Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 27 (3.7.1935)
- Date
- 1935-07-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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V ""-V -spazieren und sah Sie hoch Ober mir den steilen Pfad eines hohen Berges Mhonklimmcn ( nach einiger Zeit mußte ich, vom Licht geblendet, die Augen schließen. Als ich sie wieder Öffnete, fand ich Sie nach längerem Suchen auf einer ganz.anderen Stello des Berges, einen noch höher gelegenen Pfad ersteigend. Wieder schloß ich die Augen, wieder öffnete ich sie, fand Sie nicht und erblickte Sic wieder an einer ganz anderen Seite aufstrebend. Das wiederholte sich immer wieder. Ich habe diesen Traum wirklich gerrBumt, und ich glaube* wer Sie vorsteht, ,wird seine Symbolik anerkennen und sagen, es'war oin Wahrtraum." Wio olle fruchtbar polaren Menschen, war er unendlich gespannt: er spannte seine „Intensität1* — Intensität heißt Spannung — zwischen diesen mannigfach gepaarten Polen. Einmal schreibt er an Bruno Walter Ober die Gesichte, die ihn beim Dirigieren seiner Werke heimsuchen: „Es kristallisiert sich eine brennend schmerzliche Empfindung: was, ist das ,für, eine Welt, welche solche Klange und.Gestalten als Widerbild auswirft! . ... Dieso merkwürdigo Realität der Gesichte, die sofort zu einem Schemen auseinanderfließt, wie .die ^Erlebnisse eines. Traumes, iBt die tiefste Ursache-zu dem Konfliktleben .eines''Künstlers, Er ist ZW einem Doppelleben verurteilt und wehe, wenn ihm. Leben und Trätuncn einmal zusammenfließt;— so daß .er die. Gesetze der;eirien.4 Welt in der anderen - schauerlich .büßen"; muß." Und, höchst charakteristisch, wie es nach dieser .visionären Beichte plötz- .lich ohne Übergang weiter geht: „Bitte, eben füllt es mir ein, und ich Amterbreche alles, um es rächt zu vergessen. Schicken Sic mir aus .„Pique Dame" den Ubergong zur Transposition..; Slezaks <— auch hjsi wohin sie dauert -r Ich. böH die Oper, nämlich im Metro- ■r... ■■!.},*>.<•:, -.'.v; .....;K»> '■>!■-■■■•'Mii'Vl.-V- ..'i' '•■ politan dirigieren, und sie zahlen ein solches Geld dafür, daß ich wahrscheinlich nicht, widerstehen werde." Dieser GcgcnBOtz zwischen don Welten, zwischen Leben und Träumen, Erde und Jenseits, war eine der stärksten, wohl dio entscheidende Polarität in Mahler. Er liebte dio Erde, mit Leidenschaft umfing er die Natur; er gestaltete sie in den Symphonien: vom Balkon seiner Steinbacher Wohnung wies er Bruno Waltor den Attersee, die Bcrp Er ist asketisch, doch er War es nicht. Die Musik aber brauchte er als seine Oberirdische Sprache, gleichsam ab metaphysisches Idiom:, er schätzte, die Gediegenheit und Sorgfalt der Arbeit im höchsten Maße, aber die eigentliche Wirkung des Kunstwerks ging ihm „von dem Geheimnisvollen, Inkoinensorablcn aus." Er formuliert einmal: „Ich sehe immer mehr, man komponiert nicht,, man. wird komponiert." Und so sagte er zu der Geigerin Natalie Bauer-LecHner, die ihm lange Jahre freundschaft-r lieh nahe stand, auf. einem österreichischen- Berge: „Die Musik muß immer ein Sehnen enthalten, ein Söhnen Ober -die Dinge .dieser Welt hinaus/' Dio .ergreifendste Stolle seines, singenden symphonischen Gesanges,', des „Lieds von der Erde", ist jene, wo der )Mensch von der IJrde Abschied nimmt:. Wohl war Mahier durchaus .auf der Erde zuhause,, aber seine. Seele siedelte am Rande zwischen. Erde und Jenseits. Und'so gab «r Specht, als ihn. dieser nach seinem religiösen Bekenntnis befragte, die höchst, bedeutsame Antwort: „Ich bin Musiker, darin ist alles andere entholten.'' Beim Sdiammes von Kai-föng -fii ..'*".> i ■• - ..£» ■ ■ t- - ■■ Litt und Korallenblüte feiern Freitagabend — Tora mit hebräifchen Schriftzeichen — Warum die Synagoge verkauft werden mußte Wie eine gläserne Küppcl wölbt sich der stahlblaue Himmel Ober der chinesischen Provinzstadt Kai-fflng-fu, Metropole der ostchinesischen Landschaft Honan. Die Europäerin ist von Shanghai hierher gekommen, um eine der zahlreichen Glasbläsereien zu besuchen, die es im Umkreise der . Universitätsstadt Kai-fönp-fu gibt. Ihre Bekanntschaft zu machen lohnt sich ebenso, wie der Spaziergang durch die gepflegte Allee von „Buddhahandzitronen", deren reife Früchte wie Gold in der Sonne glänzen. Sie sind besonders dünnschalig und saftreich. Eine alte Legende berichtet, daß sie von Buddhos eigener Hand "gepflockt wurden, um seinen brennenden Durst zu löschen. In leuchtend roter Pracht funkeln, dio Mohnfelder, ihrer feurigen Schönheit sieht man nicht an, daß der klebrige Saft, der aus den reifen Mohnkapseln gewonnen wird, unzählige Menschenleben vernichtet hat. Kai-föng-fus Umgebung ist reich an solchen, das Auge blendenden Mohnblütenfeldern und sendet eine stattliche Menge von Opium in die Welt. Chinesische Bauern mit ihren weiten Strohmänteln und ihren riesigen, igelförmigen Hüten aus dem gleichen Material waten in den triefenden Reisfeldern. Die zweite Ernte steht vor der Tür. Langsam dreht man dem phantastisch schönen Bilde den Rücken, um in die Stadt, die etwa 200000 Einwohner bat, zurückzukehren. Der „Tao-toi", der Beamte, dem die Salz- und Getreideangelegenheiten der Provinz Honan unterstellt sind, darf nicht warten. Bereitwillig hat er einem Interview zugestimmt, und dann soll die Glasbläserei an die Reihe kommen. — ■ Vor der> Universität," einem in europäischem Stil' errichteten Gebäude, stehen Gruppen westlich gekleideter Studentinnen und Studenten. Auch eine Reihe konservativ denkender Zopfträger in chinesischer Tracht befindet sich dabei, aber sie ist stark in der Minderheit und kaum beachtet. Der amerikanische Freund,-der sich vor dem Regierungspalast, in dem. auch der Tao-toi seinen Sitz hat, verabschiedet, sagt scherzhaft: „Also auf zum Interview, und viel Massel und Broche!" Da drängt sich ein eisgrauer Chinese in der Kleidung des Landes, langbezopft, an uns heran. Etwas wie Freude bebt in seiner Stimme, ols er uns englisch "anspricht: „Massel and Bloche?" (Das R, das kein einfacher Chinese sprechen kann, wandelt er in L um.) ),You are Jews?" Größeres Erstaunen läßt sich nicht vorstellen, als diese Worte in dem amerikanischen Juden und seiner deutschen GlaubenB- Senossin auslösen. Die Unterredung mit dem Regierungsbeamten, er in echt chinesischer Höflichkeit allein die' Empfangs- und Abschiedszeremonie zu ' einer langatmigen Angelegenheit ausdehnen möchte, wird vorschnell beendet. Denn wir sollen den ehrwürdigen Liu, den letzten Schammes der Synagoge von Kaiföng-fu, aufsuchen, um von ihm Näheres über die beiden ölten jüdischen Gemeinden in China zu hören, und das' ist natürlich ungeheuer verlockend. Das erste, was uns in seinem blitzsauberen Häuschen auffällt, sind die. Mesusot an den verschiebbaren Zimmer-Türen, dos zweite: die schweren silbernen Sabbatleüchter und der achtarmige Chanukkoleuchter, die. in einem gläsernen Schrank stehen. Die Seitenteile dieses Schrankes sind kostbarer Rotlack, und die Tora, die der Schammes ebenfalls aufbewahrt,, steckt in einem Uberzug aus. köstlichem, schwerbesticktem Brokat. Audi der Tefillinbeutel Lius besteht aus dem gleichen kostbaren Material. Ehrfürchtig führt der alte Mann die Gebeteriemen an die Lippen, als er «e uns zeigt. Sodann bittet er, am Freitagabend Bein und seiner Frau, die den poetischen Namen „K o r a 11 e n b I 01 e" führt, Gast zu sein. An diesem Abend brennen auf dem Tisch des chinesischen Schammes die silbernen Sabbatleuchter, es gibt Huhn, mit Reis, „Tigerknochenwein", mindestens zwanzig andere, winzige Gerichte und ein süßes Gebäck,, das . jnifB . Haar in der Form unserejin Barches gleicht.;,Korallenblüto", eine hohe Sechzigerin, wacht darüber, daß wir zulangen, und betet leise die Worte des Segensspruches, der Beracha, mit, dio ihr Mann über Speisen und Getränke spricht. Noch dem Tee verschwindet sie,: und wir erfahren, in etwas mühseliger Verständigung, endlich die Geschichte der Gemeinde von Koi-föng-fu. „Die ersten Juden sind während der Hon-Dynostie, etwa um. 947 aus Persien in das Reich der Mitte eingewandert", berichtot der Alte, der sich sehr, gewählt auszudrücken versteht. „Bald gründeten sie hier eine Gemeinde und förderten ungemein den Handel mit dem Westen. Die erste Synagoge, von der wir durch Protokolle wissen, wurde damals errichtet. Ich kann Ihnen auch den Denkstein zeigen, der von der Errichtung des zweiten Tempels, zwischen 1163 und 1165 spricht. Damals kannten alle Gemeindemitglieder noch hebräisch, aber unsere heilige- Sprache haben wir im Laufe der Zeiten fast alle vergessen, ebenso wie gowisse Sitten und, Bräuche des religiösen Lebens. Als die Synagoge 1488 neu errichtet , wurde, zählte die Gemeinde viele Hunderte von Mitgliedern. Sehen Sie —" — er holte die Tora herbei, küßte sie hebevoll und hob aie an die Stirn, ehe er fort- . fuhr: „Dieses älteste unserer Heiligtümer weist noch hebräische Schriftzeichen auf. Wir haben indessen auch Torarollen und - Gebetbücher mit chinesischenSohriftzeichen. Unser „Rebbe1.' — er sagte: „Lebbe" — wollte. wenigstens bei den Bannizwohknahen die Sprache unserer Väter wieder für den Gottesdienst einführen. Aber der hochehrwürdige GreiB war nicht mehr stark genug für' die neue Zeit, und die Jugend wollte anders wie er. Schließlich wurde unsere Gemeinde kleiner und kleiner. Alles zog in die großen Städte, nach Shanghai und .'Peking, nach Kanton und Hongkong." So kam es, daß wir 1913 un»cm Synagoge verkaufen mußten; sie kam in die Hände der Anglikanischen Missionl" Tranen glänzten in den Augen des alten Chinesen, als er fortfuhr: „Als in der Stadt bekannt wurde, daß der Tempel verkauft werden sollte, wurden uns von allen Seiten, ohne Rücksicht auf das eigene Bekenntnis, Geldsummen zur Verfügung gestellt, um das Gotteshaus zu erhalten. Aber uns paar Juden konnte die große Synagoge nichts nützen; denn sie hätte doch auf jeden Fall unterhalten werden müssen, und dazu waren wir zu wenige geworden. Aber den alten Judenfriedhof kann ich Ihnen noch heute zeigen, Sie sehen daran am besten, wie stattlich unsere Gemeinde in ihrer Blütezeit gewesen ist. „Und wie halten Sie es jetzt mit dem Gottesdienst an den Feiertagen?" wollte der Amerikaner' von Liu noch wissen. „Es gibt hier einen Gebetssaal," antwortete der Schammes, „wo wir uns versammeln. Aus früheren Jahren wird erzählt, daß' die Einwohner Kai-föng-fus die jüdischen Feiertage mit begingen, weil die Gemeinde so wohltätig und so bedacht auf das Wohl der Stadt war. Übrigens gibt es eine zweite uralte, jüdische Gemeinde auch noch in Kansu. Ihre Mitglieder sollen gleichfalls im 9. Jahrhundert dort eingewandert sein." Silberner Mondschein lag über Kai-föng-fu, 'als uns der chinesische Schorame3,,_dcher. eine. Seltenheit, unter Beinen. Rerufskameroden, zu' der ehemaligen Synagoge führte. Sie zeigt noch heute ihre frühere Bestimmung, und ist halb in chinesischem, halb in arabischem Stil errichtet. Ihr Dach, mit den lasierten, glänzenden Ziegeln der fernöstlichen Bauwerke bedeckt, schimmertegespenstisch im flimmernden Schein des nächtlichen Gestirns, und ehrfürchtig: murmelte der Schammes, an dem Gebäude emporsehend, den eisten Vers des Sch'ma-Gebetes ... Karin Lund. Max Pategg 80 Jahre alt Mas Pategg, dessen Name mit der Geschichte des S c h i 1 - lertheaters in Berlin eng verknüpft ist, ist dieser Tage in die Reihe der Achtziger eingetreten. Pategg, der aus dem Städtchen Brandeis in Böhmen stammt, ist von der, technischen Laufbahn, für die er sich auf den Hochschulen in Prag und Wien vorbereitet hatte, ins Rampenlicht hinübergewechselt. Bei den FeBtvorstellungen der Wiener Hochschulen in den Jahren 1876 und 1877 trat er zusammen mit Otto Sommerstorff und dem kürzlich verstorbenen Max Pohl als Schweizer in den „Räubern" und ols Stauffacher in „Wilhelm Teil" auf, und das erfolgreiche Debüt truir die Schuld, daß er zur Bühne ging. Nach Wanderjahren, die ihn auch nach Amerika und Rußland führten, wurde er 1888 von L'Arronge an das Deutsche Theater in Berlin geholt. Sein Nothan, Lear, Wallenstein waren anerkannte Leistungen; auch als Anzengruberspieler hatte er große Erfolge. Wenige Jahre später wurde er von dem Begründer und Leiter des Schillertheaters, Dr. Raphael Löwenfeld, verpflichtet und setzte sich als „Heldenvater", wofür ihn Organ und Erscheinung prädestinierten, in die Gunst des Publikums dieser volkstümlichen Bühne. Als Löwcnfeld im Jahre 1910, ein Sechsundfünf zigjähriger, aus dem Leben schied, trat, als erwählter Nachfolger, Max Pategg das schöne Erbe an. Er erhielt einen Vertrag, der ihn auch sicherte, ab das Schillertheater an den Staat verpachtet wurde. Erst mit dem Aufhören dieser Bühne im vergangenen Jahre beendete Pategg seine Tätigkeit ab Schauspieldirektor. Max Pategg hat sich auch stets für die Standesinteressen der Schauspieler eingesetzt. Anderthalb Jahrzehnte lang, stand er an. dcr Spitze, der Pensionsanstalt der BühnengenossenBchaft. Sein soziales Empfinden hat er i auch als Mitglied des Deutschen Bühnenvereins nie verleugnet. - 50 Jahre Bne Briss-Großloge für Deutschland. Dieser Tage waren 50 Jahre verstrichen, seit die zwölf Bne Briss-Logcn, die damals in Deutschland bestanden, zu einer Großloge zusammengefaßt wurden. 'Mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit wurde von er Veranstaltung einer Feier. anläßlich dieses Jubiläums Abstand genommen. Die Mitteilungen der Großloge für Deutschland sind zum 50Jahrigcn Jubiläum ab Doppclnummer erschienen. Sie enthält Beiträge von Leo Bocck,' Albert Lowkowitz, E.' Finkel, Max Frcudenthal, Paul Rosenfeld, Ludwig Holländer, Lotte Rodt und G. Löffler. . Neue Telephon-Nummer der jüdischen Zentralorganisationen. Die folgenden im Hause Berlin-Charlottcnbur^, Kantstraße 158, befindlichen Stellen haben jetzt eine {gemeinsame Telephon-. Zentrale unter der Sammelnummer Jl Bismarck 9141; Reichsvertretung der deutschen Juden, Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden, Zentralausschuß der deutschert Juden für Hilfe und Aufbau, Zcntralwohlfohrtsstelle der deutschen Juden, Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe, Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen, Hauptstelle für jüdische WanderfOrsorge, Jüdischer Frauenbund, 'Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände. — Die gleichfalb im Hause Kantstraße 158 untergebrachte Künatlorhilfe der Jüdischen Gemeinde ist unter Nummer J1 Bismarck 6023 zu erreichen.? di Philo/ophie derSomnwrfrifche Von FABIUS SCHACH Dio Uberschrift klingt ein wenig anspruchsvoll, aber — es gibt heute eino Philosophie von „Wenn auch", „Dennoch", „So wohl als auch", „Vielleicht doch", warum abonicht auch eine Philosophie der Sommerfrische? Sie wendet sich, wie alle Philosophie, an ein relativ kleines PubUcum. Denn es worden dieses Janf viol weniger jüdische Sommerfrischler sein. Wirtschaftliche und seelische Not 4ält gar viele zurück. Aber es gibt doch viele, für die die Ausspannung kein Luxus bt, die in der Sommerfrische nicht nur Erholung, Bondern auch seelische Zuflucht suchen. Und die Frage „wohin?" ist dieeses Mal.für den deutschen Juden besonders schwer., Daß kein Judo einen Ort aufsucht,- ah,dem Juden ausdrücklich oder angedeutet unerwünscht sind, das fordert das jüdische Selbstbewußtsein, der gerechte Stolz. Aber auch in den anderen Orten ist Zurückhaltung geboten'. ' _ Die Theorie, daß die Juden Völlig unter räch bleiben und in der Sommerfrische jeden Verkehrmit Nichtjuden meiden,,, ist kaum durchführbar. Wenn man sich von uns absondert, so wollen wir uns niemand aufdrängen. Es' gibt eine' Mitte zwischen Aufdringlichkeit und Schüchternheit, dos ist 'die -Wahrung der Wörde, ohne-Übermut» die Wahrung derDistajiz mit feinem Takt. Man hat Vorurteile gegen uns, um so mehr ist es unsorc Pflicht, alles zu vermeiden, was ihnen Nahrung und Berechtigung gibt. Man sieht in uns etwas Fremdes, ""um so mehr.' muß es unsere Aufgabe sein, uns'zu ieigen,' wie wir sind, Menschen" mit Schwächen und Tilgenden; ein Produkt' geschichtlicher und sozialer Erziehung. Der Jude ist der Prototyp des Aristotelbchen „Zoon politikob er ist vom Hause aus eine gesellige Natur, mit dem Bedürfnis zu. gehen und' zü nehmen, .und in' der_Sommerfrische, wo man 'sich natürlicher, schlichter gibt, kann man seine Natur am besten studieren. Und der Eindruck des Einzelnen" ist oft "maßgebend für das Bild, das man sich von der Gesamtheit'macht. Anschauung ist, Wie das Wort besägt, ein Schauen,-um daraus eine Uberzeugung zu gestalten. Es iBt meistens so, daß manche' zum Judenhaß gelangen, weil sie einen oder zwei unsympathische Juden kennen gelernt haben. Sie haben nicht die Möglichkeit zu unterscheiden, was zufällig'und was typisch bt. Sie beurteilen dos' Gewordene, ohne den .Werdeprozeß .zu kennen. Nirgends-wird so leicht aus dem Einzeihen ein Typus gemacht, wie heim Juden. Daher soll sich jeder Jude bewußt sein, daß er im öffentlichen wie im privaten Leben. eino höhere Verantwortung tifägt. . Vor ollem meide man jede politische Diskussion. Die Politik gehört nicht-in die Natur. Es ist nicht unehrlich, worin1 man die Tatsachen als gegeben anerkennt und die Vergangenheit ab gewesen ansieht. Man ist nicht unhöflich, wenn man auf politische Gespräche nicht eingeht.' Es gibt genug menschliche und geistige Fragen, die einen Einheitsboden für Kulturmenschen bilden können. Man lerne,, wenn es sein muß, einsam zu sein mit der Natur, ohne sich unglücklich zu fühlen. Man schwinge: sich zu der Kunst hinauf, sich selbst zu genügen, sich selbst seelisch zu beköstigen. Wir gehören das ganze Jahr häufig ollen, hur nicht uns selbst. Es kann nur von1 Vorteil sein, wenn' man in den Stunden der Sommerfrischo sich selber ganz angehört. Man lerne bescheiden sein, ohne zu klagen und zu tadeln. Je weniger Ansprüche wir stellen, desto größer ist die innere Zufriedenheit, desto oeringer der Abstand zwischen Wollen und Haben. Natur und Luxus sind unversöhnliche Gegensätze, wer frei sein will in der Natur, muß sich auch frei machen können vom Ballast angelernter und angewohnter Bequemlichkeiten, die in Wirklichkeit manchmal eine Lost bedeuten. Man streife alle Uberkultur ab, bleibe aber Kulturmensch. Grade uns Juden wirft man häufig mit Recht ungesunde Uberkultur vor, und doch sind wir durch Religion und Geschichte berufen, schlichte Menschlichkeit nicht nur zu predigen, sondern vorzuleben,7 d. h. Leben' und Denken" in Einklang miteinander zu bringen und in allem Maß zu halten.. Kultur bt eine Bereicherung der Natur, vor der Uberkultur flüchtet sich olle Natur, weil sie Unnatur ist. Man trage in der Sommerfrische seinen Gebt nicht zur <Schau, .prunke nicht mit seinem Witz, mache daraus kein grelles Schlief. Wo viel Inhalt bt, da bedarf es keiner schreienden Reklame.. Man lerne, die Menschen von ihrer' besten Seite zu nehmen. Die Lebensklugheit besteht darin, mit allen Menschen fertig zu werden, d. h. die richtige Art zu finden, wie, sie behandelt werden müssen. Man rege sich nicht auf über Anschauungen, dio den unsrigen widersprechen. Man bilde sich nicht ein; die Menschen zu bekehren, wo sie sich ändern, geschieht es mebtens durch neue Erlebnisse, selten durch unsere Beeinflussung. Prosclytcnmachcrei ist nicht nur in der Religion, sondern auch auf allen Gebtesgebicten eine unschöne Sache. Jeder gehe Beinen Weg zu Gott und zu seiner inneren Harmonie, wenn nur das Ziel richtig bt. Man vermeide es, aufzufallen, — im Guten wie im Bösen. Lieber wenig beachtet sein, als die mißtrauische Aufmerksamkeit aut sich zu lenken. Man sei gefällig, ohne Gegenleistung zu erwarten. Man gebe sich natürlich, aber nicht intim, behalte sein inneres Heiligtum für sich; dann wird es am wenigsten entweiht. Man halte sich nicht nur in Kleidung und Lebensäußerung, sondern auch in geistig-seelischen Dingen in -gewissen Grenzen. Man vergesse bei allem aber nicht, den jüdischen Menschen mitzunehmen, nicht sorgfältig versteckt, sondern ehrlich und offen. Man zeige den Juden, wie er bt, den Juden", der weder-mit seinem Judentum prunkt, noch sich dessen schämt, sondern es ab selbstverständlich und gegeben mit Würde trägt» wie.-sein. Menschentum. ^akxvj&/ Kreuzworträtsel -t >V V Waagerecht: 2. bibl. Gestalt, 5. ital. Maler, 6. König von Dasan, 8, MOnnemome, 9. Frau Von 11, 11. Stammvater, 12. Stadt in Gelderland, 14. Kanton, 15. Sohn Jakobs, 18. Präposition, 19. Schutzwall, 20. Verdi-Oper, 21. Gewicht, 3. 8. 13. Bruder Jakobs, 16. mittelalterliche Reichsstrafe, i7. Unkraut) 20. indische Kleinmünze. i- /