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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-05-15 · 20 (15.5.1935) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
20 (15.5.1935)
Date
1935-05-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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- . ■ A ■ land Boden zu gewinnen — Transferierung der Bodenspekulation. Wir meinen jedoch, daß sich die palästinensischen . Maßstäbe nicht beHe^^übiertrag^n fassen. Wer das glaubt^ Benutzt die hiesigen- Verhältnisse falsch .ein. Wenn man die Äußerungenfahrender Zionisten verfolgt,! so'hat man den Eindruck, daß neun Zehntel der deutschen Judenheit Mitglieder der Meinekestraße sind. Diese Schätzungen;sind nicht affektfrei und ebensosehr übersetzt .wie die Auswanderüngsziffejrn. Diese Überspannung der Zahlen' ist leicht erklärlich. Die Übersetzung der Auswanderungsziffer z. B. motiviert der „Völkische Beobachter" in seiner Nummer vom 11. Mai damit, daß zionistische Kreise „ein begreifliches Interesse haben, das verhältnismäßige Aussterben ihrer Rassegenossen im nationalsozialistischen Deutschland zu prophezeien". Darf man aber den Ausführungen des „V. B." an anderer Stelle folgen, so beträgt die Zahl der aktiven Zionisten höchstens 40 bis: 50 Prozent des. Gesamtkontingents. Dabei freilich fällt der Löwenanteil auf die organisierte Jugend, die nach den Zahlen, die dem Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände vorliegen, zirka 55 Prozent (wahrscheinlich sogar mehr) an die zionistischen Bünde abgegeben hat. Anders steht es mit der älteren Generation, für die nach einer vom „Völkischen Beobachter" zitierten Ansicht Kareskis „eine Akklimatisation in einer neuen Heimat nicht mehr in Frage kommt". Womit begründet der Zionismus also seine Ansprüche? Sind seine Forderungen materiell und institutionell zu kurz gekommen? Keineswegs. Die Antwort der liberalen Gemeindefraktion, die wir an anderer Stelle unseres Blattes veröffentlichen, spricht nicht nur eine deutliche Sprache, sondern sogar eine bescheidene. Es ist nirgends von den Leistungen die Rede, die ausschließlich der zionistischen Seite zugute gekommen sind und noch kommen (wie z. B. die von der -Gemeinde bewilligte zionistische Schule am Kaiserdamm, die den zionistischen Bünden bewilligten Mittel aus dem Jugendpflegedezernat usw.). Es wird weiter nicht von den Zuwendungen gesprochen, die der Alijah iind den Hachscharahstellen unmittelbar dus dem allfetneinen Fonds des Zentralausschusses, mittelbaraus er Kasse der Jüdischen Gemeinde zugeflossen sind, und die, wie man weiß, oft größer sind ata die Zuschüsse an deutsch-jüdische Organisationen. Weiter: Am Aufbau des jüdischen Schulwerks haben führende Ziötlisten maßgeblich mitgewirkt. Die Mittelstelle für Erwachsenenbildung entstammt der Eingebung Martin Bubers und steht unter seiner Leitung. Es ließen sich unzählige andere Beispiele anführen. Sie würden alles beweisen und — wahrscheinlich — niemanden von den zionistischen Funktionären überzeugen. Sie wollen eben mehr. Nicht nur den größeren Anteil, sondern, wie deutlich herauszulesen war, die Totalität. Dieser Anspruch ist aber nicht legitim, und er wird es so lange nicht werden, wie es noch jüdische Menschen in ' Deutschland gibt, die mindestens aus materiellen Gründeil in Deutschland bleiben. Wir kommen auf einen früheren Vorschlag zurück: In den zionistischen Ansprüchen darf nichts Verkürzt werden, was Palästina oder der Vorbereitung hierzu dient. Vielleicht,, daß die Palästinafrage in ein besonderes Ressort der Gemeindeverwaltung eingebaut wird. Wir werden aber nicht zugeben, daß das gesamte Judentum in Deutschland zu einer Dependance von Palästina umgebaut wird. Das entspricht heute weder dem Willen der Mehrheit der Juden in Deutschland noch dem amtlichen Schätzungen des Reichs. Wenn das Judentum in seinen schwersten Tagen die Einheit nicht wahren kann, so mag wieder wie früher nach innen eine Teilung der Gewalten nach streng umgrenzten sachlichen Gesichtspunkten eintreten. Wir werden nichts mehr einzuwenden haben. Freilich, wieviel von den „unbekannten deutschen Juden" diesen" von zionistischer Seite entfesselten Auseinandersetzungen zwecks Aufholung des Terrainverlustes Verständnis entgegenbringen werden, bleibt fraglich. Der Jude wünscht heute mehr denn je im eigenen Kreise im Frieden zu leben. Die Aufregungen der jüdischen Presse bleiben ihm unverständlich, in solchen Ambitionen der Parteien wird er niemals seine eigenen Interessen wiedererkennen, sondern nur das, was sie wirklich bezeugen, den Ehrgeiz strebsamer Funktionäre. * - - Und' das ist beschämend, aber nicht für uns. Präfes des jüdifdhen Gerichts Zum 100. TodtBtng Rabbi Akiba Wertheimers Hamburg. Am 15. Mai jährt eich zum hundertBtea Male der Todestag des berühmten Hamburg-Altonaer Oberrabbiners Akiba Wert heimer, der von der dänischen Regierung, der Uamola Altona und Schleswig-Holstein unterstand, als Oberrabbiner von Altona und Schleswig-Holstein eingesetzt worden war. Als Präses des jüdischen Gerichts für zivile Klagen innerhalb der Juden seines Distrikts und Hamburgs übte Oberrabbiner Akiba Wertheimer einen ungeheuren Einfluß aus. Viele hundert Bände seiner Entscheidungen liegen heute noch vor. Gegen sein Urteil war nur Revision beim Königlichen Appellationsgericht in Kopenhagen möglich. Rabbi Akiba Wertheimer, der aus' Breslau; stammte und ein direkter Nachkomme des berühmten „Maharschal", Rabbi Salomon Lurja, war, hinterließ auch viele talmudische Responsenwerke. Seine Bibliothek und seine Handschriften sind in dem Besitz der Oxforder „Bodleiana" übergegangen. Wertheimer hinterließ eine zahlreiche Nachkommenschaft, unter der sich viele Gelehrte befinden. Sein Enkel, Dr. Leo Wertheimor, ist unter dem Schriftstellernamen Constantin Brunner bekannt. .'-' ■ ■ 'ig' "... " ■ ■■ ' Sachliche Arbeit - nicht Parteipolitik! Erklärung der religiös-liberale» Fraktion, der Berliner Jüdischen Gemeinde Von", der religiös-liberalen Fraktion in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin werden wir um Veröffentlichung folgender Erklärung gebeten: Trotz der wachsenden Not, die in jedo jüdische Familie Einzug' gehalten hat, halten es neuerdings wieder die zionistischen Fraktionen für angebracht, jüdisch-politische Zwistigkciten in das Gcmcindolcbcn zu tragen. Die Fraktion des Jüdischen Volksbundcs und der Zionistischen Vereinigung in der Berliner Jüdischen Gemeinde halten es für untragbar, daß der Vorstand der Jüdischen Gemeinde in einer Zusammensetzung bestehen bleibe, die ihrer Auffassung nach dem wirklichen Sinn der jüdischen Bevölkerung nicht mehr entspräche. Sio fordern darüber hinaus „eine personelle und organisatorische Umgestaltung der zentralen und örtlichen Instanzen der deutschen Judenheit, die den Zionisten den ihnen zustehenden Einfluß auf die Gestaltung der jüdischen Arbeit in Deutschland verschafft und sichert." Demgegenüber erklären wir: Wir werden die Arbeit, die in dieser Zeit wahrlich schwer genug ist, nicht unter derartigen Auseinandersetzungen leiden lassen. Wir werden weiterhin unabhängig von Parteidogmen die Aufgaben zu erfüllen suchen, die die jüdische Gegenwart in der Berliner Gemeinde erfordert. Wir stellen fest: Das Schulwesen der Berliner Jüdischen Gemeinde ist seit dem Jahre 1933 unter liberaler Führung erweitert worden, durch Erhöhimg der Schülerzahl um 2400 Kinder, durch Eröffnung von 59 neuen Klassen, durch Einstellung von 135 neuen Lehrkräften. Wir stellen festi Das Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde hat unter liberaler Führung in den Jahren 1933 und 1934 Monat für Monat im Durchschnitt 19 000 Menschen betreut. Wir stellen fest: Die Wirtschaftshilfe der Jüdischen Gemeinde ist unter liberaler Führung entstanden und hat seit Bestehen durch Krcdithergabc über 2000 wirtschaftliche Existcnzon erhalten oder geschaffen, hat 4000 jungen Menschen die berufliche Umstellung ermöglicht und erst jetzt wieder zum Schulcntlassungstermin ca. 1000 Kinder in Berufen untergebracht. Wir stellen lesti Der beruflichen Fortbildung, der sportlichen und geistigen Ertüchtigung der. Jugend, gleichviel ob Bio hier, ihre Tätigkeit sucht oder nach' Palästina oder anderen Ländern, auswandert, hat die Gcraeindo ihre völlBto Unterstützung zuteil werden lassen. Wir stellen festi Die Altersheime und das Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde sind unter liberaler Führung erweitert wordcnVlund trotz der erforderlich gewordenen Einsparungen sind alle Einrichtungen der Gemeinde erhalten, viele ausgebaut worden. Wir stellen festi Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde hat crBt vor kurzem in Wort und Schrift zur Palästinafrage Stellung genommen und das Verhältnis der Juden in.Deutschland zu Palästina eindeutig im bejahenden Sinne behandelt. AH das ist in der Gemeinde in Eintracht und Frieden in ständiger Zusammenarbeit mit den zionistischen Vorstandsmitgliedern und Repräsentanten geleistet worden. Innerjüdische, parteipolitische Auseinandersetzungen wurden bewußt vermieden. Es gab seit 1933 in Vorstand und Rcpräscntantcnvcrsammlung der Gemeinde keine sachliche Frage, die durch Mehrheitsbeschlüsse unter parteipolitischen Gesichtspunkten entschieden worden wäre. Das hat Anerkennung auch dadurch gefunden, daß die Amtsdaucr der Gcmeindekörpcrschaftcn durch einstimmigen Vorstandsbcschluß und mit einer Mehrheit von 38 zu 3 Stimmen in der Rcpräscntantcnvcrsammlung erst vor wenigen Monaten für die Jahre 1935 und 1936 verlängert wurde. Es ist unser Wille, in diesen Jahren weiter sachliche Arbeit zu leisten. Wir wissen auch, daß die Mehrheit nicht hinter denen steht, die jüdische Parteipolitik treiben, sondern auf Seiten derer ist, die sachliche jüdische Arbeit zu leisten gewillt sind, unbeirrt durch jüdisch-parteipolitische Auseinandersetzungen. Unsere Aufgabe ist es, die Gemeinde und alle Gcmcindcmitglieder in friedlicher gemeinsamer Arbeit durch die Fährnisse der Zeit zu führen. „Unfere jüdifche Wirklichkeit« So lautete das Thema eines Vortrags, den Dr. Alfred Hirschberg auf einer Veranstaltung des Landesverbandes Groß-Bcrlin des C.V. vor einer interessierten Zuhörerschaft im überfüllten Saal des Cafe Leon hielt. Anknüpfend an Goethcsche Weisheitsworte aus dem „Urwort", die Lotte Holms nach einer Vorlesung aus Edmond FlegB „Mose" sprach, gab Dr. HirBchberg zunächst eine Sinndeutung des Begriffes Wirklichkeit, die mehr sei ola eine Summe von Erscheinungen. Wirklichkeit, so sagte er, ist das Bild, das wir uns vom Willen und von der Idee her von den Tatsachen machen. Unsere jüdische Wirklichkeit sei eine besondere. Er erinnerte daran, daß es stets jüdische Aufgabe gewesen sei, in jeder Zeit die rechtlichen Sicherungen für jüdische Menschen innerhalb eines Landes anzustreben,'die nach .den Rechts- .begriffen der Epoche erreichbar seien. Wenn wir mit der Möglichkeit rechnen, daß unser Rechtszustand sich ändere, dann haben wir die Pflicht, alle seelischen und praktischen Konsequenzen zu ziehen. Was die wirtschaftliche Seite angehe, so sei es möglich, die in Deutschland lebenden Juden im wirtschaftlichen Raum zu erhalten, wenn das Prinzip der Freihaltung der Wirtschaft vom Arierparagraphen allgemein berücksichtigt würde. Aber auch bei ernster Prüfung der. wirklichen Vorgänge sei kein Anlaß, die wirtschaftlichen Lebensmöelichkeiten zu verneinen, wenn innerhalb der uns belassenen Wirtscnaftsmöglichkeitcn für das Schicksal der wirtschaftlich Abhängigen und der jungen Generation diejenigen sorgen würden, die noch fundierte Positionen einnähmen. Wenn man häufig der Auffassung sei, es sei nichts anderes möglich, b1b nur gut fundierte Positionen zu halten, und schwache und nicht bestehende zu transferieren, dann schaffe eine solche Vorstellung aus den bestehenden Tatsachen nicht eine neue jüdische Wirklichkeit, sondern eine jüdische Unwirklichkcit in Deutschland. Die junge Generation, hmter der unser Wille stehe, sei entschlossen, aucn bei kargeren Lebensmöglichkeiten zu existieren und durch zusätzliches fachliches Können Arbeit zu leisten. Im letzten Teil seineB klug formulierten VortragB sprach Hirschberg von den kulturellen Problemen und hob hervor, daß unsere kulturelle Eigenständigkeit, wie sie sich in der letzten Zeit herausgebildet habe, nichts Geringeres, sondern nur etwas anderes als unser bisheriger KulturstatuB zu bedeuten brauche. Mit einem Bekenntnis zur Zukunft und zu einem mutvollen Leben schloß Dr. Hirschberg seine mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen. Schickrai einer jüdifefaen Kleingemeinde Frankfurt a. M. Die Synagoge in Sickenhoven bei Babenhausen (Hessen) ist von der Bürgermeisterei zum Preise von 1800 RM. gekauft worden und soll nach Entfernung der Kultgegenstunde als Heim für die Hitler-Jugend vorwendet werden. Die Jüdische Gemeinde in Sickenhoven, in der einst ein reges jüdisches Leben herrschte, ist auf zwei Familien zusammengeschrumpft. Die Synagoge war lange Zeit verwaist. In ihr fand schon lange kein Gottesdienst mehr statt. Freimaurer und das Judentum, sich von neuem ausbreiteten, um, einen Frieden zu konstruieren, dessen alleinige materielle Nutz-] nießer sie sind. Und dann der Kommunismus! Er hat nur den! Zweck und geheimen Wunsch, den Planeten Erde in ein großes; Gefängnis zu verwandeln, in dem die Juden die Gefängnisaufseher wären. , t(: Leichtfertige Strafanzeige Das Landesarbeitsgericht Frankfurt am Main Jhat..in.t.eju^mi Grundsatzerkenntnis ausgesprochen, daß leichtfertige unbegründet« f Strafanzeigen gegen den Betriebsführer dem Gemeinschaftsgeist' widersprechen. Der Kläger war ein 21 jähriger Lehrling, der gegen . seinen jüdischen Lehrherrn fünf verschiedene Straft/;, anzeigen erstattet hatte, die sich sämtlich bis auf eine als unbegründet erwiesen. Er wurde deshalb fristlos entlassen. Seine Klage auf Fortsetzung des Lchrverhältnisses blieb ohne Erfolg. In der Begründung sagte das Obergericht, es sei sicher richtig, daß dem Kläger als NSBO-Mitglied die Überwachung des Betriebes seines jüdischen Lehrherrn zur Pflicht gemacht worden sei. Dadurch sei aber der Kläger nicht der Verpflichtungen aus dem Lehrvertrag, insbesondere seiner Verpflichtung zur Treue gegen seinen Lehrherrn, enthoben. „Sicher ist", so sagt das Gericht, „der 21 Jahre alte Kläger bei der NSBO auch dahin geschult worden, daß e9 nationalsozialistischen Grundsätzen und dem Gemeinschaftsgeist widerspricht, leichtfertig und ohne die nötigen Unterlagen und Beweise Anzeigen zu erstatte n". Es sei richtig, daß heute der einzelne Betrieb innerhalb der Volksgemeinschaft stehe und sich eine Beaufsichtigung durch die Volksgemeinschaft gefallen lassen müsse. Aber auch vom Standpunkt der Volksgemeinschaft auB brauche sich ein Lehrherr die fast planmäßige Erstattung falscher Anzeigen durch seinen Lehrling nicht bieten zu laBsen. Aiitijüdifche Weltliga Wie aus Nürnberg berichtet wird, fanden am vergangenen Donnerstag die angekündigten Massenversammlungen der antijüdischen Weltliga unter sehr großer Beteiligung statt. Im Verlauf seiner Ansprache führte Gauleiter Streicher, nach dem Bericht des Deutschen Nachrichtenbüros, u. a. aus: Wer die Rassenf rage kenne, wisse, daß der wahre Feind der ewige Jude sei, der kein Vaterland, der das Gold zum Gott habe. Danach ergriff der französische kriegsbeschädigte Schriftsteller Jean B o i s s e 1 das Wort. Er erklärte, er sei gekommen, um den Feind zu entlarven, der in gleicher Weise der Feind Frankreichs wie der Deutschlands sei: Alljuda. Statt sich gegenseitig zu bekämpfen, hätten 1914 die vereinigten Armeen ausziehen müssen zum Kampf« bis auf den Tod gegen die Weltgeißel des Weltjudentums; dann wäre es nicht so weit gekommen, daß die geheimen Mächte, die allein Verantwortlichen am Weltkriege, die Der Begriff Mifchehe Der Beiiriff Mischehe wird gegenwärtig in verschiedenem Sinn gebraucht. Während der Nationalsozialismus darunter die Ehe zwischen Menschen verschiedener Rassenzugehörigkeit versteht, wendet die Kirche diese Bezeichnung auf die Ehe zwischen Angehörigen verschiedener Konfessionen an. Der Reichs- und preußische Innenminister hat nunmehr angeordnet, daß im behördlichen Verkehr das Wort Mischehe nur in dem Sinne gebraucht wird, daß hierunter eine zu einer Rassemischung führende Ehe zu verstehen ist, das heißt eine solche, die zwischen einem Arier und einer Nichtarierin oder umgekehrt geschlossen wird. Pflegeeltern arifcher Kinder In einer Entscheidung des Reichsgerichts wird festgestellt, daß die Heranbildung eines Pflegekindes zum deutschen Menschen nur eewährleistet sei, wenn beide Pflegeeltern arisch seien. Der Entscheidung lag die Beschwerde eines Ehepaares gegen die Kündigung eines Pflegevertrages durch den L, Bezirksfürsorgeverband zugrunde, nachdem diesem bekannt geworden war, daß der Ehemann nichtarischor Abstammung sei. Der Spruchauschuß hatte die Beschwerde zurückgewiesen, und das Reichsgericht schloß sich dem an. In der Entscheidung, die die „Juristische Wochenschrift" veröffentlicht, tritt das Reichsgericht dem Spruchausschuß darin bei, daß bei der grundlegenden Bedeutung der Rassenfrage im nationalsozialistischen Staat die Heranbildung des jungen Menschen arischer Abstammung zu einem art- und rassenbewußten Volksgenossen einen untrennbaren Bestandteil .des Erziehungswerkes bilde und daß diese Heranbildung nicht gewährleistet sei, wenn zwar dio Pflegemutter, nicht aber der Pflegevater arischer Abstammung sei. Das geistige und sittliche Wohl des arischen Pflegekindes lasse eine Erziehung durch einen nichtarischen Pflegevater nicht zu. Ein Widerruf des Pflegevertrages könne durch dos körperliche, geistige oder sittliche Wohl des Kindes schon dann geboten sein, wenn die Pflegeperson nach dem pflichtmäßigen Ermessen des Jugendamtes nicht die Gewähr dafür biete, daß das Pflegekind durch sie die nötige körperliche Pflege sowie die richtige Erziehung in geistiger und sittlicher Hinsicht finde. /

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