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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-06-19 · 25 (19.6.1935) · page 4

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
25 (19.6.1935)
Date
1935-06-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Gcsctzo htttto die „israelitischen Bauernkriege'' und mit diesen die Spaltung des Reiches zur Folge gehabt. Mit dem Niedergänge des Bauernstandes sei die alte kriegerische Kraft des Volkes gebrochen gewesen. Weil man auf die Propheten, die gegen die Sunden des Kapitalismus auftraten, nicht hörte, sei der jüdischo Staat der Vernichtung anheimgefallen, seien dio Juden in der Zerstreuung das Volk der^reinön Geldwirtschaft geworden. Die Prophotoh aber, die zur Rückkehr zu den Geboten des Moses gemahnt hatten, bezciclm'ot Gustav Rullland -als „Sozialrofonner". So hiblt Gustav Ruhland seinem geliebten deutschen Volk zu seiner Zeit (wib Konstantin Franz) fast ungehort, das Volk des Moses als Vorbild, das von ihm abgefallene alB Warnung vor. In einer Zeit aber, die ihn hört, leuchtet die Sehnsucht nach einem „mosaischeren" Judentum als Leitstern übor unserer neuen religiösen Besinnung. Dr. Lutz Weltmann. Jüdifche , Wahrend!n der jüdisch-atmosphärischen Epik kaum mehr uls .erste Ansütze eines Gestalten» zu erkennen sind — von der Dramatik ganz zu schweigen — sproßt es im Treibhaus der Lyrik. Alles durcheinander. Edle Blüten noben lyrischem Suppengrün. Beachtenswerte Vcrec für mannigfachen Gebrauch neben unbrauchbaren. Ein bißchen viel; ehrlich gesagt. Um so mehr, als die Gedichtbunde, die heute erscheinen, in ihrer Stofflichkeit befangen zu sein pflegen, und man mitunter darin den Zwang zu gestalten, vermißt. Ein Dichter der Berufung, begnadet mit dem echten Pathos sittlichen Ernstes und prophetischer Triebkraft, war Chaim Nnchman B i a 1 i k. Es ist ein schöner Beweis für die Gewalt seiner Lyrik, daß seine Ausgewählten Gedichte, von Ernst Müller aus dem Hebräischen übertragen, jetzt bereits in dritter Auflage (im R. Löwit Verlag, Wien, Jorusalcm und Leipzig) erscheinen können. Der mit sorglicher Liebe ausgestattete blaue Leinenband birgt literarisches Gut, das der Schatzkammer der Weltliteratur angehört. Es ist jetzt nahezu ein Jahr her, daß ein Herzschlag Bialiks energiegeladenem Leben ein Endo gesetzt hat. Biolik hat sich solbst den schönsten Nachruf geschrieben. Darin heißt es: .....Er hatte eine Harfe, Die wio ein Wesen lebt' und tönt'. Der Sflnger könnt' in ihrer Sprache Ein jedes Ratsei seines Herzens künden . . . Auf allen Saiten spielte seine Hand. Dieser Harfe entlockto er Klänge vom zarten, weichen Moll der Klage, der Sehnsucht und des Schmerzes bis zum aufrüttelnden Furioso des Zornes, der sich in den Gediohton i gegen die russischen Progromc entlud. In langen VerBcri von breit ausschwingenden Rhythmen legte er die Bewegungen seiner reichen Seele nieder. Und neben dem schmetternden Fanfarenton des Rufers und Mahners die schlichte Weise des jüdischen Volksliedes, dos er erneuort und bereichert hat. Tiefe Reflexion neben dor Leichtigkeit nalursoliger Schwärmerei. In die Sammlung ist auch das berühmte Prosagedicht i„Die Flammerolle" aufgenommen, das erste klassische Dichtwerk der neuhcbrfiischcn Literatur, das ein Kritiker „ein Ehrendcnkmal für das Diasjpora- Judentum" genannt hat. Von nicht minder großer dichterischer Intuition zeugen Gediohte wie „An der Schwelle des Bet-Hamidrasch", „Matmid" oder das ergreifende „Meine Mutter", in denen persönlichstes Erleben seinen Ausdruck findet. * Daß jüdische Literatur nicht auf. den hebrSischcn Sprachraum beschränkt ist, zeigen die im Erich Reiss Verlag, Berlin, erschienenen Gedichte Manfred Sturmanns, die er nüchternprogrammatisch „Herkunft und Gesinnung" nennt. Die Sammlung ist der jüdischen Jugend gewidmet und will, nach des Dichteni eigenen Worten, nicht dor Übliche Gedichtband für Freunde der Lyrik sein, sondern ein Gebrauchsbuch im besten Sinne, das sich ein kulturpolitisches Ziel gesteckt hat. Dieses Ziel heißt: lebendige jüdische Gesinnung. .. Sturmanns Gedanken, gleichviel, ob er sie in die zuchtvollc Form des Sonetts kleidet, wie in dem Zyklus „Die Schöpfung", ob er sie im Rhythmus des Liedes erklingen laßt oder ihnen den hymnischen Schwung des Psalms verleiht — sind immer von Kraft und Wahrheit getragen. Sturmann, der es versteht, nicht nur Gedanken, sondern auch eigene Worte zu prägen, hat richtig erkannt, daß die Versform nichts mit modern oder unmodern zu tun hat, sondern daß es darauf ankommt, zu erleben, was andere erleben, und das Erlebnis aus sich herauszustellen, so daß 6s des Dichters Züge trügt. In diesem Sinne sind die gegenwartsnahen Verso „Hachschora", „Die Siedler'.', „Aufbruch" („Welch ein Erwachen nach diesem Schlaf") lebendiger, eindrucksvoller, tiefgreifender als die Um- und Neuformungen biblischer Themen, obwohl der Autor auch hier Beziehungen zur Zeit aufspürt und anklingen; laßt. Einer der früheren Vcrsbflnde Manfred Sturmanns trügt den Titel „Wunder der Erde". In „Herkunft und Gesinnung" hat er sich schmerzlich losgerissen von dem . Reiz und der Stille der geliebten Landschaft, in der er zu sich selber heranwuchs. Aber cUo-Sällo ist: überrast; . Vom Sturm der Zeit.' Die Sommer" Singen nicht mehr, einen anderen Sinn Hat. die Welt, wir zucken In ihrem Schoß, die Mutter schleudert uns fort . . . Und dann : Die Wunder dor Erde Verstummt sind sie jetzt, Denn nicht das Auge vermag Zu umfassen dos Wunder. ■Nun sind wir Erbe, Kettenglied In der langen Reihe der Ahnen geworden. In solchen Versen prägt sich eine der stärksten lyrischen Ucgabungen unserer Tage aus. Dem früh verstorbenen George A. Goldachlag war es nicht vergönnt, aus jüdischem Gcgenwartserleben heraus seine schöpferischen Kräfte zur Entfaltung zu bringen. Im Gegensatz zu Sturmann, dem im ländlichen Boden Wurzelnden, lockten Goldschlag Großstadt und Technik. Aus Verkehr und Lärm, aus der Dielenmusik entfesselter Jazzbands und dem HEmmerschlag der Werften, aus den. dunklen Schächten der Hinterhöfe und dem grellen Reiz von Lichtreklamen holte er seine plastischen Bilder und seine biegsamen Rhythmen. Er kostete das Gefühl des Gelöstseins beim Segclflug aus, entwarf das lebendige Porträt einer Kanalschwimmenn und formte aus dem Bild einer Litfaß-Säulc eine dunkle Ballade vom unbekannten Toten. Aber er war keineswegs ein lyrischer Photograph, sondern sah die Wunder der Welt mit den Märchenaugen des Dichters, von denen Dr. Manfred Swursensky in seinem menBchlich-warmen Vorwort spricht, das der Vom Vortrupp Verlag, Berlin, herausgegebenen Sammlung Goldschlagscher Gedichte vorangestellt ist. ' Die Natur Beines Schaffens kommt auch in den Gedichten zuth Durchbruch, in denen er die urdeutscho Gestalt des Eulenspiegcl mit humorvollem Emst umspielt: Was wür' der ganze Mummenschanz, Wenn uns der Traum nicht bliebe? Während die jüdischen Themen in diesem Versband etwas zu kurz wegkommen, ist sein starkes Fronterlebnis in Veifseii voller Klarheit und Anschaulichkeit geschildert. Dos Gedicht wie „Der Schlamm von Flandern" kann getrost Zuckcrmanns Reiterfied „Drüben am Waldbrand" an die S6ite gestellt werden. Dta schmale Bändchen Gedichte hält das Andenken an ein starkes Talent Wach. * Hilde Marx ist noch ke_ine Dichterin. ■ Obwohl sie als Gymnasiastin den Jean-Paul-Preis ihrer Heimatstadt Bayreuth erhalten und kürzlich für einen „Cbor der jüdischen Frauen in Deutschland" den ersten Preis für Literatur bei-dem Wettbewerb-der Künstlorliilfo der Berliner Jüdischen Gemeinde davongetragen hat. Sie will erst' eine werden. Ihre ersten VerBVersuche ersehieheh als Heft in Maschinenschrift. Auch die „Worte vor Gort, von Liebe, vom Tag", die als „Droiklang" (im Philo-Verlag, Berlin) ertönen, sind nicht alle wert", gedruckt zu Verdens. Vieles von dem, / was auf 'diesen ^.Seiten vereint ist, hat man einzeln schon gelesen. . Hildo Marx dientet ohne Nötigung, zu' ihrem Privatvergnügen^ Sie ist kindlich-ehrlich urtd~frcuhcrzig. Sio weiß um die Ghtthcit und Wohlform. Sie weiß, welche Gefühle '„poetisch" sind und welche nicht, und klebt sie mit schablonenhaften Füllworten aus dem Bestand der Goldschnittlyrik zusammen. . Leere Zeilcn,_ von Reim und Veraschcm'a diktiert. Das wimmelt, nut: sp. von. zärtlichen Händen, von dunklen Qualen und leuchtenden Sternen,, von namenloser Angst. Am besten noch die Wald- und ..Wicsenblümcjein des v Alltags. Daß dieser „Dreiklang" nicht immer ..harmonisch;iBt, geht auch daraus hcrvdr: wenn Hilde Marx. sich, in ihren , religiös angehauchten Gedichten an den g'roßcn Gott Israel wendet, so scheint sie ihn in ihrer Licbcsscligkeit vor den „Himmlischen" und den „Göttern, dio sich lächelnd niederbeugten, um uns nah zu sein", ganz vergessen zii haben. Wie reimt sich dos.zusammen? Hilde Marx ist noch jung. Sio hat also Zeit, uns noch ciric Weile auf ihren nächsten Versband warten zu lassen. Eugen Tannenbaum. | Rabbiner Einiteiii | Mit Rabbiner Dr. Berthold Einstein, der im Alter von 73 Jahren in Landau in der Pfalz verstorben ist, ist einer der ältesten Vorkämpfer des rö ligiöaliberalen Juden tums dahingegangen. Der'Tod dieses bescheidenen seit drei Jahren im Ruhe? stand lebenden Seelsorgers, der seine Weltanschauung in zahlreichen Schriften vertreten hat,' hat unter den Juden Süddeutschlands starke Anteilnahme hervorgerufen. Rabbiner Dr. Einstein, der der Sohn eines Kantors aus lUm war, hatte am Breslauer Rnbbinerseminar und an der dortigen Universität studiert. Er war zuerst in Heilbrohn, dann in Laupheim (Württemberg) und später als Bezirkarobbiner in Landau tütig. Sein verdienstvolles Wirken wird nicht vergessen werden. ^ottestömffe in den Berliner Synagogen mit neuem Ritus Freitag, 21. Juni.- Abends 7 Uhr. Prinzregentenstraße: 7.15 Uhr, Ansprachen: Neue Synagoge:'Hamburger. Lindenstraße: Warschauer. Levetzowstraße: Lewkowitz. Predigten: Lützowstraße: Nußbaum. Fasanehstraße: SalomonBki. Fricdcnstcmpel: Sänger. Prijjzrcgentenatraße: Galliner. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 176, 7.30 Uhr: Plaut. Liberale Synagoge Osten, Kaiserstr. 30, 7.30 Uhr: Scheuermann. Liberale Synagoge Nordost, Prenzlauer Promenade 176, 7.30 Uhr: Zimet. Liberale Synagoge Westend, Kaiserdamm 78, 7.15 Uhr: Graf. Liberale Synagoge Wedding-Reimckendorf, Exerzierstraße 13, 7.30 Uhr: Goetz. Jüdi- Bche Roligionsgemeinde Charlottenburg, Schulstraßp 7, 6.30 Uhr: PfingBt. Anschließend Kiddusch dor Jugend. Jüdische Heformgemeüide, Jdachimsfhaler Straße 13, 6.30 Uhr: Gottschalk. Sonnabend, 22. Juni. Hauptgottesdienst vorm. 10 Uhr. Frühgottesdienst: Lindenstraße, Levetzowstraße, Prinzregentenstraße 7.30 Uhr. Liberale Synagoge Norden: Plaut (Einsegnung). Liberale Synagoge Osten: Scheuermann. Jüdische Religionsgemeinde Charlottenburg, 9.30 Uhr. •'■' •" Sdnntagi 23. Juni. Jüdische Reförmgemeinde, Johannisstraße 16, 10.30 Uhr: Koppel. Offonhnoh-Abend. Die KünBtlerhilfe der Jüdisoben Gemeinde votanBtalte'. mit ihrer Operngemeinschaft am Donnerstag, den 27. Juni, abends 8.80 Uhr, im Schubert-Saal, BülowstraUe 101, einen Offenbaoh- Abenil. Es gelangen die Singspiele „Ehemann vor der Tat" and „Dio neue Zauberflöte" zur Aufführung. Musiknlisohe' lieitong: Ernst Ewald Gebert. Regie: Nicola! Eljaechoff. Mitwirkende: Lili Heinömann, Else Jansen, Eva Böhm, Hildcgardt Lindt, Kart Bahmer, Richard Dresdner sowie ein Karameroroheater. ■ '• tmp^eMeascaede!Bezug&queMeii Wirklich moderne Inneneinrichtung Hans Schneider, Uhjqndsträße 165 zwischen KurfüfStendamm und UetzenbUrflaf Straße Ihr« AuOanatancU nur zur Elnzletmnantafle fax Handel und Oewerbe . 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