r—Therese P o 11 a c k entsinnen, werden gewiß pei-n mit nachträglichen Segenswünschen zur goldenen Hochzeit bei ihm sein. Der Tag wurde zwar im engsten Kreise in der Slille, begangen, von den Freunden und Verehrern des Jubelpaares aber doch zu einem Fest der Liebe gestaltet. Weltlinger war 19 Jahre als Heldentenor in Kassel tätig. In Hamburg unter Pollini lernte er seine Kollegin, dio als: ein aufgehender Stern der Berliner Hofoper begann, kennen und lieben, und der damalige Rabbiner Leimdörfer, der Vater der Berliner Altistin Agnes Lenbach, gab dem Bunde unter größter Anteilnahme des theaterfreudigen Publikums die Weihe. Beide Künstler haben bis vor kurzem noch als Gesangspädagogen gewirkt, Weltlinger hat eich nach seinem Abgang von der. Bühne auch als GemeindcAltcster betätigt, per musikalische Blutstrom Beider lcht fort iu ihren Kindern, und da insbesondere eine Enkelin Musik studiert, wäre es die schönste Krönung des von zwei Strömen gespeisten Künstlerlcberis, Bich noch lange dieses Erbes an ^Müsilc im Blut" bei der jungen Generation zu erfreuen. './' ' Nicodem Caro geftorben Wie wir bei Redaktionsschluß erfahren, ist in Zürich der berühmte Chemiker Professor Nicodem Caro gestorben. Caro, der im Jahre 1871 in Lodz geboren war, ist dadurch in der ganzen Welt bekannt geworden, daß er während des Krieges zusammen mit Adolf Frank Kalkstickstoff aus der Luft erzeugte. Nicodem Caro, der mehrfacher Ehrendoktor war, leitete lange Jahre hindurch dio Bayerischen Stickstoffwerke. Beifetzung der Witwe Edmond de Rothfchilds Poris. Im Alter von 82 Jahren ist in Paris Baronin Adelheid de Rothschild, die Witwe des Barons Edmond de Kothscliild, gestorben. Die Beisetzung hat unter außerordentlich starker Beteiligung der Pariser Öffentlichkeit auf dem Pcro Lachaiso stattgefunden. Dbb Leichenbegängnis wirkte trotz betonter Schlichtheit 6chr eindrucksvoll. Alle jüdischen und nichtjüdischen Woblfahrtsgcsellschaften hatten Abordnungen entsandt. Auch dio Regierung und dio wissenschaftlichen Institutionen waren vertreten. Die Trauerzeremonie wurdo von dem Pariser Oberrabbiner Julien Weil und dem Direktor des Rabbinerseminars,' Rabbiner Liber, geleitet. Unmittelbar nach dem Sarg schritten die Söhne der Verstorbenen, Baron James Edmond Armand und Baron Moritz Edmund Karl Rothschild. Ihnen folgten die Mitglieder des Konsistoriums der' französischen Juden und des Vorstands der Alliance Israelit© Universolle. Baronin Adelheid von Rothschild war am 19. August 1853 in Frankfurt a. M. als Tochter des talmudgelehrten Freiherrn Wilhelm Karl von Rothschild geboren, der ebenfalls ein außerordentlich großzügiger Philanthrop war. Die Eho mit Baron Edmond de Rothschild hatte Baronin Adelheid am 24. Oktober 1877 geschlossen. Nachprüfung der Belitzverhültnifle bei Wertheim Das Deutsche Nachrichtenbüro ' verbreitet eine Mitteilung, wonach im Benehmen mit dem Beauftragten für Wirtschaftafragen des Stellvertreters des Führers erneute eingebende Fest-' Stellungen hinsichtlich der Besitzvcrhältnisse der Firmen Wertheim A.-G. für Handelsbeteiligung, A. Wertheim, G.m.b.H., Wertheim Grundstücksgesellschaft getroffen werden. Bis zum Abschluß diesor Feststellungen sollen Propagondamaßnahmcn gegen die genannten Gesellschaften unter Hinweis auf die nichtarische Eigenschaft der Wertheim-Firmen unterbleiben. Erntehilfe für Jaden verweigert Nürnberg.. Die „Fränkische Tageszeitung" meldet: ,,Wieuns aus Rückingen mitgeteilt wird, lehnen es die . lahdwirtschaftfichon Arbeiter des dortigen Bezirks' ab, denansässigen Juden bei der Einbrin/gung ihrer rleiiornte behilflich zu sein. Dio an schwere körperliche' Arbeit nicht gewöhnten Vichiudcn müssen nun wohl..oder, übel einmal Rechen und Gabel -in die Hand nehmen und boi- 35 Grad im Schatten lernen, was .arbeiten, heißt, Ob sie nicht vorziehen, in ein anderes „gelobtes Land" zu wandeln'?" , , .,, "