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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-07-03 · 27 (3.7.1935) · page 3

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
27 (3.7.1935)
Date
1935-07-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Beilage 3. Juli 1935 JÜDISCHE AUGEMEINE ZEITUNO DIE BIBEL ERZÄHLT im IFochenabfcImitt Kaurach von der Empörung Korachs und seines Anhangs gegen Mose und Ahroh. Die Unzufriedenen sprachen zu ihnen: „Ihr nehmt Euch zu viel heraus. Die" ganze Gemeinde ist heilig, und in ihrer Mitte ist Gott. Warum erbebt - Ihr Euch über die Gemeinde des •Ewigen?" Mose befahl ihnen, am nächsten Morgen ihre Räucherpfannen zu nehmen, Feuer hineinzulegen, Räucherwerk darauf zu ,tun und vor den Ewigen hinzutreten. „Derjenige, den Gott erwählen wird; ist heilig." Am nächsten Tage erschien Korach mit seinem Anhang am Eingang des S\tif tszeltes, Das ganze Volk hatte sich dort versammelt. Da öffnete sich die Erde und verschlang die Empörer. Ö In der Gestalt des Korach zeichnet die Tora den Typus eines ehrgeizigen und selbstsüchtigen Mannes, der unter dem Deckmantel volksfreundhcher Gesin<- nung seine persönlichen Pläne verfolgt. Die gewaltige Persönlichkeit Mosis weiß er nicht zu würdigen, er fühlt seine geistige und moralische Überlegenheit nicht. Daß er aber das Volk heilig nennt, dessen sittliche Schwächen so deutlich und unverkennbar hervortreten, ist bewußte Unredlichkeit. Er schmeichelt der Menge, um Mose zu verdrängen. Bezeichnend für Mose ist die Art, in der er die Empörung, aufnimmt. „Er fiel auf sein Angesicht. Trauer erfüllte ihn, die schmerzliche Enttäuschung über die Undankbarkeit seiner' Stammesgenossen, Die Entscheidung aber in dem, Kampf, der ihm aufgezwungen ist, überläßt er dem Ewigen. Er weiß, daß seir Herz rein ist. Nicht Ehre und Macht sucht er, wenn er dqs Amt des Führers für sich beansprucht, sondi es. ist ihm heilige Pflicht, sein Volk auf den rechten Weg zu leiten. Deshalb hält er auch mit strenger Mahnung und hartem Tadel nicht zurück. Selbstli und liebevoll führt er sein Volk. Das Problem der Führung hat in der Not unseres jüdischen Lebens besondere Bedeutung gewonnen. Den rechten Führer erkennt man daran, daß er nicht von Machtstreben und persönlichem Ehrgeiz getrieben ist, sondern selbstlos im Dienste der Gesamtheit wirkt. Von diesem Gesichtspunkt aus ist der Kampf der Par- ^,~^>tsien,- der jetzt innerhalb. der jüdischen Gemeinschaft von neuem entstanden ist, nicht tief genug zu beklagen. Nicht darauf kann es heute ankommen, welcher Partei die einzelnen Träger der Gemeindegewalt sich zurechnen, sondern in welcher Gesinnung sie ihr Amt verwalten, ob all das geschieht, was durch die realen Verhältnisse der Gemeinde geboten ist. Es ist jetzt nicht an der Zeit, seine eigene geistige . Überlegenheit zu betonen und damit das Recht auf Führung zu begründen. Was geschehen muß, um * das deutsche Judentum zu erhalten, ist für jeden erkennbar, gleichviel zu welcher Partei er sich zählt. Wer selbstlos der Gesamtheit dient, beweist damit am besten, daß er zur Leitung berechtigt ist. Lewkowitz-Berlin. Üifafye**?.: Pu;«nV.v/L< Am' vergangenen Freitagabend hat Rabbiner rrumpielies Dr Pr.6z nhetorik und Mimik waren gut. Weniger gut war der Besuch der Neuen Falfche Apologetik Ein leider notwendiges Wort zur Berliner Gemeindepolitik In Nr. 21, 2 ___________ i, und diese Berichte als „Rechenschaftsberichte*' angekündigt. Mit großer' Ausführlichkeit wurde dem Leser eine Einsicht in die gemeindepolitischen Grundlagen, in die Praxis des Kultus- und jchulwerkes, in die Leistungen des Wohlfahrtswesens und dor Jugendpflege, in den Aufgabenkreis der Wirtschaftshilfe, der Altersheime und Hospitale und last not least in die Gesundheitaverwaltung und Finahzgebarung gewahrt. Wer diese nichts •weniger als fesselnden Berichte gelesen hat, weift am Ende mancherlei Ober die unentgeldliche Verausgabung von 125 000 Broten und 1000 Portionen nahrhaften Essens an die WohHohrtsempfänger; kennt auch die zusätzlichen Sozialmaßnahmen, die auf dem konstruktiven Wege Ober die Wirtschaftshilfe geleistet wurden, weiß von dem gesunden Gemeinschaftsempfinden hilfsbereiter Gemeindemitglieder und darf davon aberzeugt sein, daß in der Gemeindeverwaltung Menschen mit einigem sozialen Verständnis für die Fragen de«/ täglichen Bedarfs und ml( einiger Begabung auch für komplizierte Angelegenheiten behördlichen Taktik sitzen, nüchterne Praktiker und gute Techniker. In normalen Zeiten mag es damit genug Bein. Dem Großteil der jadischen 'Steuerzahler von 1932 genügte das Bewußtsein, mit einem Bruchteil seines Einkommens seine rituellen Pietatspflichten in toto abgegolten und dabei noch einigen armen Juden geholfen zu haben, oluie den Unannehmlichkeiten der direkten Belästigung ausgesetzt gewesen zu Bein. Heute aber, wo es sich nicht mehr „um einige arme Juden", sondern um die Not der jüdischen n~~—*'--!* handelt, wo die Gemeinde - •■ - - : -.....k -: Was geschieht sodannV Es folgt der Tätigkeitsbericht der Jüdischen Gemeinde. Sauber, sachlich und nüchtern, wie der Geschäftsbericht einer Aktiengesellschaft, die sich bei ihren Aktionären für den mageren Ausfall der diesjährigen Dividende zu entschuldigen versucht. Alles gut und schon und nichts befriedigend. Hat man denn die sachliche Leistungsfähigkeit und die Routine des Beamtenapparats bestritten V Sind bürotechnische Einwände erhoben worden? Keineswegs. In dieser Hinsicht würde von zionistischer Seite kaum anders, geschweige denn besser gearbeitet _______ werden. Waj gerügt wurde, ist dor Geist, in dem gearbeitet Ende wurde, der ideologische Untergrund, auf dem die praktisch*) ganda MI Weniger idlicl i der Oranienburger Straße waren besetzt, der vom Berliner Gemcindevorstand verfügten Wiederl Predigtamt ist gutgemacht. Der überflüssige Zwischenfall, aus dem die Prinzlichott Annancer1, anscheinend in Verlegenheit nach zugkräftigen gemeindepOliOschen reale h Parolen, einen „Fall Prmz'1 konstruiert hatten, ist damit beigelegt., In Kundgebungen und Leitartikeln hat man Joachim Prinz als den großen Erneuerer des deutschen Judentums gefeiert, und i ist nicht so ganz t des deutschen Judentums gefeier ___ _____ .... ausgeschlossen, daß der also Geehrte im stillen Kämmerlein des Grunewalds über dieBe Paroderollc ein mokantes Lächeln niety unterdrückt hat. Es fehlte nicht gar so viel daran, daß man verlangt hätte, Joachim Prinz sollte zum' lebenslänglichen Großrabbiner von Deutschland ernannt werden, selbstverständlich ohne jede feste Arbeitszeit und sonstige formale Verpflichtungen. Nur mit der Würde des orotorischen Prinz- Hegenten bekleidet. •juuuul uuen rriuz, ouuciuui, ucgvutatju &u können und den ihnen weltanschaulich nahestehenden politischen Agitator von der Kanzel sprechen zu hören. Aber es gibt eine ungleich größere Anzahl von Berliner Juden, die gottesdienstähnlicho Veranstaltungen, bei denen Dr. Prinz mitwirkt, deshalb meiden, weil sie wegen der Würde des Gotteshauses ihrer Meinung aber einen Mißbrauch der Kanzel keinen Ausdruck geben können. ■ Das 'hindert indessen nicht daran, daß die Methode des Einschreitens gegen Rabbiner Prinz eine Billigung keineswegs verdiente. Aber es) ' müßte zu bedauerlichen' Konsequenzen im jüdischen Leben führen,'wenn es in Zukunft unmöglich sein sollte, einen formellen Fehler freimütig, vor' der. Öffentlichkeit wieder gutzumachen, ohne daß; daraus sofort eine partcipolitisphe Pro? pagandaaktion entstünde.' Wir können uns 'nicht entsinnen, daß auf nichtzionistischer Seite ähnliche Taktlosigkeiten vorgekommen Leistung steht. Diesem Einwand wird durch sachliche Aufzählung noch bo wertvoller Einzelmaßnahmen nicht begegnet; und' durch den Hinwels erfolgreicher politischer Assimilation an die Gegenalti i Mi! ehörde jüdif nie essen geworden ist, verlangt oie gesamte "jüdische Öffentlichkeit Rechenschaft über die Absichten der an leitender Stolle stehenden Persönlichkeiten- Gleichzeitig mit dem Interesse hat sich eine lebhafte und durchaus nicht immer sachliche Kritik eingeschaltet, die die allgemeine Erkenntnis zur Voraussetzung hat, daC^dcr Platz des Gcmcindcvoretandes die politische Schlüsselstellung des Berliner Judentums bedeutet. Daher die maßlose zionistische Polemik, daher die Agitationswut und Vcrsammlungstoktik der B. Z. V. und gewisse Reden, die kraft ihrer Agrcssivität von führenden Zionisten als eine „Reinigung der innerjüdischen Atmosphäre" dankbor empfunden werden. Was unternimmt daraufhin die Jüdische Gemeinde zu Berlin? Bestreitet sie den zionistischen Anspruch als einen zu Unrecht und zur Unzeit erhobenen? Verwahrt sie sich gegen die Taktlosigkeit der gegnerischen Rhetorik? Stellt sie gar einen eigenen festbegründeten Standpunkt dem zionistischen entgegen? Zunächst gibt sie ihrem Vorsitzenden, das Wort, der im Tone einer zweifellos von Herzen kommenden Entrüstung den Nachweis seiner unanfechtbaren Loyalität zu erbringen versucht und zu diesem Ende behauptet, daß sich der Standpunkt der liberalen Gemeindeführung in wesentlichen Fragen zionistischen Ambitionen längst angenähert habe und daher die schlimmen Liberalen die scharfen Vorwürfe ihrer zionistischen Freunde durchaus nicht verdienen. Diese Taktik ist befremdend. In der Tat müssen wir hier der wirksamen Entgegnung Kurt Ölumcnfclds recht geben, daß der gute Schüler noch nicht legitimiert sei, sofort an Stelle des Lehrers aufzutreten. Der Eifer zur inneren Wandlung gibt niemandem das Recht zur gültigen Repräsentation, weder für die, die ihn gewählt, und von denen er sich distanziert, noch für die, gegen die man gekämpft und mit denen man einen Waffenstillstand sucht. T ao wenig wie durch entrüstete Friedens!*» ' t genügt. Dio Gemeinde selbst will, wie sie schreibt, _______ _ ._. Verwaltungsbehörde sein, nun alsoI .Dann, hilft nur eins: Der Mut «u einem e h r 1 i c h e n B e k e n u t nis zur eigenen Snclic, Dieses Bekenntnis wird durch praktische Arbeit nicht Überflüssig gemacht. Daß der Wert jeder Arbeit in ihr selbst beschlossen liegt, ist eine Banalität, die genat sie geschieht. Die Gemeinde muß endlich einsehen lernen, daß Kompromisse Taktik und nicht Gesinnung sind, daß mit überparteilicher Neutralität auf dio Dauer wedor die Gegenseite beruhigt, noch die eigene Anhängerschaft zufrieden gestellt wird. Wir haben vor fünf Jahren diese Gemeindevertretung Gewählt. Wir haben es getan, weil wir m der Liste dor liberalen Kandidaten die legitime Verkörperung einer Gesinnung sehen, dor wir uns zugehörig fühlten. Wir müssen es seit goraumor Zcif mit ansehen, daß diese Gesinnung nach und nach in den Vordacht einer freiwilligen Liquidation gerät. Auf alle Vorwürfe der Gegenseite wird geschwiegen oder im Kompromißwege Beruhigung geschaffen. Wir glauben es nicht verantworten zu können, einer solchen Politik auf die Dauer das Vertrauen der nachsichtigen Wählerschaft entgegenzubringen und wünschen endlich von den führenden Persönlichkeiten unserer Gemeinde das offene Wort des Bekenntnisses zu hören, das ihre politische S t c 11 u h g '""wirVrblic^en nTch^wie vor in der Gemeinde die wahrhaft legitime Form der j ü d uHrh cn Diaspora- Existenz', aber wir wünschen von denjenigen, dio zur l'ührung und Besorgung unserer Lebensnotwendigsten eingesetzt sind, zu .,_____:n? Es gibt keine stabilisierten; Grundlage des jüdischen Lebens in Deutschland als die Gemeinde. Warum ist es aber gerade die Gemeinde, die sich vor einem Bekenntnis zum deutschen Judentum scheut, die ihre Zuständigkeit um Kompetenzen zu erweitern versucht, die von anderen Instanzen weit besser betreut werden können, die ihre Politik an denen orientiert, die ihnen die F tt h - stützen bereif sind. Bevor weitere Themen über „Jüdische Tonkünstler in alter Zeit" folgen, hätten wir ein anderes vorzuschlagen, nämlich: „Mehr Mut und weniger Tachlis!" -nn. Notiz über Mahler Zum 75. Geburtstag am 7. Juli I Von ERNST lissauer Die Formen der Gesellschaft, des Seins, wandeln sich, immer künstlicher, abgeleiteter, den Ursprüngen ferner wird das Leben des Tags und des taglichen Menschen, — unwandelbar ragt Firmament und Erde, unwandelbar geschehen Blitz, Donner, Erdbeben: unwandelbar unter den mittelbaren immer wieder geschieht der unmittelbare Mensch. Gustav Mahler wor ein „un-mittel-barer" Mensch. Genie ist letzten Endes nichts anderes als: Unmittelbarkeit auf höchster Ebene, die Kraft, ohne daß sich in die „Mitte" zwischen Sender und Empfänger „Mittel" einschalten, „ohne Weiteres" zu wirken. Solche Macht ist von der Persönlichkeit Möhlers vielfältig bezeugt, sie muß so eindeutig stark in ihm gewirkt haben, daß jeder sie verspürte, der mit Mahler in Berührung kam, ao wio man einen elektrischen Starkstrom nicht anfassen kann, ohne einen Schlag zu empfinden. Auch die Urkroft Bruckners teilte sich in völliger Unmittelbarkeit mit; jedoch sein Wesen leuchtet in einem hell österreichischen, licht katholischen Glänze; unvei Seele einfach und einfältig'ausgebreitet: der d der im Wortsinn „untertänige' Mensch ist < herrscherlicher Musik. Anders Mahler.. Mahl< . die Herrschcrlichkeit seiner Musik nicht anerkennt, wirkte herrscherlich, und wio eiu Herrscher wurde er geliebt, gehaßt, verehrt, gefürchtet, aber niemand konnte sich seiner Ausstrahlung entziehen. Seinem Wesen eignete eine befehlende Gewalt. So führte er die Wiener Oper zu einem Jahrzehnt höchster Leistungen. Jedoch es ist klar, daß eine 'solche Tyrannis im Zeitalter des demokratischen Individualismus auf unendliche Widerstände stieß. Mahler litt an einer fanatischen Sachlichkeit oder, was dasselbe ist, er lebte überncrsönlich, und darum kam es ihm auf die Personen, dio persönlichen Interessen nicht an. Er war ein „Idealist", das will sagen: er wollte die Idee, das Ur- und Zielbild verwirklichen, ohne Rest, wie er es erschaut und erhört hatte. Einer seiner Freunde berichtet über Mahlcrs Klavier-; spiel; „Ich habe ähnliches von Entmaterialisierung eines menschlich-technischen Vorganges nie erlebt, Mahler wußte überhaupt gar nichts vom Werke seiner Hände, hätte nie Rechenschaft geben können, wie er seine Wiedergabo' zustande brachte, jeder Gedanke an technische Schwierigkeiten war restlos ausgeschaltet, entrückt, enlkörpert, leidenschaftlich seelisch hingegeben dem, was aus den Notehköpfen ohne bewußte materielle Berührung in ihn überging, wio er es konnte, es erfassend und begabt mit der bU in jede Nuance, jeden Grad des Ausmaßes zwingenden Energie der Vollziehung ließ er es erklingen mit allen Gewalten, wie es aus der Seele des Schaffenden quoll." Doch Mailler spielte nicht mehr gern Klavier, seitdem das Orchester sein Instrument geworden war. Jene vollkommene, entstofflichtc Wiedergabe, die seine beiden unendlich meisterlichen Hände leisteten, mußte er Menschen, Musikern, Sängern abringen. Es liegt im Wesen allen Zusammenwirkens, aber vornehmlich des Theaters, und wiederum ganz besonders des geschäftlich betriebenen, daß die mit höchster Mühe vollendeten Gestaltungen an Intensität einbüßen. Odem raucht aus, die Spannungen lassen nach, die Farben verbleichen: Mahler kämpfte dagegen, — beständig rügte er, wahrend der Aufführungen von seiner Loge, mit dem Fernsprecher, zahllose Einzelheiten, — aber das Bingen gegen diese selbsttätige und bei taglichem Betriebe unaufhaltsame Verwitterung mußte ihn ermüden. Ein Mensch will eine überpersönliche Sache, aber er hat nicht überpersönliche Bestallung, und so erwachsen die ungeheuersten Schwierigkeiten, Mißverständnisse, Feindschaften aus dem Gegensatz der uberpersönUchen Idee und ihres persönlichen Trägers. Mahler, «Jos hebt seine Gattin, Alma Maria, hervor, hat ein äußerlich glückliches, trotz allen Widerständen erfolgreiches Leben geführt; gewiß :war er, wiesie bezeugt, und wie es aus., vielen riefen erhellt, „heiter, aktiv", wie ja olle aktiven Naturen, solange ihre Aktivität sich ausbreiten kann, von Heiterkeit erfüllt sind. Dennoch wirkt seine Erscheinung, sein Antlitz, sein symphonisches Werk lcidhaft. Mahler war nicht unglücklich, er war tragisch gestimmt, eine Haltung und Gesinnung, die ein optimistisches Verhalten im arbeitenden und geselligen Tage nicht ausschließt. Mahler spürte, kraft des ihm eingeborenen, ihn beherrschenden „Idealismus", kraft seines unbezwmglichen Gefühl» für Vollkommenheit den Gegensatz zwischen diesem Ur- und End-Bild und der Unzulänglichkeit aller irdischen Erscheinungen. Darum spricht er in seinem Abschiedaschreiben an die Mitglieder der Wiener Oper vom „Widerstand der Materie'', von „der Tücke des Objekts" — er hätte auch von der Tücke dor Subjekte sprechen können. Vervollkommnung in jedem Sinne ist sein Ethos, vielleicht seine Religion: mit Gewißheit glaubt er an Seeleiiwandcrung, und als Richard Specht einmal bemerkt, in der späteren Inkarnation wisse er nichts von seinem früheren Ich, fährt Mahler auf ihn los: „Wir kehren alle wieder, das ganze Leben hat nur Sinn durch diese Bestimmtheit ... es kommt nicht auf den Einzelnen und sein Erinnern und Behagen an, sondern nur auf den großen Zug zum Vollendeten; zu der Läuterung, die in jeder Inkarnation fortschreitet. Deshalb muß ich ethisch leben: um meinem Ich, wenn es widerkommt, schon jetzt ein Stück Weges zu ersparen.. . Die Widmungen, die 1910 .zu Möhlers fünfzigstem Geburtstag erschienen, enthielten einen umfangreichen Brief Bruno W a 1ters, der in der Erzählung eines Traumes gipfelte: „Ich ging

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