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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-05-29 · 22 (29.5.1935) · page 5

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
22 (29.5.1935)
Date
1935-05-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Es wird gemeldet: ■ In Hamburg haben die Wohlfahrtsbchördcn, nachdem eino Behandlung von Wohlfohrtspaticnten durch nichtarischc Arzte nicht mehr erfolgen darf, eine .neue Anordnung getroffen, durch die mit sofortiger Wirkung untersagt wird, daß Schüler von Fachschulen, deren Schulgeld ganz oder teilweise von der Wohlfahrtsbchördo getragen wird, durch nichtarische Lehrer unterrichtet werden. Diese Anordnung betrifft in erster Linie Musikkonservatorien, an denen noch einzelne jüdische Lchror tatig sind. * ■ Auf dem Jüdischen Friedhof in Weißcnscc fand nm Sonntag unter großer Beteiligung die Beisetzung des Vorsitzenden der Berliner Ortsgruppe „Bayern" des RjF, Isenburg, statt, der wührend eines Kameradschaftsabends einem Herzschlag erlegen war. Rabbiner Dr. Sworscnsky hielt dio Grabrede. * H Die Berliner Juden j>oInischer Staatsangehörigkeit voranstalteten am vergangenen Freitag eine Trauerfeier für Marschall Pilsudski, der u. a. der polnische Generalkonsul Dr. Stanicwicz und Konsul Dr. Kruczkicwicz beiwohnten. * B Die Donnerstag-Vortragsreihe des Sorrunerscmcstcra des Jüdischen Lehrhauses in Berlin wurde mit einem Vortrag Dr. Fritz Bambergers über die Quellen des Judentums eröffnet. * ■ Der Reich ssender Breslau veranstaltet ein Preisausschreiben: „Wer schreibt das beste Hörspiel", an dem sich alle rcichsdeutschcn, österreichischen und sudetendeutschen Dichter und Schriftsteller, soweit sie arischer Abstammung und nicht mit nichtarischen Personen verheiratet sind, beteiligen können. * ■ Auf Wunsch des verstorbenen Marschalls Joseph Pilsudski wird der jüdische Gelehrte Dr. Maximilian Rose, Professor an der Wilnacr Universität und Leiter des einzigen polnischen Instituts für Gehirnforschung, das Gehirn Pilsudskis wissenschaftlich untersuchen und das Ergebnis in einem Gutachten verarbeiten. * H Das Rabbinat von Rowno hat, wie aus Warschau gemeldet wird, beschlossen, daß zur Ehrung des Andenkens Marschall P i 1 - sudskis alle während des für die jüdische Bevölkerung proklamierten Trauermonats geborenen jüdischen Knaben den Namen Joseph nach dem verstorbenen Marschall tragen sollen. * ■ Wie Europapress aus London meldet, ist der Weltmeiste rschaftskanipf zwischen dem gegenwärtigen Weltmeister im Schworgewicht, Max B a e r , und Max S c h m c 1 i n g nunmehr praktisch gesichert. Der Kampf soll Ende August i n London erfolgen. * ■ Die Bukarestcr Universitätsbehörden haben beschlossen, als Mittel zur Verhütung weiterer Ausschreitungen an den rumänischen Hochschulen vom kommenden Semester an eine „Studentenpolizei" einzuführen und damit die Studentenschaft selbst für dio Aufrcchtcrhaltung des ungestörten Studicnbctrichs vcrontwortlich zu machen. m fl| Wie die JTA aus Jerusalem erfährt, hat der Dentistenverband Palästinas die Errichtung eines Instituts für zahnärztliche und zahn technische Fortbildung beschlossen. Das Institut soll in Jerusalem neben der Hebräischen Universität gebaut werden. * B Die luxemburgische Postvcrwaltung hat eine Serie von 15 Wohlfahrtsmarken im Nominalwert von 5 Cent bis 20 Francs herausgebracht, die zu Gunsten der Hilfsaktion für die aus Deutschland ausgewanderten Gelehrten und geistigen Arbeiter um den doppelten Preis verkauft werthm. Der Nominalwert fällt der Post, der Mehrbetrag dem Hilfskomitee zu. B Die 'n einer englisch-jüdischen Zeitung erschienene Meldung, wonach der Oberkommissar für Auswandererfürsorge, James G. M a c D o u a 1 d , beabsichtigen soll, wegen mangelnder Unterstützung seiner Tätigkeit durch den Völkerbund demnächst zurückzutreten, wird von dem zurzeit in Genf weilenden Sekretär des Oberkommissars dem Genfer JTA-Vertreter gegenüber dementiert. B Wiq aus New York gemeldet wird, hat Gouverneur Herbert H. Lehmann ein vor kurzem von der Legislative des Staates New York angenommenes Gesetz bestätigt, durch das eine unterschiedliche Behandlung von Schülern in den aus öffentlichen Mitteln unterstützten Schulen auf Grund von Religion, Nationalität oder Rasse untersagt wird. * 4 B Zum Protest gegen die geringe und unregelmäßige Bezahlung sind 1200 Lehrer der hebräischen Schulen New Yorks in den Streik getreten. * B In dem jüdischen Städtchen Dzicciol ini Kreise Grodno, das bei der jüdischen Bevölkerung Polens unter dem Namen Zhetcl bekannt ist, sind 8 8 Häuser durch Feuer zerstört worden. Das Betb Hamidrasch und die jüdische Bibliothek wurden stark beschädigt. * B Nach einer Meldung aus Jerusalem haben arabische Arbeiter aus dem Dorfe Alkasan bei Haifa in der Nähe arbeitende jüdische Arbeiter überfallen, wobei einer der Angegriffenen verletzt wurde. Mehrere von den Angreifern wurden verhaftet. # B Der Oberrabbiner von Turin, Gincomo Bolaffio, hat Bein Amt, das er 33 Jahre lang inne hatte, niedergelegt. Zu seinem Nachfolger wurde der bisherige stellvertretende Rabbiner, Dr. Dario Discgni, gewählt. l^ffans^anTtep"! Ein Verkehrsunfall hat ihn jüh aus dem Dasein gerissen. Ein 24i4ährigeB Leben, das unserer Gemeinschaft noch viel zu geben vcrspacji, ist unerbittlich ausgelöscht. Hans Samter ist nicht mehr. Die letzten Worte, dio er für unser Blatt am 2. Mai geschrieben hat, lauteten: „Für uns Juden ist keiner besser und keiner schlechter. Dieses Wissen aber muß man von denen verlangen, die am Neuaufbau des Judentums helfen wollen. Und wer vermöchte sich davon auszuschließen?" * Sein klares, kluges, waches Wesen, das die seelische und geistige Not der Juden in Deutschland in den letzten beiden Jahren an sich selbst erfahren hatte, seine nahe Verbundenheit zu allen Dingen und Erscheinungen des Lebens ließen ihn Aufgabe und Verpflichtung fühlen, an dieser Neugestaltung mitzuarbeiten,. Hinter seiner bescheidenen, schüchternen, fast verlegenen Art barg sich eine gesammelte Energie und ein zielbewußter Wille, ein einheitliches, geschlossenes Gesamtbild des Judentums zu formen, imd aus seiner Individualität heraus entwickelte er die Kräfte, sich in die Gesamtheit einzufügen. Er war von einem unbündigen Drang beseelt, Gesehenes, Erlebtes und Durchdachtes in einer zarten, behutsamen Art schriftstellerisch zu gestalten. Ehrlich, mutig und ohne alle Vorbehalte. Das Schicksal hatte ihn,' dor sich dio juristische Laufbalm erwählt hatte, aus Berlin nach einer süddeutschen Mittelstadt verschlagen. Neben der Tätigkeit in einem Bankgeschäft widmete er sich mit seinem ganzen Eifer der neuen Pflege jüdischer Dinge. In der Stadt seines, neuen Lernens und Wirkens wurde vor einiger Zeit ein Lchrhaus eingeweiht, über dessen Portal unsichtbar die Worte stehen: „Dieses Haus gehört der Jugend." Es war Hans Samter nicht vergönnt, an dem Weiferbau mitzuarbeiten. Wir werden ihn nicht vergessen. et. unmittelbaren Verbindung mit der Reichsvertretung Verbindungsstellen bei allen Provinzialverbündcn im Reich einzurichten. Der Verband will künftig das Jugendherbergswesen für wandernde jüdische' Jugendgruppen ausbauen und, wie es bisher schon in Einzelfällen geschehen ist, Kinder aus den Kleinstgcmcindcn in den größeren Gemeinden zusammenziehen, um ihnen an den Feiertagen einen Eindruck jüdischen Gemeinschaftslebens zu vermitteln. Es sind ferner Lehrtagungen und Lchrkursc in Aussicht genommen. 300 Jahre Synagogen-Gefang Der letzte Gemcindcabcnd, den die Liberale Synagoge O 81 c n veranstaltet hatte, fand in der überfüllten Aula der Knabcnvolksschule in der Kaiscrstraßo statt. Nach Begrüßung durch den Vorsitzenden, Herrn Gereon, und einem Orgclvorapiel des italienischen Synagogcnkomponistcn Rossi durch Herrn Schwarz führte Herr Ehrenreich in interessanten Ausschnitten „300 Jahre Svnugogcngesang" vor. Das fesselnde Thema, über das wir anläßlich eines früheren Vortrags im Friedcnatcmpel seinerzeit ausführlich berichtet haben, dio künstlerischen Darbietungen des Oberkantors John, die überraschende Schönheit der zahlreichen Platten hielt das religiös eingestellte Publikum zwei Stunden lang im Bann, und der reiche Beifall war der rechte Dank für die teierstunde, die der Liberalen Synagoge Osten neue Freunde gewonnen hat. Die Gemeinden Nordweltdeutfchlands tagen > Hamburg. Unter Botoiligung von Vertretern sämtlicher Gemeinden Schleswig-Holsteins, der Hansestädte, Oldenburgs und des preußischen Regierungsbezirks Stade trat in Hamburg der große Ausschuß des Provinzialvorbandcs der jüdischen Gemeinden Nordwcatdeutschlands zu einer Tagung zusammen. Aus dem erstatteten Geschäftsbericht ergibt sich, daß der Verband für dio kleinen Gemeinden fruchtbare Arbeit geleistet hat, indem er für den Religionsunterricht in den Landgemeinden gesorgt, die Juden in den entlegenen Orten wo h I f 0h rt sp f le go r i s oh betreut, eine Dario Ii nskasse ausgebaut sowie zahlreiche Veranstaltungen kultureller Art durchgeführt hat. Für das Besitztum von Gemeinden, in denen' keine oder keine nennenswerto Anzahl von Juden mehr lebt, hat der Verband Fürsorge und Verwaltung übernommen. Eine; größere Aussprache entspann sich über die mangelnde Verbindung der Provinzialycrbande mit der Reichsvertrot u n g. Es wurde angeregt, zur dauernden Aufrechterhaltung der sMteöiMcnfic in den Berliner Synagogen mit neuem Ritus Freitag, 31. Mai. Fasanenstraße: 6.30 Uhr. Prinzregentenstraße: 7 Uhr. übrige Synagogen: 7 Uhr. Predigten: Fasanenstraße: Wiener. Friedcnstcmpel: Lewkowitz. Prinzregentenstraßo: Galliner. Schmargendorf: Samuel. Ansprache: Lützowstraße: Scheuermann. Levetzowstraßo: van der Zyl. Liberale Synagoge Osten, KaiBcrstraße 30, 7.30 Uhr: Adler. Liberale Synagoge Nordost, Prenzlauer Promenade 176, 7.30 Uhr: Goetz. Lieberale Synagoge Westend, Kaiserdamm 78, 7 Uhr: Oberländer. Liberale Synagoge Wcdding-Reinickcndorf, Exorzierstraße 13, 7.45 Uhr: Zucker. Jüdische Roligionsgemeindo Charlottcnburg, Schulstraße 7, 6.30 'Uhr: Hamburger. Anschl. Kiddusch der Jugend. Jüdische Reformgememde, Joachimsthalcr Straße' 13, 6.30 Uhr: Koppel. Sonnabend, 1. Juni. Hauptgottesdienst.- 10 Uhr. Frühgottesdienst: Synagogen Lindenstraße, Levetzowstraße und Prinzregentenstraße: 7.30 Uhr. Liberale Synagoge Norden: Ziraet. Liberale Synagoge Osten: Adler. Jüdische Religionsgemeinde Charlottenburg: 9.30 Uhr (Neumondawcihe). Sonntag, 2. Juni. Jüdische Reformgemeinde, Johannisstraßo 16, 10.30 Uhr: Gottschalk. Jüdisches Lehrbaui. Am Donnerstag, 30. Mal (Himmelfahrtstag), 20.15 Uhr, spricht Rabbiner Dr. Leo Uteck In der Lege, Kloiststraß« 10, aber: .Die £>iiUn;dsi Jeden". Für Inhaber von Hörerkarten unentgeltlich, Einzelkarten an der Abendkasse 50 Plg. Drei Aiisilelliuigeii Borieht für die „Jüdischo Allgomoino" Frankfurt a. M. Der Frankfurter Jude oder der Besucher Frankfurts, der an jüdischen Dingen interessiert ist, konnte dieser Tage in der zufälligen Gleichzeitigkeit dreier Ausstellungen, dio jüdisches Work und jüdisches Wirken aufzeigen, dio ungeheure Spannwcito jüdischen SchnffcnB und jüdischen Schöpfertums erleben. ■ Ein Bogen spannt sich von der ältcBtcn bis in die jüngste Zeit und bezeugt übor dio Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg die unvergängliche Lebenssubstanz dcB Judentums. Im Kunstgewerbemuseum ist aus Anlaß der 400jährigen Wiederkehr des Erscheinens der deutschen Luther-Bibel eine Bibeln Ii sstcllung veranstaltet, und weniger dieBcr Anlaß, als die Tatsache der unvergänglichen Lcl>cnd!gkcit dieses jüdischen Urwerkcs oder urjüdischen Workcs erfordert einen Hinwois, vor allem, weil die Ausstellung nicht nur deutsche und Luther-Bibeln, sondern ouch hebräische Handschriften und Drucke kostbarster Seltenheit, Leihgaben der Stadtbibliothek, Frankfurt a. M., aufweist. Führt uns diese Ausstellung zunächst 400 Jahro und dann einige Jahrtausende zurück, so erinnert uns die M a i m o n i d c s - Ausstellung in dem Museum Jüdischer Altertümer im GcmcindchoUBC an die 800jährige Wiederkehr des Geburtstages von Rabbi Moses ben Maimon. Auch hier wundervolle Handschriften mit Gold-Initinlcn und bunten Miniaturen, vor allem aber in einzigartiger Erhaltung und Reichhaltigkeit sämtliche Erstdrucke (Inkunabeln) seiner zahlreichen Schriften auf medizinischem, philosophischem und hnlachischcm Gebiete, Übersetzungen ins Hebräische, Französische, Deutsche und Englische. Zeigte die Bibclausstcllung das rein jüdische Kulturgut in seiner Originnlgcstnlt und in seinem Wirken auf die Umwelt, die Maimonidcßschriftcnschau sinnbildlich das Wirken des Menschen zwischen den Kulturen, der glciclucitig und mit gleicher Fülle aus seinen jüdischen Quellen und dem Kulturborn der Umwelt schöpft und beide befruchtet, so verdeutlicht die Gedächtnisausstellung für Max Liebermann, die in den Räumen der Frankfurt-Loge vom Kulturbund, den drei Logen, der Gcscllachaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmülcr und dem Central-Verein veranstaltet ist, die Stellung und das Werk des jüdischen Menschen, der ganz in seiner Umwelt eingetaucht und aus ihrem Material schöpfend, um die Erhaltung seiner jüdischen Substanz ringt und, unbewußt von ihr getragen, trotz aller Ausflüge in ferne Landschaft, nicht von ihr loskommt. Durch den Dircktionswcchscl im Neuen Theater, dessen jüdische Leitung nach 24jührigcr erfolgreicher Tätigkeit ausgeschieden ist, hat der jüdische Kulturbund eine gewisse Lücke auszufüllen, und er ist mit bestem Erfolg darum bemüht, wenngleich das Fehlen einer wirklich lebensfähigen Theatergruppe sicherlich allgemein schmerzlich vermißt wird. Die Ankündigung über die beabsichtigte Schaffung einer solchen und die dabei genannten Namen vermögen von einem Erfolg, der demjenigen auf musikalischem Gebiete gleichwertig sein könnte, noch nicht zu überzeugen. Mit der Mozartschcn Kammeroper „Die Entführung aus dem Serail" gab der Kulturbund eine wirkliche Mcistcrlcistung. Die Solisten Rudolf Ganz, Marianne Caula, Edith Ebner, Max Lipmann, Paul Schwarz und Emil Fischer spielen mit Hingebung und standen der schmissigen und aufs feinste abgewogenen Leistung des Orchesters unter Leitung von Hans Wilhelm Steinberg nicht nach. Das letzte Orchesterkonzert des Kulturbundes bot mit der Wiederholung von Beethovens 5. Symphonie durch die hervorragenden soTistisehcn Leistungen der Sängerin Käte Ettiingcr, der Klavicrspiccrin Alice Rosenbaum sowie durch die einleitenden Rosomundc-Ouvertürc Franz Schuberts einen wirkungsvollen, befriedigenden musikalischen Abend. Das Jüdische Lehrhaus hat seinen neuen Frühjahralchrgang eröffnet. Es sind etwa 20 Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften vorgesehen, die sich im wesentlichen mit jüdischer Geschichte, Bibel und der Lektüre hebräischer Texte befassen. Daneben neusprachüche Übungen, philosophisch-soziologische und pädagogische sowie künstlerische Arbeitsgemeinschaften. c. s. Vom Arbeitsgericht abgelehnt Zur Frage dor Vertretungsmöglichkeit jüdischer Rechtsanwälte vor den Arbeitsgerichten hat das Zentralorgan des Nationalsozialistischen Juristenbundes „Das Deutsche Recht", das amtliche Blatt des Rcichsministcrs Frank, bereits vor kurzem Stellung genommen und sie dahingehend entschieden, daß grundsätzlich' jüdische Rechtsanwälte von der Vertretung der Parteien vor deutschen Gerichten dort ausgeschlossen sind, wo das Gesetz ihre Zulassung nicht ausdrücklich vorschreibt. Da eine solche Möglichkeit in der Verordnung zur Änderung des Arbeitsgcrichtsgcsetzes vom 20. März 1935 nicht vorgesehen ist, bleiben die jüdischen Rechtsanwälte von der Vertretung der Parteien vor dem Arbeitsgericht ausgeschlossen. Demzufolge hat das Arbeitsgericht in Magdeburg, wie „Der Mitteldeutsche" berichtet, die Zulassung eines jüdischen Rechtsanwalts als Partcivcrtrctcr abgelehnt. Die Entscheidung lautete: „Der Beschluß vom 5. April 1935, durch den der Rechtsanwalt Flicas als Vertreter der Beklagten vor dem Arbeitsgericht in Magdeburg zugelassen wurde, wird aufgehoben. Der Antrag auf Zulassung des jüdischen Rechtsanwalts Flicss vor dem Arbeitsgericht wird abgolehnt." Jüdifehe ltundftinkgefellfchafl in London London. In London wurde eine jüdische Rundfunkgcscllschaft unter der Bezeichnung „Jewish Radio Limited" ins Handelsregister eingetragen. GcBchäftsführender Direktor ist Dr. S. Goldberg, der seinerzeit Vorsitzender des Berliner Synagogenvereins Friedcnstcmpel war. Wie der JTA mitgeteilt wird, wird sich die jüdischo Rundfunkstation mit keinerlei politischen oder aggressiven Tendenzen befassen, sondern dio Möglichkeiten dos Rundfunks benutzen, um dio kulturellen Leistungen von Juden auf allen Gebieten des künstlerischen und wissenschaftlichen Lebens darzulegen, das allgemeine Verständnis für die Judenfrage zu wecken. Der Kulturbund im Sommer . Nach der Aufführung der „Fledermaus", die am nächsten Sonntag unter der musikalischen Leitung Joseph Rosenstocka und der Regio Kurt Singers herauskommt, bringt der Jüdische Kulturbund Berlin im Juli Georg Hermanns „Jettchen Gebort" und im August „Spiel im Sehlo'ß" von Franz Molnar heraus. Die EmtauffOhruriE «lov „Fledermaus" von Johann StrauD findot Sonntag, 2. Juni, abends 8.15 Uhr, im Berliner Theator statt. Musikulischo Leitung;: Joseph Rosonstook, Inszenierung: Kurt Singer, Bühnenbilder: Heinz Condoll. In „dor Hollo der Kosnlindo altornioren Fritii Jokl und Rita Atlusz, in dor Kollo dor Adolo Gortl Kulhon und Kita Atlasz, als Orlotsky Susanne Stein und Anna Lipin. Es wirken ferner mit: Julius Kuthan, Walter Olltzki, Siegfried Urias, Alfred Glafl, Paul Feher, Oerhard Pechner, Ruth Anselm. Jüdischer Kulturbund Rhein-Ruhr. Konzert Hermann Sohoy, Alico Kriegec-Isaao. Essen: 2. Juni, 20.30 Ohr, Jugeadboim;, Köln: 8., 4., 5. Juni, 20.15 Uhr, Bhoinlandlogo. Walter Hertner roiitiert. Dortmund: 3. Juni, 2030 Uhr, Oomeiadehau»; Duisburg: 2. Juni, 20.30 Uhr, Theodor- Lautor-Haus; Köln: 4. Juni, 20.15 Uhr, Jugendvoranataltung, Kheinlaudlogo; Dortmund: 5. Juni, 20-30 Uhr, Gemoindouous. Ein Skandinavischer Abend findet am 30. Mai, abends 8 Uhr, im Itahmen der Kulturollea VoranetaltUDgon bei Weil, FasanenstraUe 5, statt. Ausführende: Boso Liechtenstein, Maurlts v. d. Borg, Leo Taubmann. -

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