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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-06-19 · 25 (19.6.1935) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
25 (19.6.1935)
Date
1935-06-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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(Fortsetzung von Seite 1) seilschaff (vgl. „Der Morgen", Mai-Heft 1935) kommt aus dem gleichen Bedürfnis nach Vertiefung. Wenn man gewiß auch heute nicht mehr der Wissenschaft die geradezu mesBianische Bedeutung zuweist, wie es z. B. zur Entstehungszeit der jüdischen Wissenschaft ini, vorigen Jahrhundert geschah, so ist doch jedem klar, daß in solcher Situation Vereinfachungen und Bequemlichkeit des Denkens, unmöglich sind. Unser Leben beweist uns Tag um Tag, daß alle Worte und Formeln arm und gewaltsam sind, Leben verkürzen oder töten, aber nicht schaffen, wenn dahinter' nicht die ganze Fülle einer lebendigen Wirklichkeit steht. Dieser Wirklichkeit offen und unvoreingenommen standzuhalten, ist die Aufgabe, wenn man es emst meint mit dem Bewähren des Judeseins. Aber das geht nicht: „Jeder läßt nur soviel Licht in seinen Kopf herein, als er für richtig hält" (Tolstoi). Wenn wir diesen Zustand überwinden, wird auch dem letzten Juden klar werden, wieviel große Gemeinsamkeiten neben, den kleinen und kleinlichen Verschiedenheiten den Juden jeder Zeit eigen sind. Alles Unglück und alles Schwierige in der Lage des heutigen Europa wird von manchen nur auf den verwirrten Geist, den durcheinander geschüttelten geistigen Haushalt seiner Bewohner zurückgeführt. Und bei uns? Ich glaübe, daß es in solchem Augenblick nicht möglich ist, daß wir Juden uns untreu werden. Wir haben gewiß in langen Jahrhunderten einen großen Teil realen irdischen Lebens durch Verlegung in geistige Bezirke ersetzen müssen. Aber das bedeutete Erhaltung, nicht Vernichtung des Lebens, wenn auch auf veränderter Grundlage. Der Zusammenhang der Nur-Geistigen mit der Wirklichkeit war oft sehr gelockert, es war manchmal eine „Verkrüppelung nach unten". Was heute droht, ist schlimmer: Verkrüppelung nach oben. Gewiß, ein vom Realen losgelöster Intellekt hat seine Gefahren, aber der _ Mensch einer Minderheit kann ohne Denken und Auseinandersetzung nicht existieren. Also keine Abwertung des Geistigen, kein Achselzucken über Bildung — nur der Gebildete, der Mensch, der seine Form gefunden hat, kann sich in der Prüfung bewähren. Es wird heute unter uns um Gemeinschaft aus innerstem Bedürfen gerungen. Die Erneuerung der Gemeinschaft aber ist nur möglich durch eine große geistige Energie. Das beweist die Ausprägung des französischen Volksbewußtsems im 17. una 18. Jahrhundert und die des deutschen durch die geistigen Gestalten des 18. und 19. Jahrhunderts. . Und auch nach all diesem bleibt noch eine Forderung an die menschliche Bewährung des heutigen Juden. Gemeinschaft ist heute für jeden mehr als nur ein „Oberbegriff" — Bie ist Vaterland des Herzens und Heimat der Seele. Für manches menschliche Versagen in unseren Reihen liegt der Grund hier. Man kann heute oft von Menschen die Klage hören, daß das Schlimmste und Entmutigendste für sie das Versagen irgendeines Menschen ist, auf den sie vertraut haben, und der mit einem gütigen, verstehenden Wort, mit einem bereitwilligen Rat hätte helfen können und es nicht tat. Jüdische Menschen fühlen sich manchmal doppelt einsam I Hier liegt eine Schuld vor, die wir gutzumachen haben. Es gibt ein schönes Wort eine9 chassidischen Rabbi: „Jedes Wesen hat eine Probe auf seine' Echtheit. Die Probe auf die Echtheit eines Juden ist seine Liebe zu Israel". Das haben wozu bewähren in jedem Augenblick unseres Lebens. Jeder Mensch, der heute durch seine Haltung im Berufsleben dem jüdischen Namen Achtung erkämpft, jeder jüdische Arbeitgeber, der heute einem jungen Juden das Tor ins Leben öffnet durch einen Platz in seinem Betrieb, jüdische Menschen im Beruf untereinander, die heute nie vergessen dürfen, daß der Andere der Binder unter dem gleichen Schicksal ist. Heute ist Notzeit. Jeder kennt das berühmte griechische Beispiel von den zwei Schiffbrüchigen, die um die gleiche Planke kämpfen auf stürmischem Meer. Auch der Talmud kennt ein ähnliches Beispiel, und ben Perotra antwortet, daß lieber beide sterben sollen als daß einer den anderen sterben sehe (Baba mez. 62 a 7). Liebe zu Israel— darin charakterisiert sich der echte Jude. Entweder leben alle oder sie gehen gemeinsam zugrunde. Das kann Lehre und Aufruf für unser inner- , jüdisches Leben sein. Wenn ein Haus brennt, kommt es nur darauf an, daß alle löschen mit allen Kräften, jeder an seinem Platz. Liebe zu Israel ist das Kennzeichen des echten Juden. Alles andere, Mißverstehen und Fehde, ist Schwäche, das „Golus im Herzen", wie Buber es einmal nennt. Wir brauchen heute jeden einzelnen Juden und seine ganze Kraft zum freudigen Einsatz für die Gemeinschaft. Unsere inneren Gegen- : sätze sind alle politischer Natur, und Max Brod hat einmal das politische Leid ein unedles Leid genannt, weil—es - selbstverschuldet und daher aufhebbar .ist. E3 muß aufgehoben werden, denn es kommt nicht darauf an, wem die Zukunft Recht geben wird, sondern'daß, wir alle gemeinsam uns eine Zukunft erringen. Der Messias kommt, nach einer Deutung des Talmud, erst, wenn alle Hochmütigen aus Israel verschwunden sind. Hochmütige aber sind auch alle, die sagen: „Jene machen Partei? Welch unerlaubtes Beginnen! Aber unsere Partei, freilich, versteht sich von selbst." (Goethe.) Menschliches Bewähren wird heute von uns gefordert. „Die Welt ist um der Wahl der Wählenden willen geschaffen worden." Unsere Entscheidung kann nur die jüdische Entscheidung zur Echtheit sein, Wille zum Verstehen und Mut zum Opfer. Die Kraft aber, ist die große Liebe zum Judentum und jedem einzelnen Juden, die so groß sein muß, am Haus der Zukunft zu bauen, und sollten unsere Leiber die Steine, unser Herzblut der Mörtel sein. , „Wenn Israel in Liebe und Frieden unter sich lebt, wenn es auch des Götzendienstes sich schuldig gemacht hat, entgeht es doch dem bösen Verhängnis." Mederlaffnung in Albanien? Gefache jüdifcher Kapitaliften werden forgfaltig geprüft Saloniki. Auf eine Anfrage der Jüdischen Telegraphen-Agentur teilt der bevollmächtigte Minister Albaniens in Griechenland, Rcmzi Zclo, mit, daß die m jüdischen Blättern Amerikas und Englands veröffentlichte Meldung, der albanischo Vertreter in Saloniki habe ein Angebot betreffend Einwanderung und Niederlassung von Juden in AIbanien gemacht, den Tätsachen nicht entspricht. Die betroffenden Zeitungen, das „Jewish Morning Journal" in New York und die „Jewish Daily Post" in London, hatten mitgeteilt, die Einladung sei vom albanischen Generalkonsul in Saloniki .jüdischen Pressevertretern,auf Grund eines besonderen Beschlusses des albanischen Kabinetts übergeben worden. Hieran soll sich dio Aufforderung an dio Juden angeschlossen haben, eine eigene Delegation nach Tirana zu entsenden und den Vorschlag mit dem Kabinett zu besprechen, sowie die Möglichkeiten für jüdische Ansiedlung in Albanien an Ort und Stelle zu prüfen. Tatsächlich -hat der albanische Vertreter in Saloniki dem Vertreter des „Jewish Morning Journal" einige Fragen schriftlich beantwortet, in dieser Antwort ist jedoch keinerlei Aufforderung an die Juden, sich in Albanien niederzulassen', enthalten. Die Fragen wurden vom Generalkonsulat auf Grund einer Rückfrage beim zuständigen Ministerium u. a. folgendermaßen beantwortet: Es gibt viele Möglichkeiten der. P a c h t landwirtschaftlichen Besitztums in Albanien, der Ankauf solchen Besitztums ist jedoch njeht möglich, da dio geltenden Gesetze Eigentum von Ausländern an ländlichem Boden in Albanien nicht zulassen. Der landwirtschaftliche Boden in Albanion befindet sich, da er bisher noch nicht intensiver Bewirtschaftung zugeführt wurde, noch in einem jungfräulichen Stadium. Aber selbst bei den fast primitiven gegenwärtigen Bearbeitungsmethoden ohne Kunstdüngung usw. liefert der Boden?0 bis 25 Zentner Mais pro Hektar und durchschnittlich 18 Zentner Weizen, während Höchsternten bis zu 30 Zentner pro Hektar erzielt werden. Dies gibt eine Vorstellung von der Fruchtbarkeit des Bodens, wenn er nach modernen Methoden bearbeitet' wird, insbesondere in rationoller Weise für die Produktion von Industrierohstoffen wie Baumwolle etc. Es muß betont werden, daß Reis, Tabak, Oliven, Zuckerrüben Produkte darstellen, deren Kultur noch vermehrt werden kann. Die Viehzucht ist der Eigenart des Bodens und des Klimas besonders angepaßt. Natürlich muß die Viehzucht noch bedeutend verbessert werden, um für unsere Volkswirtschaft die Ergebnisse zu liefern, die zu erhoffen wir berechtigt sind. Obwohl gegenwärtig die Viehzucht bei uns noch nicht sehr entwickelt ist, gibt es in Albanien 3 Millionen Stück Kleinvieh und 150000 Stück Großvieh. Dieser Viehstand liefert verschiedene Rohprodukte wie Häute, Milch, Wolle, Därme usw., die ausgeführt und sodann verarbeitet wieder eingeführt werden. Dos bedeutet, daß es auf dem Gebiete gewisser Indu- 91 r i c n, die sich vollständig oder teilweise auf einheimische Rohproduktion stützen können, wie z. B. Erzeugung von Bier, Zucker, Stoffen, Glas usw. viele Möglichkeiten gibt. Es gibt bei uns ferner viele Möglichkeiten auf dem Gebiet der Holzindustrie, der Milchverarbeitung, der Fleischkonservierung, der Geflügelzucht und ihrer Nebenprodukte, wie der noch sehr ateigerungsfähigen Eierproduktion. _ Eine nicht ausgenutzte Quelle wirtschaftlichen Reichtums, die großeVcrdienstmöglichkeiten bietet, ist die Fischzucht. Ebenso müssen wir auf die' Möglichkeit der Ausbeutung von Bodens eh ätzen hinweisen; es fehlt nicht an 'EiBcn, Pyrit, Hämntit, Linionit, Aluminium, Bauxit, Asbest, Magnesit usw. Andererseits kommt in verschiedenen Teilen Albaniens Kohle vor, und der Abbau bietet keine besonderen Schwierigkeiten. Ferner muß betont worden, daß in Albanien Petroleum und Holz gewonnen werden. Wir fügen hinzu, daß die Touristenindustric in Albanien ein weites Arbeitsfeld finden kann, da einerseits die Naturschönheiten des Landes, andererseits seine geographische Loge und andere Eigentümlichkeiten viele Touristen anziehen können; die Touristik kann so cino Einnahmequelle für den Staat und für den Kapitalisten werden, der es versteht, sie auszunutzen. Was Einreise und Aufenthalt von Ausländern in Albanien betrifft, so heben wir folgende Hauptpunkte hervor: a) Grundsätzlich gibt cb kein Hindernis für die"Einreise und den Aufenthalt eines Ausländers in Albanien, b) Ausländische Arbeiter werden nur auf Grund einer Vereinbarung aufgenommen und nur in dem Fall, daß es in Albanien Arbeiter ihres Berufes nicht gibt, c) Bisher gibt es weder Aufenthaltseinsclirünkiuigen noch Aufcnthaltsgebührcn. * Tirana. Der albanische Wirtschaft'sminister D. Hcratti erklärte dem JTA-Vertreter in einem Gespräch über die Niederlassung von Juden in Albanien: „Ich kann Ihnen versichern, daß die albanische Regierung alle von Juden gestellten Ersuchen, sich, in Albanien niederzulassen und Kapital in landwirtschaftlichen und industriellen Unternehmungen zu investieren, sorgfältigst und entgegenkommen dst prüfen wird." London. Abg. Josiah Wedgwood hat mitgeteilt, daß er in einer der nächsten Sitzungen des Unterhauses an den neuen Minister für dio Kolonien, Malcolm MacDonald, eine Anfrage richten werde, in der im Hinblick auf die Haltung der deutschen Reichsrcglerung betreffend die Ausschaltung der Juden, sowie, auf die Verfolgungen, denen Juden in Osteuropa ausgesetzt sind, eine neuerliche Prüfung der Frage der Zulassung jüdischer Einwanderung nach Palästina, Trans Jordanien und Cypern angeregt. Rabbiner und Palältinaaufbau Aussprache auf der Tagung des Nordwestdeutschen Rabbinerverbandes Hannover. Im Mittelpunkt der diesjährigen Tagung des NordwcstdcutschenRabbincrverbandcs, die unter dem Vorsitz von Rabbiner Bnmberger, Wandsbcck, in Hannover stattfand, stand cino Auesprache über das Thema „Die Rückwirkung des Pnlästinoaufbaus auf die Tätigkeit des deutschen Rabbiners". Landrabbincr Dr. Blum, Emden, hielt ein halachisches Referat: „Scphardisch und askenasisch". „Vom religiösen Leben in Palästina" berichtete sodann. Landrabbiner Dr. Freund, Hannover. Sein Referat wurde durch Rabbiner Dr. Italiener, Hamburg, und Rabbiner Dr. Schorsch, Hannover, ergänzt. Dr. Italiener behandelte die Verwertung von Palästinacindrücken für die Anschaulichkeit der Predigt und für die sachgemäße "Beratung der Palästinaauswanderung. * Dr. Schorsch sprach über die Verarbeitung von Palästinaeindrücken im Unterricht. Sämtliche Redner hatten Palästina besucht und sprachen aus eigener Anschauung. Besondere Bedeutung erhielt die Tagung durch die Anwesenheit des Vorsitzenden des Allgemeinen deutschen Rabbinettverbandes und Präsidenten der Reichsvertretung der deutschen Juden, Rabbiner Dr. B n c c k, der über Arbeiten der Reichsvertretung berichtete. Hermann Schoy (Gesang) und Alice Krieger-Isaac (Klavier) erfolgreich bestritten wurde. * Wie seit langen Jahren, fand auch am diesmaligen Schowuausfesto in der Synagoge Roonstr. die Mädchenkonfirmation unter Leitung des Gemeinderabbiners Dr. Kober statt, der sich schon immer als eifriger Vorkämpfer dieser schönen religiösen Sitte bestätigt hat. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die monatolange Unterweisung der Mädchen in den Lehren und Gebräuchen des Judentums für dio Zukunft unserer jüdischen Frauen und Mütter von größter Bedeutung ist. Die feierliche Einsegnung war durch den Kinderchor der Synagoge Roonstrußc besonders eindrucksvoll umrahmt. Das zum Abschluß der Feier durch den Rabbiner im Auftrag der Gemeinde überreichte Denkblatt wird den jungen Menschen eine bleibende Mahnung an die übernommenen religiösen Pflichten sein. Vorltoß in Köln Köln. Auch in Köln sind jetzt die Fronten in dor Gemei.ndepolitik in Bewegung geraten. Seit einiger Zeit schon waren die zionistischen Mitglieder des Gemeindevorstandes den Sitzungen fern geblieben. Anlaß hatte eine personelle Angelegenheit gegeben, die durch die konservative Fraktion herbeigeführt worden war. Die Zionistcn faßten dio auf Antrag der Konservativen erfolgte Hinzuziehung eines Repräsentanten ihrer Richtung zu den Sitzungen des Gemeindevorstandes als eine unberechtigte Vermehrung des Einflusses dieser kleinen Fraktion auf, dio auch nicht durch die Bcit langem erfolgte, gleichfalls nur beratende Beteiligung eines führenden Mitgliedes der zionistischen Vereinigung — des Herrn Amtsgerichtsrats May — an den VorstandBsitzungcn begründet werden könne, da Horr May lediglich als Fachberater für juristische und Beamtenfragen zugezogen worden sei. Es kann aber keinem Zweifel unterliegen, daß der scharfe Vorstoß, den die Zionistische Vereinigung daraufhin vornahm, von von der Entschließung der Zionistischen Tagung in Berlin am 5. Mai aufs stärkste beeinflußt ist und allgemeine gemeindcpolitischo Ziele verfolgt.' Dio Umbesctzung m den Gcmcindckörperschnften, die Fragen der „fachlichen Führung" soll in Angriff genommen werden. Kurz vor dem Schowuausfeste fanden nun bereits Beratungen zwischen der liberalen Fraktion mit den Vertretern der anderen religiösen Parteien statt. Es ist zu hoffen, daß es der umsichtigen, allseitig anerkannten Gemeindeführung des Direktors Konsul Albert Bendix (Hb.) gelingt, in den Verhandlungen, die nun noch vor allem mit der zionistischen Volkspartei geführt werden müssen, ein Ergebnis zu zeitigen, wodurch dio Ruhe und Stetigkeit der gewiß heuto nicht leichten Gcnjeindcarbcit gewährleistet wird. * Der Jüdische Kulturbund Rhein-Ruhr veranstaltete in dor ersten Junihälfto ein Konzert in allen MÜgiledsgemeinden, das von Ausbürgerung — entehrende Strafe Nicht mit dem Widerruf der Einbürgerung zu verwechseln Zu den letzten Ausbürgerungen werden der deutschen Pressevon unterrichteter Seite noch folgende Einzelheiten mitgeteilt: Die Maßnahme stützt sich auf Paragraphj 2 des Gesetzes vom 14. Juli 1933, wonach ausgebürgert werden kann, wessen Vorhalten gegen die Pflicht zur Treue gegen Volk und Reich verstößt. Dieso Maßnahme darf nicht mit dem Widerruf der Einbürgernng verwechselt werden, der nur eine Korrektur der verkehrten Einbürgerungspolitik der Nachkriegsregierungen darstellt. Die Ausbürgerung ist vielmehr die Ausstoßung aus der Volksgeme.insphaf t'als entehrende — außerdem mit Vermögcnsbeschlagnalune verbundene — Strafo für die,' die im Ausland in hetzerischer Form gegen Deutschland tätig sind. Sic wird grundsätzlich nur in den schwerstwiegenden Füllen angewandt; man verspricht sich von ihrer Verhängung unter anderem auch die Wirkung, daß die öffentliche Meinung des Auslandes von solchon Personen abrückt. Als besonders beschämend wird empfunden, daß ein erheblicher Teil der Ausgebürgerten in der Nachkriegszeit führende oder doch angesehene Stellungen in Deutschland einnahm. Es ist jetzt dio vierte Ausbürgerungslistc mit 38 Personen veröffentlicht worden; vorausgegangen waren drei andere Listen am 25. August 1933, 29. März 1934 und 3. November 1934.. * Der Regierungspräsident von Schleswig und der Polizeipräsident von Erfurt haben in je einem Fallo die W i d e r - rufung von Einbürgerungen ausgesprochen, die nach dem November 1918 vollzogen worden waren. Auch der Polizeipräsident von Königsberg veröffentlicht jetzt im „Reichsanzeiger" eine Listo von 43 zurückgenommenen Einbürgerungen. * 1 Dos in Mannheim erscheinende Blatt „Das Hakenkreuzbanner" veröffentlicht cino Liste von 300 Personen, deren Ein b ü r g e r u n g widerrufen worden ißt. Die Aufstellung der Namen ist überschrieben: „Juden werden ausgebürgert!" Dos Blatt bemerkt hierzu: „Damit ist der Reinigungsprozeß natürlich noch longo nicht abgeschlossen, er wird vielmehr mit jener Gründlichkeit und Folgerichtigkeit fortgesetzt, dio nun einmal der nationalsozialistischen Bewegung eigen ist." ' ,

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