Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 19 (8.5.1935)
- Date
- 1935-05-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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r Keine jüdifche Geheimregierung ProfelTor Baumgartens Erklärungen im Berner Prozeß — Dag Gutachten Fleifchhauers über die „Protokolle der Weifen von Zion" Bern. In dem Prozeß, der gegenwärtig in Bern um die sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion" geführt wird, und über dessen Wiederbeginn wir in der letzten Nummer ausführlich berichtet haben, erstattete der von den Beklagten benannte Experte Oberleutnant a. D. Ulrich Fleischhauer aus Erfurt Bein Gutachten. Auf Befragen bestätigte Fleischhauer zunächst, daß er Inhaber eines Verlages in Erfurt sei, in dem antisemitische Schriften erscheinen. Er sei mit Theodor Fritsch befreundet gewesen, der eine Ausgabe der „Protokolle" publiziert hat. Der Gutachter betonte ausdrücklich, daß er nicht Mitglied der NSDAP sei. Der Experte gab die Erklärung ab, daß er sich weitere Schritte gegen den Obergutachter C. A. Loosli vorbehalte, weil dieser ihm in einem Briefe vorgeworfen habe, sein (Fleischhauers'1 Gutachten stifte Verwirrung. Sodann beschäftigte sich der Gutachter mit den Ausführungen Professor Dr. Biumjr a r t c n 8 am ersten Vcrhandlungstag. Wahrend er selbst dauernd in seinen Auffassungen über die Geschichte umgelernt habe, vermisse er bei Professor Baiimgarten den guten Willen dazu. Er wandte sich hierauf dagegen, daß der Gutachter der Gegenseite sich weiterhin auf Bekundungen von Personen stütze, die als zweideutig fallen gelassen werden sollten. Auch sei Professor Bnumgnrtcn nicht wie er selb»! ein Talmud-Kenner. Aus den weiteren Ausführungen des Gutachters geht hervor, daß er sämtliche antisemitischen Schriften über den Talmud eingehend benutzt hat. Er führt sodann eine Hcihc von Einzelheiten und 'Zitaten an, durch die bewiesen werden soll, daß vom Judentum geheime Umtriebe zur Erlangung der Weltherrschaft ausgehen Eine besondere Holle spielt dabei ein Berieht der Warschauer Zeitung „Moment". In dieser Nummer sollen Besprechungen enthalten sein, die .. „ .l»o franyösi\schtfn£j^;lY' Abkommen-, ~— ftp-akt betreffen. Der Verfasser des Planes sei ein Clicd der „berühmten Poljukow-Mischpoche". Auch der Autor des Kcllogpaktcs sei Jude gewesen. Der Gutachter greift sodann die jüdische Presse an, die er als „parasitär" bezeichnet. Hierauf wandte sich der Gutachter der Besprechung des vom Erfurter Kreis wiederholt propagierten Planes zu, d i e Insel Madagaskar als ,( u d c n I a n d anzukaufen. Dieser von dem holländischen Antisemiten Wingocne in seinem Buche „Vollzionismus", das in dem von Oberstleutnant Fleischhauer geleiteten Erfurter U. Bodung-Vcrlag erschienen ist, ausführlich dargelegte Plan hat wiederholt antisemitische Schriftsteller beschäftigt. Der Gutachter meinte, es sei genug Geld vorhanden, daß Juden sich eine große Insel, z. B. Madagaskar, kauften. Dort könnten sie ungestört und ohne andere zu stören, „fern von den Völkischen aller Länder" leben. Sodann behandelte der Gutachter die Perönlsichkeit Achad Hanms und beschäftigte sieh besonders ausführlich mit dem Verfasser der „Dinlogues uux Enfers", Maurice J o 1 y , dessen Schrift nach den bisherigen Fcststclhuigcn bekanntlich das Vorbild der sogenannten „Protokolle" war. Nach Fleischhauers Meinung muß Joly ein Jude gewesen sein. Zwar habe sich der Herausgeber der Protokolle Gottfried zur Beek geirrt, als er behauptete, Joly habe eigentlich Moses Joel geheißen. Doch könne man an der jüdischen Abstummung Jolys nicht zweifeln, wenn man nach Lichtbildern seine merkwürdige Ähnlichkeit mit Karl Marx feststelle. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen erklärte der Gutachter, das Buch Jolys habe sich nicht gegen die Diktaturgelüstc Napoleons. III. gerichtet, sondern enthalte die Grundzüge •der von der jüdischen Freimaurerei aufgestellten Wcltherrschaftsplflnc. Adolphe Crcmicux, der große französische Minister und Patriot, wird von Fleischhauer beschuldigt, die „Dialoge" gewissermaßen als Leitfaden der jüdischen Wclthcrrschaftsbestrebungen in Auftrag gegeben zu haben. Der Gutachter erklärte, er könne dos zwar nicht gerichtsnotorisch machen, aber Anhaltspunkte besitze er dafür. Er wiederholte sodann die oft widerlegten Behauptungen von dem Manifest Creraieux's, von den Zielen der Allianec Israelite Universelle und ähnliche in der antisemitischen Literatur übliche Behauptungen. Dio Entdeckung des Times- Korrespondenten in Konstantinopcl, daß das Buch Joly's einwandfrei die Quellenschrift für die gefälschten „Protokolle" ist, bezeichnete der Gutachter als eine von den Konstantinopclcr Juden - vcranlaßte Lüge. Nach Bemerkungen zu einzelnen hervorstechenden Punkten der „Protokolle" richtete Oberstleutnant Floischhaucr scharfe Angriffe gegen den hervorragenden Kenner des jüdischen Schrifttums, Geheimrat Professor Dr. Strack, gegen eine von dem Obergutachter Loosli seinerzeit veröffentlichte Schrift „Die schlimmen Juden" und gegen die Weltpresse, die zu einem wesentlichen Teile im Dienste des Wcltjudcntums stehe.. Der Experte äußerte verschiedene Mutmaßungen über den Ursprung der „Protokolle" und erklärte, diese könnten keine von antisemitischer, oder russischer Seite vorgenommene Fälschung sein. Als Verfasser kämen auch Achad Haam oder Hcrzl in Betracht. Er selbst allerdings glaube nicht, daß Horzl die „Pro- tokolle" verfaßt habe. Dio Echtheit der „Protokolle" sei auch durch die letzten Ereignisse, insbesondere durch den Weltkrieg, eindeutig bewiesen worden, und die Prophezeiungen der „Protokolle" seien in den letzten Jahren eingetroffen. Die Argumente, mit denen man bisher die Echtheit zu widerlegen glaubte, bezeichnet Fleischhauer als abwegig und durch die einschlägige Literatur, z. B. von Alfred Rosenberg, ad absurdum geführt. Auch der dritte und vierte Tag des Gutachtens von Oberstleutnant a. D. Fleischhauer war seiner Theorie über die Verfasserschaft der zionistischen „Protokolle" gewidmet. Nachdem der Anwalt der Beklagten, Iluef, eine Erklärung zu dem im „Alemanen" erschienenen Artikel, in dem Gerichtspräsident Dr. Meyer u. a. als „judeuhörig" bezeichnet worden war, abgegeben hatte, fragte Professor Baumgarten, welche Zeit dio Verhandlungen noch in Anspruch nehmen würden. Der Präsident antwortete, er haho selbstverständlich Herrn Flciscldiauer volle Redefreiheit zugebilligt. Immcrliin sei er der Ansicht gewesen, der Experte werde ungefähr ebenso lang reden wie Prof. Baumgarten — dessen Expose drei Stunden dauerte — da ja das Gesamtgutachten schriftlich vorliege. Auf eine un Fleischhauer gerichtete diesbezügliche Frage antwortete dieser, seine Expertise gehe viel mehr in dio Tiefe alB diejenigen der anderen Herren. Er wisse überhaupt nicht, wie lange er noch sprechen werde. Dem „sittlich hochstehenden, für sein Volk arbeitenden Hcrzl" will der Experte dio Achtung keinesfalls versagen. Er konstruiert jedoch 'einen Zusammenhang zwischen HcrzlB Roman „A11 - n e u 1 a n d" und den „Protokolle n", indem er die Romanfigur Joe Lcvy mit Maurice Joly identifiziert. Lasse man in „Joe" das e und in Lcvy cv aus, so crgol>c sich ohne weiteres der Nnmc Joly. Die ausgelassenen Buchstal)en hätten -offenbar etwas Geheimes für die Juden zu bedeuten. Er zitiert sodann eine Anzahl bekannter Ucncgatcn, die die Echtheit der „Protokolle" anerkannt hätten. Im Verlauf der weiteren Verhandlung verlas der Präsident ein Telegramm des im ersten Teil des Prozesses als Zeuge vernommenen Grafen du Chayla, in dem dieser empört gegen die von dem Gutachter Fleischhauer gegen ihn erhobenen Beschuldigungen protestiert und sich weitere Schritte vorbehält. Der Experte Univcrsitfitsprofcssor Dr. Baumgartcn teilt mit, er hal>c von einem gewissen Weinbrenner aus Strnßburg einen Brief erhalten, in dem er und seine gutachtlichen Aussagen schwer beschimpft werden. Er würde diesen Tiricf einfach unter dem Tisch geworfen hal>cu, wolle aber nicht den Verdacht aufkommen lassen, als oh „Freimaurer" dahin gewirkt hätten, daß dieser „wichtige Brief" verschwinde. Der Bricfechrcihcr sei ein törichter oder gewissenloser Mensch. In Zukunft aber lehne er es ah, sich mit' jedem Dummkopf, der ihn brieflich angreife, zu l>cfassen. Der Gutachter Fleischhauer setzt sich sodntm für die Annahme ein, daß in Hasel 1897 neben dem offiziellen Zionistcnkongreß eine Geheim Versammlung des Ordens Bne Brith stattgefunden habe, in der die in den „Protokollen" erwähnten Beschlüsse gefaßt wurden. Daß selbst Juden in unkontrollierten Augenblicken zugestehen, die „Protokolle" seien echt, erweise dns Zeugnis eines gewissen Schächten* Flcisehmann in der Provinz Posen. Dieser habe einem polnischen Vizc-Slaatsnnwalt Noskowiez ein solches Geständnis gemacht. Veranlassung hierzu habe die Schändung seiner Braut durch den Oberrabbiner Veilehcnfeld gegeben. 'Der Posciicr Oberrabbiner Dr. Veilclienfcld, der sieb bei Juden und Niehtjutlen höchsten Ansehens erfreute, hatte zu der Zeit, die der Antisemit Noskowiez aU die der „Schändung" angibt, das 73. Lebensjahr überschritten.) Der Experte gebt hierauf zu einem ö allgemeiner^ Angriff auf das Judentum über und erklärt, der Antisemitismus, der so alt wie das Judentum und schon im alten Ägypten aufgetreten sei, müsse als Notwehr der luclitjüdiaclieu Völker aufgefaßt werden. Die antiiiUlisebeu Verfolgungen seien stets nur die Auswirkungen des jüdischen Verhaltens. Der Hcncgat Gans wird dafür zitiert, daß der Charakter der Juden sich nie ändere. Lügenhaftigkeit scheine typisch für das jüdische Volk zu sein. Fichte, Gionluno Brunn, Goethe. Napoleon, Herder und Mommsen werden als krasse Judenfeinde hingestellt. Durch die Beurteilung der Gcistcshcrocn aller Zeiten und Völker sei die Echtheit der „Protokolle" innerlich best ä - t i g t. Der Gutachter untersucht sodann die Unterschiede zwischen christlichem und jüdischem Gottcsglaubcn, wol>ci er sieh in äußerst herabsetzender Weise über den „jüdischen Gott" und die jüdische Religion äußert. Schließlich behandelte Fleischhauer die Frage der „Ernsten Bibelforscher", die sich nach seiner Auffassung äußerlich als eine christliche Gesellschaft tarneu. Während die zionistischen „Protokolle" dus slaalspolitischc Programm der Juden enthielten, lördcrtcn die Ernsten Bibelforscher die religiös-politischen Pläne der Juden. Auch die Bibelforscher verfügten über ein Wcltherrsebaflsprogramm, das sie in vielen Millionen von Schriftexeniplaren über die ganze Erde verbreitet hätten. Jerusalem werde ,die künftige Welthauptstadt sein, und Abraham werde vom Berge Zion die Geschicke der ganzen Welt mittels vollkommener Rundfunkstationen lenken und alle Nichtjuden würden durchllescbneidung zu Juden gemilcht werden. Die „Protokolle" seien aus der gleichen Gedankenwelt geboren wie doB Programm der Bibelforscher, und der Mord am österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand 1914 sei eine Freimaurertat gewesen. Zur Frage, ob die zionistischen „Protokolle" unter den Begriff der Schundliteratur fallen müßten, erklärte Fleischhauer, daß dio hierauf bezüglichen Bestimmungen in den meisten Ländern Kautschukparagraphen seien, und daß vieles dabei in das Ermessen der Richter gestellt sei. Es sei eine außerordentlich verwegene Angelegenheit, wenn die Juden heute wegen Verbreitung von Schundliteratur Klage führten, sie, dio doch selbst durch viele Bücher gezeigt hätten, was unmoralische Literatur sei. Eher müsse der Talmud als Schundliteratur aufgefaßt werden. Solange dies nicht der Fall sei, gehe es nicht an, die zionistischen „Protokolle" als Schundliteratur zu bewerten. Zur Anwondung des Paragraphen 14 des Berner Gesetzes über Schundliteratur bestehe im Falle der „Protokolle" keine Handhabe. Während Fleischhauer für einen Tag sein Gutachten unterbricht, äußert sich der Gutachter Dr. Baumgarten, Professor der Rechtsphilosophie an der Universität Basel, zu den in den „Protokollen enthaltenen Angaben über „Jüdische Woltherrschaftspläne" und dio im Zusammenhang damit gegen die Juden im allgemeinen erhobenen Vorwürfe. Die entscheidende Frage sei, ob es eine jüdische Gcheimregicrung gäbe oder nicht. Er verneine diese Frage auf das entschiedenste. Das höchst komplizierte Problem der Krise, die die Welt auf allen Gebieten durchmacht, damit erklären zu wollen, daß hinter allem eine jüdische Geheimregierung stecke, sei ein völlig untauglicher Lösungsversuch. Ein Volk, in dessen Schöße die Bibel entstanden ist, könne nicht das Volk sein, das in dieser ,Protokollo"-Ausgabe bezeichnet wird. Bei dem Gutachter Fleischhauer hübe das Mißtrauen gegen die Juden einen derartigen Grad erreicht, daß er die gesamte Weltgeschichte nur unter dem Gesichtspunkt dieses Mißtrauens betrachtet und sich gegen alles, was jüdisch ist, wendet. Hätte das Judentum so viol zu verbergen, dann hätte man wohl nicht gerade ihn als nichtjUdischen Gelehrten zum ■i Sachverständigen bestellt. Wer über den Talmud sachverständig urteilen wolle, dürfe, hierzu nicht irgendwelche, von maßgebender wissenschaftlicher Scito scharf angegriffene Schriften zugrunde legen. Die Methode, Zitate aus dem Zusammenhang zu reißen, um1 die Moral des Talmuds zu beweisen, müsse vorworfen werden. Prof. Baumgarten erklärte wörtlich: „Das ist eino unsittliche Methode. Bei einer objektiven Betrachtung, dio zur Wahrheit führen soll, muß alles Hetzerische vermieden werden." Der Gutachter wandte sich sodann der Entstehung der gefälschten „Protokolle" zu. Es komme nicht gerade darauf an, ob Ratschkowsky der Fälscher war; hinreichend belegt sei der Schluß, daß die russische Geheimpolizei an der Fälschung entscheidend mitgewirkt hat, und es sei anzunehmen, daß sie die Fälschung Nilus in die Hände spielte. In der Tatsache, daß erheblicho Teile von Jolys „Dinlogues" wortwörtlich in den gefälschten „Protokollen" wiederzufinden Bind, lioge für den Gutoebter der wichtigste Beweis der Fälschung. Es müsse auf das entschiedenste bestritten werden, daß, wie der Gutachter Fleischhauer dies behauptet habe, Jolys Schrift auf Napoleon gar keinen Rezuc gehabt habe. Kein Geschichtsforscher sei bisher auf die Mutmaßung gekommen, dio Schrift Jolys, die von Anfang bis zum Ende eine Satirc auf die Diktaturpläno Napoleons III. darstellt, sei nicht gegen diesen, sondern mit Bezug auf eine jüdische Wcltvcrschwörung geschrieben worden. Schließlich befaßte sich Prof. Baumgartcn mit dem den Juden gemachten Vorwurf, daß sie sich als a u s c r w ä h 1 t c s Volk bezeichnen. Gewiß habe dos jüdische Volk einen stark religiös fundierten nationalen Stolz. Aber auch anderswo finde man die Erscheinung, daß Menschen eines bestimmten Typs allen anderen gegenüber gestellt und diese ols unter diesem Idcaltyp stehend bezeichnet werden. Nach dem Gutachten Fleischhauers soll der gerichtlich bestellte Obrrgiitacbler, C. A. Loosli, Schriftsteller in Bcrn-Hümpliz, zu Worte kommen. Die vom Gerichtspräsidenten an ihn gerichteten Hauptfragen: 1. Sind die eingeklagten sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion" echt, unecht oder gefälscht? 2. Bilden sie ein Plagiat, einen geistigen Diebstahl? 3. Fallen sie unter den Begriff der Schundliteratur? werden in dem schriftlich vorliegenden Gutachten Looslis ausführlich beantwortet. Der Sachverständige verneint kategorisch, daß die zionistischen Führer jemals das Bestreben hatten, irgendeine revolutionäre oder sonstige politische Tätigkeil in den Ländern der jüdischen Diaspora zu entwickeln. Der Sachverständige widerleg! die Bchaiiptungacn des judengegnerischen Schrifttums, wonach die Verfasserschaft der „Protokolle" auf den jüdischen Schriftsteller Achad I luum zurückzuführen ist. Aus den Protokollen des Zionisten-Kongrcsses, wie aus den Aussagen von noch heute lebenden Personen, die daran teilnahmen, ergibt sich, daß alle Verhandlungen im breitesten Liebt il e r Öffentlichkeit geführt worden sind. Eingehend erörtert der Sachverständige die. bekannten Divergenzen, welche zwischen den verschiedenen Ausgalvcn der „Protokolle" bestellen und weist dann im einzelnen nach, daß die Fälschung die Hand eines gewissenlosen, oberflächlichen Plagiators und Fälschers verrät, der sich nicht einmal die bescheidenste Mühe gibt, die Spuren seines schrifttümlichen Diebstahls zu verwischen. Die Fälschung diente internen russischen Motiven und sollte dem Zaren beweisen, daß die Juden es seien, welche Bich gegen die damalige russische Staatsverfassung verschworen und dio jüdische Weltherrschaft anstrebten. Der Sachverständige stellt« in Übereinstimmung mit einer im Jahre 1921 von der großen englischen Zeitu ig „Times" durchgeführten Untersuchung fest, daß die „Prolokolle" judcufcindlichen uud anderen politischen Zwecken dienten. Sic boten den Anlaß zu Judcnprogromcn und haben überall, wo sie sich auswirkten, furchtbare Folgen gehabt. Auch nicht eine einzige Behauptung der Befürworter der Echtheit der „Protokolle" hält einer unbefangenen, ernsthaften Prüfuiif stand. Überall, wo der Wahrheitsbeweis versucht wird, verwickeln sieh die Beweisführer in Widersprüche. Der Sachverständige kommt zu dem Schluß, daß die „Pento-" kolle" in literarischer Hinsicht unter den Begriff der Schundliteratur fallen und zu jenen Druckerzeugnissen gehören, die jlarauf abzielen, das Gewissen ihrer Leserschaft dermaßen irre zu führen und zu betäuben, daß sie sich zur Begehung von ausgesprochen rechtswidrigen Handlungen bereit finden läßt. Letzte Nachrichten 6'A Kulturbünde zusammengeschlossen Im Beisein von Vertretern der staatlichen Behörden sowie je eines Delegierten der Reichsvertretung der Deutschen Juden und des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde, Berlin, fand in Berlin eine Tagung von Vertretern der in Deutschland bestehenden Kulturbünde und Vereinigungen ähnlicher Zielsetzung statt, um über einen Zusammenschluß der jüdisch-kulturellen Organisationen in Deutschland zu beraten. Nach Begrüßungaworten von Herrn Dr. Singer, der in großen Zügen das WcBcn, den Zweck und die Notwendigkeit einer Reich sorganisation der Kulturbünde schilderte, erläuterte Herr Staatskommissar H i n k e 1 im Einvernehmen mit den Staatspolizeistcllen dio Zweckmäßigkeit der Errichtung einer solchen Orgonisntion. Nach eingehender Aussprache über alle in Betracht kommenden prinzipiellen Fragen beschloß die Versammlung einstimmig dio Gründung des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland mit dem Sitz in Berlin. Die Aufgabe dieses Verbandes besteht darin, auf Grund organisatorischen Zusammenschlusses aller jüdisch-kulturellen Verbände, jedoch unter vollständiger Wahrung der Selbständigkeit der Kulturorbelt und der Verwaltung, eine wirksamere Förderung der gemeinsamen Ziele, um eine einheitliche Vertretung gegenüber den zentralen Rcichsbchörden zu ermöglichen. Der Zusammenschluß erstreckt sich auf 36 jüdische Kulturbünde mit etwa 50 Städten. Der Zusammenschluß der jüdischen Jugend Der Reichsausschuß der jüdischen Jugcndverbände teilt mit: Der Sportbund dos Reichsbundes jadischer Frontsoldaten ist dem Roiclisausschuß beigetreten. Der Zusammenschluß der jüdischen Jugend ist somit vollendet." Weltmcistcrtilcl aberkannt Wie „United Press" aus Paris meldet, wurde Max Baer durch dio Entscheidung der Internationalen ' Boxsportkommission, der Weltmcistertitcl aberkannt. Darnach wurde ihm der Titel entzogen, nachdem die' Frist zu einer Unterzeichnung feines Kampfvertrages mit dem belgischen Schwergewichtler Pierre Charles, ohne ein Ergebnis zu bringen, abgelaufen war. J