Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 22 (29.5.1935)
- Date
- 1935-05-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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V-v.f■rx*.'?tiBMB^^<rt*^**ticai »(ummmwinowiMHiistand und dem Arbeiterstand sowie den kleinen Zwischenhändlern an und lebte unter wirtsohoftlich schwierigen Verhältnissen. Diese soziologische Struktur der Juden zeigte sich 'auch im Straßenbild dor Stadt. Seit dem Kriege hat sich in Lodz vieles verändert. Das Absatzgebiet für die Textilindustrie, daß räch z. Zt. über das ganzo russische Reich von Kaiisch hia "Wladiwostock erstreckt hatte, ist geschrumpft Eine ganzo Anzahl von Fabrikunternehmungen befindet sich nicht mehr in den Händen ihrer früheren Besitzer. Durch diese Einengung dor Arbcitsmöglichkciten Bind auch dio wirtschaftlichen Lebensbedingungen weiter Kreise der Bevölkerung von Lodz stark beeinträchtigt worden. Am Grab Käthe Foerders Von RUDOLF FRANK Deutlich, lebensnah sehe icli das Gesicht dieser jungen Schauspielerin, die am 18. Mai in ihres Daseins Maienblüte dahingerafft wurde; ich sehe Kfithc Foerders mudchcnliaft-fraulichcn Kinderblick, in dem zwischen tiofem Ernst so manche Schalklicit blitzte und über einer eingeborenen Menschenliebe ciuo zortc, doch immer rege Angriffslust des Geistes wachte, die ihrer Jugend wunderbar stand und ihrem Spiel den eigenen Reiz verlieh. Wie knin es, daß sie so plötzlich von der Szene verschwand, in"der alle Fasern ihres Wesens wurzelten? Ihr Stück hatte erst begonnen 1 An gut geleiteten Bühnen des Reichs hatte sie gelernt, atg eine geschulte, präzise Darstellerin des jugendlich zarten Fachs (Naiv-Scntimcntalc. heißt es in dor Tliealorsprachc) erschien sie in Berlin, als bewunderte und geliebte Partnerin des Tcmpcramcntschauspiclers Kurt Katsch stand sie im schwierigen Beginn des ersten jüdischen literarischen Theaters in Deutschland; ihr Nomc iatTnit diesem hoffnungsvollen Anfang unlöslich verknüpft. Es war ein Kunstfehler, daß man sie nicht dabei ließ. Sic war keine Komödiantin, sondern eine, leidenschaftliche Ensembleschauspiclcrin, ein Mitglied, dessen kulturelles Gewicht das Niveau eines Kulturthcatcrs erfröhto und verbürgte. Ihr Verantwortungsgefühl War ^in Ferment des Bundes. Aus ihrer Stimme sprach das künstlisUBchc Gewissen des Ensembles. Im vergangenen Winter hat man sie an Schweizer Bühnen gesehen und gefeiert. Künstlerisch und körperlich erholt, kehrte sie mit neuen Gostspielantrfigen nach Hause, Nur auf ein paar Wochen. „Besuchen Sic mich einmal im Krankenhaus!" sagte sie mir nach ihrer Heimkehr. „Ach, nicht weiter schlimm, eine kleine Operation; ich will nur die Sache los sein . . •" Sic sah so (blühend aus. Heiter und sonngcbrQunt fuhr sie ins Krankcnhcim in der ElBOsscr Straße. Und dann — cb war wie ein schreckhafter Traum — dann sahen wir ihren Sarg, von Frühlingsblumen überdeckt, in der Erde verschwinden. Und mit ihm versanken zahllose ungenossene Freuden, wichtige Aufgaben, die ihrer harrten, Hoffnungen, die zu erfüllen sie gerüstet war . . . verschwand ihre neu; errungene seelische Ausgeglichcnlicit und ein künstlerischer Höhenflug, der eben beginnen sollte. - Mir ist in dieser Stunde wie nach einem ihrer letzten; Theaterabende, als sie nach beendetem Spiel bewegt und tnit großen forschenden Augen auf den Besucher zukam und zag Bescheiden fragte: „Wie war ich?" Ihre ganze irdische Rolle 'steht mir vor Äugon; und ich antworte: „Du warst gut, Küthchen. Du warst auf dem besten Weg zu deiner menschlichen und künstlerischen Vollendung. Nie bist du von diesem dornenvollen Pfad gewichen. Du hast alle Kompromisse verschmäht, jede Trägheit des Herzens, jede Phrase und alleB Unlautere, Unechte, Verlogene im Leben wie in der Kunst streng von dir gewiesen. Deinen Namen trugst du zu Recht;, denn Katharina, das heißt: die Roine. 'Nichts hat dich tiefer getroffen als menschlichunmenschtiche^Gleichgültigkeit, ■ Wankelmut und •Unverständnisse, die du zu deinem tiefsten Leid gerade, da erfahren mußtest, wo du dich rückhaltlos erschlössest., Ich sehe noch den fassungslos entsetzten BUck, als dich;. jeneB Theater, dem du deine ganze .Kraft, DIE BIBEL ERZÄHLT l ggp^g^^^p^^gg^Hp^^gHMNMMMIHMMM im Wodienabjchnitt Bamidbor ± ' von der Musterung der waffenfähigen israelitischen Männer, die Mose im Auftrage Gottes in der Wüste Sinai vornahm.. Die Leviten' wurden besonders gcmustert. Mose weist ihnen ihre Aufgaben zu, wenn die Israeliten ihre Wanderung fortsetzten und das Stiftszelt abgebrochen werden mußte, um später an anderem Ort wieder aufgerichtet zu werden. Unser Wochenabschnitt enthält außerdem die Vorschriften für die Anordnung des Lagers, in dem die Israeliten in der Wüste ihre Zelte aufschlugen. Es ist für die Religion der Bibel bezeichnend, daß Gott die Musterung des israelitischen Heeres verlangt. Er hat dem jüdischen Volke Kanaan als seine Heimat verheißen. Damit aber ist Israel nicht von der Notwendigkeit eigener Kraftanstrengung und Leistung befreit .'In hartem Kampf soll es sich seine Heimat erringen. Der Ernst dieser Aufgabe soll dem Volke zum Bewußtsein gebracht werden, wenn Mose, dem göttlichen Befehle gehorchend, die Anzahl seiner waffenfähigen Männer feststellt. Solch aktivistische Frömmigkeit, die sich ebenso von schwärmerischer Erwartung göttlicher Hilfe, wie von Pessimismus und Kleinmut fernhält, ist auch angesichts der großen Aufgaben, die uns die Gegenwart stellt, in unserer Mitte notwendig. Rings um das Stiftszelt lagern, nach ihren Familien geordnet, die israelitischen Stämme. Innerhalb der Familie findet der Einzelne seinen ihm zugewiesenen Platz. So bestimmt es die Tora. In dieser Regelung, die sich scheinbar nur auf die äußere Ordnung bezieht, offenbart sich in Wirklichkeit der Geist des Judentums. Für die Bibel ist ein Volk nicht eine Vielheit zusammenhangsloser Einzelner, die nur infolge gemeinsamer Interessen materieller oder geistiger Art sich zu einer geschlossenen Gruppe verbinden. Ein Volk entsteht vielmehr durch den blutsmäßigen Zusammenschluß von Familien und Stämmen. Diese .organische Auffassung vom Wesen des Volkes hat durch Jahrhunderte das jüdische Leben beherrscht. Erst unter dem Einfluß der deutschen Aufklärungsphilosophie, die den rationalistischen Begriff des Menschen gebildet hat und die blütsmäßigen Bindungen übersah, ist auch.im Judentum eine Lockerurig des Familiengefühls eingetreten. In derselben Richtung wirkte der Kapitalismus, der sich an die Selbstsucht des einzelnen Unternehmers wendet. Schließlich hat die. Großstadt auch das jüdische Leben atomisiert. Diesen auflösenden Kräften entgegenzuwirken, dem Einzelnen seine-Verbindung mit-der Familie, der Gemeinde, der jüdischen Gesamtheit wieder deutlich zum Bewußtsein zu bringen, ist das Gebot unserer Zeit. In der Mitte des Lagers war das Stiftszelt errichtet. Damit ist die zentrale Stellung des Geistigen im Leben des jüdischen Volkes betont. Erst durch den gemeinsamen Glauben und nicht schon durch die Besonderheit jüdischen Blutes gewinnt das jüdische Volk seine Einheit und sein selbständiges Dasein. Lewkowitz-Berlin. Begabung, Begeisterung und Liebe geschenkt hattest, verblendet von sich gehen hieß — so verstieß der wankelmütige, verblendete König Lear die beste seiner Töchter, Cordelia! — DamalB spürten wir zum ersten Mal den Verlust, der nun unwiederbringlich, nicht wieder gut zu-machen ist, den Verlust einer edlen Lauterkeit, die in dieser Welt soXscltcn ist wie auf den Brettern, die dio Welt bedeuten mögen. 1 Was ist diesen^ jungen Geschöpf von den Brettern, die ihr eine Welt des Glücks bedeuteten» geblieben? Nichts oIb sechs Bretter, die ihre holde irdische Erscheinung aufnahmen. Mit aller Kraft ihrer Begabung, allcrjSchnsucht der Seele hat Käthe Foerder um das höchste Ziel der Schauspielkunst gerungen. Uns, die wir an sie glaubten, iBt es nicht mehr vergönnt, ihr den Lorbeer um die klare, schöne Stirn zu winden. In trauernder Entsagung legen wir ihn als letzten Gruß auf ihr stilles Grab. 75 Jahre Poppelauer In diesen Tagen sind es 75 Jahre her, seit sich ein Schüler Rabbi Salomo Egers entschloß, seine vielseitigen hebräischen und talmudischen Kenntnisse, cjie ihn f ür, den, Rabbinerberüf bestimmten, im praktischen Leben zu verwerten. Statt sich einem vor einer Behörde ab, wie es uVroalB für den Gründer einer Buchhandlung erforderlich war, Dieser Mann war Dr, Moritz Poppelaucr, der am 23. Mai 1860 den Grundstein zu einem Rabbinercxnmeu zu unterziehen, legte er ein erfolgreiches Examen Unternehmen legte, das sich innerhalb kurzer Zeit Weltruf erwarb. Die Poppclauerschc Buchhandlung in der Neuen Friedrichstraße wurde alsbald, dank der weitreichenden Beziehungen ihreav Inhabers, zuirr-Sammelpunkt der damaligen jüdischen Gclehrtenwclt, zu der "Persönlichkeiten wie Leopold Zunz, Michael Sachs, Berliner, Steinschneider zählten, deren Werke der Verlag zum großen Teil herausbrachte. Neben dem Vcrlagsgcscbäft pflegte Dr. Poppelaucr, der schon im Jahre 1880 starb, auch das jüdischwissenschaftliche Antiquariat, das jedoch erst bedeutend vergrößert wurde, als Jacob S a c n g c r 1894 von der Witwe Dr. Poppcloucrs die Firma übernahm, die er noch heute mit Umsicht und Energie leitet. Zahllose Verlags- und Antiquariatskataloge geben von der Bedeutung und der Ausdehnung der Firma Kunde. Fast unübersehbar ist die Zahl der Werke, dio dos VerlagBzeichen der Firma M. Poppelauer trogen. Da Bind, um nur einige hervorzuheben, Maybaums „Predigten und Schrifterklärungen", Winter und Wünache: „Die jüdische Literatur seit Abschluß des Kanons", von Michael Sachs „Dio religiöse Poesie der Juden , in Spanien", „Die GcBchicht« der. jüdischen. Literatur", von, Gustav Karpclcs, PauUne Wengcroffs „Memoiren einer Großmutter". Der Schulbüchcrvorlag wurde ausgebaut, seitdem der Verlag Jakob Auerbachs „Biblische Erzählungen" sowie seine „Kleine Schul- und Hausbibcl" aus dem Verlag von F. A. Brockhaus übernommen hatte. &ftpfehCe(iswecte!Bezuq$que£Cen Unimlcbt Qpundpdiniapl Vollatlnd. Unterricht in kl, Gruppen, eIos<ftl.Oymnastlk.OsterhNeuanfänger.. Auch Nachhilfe und Schularbellen. Chic). Kdlanainn, LlBtjeoeurser Str. 30 Sprech*. 1-3 Tel. J 2 Oliv* 308} [ Apotheker B;Oachinsky W «„Düsseldorfer Straße 25-26 J 2 Oliva 0613 Leopold Brand A Senklng-Herde y^öÄ. Eiserne Oefien £££aBade-Anlagen I Berlln-Charlbur0.2 1 ' Kantstraße 28 ■ Fernruf: O 1 Steinplatz 7490 I Teilzahlungen [ | Autop W. 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