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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-04-17 · 15-16 (17.4.1935) · page 6

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
15-16 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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.ji^li i V •' '•; taste imd.fugo g-mojf (in der Llsztscnen Übertragung) gelingt obehso wie die romantische üniast eine* Schumann-Sonate. Osbom gibt die Apassionata' in großartiger Klarheit, er gibt Oiopin mit all seinem Mangzauber; am hinreißendsten aber wird sein Einsatz . tdf die Modenici wie er Strnvinsky und Prokofleff mit elementarster rhythmischer Wucht nur so hinwirft, dashat man lange nicht mehr so gehört! — Es war einer der stärksten Abende dieses Konzertwinters, und so blieb' man trotz des großen Programms noch gern, bis die letzte Zugabe verklungen war.-.; .- ■ h. f; zessionierte Goethe-Cafe" leicht zu erreichen sei. In der Zwischenzeit hat, wie der Vorsitzende horvorhob, der Antragsteller eine liste von Glaubensgenossen mit über 150 Unterschrifton beigebracht,, von denenein Caf£- in der BSrnestraßo gewünscht wird. Der Antragsteller hat in seiner Konditorei einen befriedigenden Umsatz, er beschäftigt einen Gehilfen und 'zwei Lehrlinge und war sieben Jahre Vorstandsmitglied der Konditorinnung. Außerdem war «r 4*/t Jahre Frontsoldat und ist Inhaber des Eisernen Kreuzes. Da': or.: sich! boreiterklttrt, das Cafd nicht über 22 Uhr offenzuhalten, wird in dor Erlaubnis, daß ein Bedürfnis bei' den jüdischen Glaubensgenossen vorliegt, die Konzession für Koffecausschank und Ausschank alkoholfreier Getränke unter der Voraussetzung erteilt, daß der Bcwerbor den Betrieb einwandfrei führen wird. Boris Kroyt-Quartett Für den zweiten Aicjuft jdos Boris-Kroyt-Quartctts stellte Georg Bertram seino Mitwirkung zur Verfügung. Seine überlegene, bei oller Anschlagskunst nie ins Detail sich verlierende Gcstaltungsweise verhalf dem Mozartschen g-moll-Quartctt zu einer abgerundeten Wiedergabe; der letzte Satz erschien in seiner sprühenden. Leichtigkeit besonders gelungen. In Brohms' op. 25 wirkte namentlich das von stärkster Vitalität durchpulste Rondo nlbi Zingaresc. Die. Streicher hinterließen einen noch günstigeren Eindruck als bei ihrem ersten Auftreten; die Schwierigkeiten des fesselnden F^dur-Quartetts von Tschaikowsky wurden glänzend gemeistert. Voll geheimnisvoller Spannung erklang 'das AmlitifAdilA A J>_!.. I_ T7V__1 < . '1* * - ™ ■_ _>-.•- Nabucco" mit Hindernißen Autobiographische Skizze I Von GIUSEPPE VERDI Eines Abends stieß ich am Endo der Galerie Christoforis mit Merclli — Bartolomco Mcrellj war damals Impresario an der Mailänder Scala. Die Schriftl. — zusammen, de/eben ins Theater ging. Der Schnee fiel in dicken Flocken vom Himmel, und Merclli, der seinen Arm unter den meinen geschoben hatte, nötigte mich, einleitende Adagio; im Finale erweckte die" exakte und straffrr^ihn zur Scala zu begleiten. Unterwegs Bchwatzto er mancherlei sÄÄehlr SanL'« * mir dann, daß er wegen der neuen Oper, die er wf»»-"«««^« you Edvard, Moritz,, die für den dritten f** m Verlegenheit befinde Nicola, - der Abend des Kroyt-Quartetts in Aussicht genommen war,'mußte .Komponist der „Lustigen Werner von Wmdsor . Die bchriftl. —, wegen Erkrankung Paula Lindbergs verschoben werden; Wilhelm der den Auftrag übernommen habe, sei mit dem Textbuch un- Guttmunn sprang bereitwillig mit einer Gruppe Schubertliedor zufrieden, ein, die er mit der für ihn bezeichnenden Intensität des Ausdrucks StnII' vom Dichterischen her zu gestalten wußte. Im übrigen gab es einen' Mozart und das von cdeUter Romantik erfüftto D-dur- Quartett von Borodin, das man vielleicht noch schwelgerischer musizieren könnte. Von kleinen Einzelheiten abgesehen — die Homogenität des Klanges wäre bisweilen ein Wenig zu steigern —' fanden die Werke cino sorgsam ausgefeilte und überaus frische, temperamentvolle Wiedergabe. H. F. Max Pohl gestorben Mit Max Pohl, dor dieser Tage, wenige Monate vor Vollendung seines achtzigsten Geburtstages, gestorben ist, wurde ein bemerkenswertes Stück Berliner TheatergeBchichte, das in ihm verkörpert war, zu Grabe getragen. Fast ein halbes Jahrhundert long war der am 12. Dezember 1855 in Nikolsburg geborene mährische Jude ein treuer, selbstloser Diener am Wort der" klassischen Dichtung. Nie hat Max Pohl seine große CharaktcriBierungskunst plakatmäßig herausgestellt. Nie hat er in der treuen Einfügung in" ein Ensemble der Effekthascherei und Selbstinszcnicrungssucht gehuldigt. Getreu dem Heyseschen Spruch: „Fordro kein lautes Anerkennen, könne was, und man wird Dich kennen", den er seiner autobiographischen Skizze „Vierzig Jahre Rampenlicht als Leitsatz seines künstlerischen Lebens eingefügt hat, hat er als ein Mann des Wissens und des Könnens, seiner Darstellung, in Ernst und Humor, im großen klassischen Drama und in der österreichischen Dialektdichtung Anzcngrubcrs und Schönhorrs, einen menschlichen, mit zunehmenden Jahren immer reifer werdenden Ausdruck verliehen. Das Bühnenglück, das ihm schon bei seinem ersten Auftreten als Spiegclberg in einer Festvorstellung der Wiener Studentenschaft anläßlich der Enthüllung des Wiener Schillerdenkmal» hold war, hat ihn bis zu seinem im Jahre 1932 erfolgten Abgang vom Theater nie verlassen. Kaum bedrückt vom Alter, in voller geistiger und körperlicher Frische, ist er von der Schaubühno abgetreten. Max Pohl hatte scino Laufbahn nicht als Schauspieler begonnen. Er hatte Jura studiert, Staatsprüfungen abgelegt, seinen juristischen Doktor gemacht und war schon praktisch als Konapient bei einem Anwalt tätig, als die erwähnte Studentenaufführung der „Räuber" und eine spätere des „Wilhelm Teil", in .der auch Otto Sommerstorff und Max Pategg, die beido später ebenfalls im Berliner Theatcrlebcn wirkten, ihm Gewißheit gaben, daß sein früh erwachter Drang zur Bühne in einem Btarkcn Talent wurzelte. So Bchlug er das Corpus juris zu und ging zum Theater. Eibrouchto nicht longo das Elend des Schmierenkomödiantentums kennen zu lernen, denn schon nach kurzer Zoit wurde er dem zermürbenden Getriebe, kleiner und kleinster Provinztheater entrückt. In Leipzig konnte er bald in die erste Reihe der Darsteller vorrücken. Hamburg und das deutsche Theater in Moskau waren die weiteren Stationen seiner schauspielerischen Wirksamkeit, ehe er im Jahre 1884 von L'Arrongo an das damals gegründete Deutsche Theater nach Berlin geholt wurde, wo er neben Barnay, Friedrich Haase und Fricdmann in der ■ Schule dor Natürlichkeit jenen Stil ausbildete, den er sich bis zuletzt bewahrt hat. Zehn Jahre blieb er diesem Theater treü, in dem er sich zum ausgezeichneten Vcrwandlungsschauspicler entwickelte und zu einem der bedeutendsten Darsteller dominierender Vüterrollen emporwuchs. Als Lear, als Nathan der Weise und als Shylok. erreichte er die-Höhe der Darstcllungskunst. Als L'Arrongo seinen Platz am Deutschen Theater Otto Brahm räumte, ging Max Pohl ans Berliner Theater, um 1897 an das Königliche Schauspielhaus, das heutige Staatstheater, hinüberzuwechseln, zu dessen Stützen er 35 Jahre lang gehörte. Unvergessen ist die Reihe der Gestalten, die er .seinen Antrittsrollen Gesslcr, Shylok und Mephisto folgen ließ. Mit derselben Echtheit und' Tiefe, mit der er diese klassischen Gestalten besegelte; zeichnete er auch seine übrigen Rollen aus. Seine Fähigkeit, einen feinen Humor glitzern zu lassen, und die Beherrschung der Volkspsyche kamen ihm für den Dorfrichtcr Adam, Arizengrubers Wurzelsepp und viele andere Rollen zugute. _, Ein. .echter Künstler, ein ehrwürdiger Veteran des Theators ist mit Max Pohl dahingegangen. Die. älteren Theaterbesucher Berlins werden ihn in dankbarer Erinnerung behalten. —m. « Pohls Freunde und Kollegen bereiteten dem Verstorbenen eine würdige Totenfeier. Bei der Einäscherung im Krematorium in Wilmersdorf rief Intendantsrat. Albert Pa t r y zum Schluß seiner Würdigung' dem Freunde das. Schillerwort nach:' „Kurz ist der Abschied für die' lange Freundschaft". Auch der stellvertretende Präsident der Genossenschaft deutscher Bünenangehöriger, Ludwig ■Körner, der als Vertreter der Reichstheaterkammer erschienen war, sprach ehrende Gedenkworte. ' Dg* erlaubte Cafe Frankfurt □. M. Der Fallder Konzessionierung eines jüdischen'Cafes," über den wir kürzlich berichtet haben, beschäftigte jetzt'zum zweiten Maid das Stadtverwaltungsgericht. Ein Konditor- . meister, der früher in der Großen Eschenheimer Straße ein Cafe", betrieb, hat dann in der Börnes traßo, in einem Hauso, in dem sieh 20 Jahre eine inzwischen eingegangene Wirtschaft befand, eine Konditorei eröffnet und beantragte dort Schankerlaubnis für ein rituelles C a f e. , Die Polizei hatte kein Bedenken, da es sich um einen Besitzwechsel handelt, verneint aber die B e d ü r f n i s f r a g e, - weil es nicht im Interesse der Öffentlichkeit liege, derartig* (jfirtst&tten. zu vermehren. Von, dem nefchseinheitsverband' für das Goatstättengewerbe werden ebenfalls Bedenken geäußert,weildas . speziell für jüdische ■ Gäste, kon- Stcll' dir vor", rief Merclli aus, „ein Buch von Solcra, stupendl . . . Großartig I ... Ganz ungewöhnlich.....Spannende und grandiose dramatische Situationen, wunderschöne VerBC I . . . Aber dieser Querkopf von einem deutschen Maestro will keine Vernunft annehmen und erklärt den Text für unmöglich I . . . Mi weiß nicht, wo mir der Kopf steht und wie ich so schnell ein neues Buch herschaffen soll." „Da kann ich dir helfen," tröstete ich ihn. „Hast Du nicht „II Proscritto" für mich schreiben lassen? Ich habe noch keine Note dazu komponiert. Der Text steht zu deiner Verfügung." „Bravo I . . . Das nenne ich Glück I" Im Reden waren wir zum Theator gekommen. Merclli befahl Bassi herbei, der Dichter, Regisseur, Kanzleibote, Bibliothekar und noch manches andere in einer Person war, und hioß ihn sofort nachsehen, ob sich in den Archiven nicht noch ein zweites Manuskript von „II Proscritto" fände. Es fand sich. Aber zugleich zog Merclli ein andcrcB Manuskript hervor und hiolt es mir unter die Augen: „Hierl Das ist das Libretto von Solern I Diesen herrlichen Vorwurf zurückzuweisen! . . . Nimm es . . . Lies esl" i „Was soll ich damit? Nein, nein, nein! Ich bin nicht in der Stimmung, Operntexte zu lesen." „Äh! Dieser Text wird dir schon nicht weh tun. Lies ihn! Du kannst ihn mir gelegentlich zurückbringen", und er drängte mir dos Manuskript auf. Es war ein dickes Heft mit großen Lettern geschrieben, wie sie damals in der Mode waren. Ich rollte das Ding zusammen, gab Merclli die Hand und machte mich auf den Heimweg. : Auf der Straße überfiel mich eine Art ganz unerklärlichen Unwohlseins, eine abgrundtiefe Traurigkeit, eine Todcsbeklcnw mung, die mir das Herz würgte! . . . Zu Hause angekommen, warf ich das Heft mit einem so bösen Schwung auf den Tisch, daß es horabschnelltc und vor meinen Füßen liegen blieb. Im Fallen aber hotte es sich geöffnet, und ohne daß ich .wußte-''wie, blieben meine Augen an der offenen Seite hängen, und jener Vera blickte mich an: Va, pensioro, sull'ali dornte" (Flieg, Gedanke ouf goldenen Schwingen!) Ich durchflog die folgenden Verse und wurde mächtig von ihnen ergriffen, um so mehr, als sie eine Paraphrase der Bibel waren, die ich immer über alles geliebt habe. Ich lese einen Teil, ich lese einen anderen: dann, meines festen Vorsatzes gedenkend, nie wieder zu schreiben, schlüge ich das Heft zu und geho zu Bett . . . Aber, ah, >.. . . „Nabucco" ging in meinem Kopf um, und der Schlaf kam nicht. Also, ich stehe auf und lese die Dichtung nicht einmal, nein, zweimal, nein, dreimal, so oft, daß ich am Morgen das Libretto Solcras vollkommen auswendig weiß. Trotz aUedem, keineswegs gesonnen, von meinem Vorsatz zu weichen, gehe ich ins Theater und gebe Merclli dos Manuskript zurück: „Schön, was, äh?" „Sehr schön!" „Ahl" . . . Also Betz' es in .Musiki" „Nicht einmal im Traum will ich damit zu tun haben." „Setz' es in Musik, sag ich dir, Betz' es in Musik!" Nach diesen Worten stopft er mir das Heft in die Tasche meines Uberrocks, packt mich bei den Schultern und befördert mich nicht nur mit einem Stoß zur Stube hinaus, sondern schlägt mir noch die Tür vor.der Nase zu und dreht innen den Schlüssel ob. Was tun? Den „Nabucco" in der Tasche kehre ich heim. Heute diesen Vers, morgen jenen, hier eine Note, dort eine ganze Phrase, so entsteht nach und nach die ganze Oper. Es war im Herbst 1841; Ich dachte an das Versprechen Merbllis, suchte ihn auf und meldete ihm, daß „Nabucco" fertig sei und zum nächsten Karneval gegeben werden könne. Merelli erklärte sich bereit, sein Wort einzulösen, aber zugleichgab er mir zu bedenken, daß mein Werk unmöglich 'schon in der nächsten Saison aufgeführt werden könne, weil er bereits drei- Opern von berühmten Autoren angenommen habe. Eino vierte, und überdies die Oper eines fast ganz Unbekannten zu geben, das war für alle Teile, gefährlich, und namentlich für mich seibat... Er hielt es'daher für das ■ beste, mit der Premiere bis zum Frühjahr zu warten, wo er kerne Verpflichtungen mehr hatte und. mir gute Sänger versprechen konnte. Teil aber, lehnte . ab. Entweder zum Karnoval oder gar nicht! . . . Und ich hatte guten. Grund zur Festigkeit; denn wann und wie hätte ich zwei berufenere Darsteller finden sollen, abj die Strcpponi und Ronconi, die beide zürn' Karnoval engagiert waren und auf die ich die größten Hoffnungen: setzte. Merclli, der mir soweit als möglich entgegenkommen wollte, war als Impresario selbst in schwieriger Lage. Vier neue Opern in einer Saison, das war ein rechtes Risiko! Doch auch ich hatte meino guten künstlerischen Gründe wider ihn zu setzen. Genug, mit Ja und Nein, Hin und Her, ganzen und halben Versprechungen verging die Zeit, und der Cartcllonc, die Rcpcrtoircaufstcllung, erschien, und „Nabucco" war nicht auf dem Programm. Ich war jung. Mein Blut kochte. Ich Bchrieb einen dummen Brief an Merelli, in dem ich meine ganze Wut austoben ließ. Doch kaum hatte ich ihn abgesandt — ich muß es gestehen — erfaßte mich der Katzenjammer. Ich hotte Angst, jetzt alles verdorben zu haben. Merelli, der mich hatte holen lassen, fuhr mich an: „Ist das die Art, einem Freunde zu schreiben? Aber da du recht hast, werden wir diesen „Nabucco" spielen. Eines aber mußt du dir zu Gcmüre führen. Die drei neuen Opern machen mir die größten Kosten. Ich kann daher für „NaUucco" keine neuen Dekorationen und Kostüme aufwenden. Wir müssen schauen, wie wir uns mit dem bchelfen, wos im Fundus zu finden ist." Mit ollem war ich zufrieden, wenn nur meine Oper aufgeführt würde. Und so erschien ein neuer Cortellone, ouf dem ich -cndli^i lesen durfte: „Nabucco". Endlich gegen Ende Februar 1842 begonnen die Proben, und am neunten März, nur zwölf Tage nach dor ersten Probe am Gcmbnlo fand die Uraufführung statt. Die Hauptpartien sangen: die Strcpponi, die Bcllinzaghi, sowie Ronconi, Mirnglia und Dcrivis. Dies ist die Oper, mit welcher in Wahrheit meine künstlerische Laufbahn beginnt. So sehr ich auch gegen feindliche Gewalten ankämpfen mußte, es ist sicher, daß „Nabucco" unter einem glücklichen Stern geboren ist; denn alles, was ihm hätte Schaden bringen müssen, schlug ihm zu Guten aus. Bei der Generalprobe wußte noch niemand, wann und wo die Banda (Militärkapelle) die Szene betreten soll. Ihr Kapellmeister Tutsch war in der größten Verlegenheit. Ich bezeichne ihm einfach einen Takt. Und bei der Premiere tritt die Bühnenmusik auf das Crescendo so pracis ein, daß das ganze Haus in Begeisterung gerät . . . Verdi im Kulturbund Der „N a b u c c o" ist — trotz mancher stofflichen Parallele — kein Oratorium Händclscher Prügung, sondern Oper, Oper in echtestem Sinne, blutvollstcs Theater. Aber so weitgehend auch die Umformung des biblischen Berichtes erscheint .— man wird nirgends unangenehm berührt. Denn dos Ganze durchzieht ein Hauch geschichtlicher Große. Wir sind heute wieder sehr aufgeschlossen für Verdi, und die Freude . beim Anhören dieses FrühwcrkcB liegt zuerst einmal darin, daß es allenthalben die späteren Meisterwerke ahnen läßt. Gewiß, die musikalische Charakteristik der Personen ist noch nicht immer weit hervorgetrieben, und manches allzu Flächige in Melodik und Harmonik läßt erst die ganze Verinnerlichung crmessen, die die spätere Entwicklung Verdis in ähnlicher Weise kennzeichnet, wie diejenige seines großen Antipoden Wagner. Doch haben wir bereits im „Nabucco" den ganzen Verdi vor uns, was dramatische Wirksamkeit anlangt: mit unfehlbarem Griff sind die Szenen hingestellt, sind die Kontraste gespannt, sind namentlich die Finales emporgetürmt. Das Genie Verdi spürt man, wenn der überraschend erschienene König der Abigail die Krone vom Haupt reißt und alles in einer Generalpauso erstarrt, um dann um so stärker loszubrechen — einer der eindrucksvollsten Momento der Oper. Josef Rosen stock ist bei Verdi in seinem Element; er läßt keine toten Stellen aufkommen-, alles ist von heißem Leben durchglüht; mächtig ballen sich Steigerungen und Höhepunkte. Immer schönere Früchte trägt auch des Dirigenten Arbeit an seinem Orchester; diesmal fiel besonders der weiche, geschmeidige Klang der Holzbläser auf. — Die lebendige Regie Kurt Singers unterstreicht die Bewegtheit der historischen Vorgänge, den Zusammcnprall zweier Völker und Kulturen, wie auch das Orientalische und Urtümliche der Menschen; durch diese Akzentuierung wird die Gefahr der Opernschablone, die ein wenig im Werk liegt, wirksam gebannt. Nur der Tanz der Magier fällt aus dem feierlichen Rahmen und erreicht eine unerwünschte Nebenwirkung, Dio von Heinz Condcll mit übenuia geringen Mitteln entworfene Ausstattung begegnet aufs glücklichste den Bestrebungen der Regie; etwas Visionäres liegt in dem Bild des jerusalemischen Tempels. Unter-den Darstellern hat Siegfried Urins die stärkste schauspielerische Kraft einzusetzen; sein Nabucco hat das Barbarische, Despotische des orientalischen Herrschers. Die klangvolle, morkigo Stimme tritt ganz in den DienBt der Gestalt. Diese Einheit von Darstellung und Gesang bleibt Foul' Feh er als Ismael versagt; dem hervorragenden Tenor fehlt leider mimisch jede Initiative. Auch der stimmlich vorzügliche Zacharias Walter 01 i t z k i s könnte noch durch etwas gelösteres Spiel gewinnen. (In der der eigentlichen Premiere vorausgegangenen Fcstaufführiing lieh Fritz L e c h n o r dem Hohepriester sein sympatliisch weiches Organ.) Unter den Frauen bot Susanne Stein — die mit lAnnn L i p i n alterniert — als Fenela wieder eine in jeder Hinsicht überlegene Leistung. Ruth Wolffreim zeigte Bich den höhen gesanglichen Anforderungen der Abigailpartie in .erfreulichem Maß gewachsen; . sie wußte auch sonst die Gestalt der ehrgeizigen Sklavin glaubhaft zu machen und das katzenartig Geduckte der gefährlichen Intrigantin in der großen Soloszene eindringlich zu verkörpern. — In den kleineren Rollen wirkten Gerhard rechne r, Edgar Alexander und Fritzi J o k 1: . Ausgezeichnet wieder die von.Berthold Sander einstudierten Chöre. Das Publikum bereitete Werk und Aufführung den verdienten großen Erfolg. ■ H. Freyh'an. m W Y

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