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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-06-12 · 24 (12.6.1935) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
24 (12.6.1935)
Date
1935-06-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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cliof, mehrere Minister und Generale, die Herren der deutschen Botschaft und viele nndoro offizielle Persönlichkeiten der italienischen Hauptstadt. Gradenwitz spricht. Seine Worte wirken begeisternd. Der Schwalbenschwanz seines Frackes winkt verheißungsvoll. Dio Zuhörer lauschen in andachtsvollem Schweigen. Plötzlich — er crlSutert gerade eine besonders interessante Krise auf dem Gebiete des Völkcrlcbcnat — schrillt in seiner Rocktasche, durch den ganzen Saal hörbar, ein Wecker. Der Professor bricht mitten im Satz ab, verbeugt sich und geht, als ob nichts geschehen, an seinen. Platz zurück. Die Stunde ist um. Man kann zum Imbiß schreiten. Er hat Beine Vorschrift genau innegehalten. Vorstellung Gradenwitz geht mit seinem Freund, dem Bonner Juristen Richard Thomo, über den Philosophenweg spazieren. Unterwegs begegnet ihnen Thomas Mann. Der berühmte Schriftsteller kennt zwar den berühmten Professor, aber noch nicht dessen Begleiter und bittet daher um eine Vorstellung. Diese vollzieht Gradenwitz mit folgenden Worten: „Herr Thomas Mann! — Frau Thoma's Mann!" SpvAftxv Sv^%vv\cv^? (Noohdruok rerboton.) ♦ B .<? D, 8 <> B, 10, 5 ❖ 7, 6 Aufgabe 6 Von Dr. S. Lürie •> K, 6, 5 K, 10, 9, 6, 5 ❖ - *- N w ' b /* s Im Mittelpunkt Marienbad Wirrnis im Kurort Devisensporro macht einen Kuraufenthalt in der Tschechoslowakei gegenwartig unmöglich. Als Ersatz gibt der Verlag R. Löwit, Wien—Leipzig, ein soisongemflßes Buch/ heraus, das den Titel „Marienbad" fuhrt. Kern Bncdccker, sondern nach der eigenen Angabe eine sehr verwickelte Geschichte, die zwischen Warschau und Marienbad spielt. Mindestens so bekömmlich wie das Murienbndcr Wasser. Eine Quelle unversiegbaren Humors. Der Verfasser ist kein anderer, ah der „jOdiBchc Mark Twain" Scholen! Alojchcm, neben Pcrcz und Mcndcle Mocher Sforim der markanteste Vertreter ostjüdischen Schrifttums, „Marienbad" ist eine turbulente Geschichte in humorvollumetündlichcn und aufgeregten Briefen, in zärtlichen und plumpen Aufforderungen zu Rendez-voub („Wob ist das für eine Gewohnheit dort bei Euch, dio Post verdienen zu lassen, einander Briofe zu schreiben, wenn man in derselben Stadt wohnt?!") und einander jagenden Telegrammen. Ihr Inhalt? Alle erotischen Element» eines Kurortbetriebes, mit seinen Lockungen und Enttäuschungen, mit heimlichen Verabredungen, Heiratsfimmcl, Klatschsucht, Verleumdung und unausbleiblichen Schcidungsandrohungen. Ein ergötzliches Tohuwabohu, das ein lachender Philosoph in dieser Welt kleinbürgerlicher Weibchen aus Warschau, der Heiratsvermittler, Heiratsschwindler, Mitgiftjügcr und aufgescheuchter Ehemünner anrichtet, durchsetzt mit liebevollem Spott und einer Satirc, die nie verwundet, weil immer das Mitleid des Dichters dio durcheinnndcrgcwirbcltcn Geschöpfe umgibt. Der Verlag verdient für die Neuauflage von Soholem Alcjchcms „Marienbad" den Dank aller Frcundo frischen, befreienden Humors. u. a. <floUc3öicnftf in den Berliner Synagogen mit neuem Ritus Freitag, 14. Juni, 7 Uhr abends. Prinzregentenstraße: 7.15 Uhr. Anspr.: Neue Synagoge: Warschauer. Lindenstraße: Wcyl. Lützowstraßo: Wiener. Fasanenstraße: Galliher. Lcvetzowstraße: Graf. Friedcnstempel: Lcwkowitz. Prinzrcgcntcnstraßc: Swarscnsky. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162, 7.15 Uhr: Oberländer. Liberale Synagoge Osten, Kaiserstraße 30, 7.30, Uhr: Goctz. Liberale Synagoge Nordost, Prenzlauer Promenade 176, 7.30 Uhr: Zimct. Liberale Synagoge Westend, Koiscrdamm 70, 7.15 Uhr: Sänger. Liberale Synagoge Wcdding- Rcinickendorf, Persische Straße 13, 7.45 Uhr: Predigt. Jüdische Religionsgemcinde Charlottenburg, Schulstraßc 7, 6.30 Uhr: Pf ragst. Jüdische Reformgemeinde, Joachimsthalcr Straße 13, 6.30 Uhr: Koppel. Sonnabend,'15. Juni. Hauptgottesdienst 10 Uhr. Frühgottesdienst: Lindenstraße, Levctzowstraße, Prinzrcgcntcnstraßc: 7.30 Uhr. Liberale Synagoge Norden: Oberländer. Liberale Synagoge Osten: Goetz. Jüdische Religionsgemcinde Charlottcnburg ,9.30 Uhr: Anseht. Kiddusch der Jugend. Sonntog, 16. Juni. Jüdische Reformgemeinde, Johannisstraße 16, vorm. 10.30 Uhr: Gottsehalk. Franz Kafkas Werk 4 D, 7, 3 V 4, 3 O K, 9, 6 * - «jfc A, 10, 2 <?- O A, D, 7, 3, 2 *- Ohne Atout. Süd ist aro {Spiel und darf nur zwei Stiche abgeben. S. 11 S. 2) N. 3) W. 4) W. 5 . S. 6 S. 7) 8) Lösung der Aufgabe 5 Koro König, 7, Pik König, Karo 4 Karo 5, 8, Coeur Dame, Karo 10 Coeur 4, 5, Karo 6, Coeur 6 Pik Bube, Treff 4, 9, Pik 7 Pik 5, Troff 6, 10, Pik 9 Pik Dame, 6, Treff 7, Bube oder "Karo Bube Treff .5, Pik 8, Treff König, Dame oder Karo 9 Treff 8, Karo Bube, 9, Pik 10. Die Sprechstunde für bildende Kunstler wird, wie die Künatlerhilfe der Jüdisohea Gemeinde mitteilt, von jetzt ab nioht mehr im Jüdischen Museum, Oranienburger Str. 31, stattfinden, sondern Im Büro der Künstlerhilfe, Ch&rlottenburg, Kant st r. 158, und zwar jeden Mittwoch in der Zelt von 4—6 Ohr. Von der sechsbündigen Gesamtausgabe der Kafkaschcn Schriften ,dic der verantwortungsbewußte Nachlaßhütcr Max Brod für den Schocken Verlag besorgt, sind jetzt, nach den hier bereits gewürdigten Erzählungen und kleinen Prosaskizzen, die beiden gigantischen Romanfragmente „Der Prozeß" und „D a b Schloß" crsctiicnen. Sie öffnen weit den Zugang in die problcmhaftc Welt des jung verstorbenen und früh vollendeten Dichters, dessen Werk die Zeit nichts anhaben konnte, weil es zeitlos ist. Im Gegenteil: seine Tiefe und Abgründigkeit offenbaren sich immer mehr, je weiter die Gestalt ihres Schöpfers sich von uns entfernt. Man versteht heute auch, weshalb seine Werke TorBi geblieben sind, fragmentarisch bleiben mußten. Denn auf die urewige Frage nach dem Sinn des Waltens eines übermächtigen Gesetzes ,die Franz Kafkas Dichtungen durchzieht, gibt es keine Antwort, so sehr er darum ringt, wie Jakob mit dem Engel. Man hat sich bemüht, aus Kafkas Werk im einzelnen den gewissermaßen aktuell-jüdischen Sinn zu deuten. Sein Denken, in die kristallene Schale deutscher Sprachkunst eingebettet, ist so reich, daß es viele Deutungen und Kommentare zuläßt, um so mehr, als Kafka Sinn und Geschehen in die jüdische Form des Gleichnisses kleidet. Das eine ist gewiß, daß des Duldors Hiob Frage nach der göttlichen Gerechtigkeit auch die Kafkas und seiner Menschen ist. Auch sie sind Leidende, Suchende, wie Kafka ein ewig suchender Mensch war. Wenn im „Prozeß' 'der Bankdircktor K. die quälenden Stadien eines nie zu Ende gehenden geheimnisvollen Gerichtsverfahrens durchmacht, ohne den Fangannen der überirdischen Macht entrinnen zu können, oder im „Schloß" Bein Schicksalsgenosse, der Landvermesser K., in dio spukhafte Atmosphäre einer 'Schloßverwaltung mit ihrem verwirrenden' ■Beamten-' apparat gerät, immer ist es der Leidensweg des erwartungsvoll Suchenden, des Bittenden und Ringenden, der nie herausführt aus der Isolierung von der Umwelt und nie hineinfuhrt in dos göttliche Gesetz. - , „Der Prozeß" und. „Das Schloß" sind keine Leihbibliotheks- Romane zu flüchtiger Unterhaltung; Bei der Lektüre des letzten Werkes fühlte sich Franz Rosenzweig an die Bibel erinnert. In ihrem mythischen und religiösen Grundcharakter, ihrem künstlerischen und ethischen Wert sind sie gedankenvolle Begleiter auf dem jüdischen Lebensweg. Obwohl sie unvollendet geblieben sind, sind sie vollendet To. Aus den Gemeinden Köslin. Die gesamte Gemeinde hatte sich am zweiten Wochenfestabend in der Synagoge eingefunden, um für den einem ehrenvollen Rufe an die Gemeinde Herford nachkommenden Prediger Erich L c w i n Abschied zu nehmen. In seiner Abachicdsprcdigt wies der Scheidende auf seine fünfzehnjährige Tätigkeit in der liberal eingestellten Gemeinde hin, die ihm hier feste Verwurzelung habe finden lassen. Drei Bitten habe er an die Gemeinde, wenn er von ihr gehe, das Festhalten an Heimatboden und 1 Icimatkultur, stärkste Pflege des jüdischen Gemcinschaftegedankens und Vertiefung in Geschichte und Gegenwart des Judentums Bowic Aufrcchtcrhaltung des Einhcitsgcdankcns in der Gemeinde unter Ablehnung aller zionistischen Totalitütsansprüchc. Prediger Lewin segnete zum Schluß die Gemeinde mit dem Priestersegen. Für die Gcmeindckörpcrsch'dften dankte der Gcmeindcvorsitzcndc Rechtsanwalt Fricdlündcr dem Scheidenden für seine hingebungsvolle Arbeit als Prediger, Seelsorger, Kantor und Lehrer. Dio würdige Feier wurde umrahmt von künstlerischem Orgclspicl des Berliner Organisten Paul Arndtcincs Sohnes der hiesigen Gemeinde, und .Gesängen des Synagogenchors. Mannheim. Jüngst veranstaltete der hiesige Verein selbständiger jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender einen gut besuchten Abend. Zu dem Thema „Der jüdische Handwerker, Rückblick und Ausblick" sprachen die Herren Dr. S. Marx, R. Lehmann und Prof. Dr. BiUigheimcr, der den Wert der geistigen Fortbildung durch das Lchrhaus für die schulentlassene jüdische Jugend auch im Handwerk betonte. Einen aufschlußreichen Bericht erstattete das hiesige Lehrhaus über das Wintersemester 1934/35, wonach sich über 500 Gcmcindcmitgliedcr, also etwa 9 Prozent an der Arbeit des Lehrhauses beteiligten. Gegenüber dem Vorjahre haben sich die hebräischen Sprachkurse erhöht. Um die Ausgestaltung wie den Aufbau des gesamten Kurwesens machte sich Prof. Dr. B il 1 i gh eime r besonders verdient. Im ' jetzigen. SommersemeBter bringt das Lchrhaus als begrüßenswerte Neuerung organisch aufgebaute Kurse für die allgemeine und berufliche Fortbildung jüdischer Scnülentlassener, darunter auch Kurse für Mädchen. —nn. Ferienverschickung von Arztkindern. Die Zentralstelle für Jüdische Wirtschaftshilfe, Abteilung Ärztedezernat bei der Rcichsvertretung der deutschen Juden, teilt mit, daß sie bereit sei, die, Ferienverschickung von Arztkindern zu Arztfamilien zu vermitteln. Sie bittet daher um Mitteilung von Anschriften solcher Familien, die bereit sind, Kinder der Kollegen während der Ferien aufzunehmen, bzw. -um die Anschriften von Ärzten, die ihre Kinder verschicken wollen. &itp$eACe(iswecte JSezugsqueCden tlntmlckt arundauhMarl Vollstlnd. Untcrrtobt an kl. (tappen, einschl. Oymaaitllc. CUferoNeu wftager. Auch Nachhilfe und SchufertHtten. Chatl. Kalle rnnmo, Mttzubatgir Str. M Sprecbz. 1-3 TO. J 3 Oftva 308t | Installationen 1 Willy Zlehme Installationen . Schlosserei , Klempnerei Oos — W<user WUmertdorf, Augustastraße 32, H 7 6071 | Autobereifung |l lalonsiefabriken | tatsberetfang. Vulkanisier - Anstalt Klaaalbach, Charlottenburn, Kanfanr. 41 Spezlol-ProMieren aaranUert rutschfrei von 1.— an. Reparat, slmtl. Autorelfen Ah- und Verkauf gebr. Reifen. C1 6179 | Bauklempnereien ""1 / BnUempneni Hermann Hahn / das-, Wassera. sanitäre Anlagen Alle Hansrep. NW 87, Hnttenstr.9 C 9 Tiergarten 3234 [ Blumen ] Für Friedhof Weißensee nur Lothringenstr. 4 A. 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