Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 22 (29.5.1935)
- Date
- 1935-05-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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** '' Fortsetzung von der 1. Seite. Reichskanzler aufgestellt hat. Arische Abstammung ist grundsätzlich eine Voraussetzung für den Wehrdienst, doch können Ausnahmen zugelassen worden, die durch Prüfungsausschüsse entschieden ■ werden. Diese Prüfungsausschüsse sollen bei den WehrcrsntzihBpoktioncn durch den Rcichsministcr des' Innern im Einvernehmen mit dem Rcichskricgeministcr eingerichtet werden, ebenso werden die Richtlinien fflr^ffig, Prüfungsausschüsse von den beiden genannten Ministem nusgcarbci£oV"'8lci Richtlinien worden dahin gehen, daß solche. Nichtarier und Personen, die mit Frauen hichtariBcher Abkunft verheiratet sind, bei freiwilliger Meldung zum aktiven Wehrdienst zugelassen werden, die nach der Art ihrer bisherigen Betätigung, nach dem persönlichen Gesamteindruck und nach Prüfung der politischen Zuverlässigkeit für geeignet befunden worden. Reinrassige Juden werden zum aktiven Wehrdienst nicht herangezogen. Alle Nichtarier unterliegen der militärischen Meldepflicht und der Wchrflberwachting. Die zum aktiven Wehrdienst zugelassenen Nichtarier gelangen nicht in Vorgcsctztcnstcllungcn. Für den Kriegsfall wird eine besondere Regelung dieser schwierigen Frage, .eintreten müssen, die der Führer und Reichskanzler sich noch vorbehalten hat. Die deutsche Reichsangehörigkeit ist eine Voraussetzung für den Dienst in der deutschen Wehrmacht, jedoch kann der Führer und Reichskanzler Ausnahmen zulassen. Die Erfüllung der Wehrpflichtigen Im Reichsgesetzblatt Nr. 52, Teil 1, vom 22. Mai 1935; in dem das Wehrgesetz vom 21. Mai und der Erlaß des Führers und Reichskanzlers über die Dauer der aktiven Dienstpflicht , in der Wehrmacht vom 22. Mai 1935 veröffentlicht werden, ist auch eine „Verordnung Ober das Erfassungswesen'1 vom 22. Mai 1935 enthalten, durch die die Erfassung der Wehrpflichtigen eingehend geregelt wird. Danach wird das Erfassungsverfahren von den polizeilichen Meldebehördon und von den Standesämtern durchgeführt. Das Verfahren der polizeilichen Meldebehörde orfaßt die Dienstpflichtigen an ihrem Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt, wahrend das Verfahren des Standesomtes die Dienstpflichtigen an dem Ort ihrer Geburt erfaßt und der Ergänzung des Verfahrens der polizeilichen Mcldebehörde dient. Die polizeiliche Meldebehörde legt an Hand ihrer Unterlagen (polizeiliche Meldescheine, Einwohncrlisten u. dgl.) für jeden Dienstpflichtigen, der. an dem festgesetzten Stichtag in ihrem Bezirk Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt hat, ein Personalblatt an, das alle wichtigen Angaben über die Person des Dienstpflichtigen enthalt. Das Standesamt führt die Geburtakartei nach dem Geburtsregister. In diese Kartei sind alle in das Geburtsregister des erfaßten Jahrganges eingetragenen Dienstpflichtigen' aufzunehmen. - Das Personalblatt der Meldebehörde enthält nicht nur Fragen nach Geburtsdatum, Geburtsort und Namen, sowig Staatsangehörigkeit des Pflichtigen, sondern auch noch Name und Beruf des Vaters, Vorname und Geburtsname der Mutter und Geburtsjahr der Geschwister des Dienstpflichtigen. Besondere Fragen gelten der Religion und Rasse, sowie dem Beruf. Sind Tatsachen amtsbekannt, die die Annahme nichtarischor, z. B. jüdischer Abstammung rechtfertigen, so ist an einer bestimmten Stelle des Personalblattes ein „n" einzutragen, um die endgültige Nachprüfung der Rassezugehörigkeit aller Dienstpflichtigen zu erleichtern. Die ausgefüllten Erfassungsmittel sind Urkunden, sie sind dem Zugriff und der Einsichtnahme Unberechtigter zu entziehen, unter Verschluß aufzubewahren und bei eintretender Gefahr in Sicherheit zu bringen. „Juden nicht erwünfeht" Der. „Angriff" berichtet aus Stettin: Im Kreise Neu Stettin hat die Bevölkerung beschlossen, der zunehmenden Aufdringlichkeit der Juden dadurch zu begegnen, daß von nun ab an allen Ein- und Ausgängen der Ortschaften Plakate angebracht werden, auf denen ü. a. folgendo Aufschriften zu lesen sein werden: Juden sind nicht erwünscht. Juden haben an diesem Ort nichts verloren. Judenhändler werden an diesem Ort keine Ware los. Juden hassen wir, Juden sind unsere Feinde. Antifemitenverfammlung verboten Wien. Zum ersten Mal ist in Wien cino Versammlung des sogenannten „Ant i sem i te n b un de s", in dem Organisationen verschiedenster politischer Richtung zu gemeinsamer antisemitischer Propaganda zusammengefaßt sind, verboten worden. Einberufer der Versammlung wir der Vorsitzende des „Antisemitenbundes", der durch seinen politischen Radikalismus bekannteehemalige christlichsoziale Abgeordnete Dr. Jerzobek. Der „Antisemitenbund" hat sich vor einiger Zeit intensiv mit der Propagierung des inzwischen beschlagnahmten „RitualmordbuchcB" von Christian Loge befaßt. „Osservatore Romano" zum Berner Uriei Rom. „Osscrvatoro Romano", das offizielle Organ des Vati kons, bespricht in einem längeren Artikel das Berncr Urteil in dein Prozeß um die gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion". In dem Artikel wird erklärt, es Bei lächerlich, daß noch immer an die Echtheit derartig böswilliger Fälschungen geglaubt wird. Ahnliche Fälschungen seien auch von den Gegnern der Jesuiten hergestellt worden, um glauben zu machen, oiester Orden verfolge annliche Machtziele, wie sie von den Verfassern der sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion" dem Judentum zugeschrieben werden. Man müsse Bich darüber wundern, daß es noch immer Menschen jjibt, die leichtgläubig oder böswillig genug seien, um an die verschiedenen „Protokolle" und andere angebliche „Enthüllungen" zu glauben. „Land der Verheißung" Ein Tonfilm aus Palästina Es ist noch; nicht ganz ein Jahr her, da wurde in Berlin ein mehr als abendfüllender Palästina-Film gezeigt. Er war trotz seines riesigen Umfangs so dürftig, daß er längst vergessen wäre, wäre nicht 'mitten in dio Vorführung hinein dio Trauerkunde vom plötzlichen Ableben des hebräischen Dichters Ch. N. Bialik gedrungen, dessen HauB in Tcl-Awiw und dessen lebendiges Bild gerade ah den Zuschauern vorübergezogen waren. Dio Uraufführung des ersten Palästina-Tonfilms „Land der orheißung", zu der dio.Palästina-FilmBtcllc der Zionistischen Vereinigung für Deutschland am Sonntag mittag nach der „Alhambra" eingeladen hatte, stand in einem glücklicheren Zeichen. Der in Bild, Ton, Schnitt und Aufbau restlos geglückte Film, in dem arbeitende Menschen die Darsteller sind und die Landschaft die unverfälschten Dekorationen bildet, weckt Erinnerung an die ersten primitiven luncmatographischcn Bilder, die die ZVfD. in Berlin hat vorführen lassen. Das Programm, das ich au3 jener Zeit aufbewahrt habe, ist schon leicht vergilbt. Es stammt aus dem Februar 1914. „Das jüdischo Leben in Palästina" waren die knappen Bildausschnitte betitelt. Sie zeigten kolonisatorische Tätigkeit, Schulunterricht, landschaftliche Eigentümlichkeiten. Auch die damals noch nicht bo aktuelle Grabstätte des MohhonidcB erschien auf der Leinwand. Undeutliche Bilder vermittelten dennoch einen klaren Bogriff von der Orangenernte in Pctach- Tikwoh. Man sah in" idyllischen Szenen aus der Kolonie Sichron- Jacob die Arbeit in den Wcinpflanzungen an den Wochentagen und die Heimkehr aus der Synagoge am Sabbatmorgen, und man konnte sich unterrichten, wie weit der Bau des Technikums in Haifa — eine Gründung des „Hilfsvercins der deutschen Juden" — gediehen war. Menschen waren, wie heute, an der Arbeit. Aber sie schienen uns fremd zu sein. Wio das Land. In dem Film „Land der Verheißung" ist Palästina sozusagen nicht wiederzuerkennen. Es hat nicht nur sein Gesicht völlig verändert, verjüngt, verschönt, es ist uns allen auch nahe gerückt. Und dio jungen Menschen, die singend zur Arbeit marschieren, die dem Boden in mühseliger Arbeit Beine Schätze abringen und aus Stein und Wüste blühendes Land schaffen, sind uns keine Fremden mehr. Auch in diesem Film gibt es manche Idylle. So, wenn Bich das eben in der Kwuzah entstandene Emck-Lied wie ein Schlager ausbreitet, von dem sich rasierenden Chawer, von den Mädchen beim Melken der Kühe oufgenommen wird. So, wenn Kinderszenen beim Anpflanzen eines Beetes, beim Füttern der Hühner, beim Frühstück in der Arbeitspause daB Entzücken der Filmbeschauer hervorrufen. Aber immer hat man den Eindruck, daß das Leben diese Szenen gestellt habe und nicht ein klug berechnender FilmrcgiBscur. Film dor Arbeit. Man muß sehen, mit welchen Mühen es verbunden ist ,einen Brunnen zu bohren. Und dio Freude auf den Gesichtern, wenn das erste Wasser sprudelnd hervorschießt. Man muß sehen dio Kraftlcistung in den Steinbrüchen, die exakten Forschungsarbeiten in den Laboratorien. Man muß sehen, wio aus den Olivonfrüchten des Landes dio berühmte Pnlöstinascifo entsteht und wio Monumentalbauten sich in den Himmel recken. RaBtloso Arbeit auf Äckern und Feldern, in Fabriken und auf Bauplätzen. Gesichter, die vom Willen zum Aufbau gespannt sind, Muskeln zu Energie gestrafft. Aber es gibt auch die Gelöstheit der Freude, wenn der bärtige Bläser vor der Synagoge mit Trompctcnschall den Sabbat eingeleitet hat, wenn der Strand von Tcl-Awiw sich mit crholungBi bedürftigen Menschen dicht bevölkert, auf der Terrasse eines Kaffeehauses Jugend sich im Tanz bewegt. Wenn daB Schowuausfest als Fest der Erstlinge mit fröhlichen Umzügen begangen wird oder Haydns „Schöpfung" in dem Halbrund des Theaters am Abhang des Skopusborges, angesichts des Toten Meeres, wie ein Symbol aufklingt.- Der Film entrollt in eindrucksvoller Wciso das Schicksal jüdischer Menschen in Palästina. Anschaulich und zweifellos ehrlich . Aber — und das darf nicht verschwiegen werden — er zeigt häufig nur dio Fassado und nicht das, was sich dahinter bewegt. Er gibt wcchselvollc Bilder entsagurigsreichen Lebens. Aber nicht die Deutung ihrer Pwblemc. Er^wirkt in vielem wie jene prächtigen Reiseprospekte, die verheißungsvoll einladen. Die mancherlei Enttäuschungen, die den Reisenden erwarten, werden verschwiegen. Palästina ist nicht nur ein Reiseziel für einen kurzen Erholungsaufenthalt. Es ist Zuflucht für tausendc jüdischer Existenzen geworden. Die neue Heimat von nahen Angehörigen und Freunden. Und so empfinden wir den Film aus dem „Land der Verheißung" als einen Ausdruck menschlicher und kultureller Leistungen der Jugend. Nicht mehr und nicht weniger. Er wurde mit dem Beifall inneren Betciligtseins aufgenommen. Die Vorführung des Films, der unter der Regie von Juda Leman, dem früheren Leiter der Kulturfilmbtthno im Planetarium in Hannover entstanden ist, und den Boris Morros akustisch-rhythmisch und melodiös untermalt hat, wurde eingeleitet durch eine Wiedergabe der Suite zu „Uricl Acosta" des Schrekcr-Schülcrs >•* Carol Rathaus. Ihre zarte, gemütvolle Bewegtheit und (von Vorbildern nicht ganz freie) Klangsinnlichkeit brachte Joseph Rosenstock mit dem Kulturbund-Orchester effektvoll zum Ausdruck. E. Ta. Oeffentttehkeit bleibt ausgefchlolTeii Die Jofeph-Lehmann-Schule vor dem Gemeindeparlament Dio FrdliJabtb-AuSHlcUunc Berliner Jüdischer Künstler im Jüdischen Haeeum, Oranienburger Str. 31, Ist um 14 Tago verlängert worden. Sie wird nunmehr am 16. Juni geschlossen.' Besuohszeitea: Montag, Mittwoch, Donnerstag von 10—18 Uhr. Am Freitag ist die Ausstellung von 10—15 Uhr, am Sonntag von 10—14 Uhr zu besichtigen. Der Rcpröscntantcnvcrsammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde vom 13. Mai 1935 lag ein Antrag des Jüdischen Volksbundes vor, dio.OffcntlichkeitderUopräsentnntcnsitzungen wiederherzustellen. Rechtsanwalt Kozo wer , der ihn begründet, befürchtet, daß die Rcpräsentantenversammlung an Geltung innerhalb der Berliner Judenheit verliere, wenn vom Gemeindevorstand in wichtigen Fragen Maßnahmen getroffen werden ,ohne dio Versammlung zu befragen. Wenn Gemeindevorstand und Repräsentanz das Vertrauen dor Gemeinde haben wollen .müssen die Verhandlungen wenigstens zeitweilig öffentlich geführt werden. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Stern, erinnert daran, daß die NichtÖffentlichkeit der Rcpräscntantcnaitzungcn einstimmig von der Rcpräsentantenversammlung beschlossen worden ist. Die Versammlung berate nicht für den Beifall der Öffentlichkeit. sondern für die Gemeinde als ganzes, für das Wohl aller ihrer Mitglieder; Es empfehle sich nicht, gerade in der Jetztzeit die Tribüne zu öffnen, die nach früheren Erfahrungen die Sachlichkeit der Verhandlungen, nicht gerade gefördert hat. Die Gründe, die Beinerzeit dazu geführt haben, zu nichtöffentlichen Sitzungen überzugehen, bestünden auch heute. Der Vorsitzende der religiös-liberalen Fraktion, Dr. Fleischer, hält die Frage der ^Öffentlichkeit für unwesentlich im Hinblick auf die großen sachlichen Aufgaben, die die Zeit auferlegt. Der Autrag des Volksbundea wird mit Mehrheit gegen 14 Stimmen abgelehnt. Der Gemeindevorstand schlägt in einer Vorlage an die Rcpräsentantenversammlung ein Abkommen mit einer Flcischcrfirma vor, durch welches für die Privatverbraucher eine Verbilligung des Koscherfleisches um 30 Pfg. pro Pfund eintritt, davon 10 Pfg. zu Lasten der Firma, 20 . Pfg. vergütet die Gemeinde. Dafür soll diese Firma alleiniger Lieferant für dio Gemcindcanstalten sein. Vom Tische des Gemeindevorstandes erläutert Herr Adolf Schoyer dio Vorlage. Leider sei noch immer kein Weg gefunden, die o 1 e k - trischc Betäubung von Schlachtvieh so zu gestalten, daß sie den Kaschruth-Vorschriften genügt. Er hoffe, daß durch dieses Abkommen die Sorge um die Koscherfleischvcrsorgung beseitigt wird. Nach einer längeren Diskussion wird die Vorlage des Gemeindevorstandes einstimmig angenommen. Die Repräsentantenversammlung hatte bereits in einer früheren Sitzung Mittel für den Umbau des Grundstücks Joachirasthaler Straße 13 für Schulzwccke bewilligt, den Teil der Vorlage betreffend Abschluß eines „Vertrages mit dem Bildungsverein deutscher Juden zwecks Überlassung von Schulräumen aber vertagt. Zur Verbindung mit dieser VorInge wird ein Antrag der Fraktion des Jüdischen Volksbundcs behandelt, die Volksschule in der Joachirasthaler Straße nach den von der Rcichsvertretung der deutschen Juden ausgegebenen Richtlinien aufzubauen. Herr SchoftelowMtz (Jüd. Volksbund) wendet sich gegen die Gründung einer Reformschule und beantragt namentliche Abstimmung. Rechtsanwalt Kozower führt u. a. aus: Alle jüdischen Schulen werden nach den Richtlinien der Reichsvertretung geführt; er vermisse die Richtlinien für die Reformgemeinde. Es könne nicht verantwortet werden, daß dio jüdische .Jugend in dem Geiste der Reformgemeinde erzogen wird. Der Redner beantragt Vertagung, er fordert Vorlage der Richtlinien und Prüfung des Personals. Direktor Dr. Broslauer vom Tische des Gemeindevorstandes stellt fest, daß die Angelegenheit im Vorstand ohne Widerspruch der zionistischen Mitglieder verabscliiedet worden sei. Er wendet sich dagegen, daß es Aufgabe der Gemeinde sei; sich in Einzelheiten des Schulbetriebes einer RichtungBschulo einzumischen, insbesondere die Personalien zu kontrollieren. Auch die Aufstellung von Richtlinien könne nur richtungweisend, aber nicht für alle Einzelheiten verbindlich sein. Zur Vermeidung. von Mißverständnissen habe der Bildungsverein der Reichsvortretung gegenüber die Erklärung abgegeben, daß die Richf linieu de r Reich b - Vertretung für daB jüdische Schulwesen auch für die Joseph-Lchmann-Schulc gelten sollen, wobei selbstverständlich diese im Sinne der Reformgemeinde abgewandelt werden können. Dr. Breslau c r betont, daß der Tatsache, daß RichtungBSchulcn bestehen, durch Subventionen Rechnung getragen werden müsse. Dieser Grundsatz Bei bei der Schule des Jüdischen Schulvcrcins angewendet werden und müsse auch hier Anwendung finden. Die finanzielle Belastung sei gering. Rechtsanwalt Stern erinnert daran, daß es den Liberalen seinerzeit auch nicht leicht gefallen ist, cino zionistische Richtungsschule zu subventionieren. Sic hätten aber eingesehen, daß bei einem Einhcitsschulwerk jüdische Bildung, die sich auf einer bestimmten Richtung aufbaut, unterstützt werden müsse, wobei sie sich jede Einmischung in Interna der Schute versagten. ti Das gleiche Verhalten verlange er von den Zionisten für die Schule der Reformgemeinde. Er weist die Vorwürfe der Unjüdischkcit, die gegen die Rcformcemeindc erhoben werden, energisch' zurück. Herr S t i c b e 1 (Jüdischer Volksbund) stellt den Antrag, das Gebäude Joachimsthalcr Straße,- dem Schulwcrk der Gemeinde zuzuweisen. Vom Tische des Gemeindevorstandes äußert sich Direktor Karoski, daß es richtig sei, d.aß er und seine Freunde dieser Schulvorlage zugestimmt haben, weil Bio in einer Angelegenheit, in der die Gemeinde bereits so stark engagiert war, aus Loyalität heraus, sich der Pflicht zur Annahme nicht entziehen zu sollen glaubten. Dio Richtlinien dieser Schule waren aber unbekannt; er halte es für unverzeihlich, eine Schule zu subventionieren, die auf so geringen jüdischen Prinzipien aufgebaut sei. Der Gemeindevorsitzende Direktor Heinrich Stahl erwidert Herrn Direktor Kareski, daß bei Gründung des Schulvcrcins die Mitgliedschaft der Zionistischen Partei nicht größer gewesen sei, als die der Reformgemeinde, die über 1000 jüdischo Familien umfasse. Der Erwerb des Hauses Joacliimsthaler Straße, der eine vorteilhafte Kapitalsanlage für die Gemeinde bedeute, sei "ausschließlich den Herren der Reformgemeinde zu verdanken. Die Reformgemeinde werde Bich an dio Richtlinien der Rcichsvertretung halten. Herr Direktor Stahl bittet, die Bewilligung nicht hinauszuschieben, sondern die Schule wirken zu lassen, die durch ihre Arbeit überzeugen könne, daß mit ihr für das Judentum ein neues wertvolles Bauwerk geschaffen Bei. Direktor Guttmann (religiös-liberal) gibt der Hoffnung Ausdruck, daß dio Richtlinien der Reformgemeinde, dio im Jahre 1933 geschaffen worden sind, durch neue ersetzt werden, an deren Ausarbeitung auch die Schulverwaltung der Gemeinde beteiligt > worden müsse. Er erinnert daran, daß dio Schule in der Rykestraße unter erheblichen Opfern vom Jüdischen Schulvercüi durch die Gemeinde übernommen worden ist. Es bestehe alBO kein Anlaß, sich übor finanzielle Aufwendungen für eine andere RichtungBschulc zu ereifern. ' Landecitfchtsrat Raü (Zionist. Fraktion) bittet, die Beschlußfassung über dio Vorlage zu vertagen, bis feststeht, was dio Reform eigentlich unter „Anwendung der Richtlinien mit gewissen Abänderungen" versteht. Als stellvertretender Vorsitzender der Reformgemeinde weist Herr Amtsgerichtsrat Mjichaelis die herabsetzenden Äußeruiige'u des Herrn Schoftelowitz gegen, die Reformgemeinde zurück. Die Reformgemeinde werde die Erklärungen über die Richtlinien ehrlich und aufrichtig einhalten. Die vorbchaltcncn Abwandlungen beträfen nur don religiösen Charakter der Refdrmgemcinde. Die weitere Debatte ergibt, daß bei der Eröffnung bereits über 100 Kinder angemeldet waren. In namentlicher Abstimmung wird der Antrag des Jüdischen Volksbundes mit 24 Stimmen gegen 15 Stimmen abgelehnt, der Vertrag mit der Reformgemeinde mit den gleichen Stimmen gebilligt. Dio Vorlage betreffend Festsetzung dor Steuerquote 1935 wird auf Wunsch deB Gemeindevorstandes vertagt. WohlttttlgkeltBkonrert Im FrlodeDStempel. Von den Jüdisohon Küidor- und Jugcndhoimen „Ahawah" wird in Zusammenarbeit mit dor Künstlerhüfe der Jüdischen Gemeinde am 2. Juni, 11.30 Uhr vormittags, im Friedenstempel, Markgraf-Albroobt-Strofle 11/13, ein Konzert voranstaltet.