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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-06-12 · 24 (12.6.1935) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
24 (12.6.1935)
Date
1935-06-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Kulturbünde können nicht alles umfassen, sind nicht allen zugänglich und sie können heute schon ohne Unterstützung der jüdischen Gemeinden nicht existieren. Wir sind zu schwach, um .allein eine große deutsch-jüdische Kultur aufzubauen, unser Geistesieben muß aus großen Quellen gespeist werden. Wie aber, wenn diese Quellen uns verstopft sind? Und wie sieht es im engeren jüdischen Leben aus? Es ist eine Illusion, wenn man glaubt, ein jüdisches Leben ohne starke Religionsgesellschaft erhalten zu können. Die Analogien Versagen, weil unsere Verhälthisse ganz eigenartig liegen, wie die jüdische Frage in Deutschland überhaupt keine Vergleiche verträgt. Außerhalb der jüdischen Gemeinde muß der Jude verkümmern. Die kleinen Gemeinden sind heute schon so gut wie eingegangen, die mittleren Gemeinden fristen ein kümmerlicnes Dasein, und auch die großen Gemeinden sind bedroht. Man sagt uns, das Judentum sei erwacht,- es strahle wieder warmes Leben aus. Gewiß, unsere Synagogen sind besser besucht, sie sind sogar überfüllt, wenn eine Bella Primadonna sich produziert. Ist aber wirklich viel damit gewonnen,, wenn Leute aus Sensation oder Langweile, ohne inneren Drang, sich ins Gotteshaus flüchten? Es wird heute viel hebräisch getrieben, — als fremde Sprache zu den vielen anderen, meistens, weil es Mode ist. Ist das ein großer Erfolg? Und auch das muß gesagt werden: manche, die Neuhebräisch lernen, sind nicht fähig, unsere Gebete oder gar die Bibel zu verstehen. Für Leute aber, die nicht nach Palästina . gehen, wäre sicherlich das Althebräisch, das Verständ- . nis unserer Literatur viel wichtiger. Gewiß bedeuten auch kleine Erfolge einen Fortschritt, und ein großer Teil unserer Juden ist heute sicherlich viel aufgeschlossener fürs Jüdische ab ihre Väter. Jeder zielbewußte Jude freut sich von ganzem Herzen darüber. Nur soll man alles das, was erreicht worden ist, als Stufe zur Höhe betrachten und nicht als Endzweck buchen. Wohin streben wir? Wir alle sehnen uns nach Ruhe, und Beharrlichkeit. Gewiß schwebt jeder Richtung ein anderes Endziel vor, und sie mag auch andere Bahnen wandeln, aber daß wir in erster Reihe für die Gegenwart sorgen müssen, das ist uns allen klar. Und auch die Weltanschauungen sind nicht so weit voneinander wie die Schablonen und Schlagworte. Auch die nationaljüdisch Gesinnten, soweit sie keine Fanatiker sind, stehen, , von Zukunftsträumen abgesehen, mit ihren Wünschen und Bestrebungen auf deutschem Boden. Sie wissen, daß es unmöglich ist, die halbe Million deutscher Juden nach Palastina zu verpflanzen, die tiefer Denkenden unter ihnen gestehen auch, daß auch jüdisch gesehen dieses weder für die Juden Deutschlands noch für Palästina ein Segen wäre.' Gibt man das aber zu, dann heißt es, sich äußerlich und seelisch entsprechend einzurichten. Auch im entgegengesetzten Lager ist heute eine andere Einsicht zu Deobachten. Uberall begrüßt man den Aufbau Palästinas. Uberall ist das Interesse für das jüdische Kulturgut lebhafter geworden^ Uberall, wo nicht Gedankenlosigkeit herrscht, egreift man, daß das^ was wir erleben, jüdisches Schicksal ist, und daß es nicht nur würdiger, sondern auch klüger ist, diesem Schicksal mit jüdischem - Selbstbewußtsein zu begegnen. Alle also sehnen sich, ohne ihre Weltanschauung zu verleugnen, nach Verständigung, nach gemeinschaftUcher Arbeit im Dienste der Gesamtheit. Wenn die Not alle Interessen auf einem Punkt konzentriert, dann ist keine Zeit, Weltanschauungskämpfe zu führen und alte oder neue Ideen zu verfechten, aber auch nicht, um die Zerstörung noch großer zu machen und die Kluft zu vertiefen. Was folgt daraus? Philosophisch gesehen, gibt es keine neuen Ideen, die man als jüdisch bezeichnen könnte. Alles Gesunde fließt organisch aus dem Alten, nimmt nur neue Formen an. Daß das Judentum, trotz allen Geschicken, lebendig geblieben und nicht zum Petrefakt geworden ist, verdankt es dem Umstand, daß es reich an Selbstkritik ist. Erkennt man das, — und Geschichte und Erfahrung sanktionieren diese Sentenz —, dann ist nicht schwer, den Weg zur Versöhnung zu finden. Man wird die. Klüfte nicht'ausfüllen, aber 'BfttcTtefi bauen können. Es .wird so etwas wie ein Notprogramm entstehen, das die Basis gemeinsamer Arbeit Bildet. Und dieses Arbeitsprogramm wird sich auf einige Punkte be-, schränken müssen. Vor allem: keine Rechthaberei! Man soll auch keine „ewigen Lehren" ziehen wollen aus Epochen, die noch nicht abgeschlossen sind. Man soll einander die Liebe zum Judentum und den guten Willen nicht absprechen. Man soll auch über Irrtümer nicht höhnen, •— sie sind im Grunde tragisch und nicht komisch. Man soll nicht mit Schlagworten kämpfen, ohne zu prüfen, ob sie überhaupt einen Inhalt hatten, oder noch mit dem ursprünglichen Gehalt Bich decken. Aber auch Positives kann daraus entstehen. Es fehlt auf sozialem und kulturellem Gebiet nicht an großen aktuellen Aufgaben. Wir brauchen in allen , Gemeinden dringend jüdische Heime als Zuflucht der jüdischen Seele. Wir brauchen eine engere Fühlung zwischen der Leitung und den Mitgliedern der Ge^ meinde. Alle Männer und alle Frauen von Einsicht und Tatkraft müssen zur positiven Arbeit herangezogen werden. Wir brauchen eine Verbindung von Schule und Haus, von Erziehung und Unterricht. Wir brauchen, in den Kursen für Erwachsene ein Lernen und nicht nur ein Hören. Wir brauchen eine Organisation zur Belebung der jüdischen Literatur. All diese Aufgaben, die hier nur flüchtig skizziert wurden,.können nur gelöst werden durch eine große, richtig gegliederte Arbeitsgemeinschaft, die alle Kräfte heranzuziehen versteht. Zurück, aber wohin? Wir wollen und müsseh ins Jüdische zurück, aber dieses Jüdische soll nicht das dumpfe Ghetto, sondern ein verinnerlichtes, freieB Reich des jüdischen Gemüts, des jüdischen Geistes seih. Wir wollen unsere kleine Welt nicht nach Mustern verflossener Jahrhunderte, sondern nach dem Bedürfnis der Gegenwart ausbauen. Wir wollen die deutsche Kultur, die uns lieb und teuer ist, weiter pflegen, verschmolzen mit dem jüdischen Wesen und mit dem großen Menschheitsideal, wie es die Geistesheroen des Deutschtums und des Judentums ersehnten. Wir engen unseren äußeren Lebensraum, aber nicht unser Geistesleben ein. Wir verlegen nur den Ort, nicht die Quelle unserer Bildung. Wir wissen nicht, was das Schicksal mit uns vorhat. Aber wir tragen unser Los mit Würde, ohne Verzweiflung, ohne ' verbitterten Trotz. Wir kehren zurück zu unserer Gemeinschaft, die wir erweitern und bereichern wollen.' Ein . Leid von Jahrhunderten hat es nicht vermocht,, unsere Ahnen von der geläuterten Religiosität abwendig zu machen. Wir wollen uns ihrer würdig zeigen. Was die Zukunft auch bringen magpBie soll uns groß im Streben, einig im Wollen und stark im Wirken finden. 11 Die Liebe zu deutscher Kultur vermag' uns niemand zu rauben. Wir sind Juden deutscher Kultur. Wir kehreii zurück in unser schlichtes jüdisches Heim, an Illusionen,- aber reich an Willenskraft, Einsicht und Glauben. Eine Holze Reihe Die jüdifchen Ärzte in der Entwicklung der Wiener Medizin Wien. In diesen Tagen feiern "die österreichische Regierung und die Wiener Arzte dos 150jährige Jubiläum des Wiener Allgemeinen Krankenhauses, des größten Krankenhauses der Welt. Anläßlich des Jubilüums dieser Anstalt, aus der, wie gemeldet, demnächst der letzte jüdische Sekurulararzt ausscheidet, stellt der bekannte Forscher auf dem Gebiet der Geschichte der Medizin, Dozent Dr. J. Fischer, der Jadischen Tclegraphenagcntur Ausfahrungen aber den Anteil der jüdischen Ärzte an der Entwicklung der Wiener Medizin zur Verfügung, der wir folgendes entnehmen: „Es ist begreiflich, daß das Jubiläum des Wiener Allgemeinen Krankenhauses auch Anlaß gab, die Entwicklung der Wiener Medizin in dem Zeitraum dieser 150 .Jahre zu überblicken, zumal es ja dieser Zeitraum war, in 'Welchem die Heilkunde nie dagewesene und nie geahnte Fortschritte zu verzeichnen hatte. Sind diese Fortschritte wohl an die internationale Zusammenarbeit geknüpft, so hatte die Wiener medizinische Schule doch reichen Anteil an ihnen, und auch hier waren jfldische Ärzte in vollem Maß an dem Aufbau und Ausbau der modernen Heilkunde tätig. Allzugroß wäre die. Liste der Namen, die hier zu nennen wären, weshalb ich mich auf die Aufzahlung der bedeutendsten Vertreter der einzelnen Fächer beschränken muß,- von denen manche freilich, ihrer Karriere zuliebe, dem Judentum schon den Rücken wandten, die aber ihre Anlagen, ihre Talente und ihr Genie der Gemeinschaft schuldeten,.der sie entstammten. Der Anatom Emil Zuckerkandel, der Embryologe Samuel Schenk, die Physiologen Emst Fleischl, v. Marxow und Alois Krcidl, der erste Vertreter dor experimentellen Pathologie Solomon Stricker und der medizinische Chemiker Julius Mautner seien als Vertreter der theoretischen Fächer genannt. Heinrich v. Bamberger, Samuel Bäsch, Moritz. Hehler, Leopold Oser, Maximilian Sternberg und Hermann Schlesinger erwarten sich auf dem Gebiet der internon Medizin ruhmvolle Namen. Die Wiener Chirurgie verdankt den Billroth-Schalern Anton Wölfler und Robert Gersuny, die Urologie Josef Grünfeld ,und Otto Zuckerkand], die.Heilgymnastik Anton Bum mächtige Förderung. Um die Wiener Neurologie machten sich Moritz Benedikt, Moritz Rosenthal, dor vielversprechende, aber früh verstorbene Nathan Weiß, Josef Adolf Hirsch], Emil Redlich und Alfred FuchB verdient. Der erste Wiener jüdische Dozent der Gynäkologie war Markus Funk, dem Wilhelm Schlesinger, Julius Neumann, Fritz Hitschmann, Arthur Foges und Edmund Herrmann folgten, während die operative Gynäkologie besonders von Karl August Herzfeld und Ernst Wertheim, der einer alten Wiener jadischen Familie entstammte, bereichert wurde. Gustav Wertheim, Moritz Kaposi, Isidor Neumann, Heinrich Auspitz, Heinrich Paschkis, Maximilian von Zeiß, Siegfried Grosz schufen grundlegende Arbeiten zur Dermatologie und Syphilidologie. Der beste Wiener Kliniker der Kinderkrankheiten war Ludwig Wilhelm Mautner; um dieses Fach haben sich dann Leopold Politzer, Lazarus Fürth, Ignatz Eisenschitz, Max KaESowitz, S Paul Moser, Leopold Moll und Karl Leiner verdient gemacht. Die modornc O t o 1 o g i e ruht auf den Arbeiten von Adam Politzer und Josef Gruber, denen Albert Bing, Gustav Alexander, Benjamin Gomperz und Ferdinand Alt als würdige Schüler zur Seite traten. — Die Wiener Laryngologic weist die Namen eines Karl Stflrck und Johann Schnitzlcr (Vater Arthur Schnitzlcrs), in der späteren Generation die von Leopold Retiii, Wilhelm Roth und Johann Fein auf. Hervorragende Vertreter der Augenheilkunde waren Ludwig Mauthner und Isidor Schnabel, ferner Jakob Hock und Leopold Königstein. Als Lehrer >ler Zahnheil künde wirkten Philipp Steinbcrger, Michael und Julius Schcff, welch letzterer der erste Vorstand des- Universitäts- Instituts für Zahnheilkunde wurde. Die Balneologie verdankt Josef Seegen, die Hydrotherapie Wilhelm Winternitz ihre wissenschaftliche Grundlegung. Der erste Lehrer der Geschichte der Medizin war der Konvertit Franz Romeo Seligmann, der schon 1833 mit Vorlesungen aus diesem. Fach betraut wurde. '-" In der vorangegangenen Liste erscheinen nur die 'Namen bereits Verstorbener. Überaus groß wäre die Liste der noch heute unter uns wirkenden . jadischen Ärzte oder Ärzte jüdischer Abstammung, die sich internationalen Rufes erfreuen und die medizinische Forschung reichlich befruchteten. Wer denkt hier nicht in erster Linie an Sigmund Freud, an den hochverdienten Gustav Gärtner, an Ernst Pick, Markus.. Haiek, Leopold. Freud, Heinrich Neumann, Bclaji Sxaick^. Jalalb i^rfheitn«uy; o.'j'&fei der drei Nobelpreisträger" Wiener Abstammung, Robert Barany und Karl Landsteiner, können wir ebenfalls für, uns reklamieren. Es ist wirklich eine stolze Reihe von Nomen, auf die wir Wiener jadischen Ärzte hinweisen können, wenn von den Leistungen der ■ Wiener medizinischen Schule gesprochen wird. Wir hoffen, daß trotz der Ungunst der Zeiten, trotz der uns allen" bekannten Verhältnisse der jüngsten Gegenwart, die allgemein >. und selbst von unseren Gegnern anerkannte Befähigung der Juden zum praktischen Ärztlichen Beruf und zur medizinischen Forschung auch fernerhin der Wiener-Medizin und der Wiener medizinischen Schule zum Nutzen gereichen möge." Sieflluiigsuiögliclikeiteu in Südamerika New York. Oberkommissar für Auswandcrerfürsorge, James G. MacDonald, erklärte nach seiner Rückkehr aus'Brasilien, er beurteile die Aussichten für die Unterbringung Ausgewanderter in den südamerikanischen Staaten günstig. Ein Hindernis bilde jedoch die Ausbreitung der faschistischen Bewegung. Die erwartete Verbesserung der EinwanderungsbedingUDgen in Argentinien konnte nicht erzielt werden. Außenminister Dr. Dornas und Innenminister Dr. Meie haben MacDonald mitgeteilt, daß Sonderbestimmungen im Interesse der Einwanderung von Juden aus Deutschland nicht getroffen werden könnten. Dem Mitarbeiter MacDonalds, Dr. Samuel Guy Inman, wurde vom Präsidenten von Honduras, General Caries, erklärt, die Regierung würde die Einwanderung jüdischer Wissenschaftler Und Lehrer aus Deutschland begrüßen. Gegen die Einwanderung von Juden aus Deutschland nach Argentinien als Landarbeiter oder auf Grund von Bürgschaftserklärungen in Argentinien ansässiger Verwandten wird von der dortigen Regierung kein tüinwand erhoben. land kam eine' Gruppe von 60 Personen. ~ " befinden sich einige Waisen, die von ihren Unter den Ein. Wanderern aus Polen in Amerika lebenden Verwandten adoptiert werden sollen. Suche nach neuem Siedlungsgebiet Warschau. Unter dem . Vorsitz des ehemaligen Außenministers Leon Wassilewski fand in Warschau ein von dem Institut zur Erforschung des Mmderheitenproblems in Polen veranstalteter Vortrag des Publizisten Dr. Czernichower über die Lösung der Judenfrage statt. Der Redner gab einen Uberblick über die Geschichte der jüdischen Kolonisation in Palästina und Biro Bidschan. Er betonte die Notwendigkeit und Nützlichkeit beider Kolonisationsaktloncnj erklärte ober, die Judennot Bei so groß, daß zu diesen beiden SiedlungslBndem noch ein drittes Territorium hinzukommen müsse. Die neue Siedlungsaktion könne nur in internationalem Rahmen erfolgen, deshalb richte er an die freiheitlich gesinnto ■ christliche Welt den Appel), ein solches drittes jüdisches Territorium ausfindig zu machen. Außer am Jordan und am Amur müsse noch an einem dritten Fluß eine jüdische Niederlassung entstehen. Den Namen dieses dritten Flusses könne er nicht nennen, aber wer suche, der finde. Es gäbe genug ünbesiedelte Länder, die nach Kolonisation lechzen; am geeignetsten wäre Afrika. Die jüdlfehe Einwanderung in USA New York. In, der letzten Woche sind in den Vereinigten Staaten 223 jüdische, Einwanderer eingetroffen, von denen fast alle aus Polen und Deutschland stammen. Aua Deutsch- Ein Siebzigjähriger Am heutigen Mittwoch begeht Dr. Siegmund Feist, der langjährige Leiter des Reichenhcimschen Waisenhauses, von dem er am 1. April Abschied genommen hat,' seinen 70. Geburtstag. Als Gelehrter ist er weit über die Grenzen Deutschlands anerkannt. Als junger Student legte er in Straßburg mit seiner Dissertation das Fundament zu seinem gotischen Wörterbuch, das seine wirtschaftliche Autorität begründet hat. Er war 20 Jahre lang Redakteur der „Jahresberichte für germanische Philologie" und stand in engster Arbeitsgemeinschaft mit dem Germanisten der Berliner Universität, Gustav Roethe. . Dr. Feists Hauptgebiet ist die germanische Sprachgeschichte. , Er nat auch eine Geschichte 'der deutschen Sprache geschrieben, die 1933 in neuer Auflage erschienen ist. Aufsitze in Fachzeitschriften und Tageszeitungen sind Zeugen seiner reichen schriftstellerischen Tätigkeit. Eine seiner letzten größeren Schriften behandelte die Kelten und Germanen. Daneben besitzt Dr. Siegmund Feist auch ein umfangreiches jüdisches Wissen. Seine Forschungen hat er in einem Büch über „Stamme s künde ~d e r Juden" niedergelegt.' Wir wünschen dem Jubilar, daß ihm ein ruhiger I^bertsabend' beachieden sein möge, der ihm Muße zur Ausübung seiner Bchriftstellcriscbeint "Pläne gibt. . Schmorja Leviri geitorben Jerusalem. In einem Sanatorium in Haifa ist am vergangenen Sonntag der zionistische Politiker Sohmarja Levin einem Herzschlag erlegen. Er-hat ein Alter von 68 Jahren erreicht. Die Beisetzung hat unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit auf dem Friedhof von Tel Awiw stattgefunden. Schmarja Leviu, der 1867 in Swislotsch im Gouvernement Minsk geboren war und in Berlin und, Königsberg Philosophie studiert hat, wurde zunächst Kronrabbiner' in Grodno und Jekaterinoslaw und später'Prediger in Wilna. 1906 wurde er Abgeordneter in der ersten russischen Duma, wo er «ine Reilrc eindrucksvoller Reden über jüdische Probleme gehalten hat. Seine Kindheitsjahre und seine spätere politische Tätigkeit für die zionistische Bewegung hat Schmarja Leviri in seiner vor. wenigen Jahren erschienenen Autobiogruplüc eingehenc! beschrieben. Audi sonst, hat er sich literarisch betätigt. TNach dem Kriege nahm . er seinen Aufenthalt in Deutschland und wurde hierein eifriger Mitarbeiter des Hilfavereins' der deutschen Juden. Nach einem längeren Aufenthalt in Amerika übersiedelte er 1924 nach Palästina.'

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