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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-04-17 · 15-16 (17.4.1935) · page 7

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
15-16 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Zwei Hörbildfzenen Von ALFRED AUERBACH Alfrod Auorboch, violaoitlgor Schriftsteller und chomalifror Lahrer für Schauspielkunst am Frankfurter Hochgehen Konservatorium, lädt aoobon im Vorlag J. Kauffmann, Frankfurt a. M". uutor dorn Titel ..Bühnonspiole für j ü - disoho Feierstunden" eine Sammlungvon Szenen und Einaktern erscheinen, die sioh ihrer ganzan Anlago nach gut zu Aufführungen in Schulen, Vereinen und bei privaten Veranstaltungen oignea. Auf einige dialogisierte Beiträge familiären Charakters hätte man allerdings, daboi gorn vorzichtot. Eines der Iolohtauffahrbaren Spiele, im Charakter oinos Hörbildes, nennt sich „Börne, Hoino, Mondolsaoh n". Als Probe veröffentlichen wir aus diesem Querschnitt durch das seolische Erlobon dor drei markanton Poraönlichkoiten nachstehend swoi Szenen. Ein Junge begehrt Einlaß Wflchter (om Tor): Hier, dor Torwächter am Rosenthaler -Tor Berlin — — was wollt ihr denn? — ihr, so spat am Abend — — — kurz vor Torschluß noch — — — ein kleiner Junget — — — ein VngnntI oho — — ein feiner Herr steigt aus der Kalesche ■— — — einer nach dem andern — — Junge — — was willst denn du hier in Berlin? Der Junge i Ich will zu meinem Lehrer, Rabbi Frankel. Der Wachten Oberrabbi — — Frankel--• so so-- na laß erst mal die alteren heran, dann geb' ich dir Bescheid --— Ihr wollt? Der Vornehme! Nehmt nur den Jungen vor, ich warte — — Der Wächter: Ein feiner Herr, das muß ich sagen, atao Junge, was willst du denn bei dem Oberrabbi? Der Junge: Lernen . . . Der Wächter: Du, hoho, du willst ein Wcisor werden; dein Buckel ist gemacht zum Handeln. — Der Junge: Ich will auch handeln gehen. Der Wüchter: Mit was denn, Junge? Der Junge: Mit dem, was den meisten fehlt. Der Reiche: Was ist denn das, mein Junge? Der Junge: Das ist — der Verstand. Der Phantast: Oho, der Knabe ist gewitzt —■ — Der Wüchter: Dein Buckel ist gemacht für einen Packen . . . Der Junge: Ganz recht, und in dem Packen muß ich die DummheSt tragen, . . . die mir die andern auftragen auf dem Lebensweg — — Der Reiche: Wie heißt du, Junge? Der Kleine: Ich heiße Moses, Herr, und bin des Mendels Sohn aus Dessau. Der Reiche: Hast du Geld? Der Junge: Nur Witz — 1 Der Vornehme: Der macht nicht fett. Der Junge: Wandcrc ich zu meinem Lehrer, um fett zu werden? Der Phantast: Der gibt's ihm, oh, der Junge hat ein Köpfchen 1 Der Vornehme: Wer seid ihr? Der Phantast: Tut nicht so hochfahrend, -— — weil ihr mit der Kalesche kommt — — oho — — ihr sollt 'meinen Namen kennen, — — Simon vun Geldern heiße ich und -bin aus Düsseldorf — — Der Vornehme: Ich habe nie von Euch gehört — — Der Phantast: Wer Beid ihr? Der Vornehme: Ich bin Baruch, Finanzagent am kurfürstlich kölnischen Hofe, wenn ihr wirklich aus dem Rheinland kämt, müßtet ihr mich kennen . . . Der PhontoBt: Ich war draußen in dor Welt--was wißt ihr von dem Leben? Hab' mich umhergetrieben im Morgen- und Abendland, war Häuptling bei dem Beduinenstamm der Morawi — —■ bin gewundert zu Fuß und hob' manch widerspenstig Roß zu Willen mit gemacht . . . dieweil ihr hier Bequemlichkeit gepflegt und euch ein Rfinzlcin angemüstet habt — — Der Vornehme: Was ihr zusammcnfaselt — — glaub' kein Wort-- Der Phantast: Kein Wunder, bin ein Lump zu sehen . . . Stab in der Hand, Lappen um die Füße, da traut ein solcher Herr nicht recht — — ich bettle euch nicht an ... ich hab' der Freunde viel, die meine Märchen lieben und an meinen Abenteuern sich ergötzen dort in der Stadt Berlin — die geben mir Zchrung — Wächter, laßt mich ein .... Der Vornehme: Nur gemach — Der Phantast: Ich war vor euch da — Der Vornehme: Der Junge auch . . . Der Phantast: Da habt ihr recht — — Der Vornehme: Warum streiten wir uns vor dem Tore, geht voraus, ihr beiden, ich erlege das Torgeld für den Jungen und für den Wandorcr mit dem Stab — — geht,, ich folge . . . Der Phantast: Der feine Mann, — dem Lumpen und dem Kinde. Ein Palais wird „verfetzt" Wie das Ephraim-Haus entfiand — Ein Gefchenk Friedrichs des Großen ■b\ Das Altbcrlincr Stadtbild wird in nicht allzu ferner Zeit eine neue Gestaltung annehmen. Die baulichen Veränderungen im Umkreis des Molkcnmorktes, die mit dein Neubau dor Staatsmünzc und dem Bau der neuen Mühlcndammschlcusc an der Sprco zusammenhängen, werden aller Voraussicht nach auch eine Veränderung für das schönste Privatgebäude mit sich bringen, das in Berlin aus der friderizianischen Zeit erhalten ist. DicscB Juwel Altbcrlincr Baukunst ist das Ephraim ha us an der Poststraße 16, Ecke Mühlendnmm. Um das Palais, daB den Namen seines Erbauers und Besitzers, des Hofjuwelicrs und größten preußischen Münzentrcprcneurs Friedrichs dcB Großen, Vcitcl Heine Ephraim, trägt, in seiner architektonischen Schönheit zu erhalten, ist geplant, es um 10 Meter zurückzuversetzen. Der reizvolle vierstöckige "Rokokobau mit seiner effektvoll abgerun- Ebcnso wie die Salons dor Itzigs, Gumpcrtz und anderer Berliner Juden wurde auch Ephraims Haus gern von preußischen Offizieren, Diplomaten und Höflingen besucht, die Wer Anregung und Unterhaltung fanden. Die Geschichte des Hauses Ephraim wird auch sonst in zeitgenössischen Schilderungen erwähnt. Vor hundert Jahren gehörte der Mühlcndamm zur Hauptgcschäftsgegend der ReicriBhauptstadt. Im Parterre des Ephraimhauses waren Läden aller Art untergebracht, und es ist amüsant*- zu lesen, wie es manch orregten Briofwechsol mit der Polizei gab, die eine Entstellung der herrlichen Hausfassade durch Rcklameschildcr nicht dulden wollte. Während Friedrich nicht zögerte, gegenüber den jüdischen Bankiers und den Pächtern des Münzregals, mit deren Hilfe die königlichen Finanzen im Gleichgewicht gehpltcji. wurden, das DAS EPHRAIMSCHE PALAIS Buntes Leben am Mühlcndamm. Nach einer Zeichnung von Stock, um 1835 deten Ecke, seinem von acht toskanischen Sandstcinsäulcn getragenen Bulkon über dem Portal, seiner spielerischen Gittcrornamentik und seinen zierlichen Sandsteinputten könnte lici dieser Versetzung sogar in seinem alten, ursprünglichen Zustund wiederhergestellt werden, nachdem es im Laufe der letzten Jahrzehnte zweimal geändert worden ist. Veitcl Heine Ephraim führte für den preußischen Staat umfassende Finanzgeschäfte durch und half Friedrich dem Großen in Jahren schwerster Geldnot aus der Verlegenheit. Als Ephraim mit königlicher Erlaubnis im Jahre 1766 das Palais am Mühlendumm errichtete, zeigte sieh der König für die Hilfe donkbar. Friedrich der Große, der in dem sächsischen Minister Brühl einen erbitterten Gegner hatte, ließ nach der Eroberung Sachsens im Siebenjährigen Krieg das Schloß des Grafen Brühl in Pforten zweimal zerstören und u. a. das kostbare Schwancnscrvicc, dus Kandier für den Grafen angefertigt hatte, nach Berlin überführen. Bei dieser Gelegenheit wurden auch xlic Säulen und das Balkonpittcr vom Brühlschcn Polais nach Berlin gebrückt und dann vom König dem Münzpfichtcr überlassen. Das Palais, in dem eine schön gewundene Treppe mit schmiedeeisernem Geländer in die oberen Bäume führt, von deren ursprünglicher Einrichtung noch ein chinesisches Zimmer besteht, versetzt« selbst den großen Friedrich bei seinem Besuch in Erstaunen. „Hier fehlt nichts mehr", meinte der Besitzer stolz. Worauf der König scherzhaft zur Antwort gab: „Weiter nichts als ein goldener Galgen, um ihn selber daran aufzuhängen." Der Vornehme: Was spottet ihr? Ich bin ein Mann der Geschäfte und mühe mich um Gerechtigkeit und Wirklichkeit allhier, möchte aber auch Gerechtigkeit verdienen dort droben für mich und meine Enkel. Damit wir cinBt Eingang finden trotz all der Irrtümer, die wir begangen haben. Der Phantast: Oh, ich habe euch verkannt, Herr Finanzagent — — Euer Sinn reicht weiter als ich dachte. Ich glaubte, er bliebe tun Geld hängen . . . Der Vornehme: Ihr mögt euch auf der Erde auskennen, Herr Wanderer, ich kenne mich in den Menschen aus--und dieser Knabe — unmenschliche „Judcnrcglcmcnt" fallen zu lassen, indem er ihnen Gcneralprivilcgicn verlieh, durch die sie den christlichen Knuf- Icutcn gleichgestellt wurden, mußte sich Ephraim wegen seiner finanzpolitischen Bctlitigung in der Öffentlichkeit manche harte Kritik gefallen lassen. Er unterhielt am Schiffbauerdamm eine ,.Silbcrraffincrieu mit 1000 Arbeitern, in der jene Münzen hergestellt wurden, die beim Volk den Spottnamen E p h r a i m i t c n erhielten. Mit Anspielung auf diese gcringhultigcn Münzen, die auf der einen Scito das Bildnis des Königs sehen ließen, entstand zu jener Zeit der Spottvers: „Von außen schön, von innen schlimm — Von außen Friedrich, von innen Ephraim". Später wurde er allerdings in vollem Maße rehabilitiert, i Der Erbauer des Ephraim-Hauses, dessen Familie übrigenB der Begründer des Wölfischen Telegraphenbüros, Bernhard Wolff, entstammte, spielte auch in der Berliner Judcnschnft eine Rolle. Er versah von 1749 bis zu seinem im Jahre. 1775 erfolgten Tode das Amt eines Oberältesten und war ein Mäzen jüdischer Gelehrsamkeit. In seinem Testament bestimmte er, daß das von ihm gegründete Bct Hamidrasch aus besonders dafür reservierten Einkünften erhalten werden und daß die Verwaltung in den Händen der Kuratoren des von ihm gestifteten Fidcikommisses liegen solle, Die Anstalt, an der das Studium des Talmuds im Geiste cler, jüdischen Tradition gepflegt wurde, orhielt den Namen „Veite! Ilciuc Ephraimschc Lehranstalt". '-1. Der Phantast:--wird sich hier und dort auskennen - (Eine feine Melodie von Felix Mendelssohn klingt auf.) Spiel in Weimar Zelter: Kinder, nun seid schön brav, Exzellenz wird bald kommen. Fanny: Wie muß ich mich vor Exzellenz verbeugen? Felix: Was muß ich sagen, Herr Professor Zelter, wenn er Existenzgründung mit geringem Kapital leicht möglich durch Errichtung v. Zweigniederlassung Im Ausland. Anfragen erbeten unter A 106 an die J. A. Z. Familien- Forschung Zeltgem.sachkund. Anlegen v. Ahnen* tafeln, Honorar.Unverblndl. Anfr. erb. Hans Lamm Manchon22,8chllDBf. Wir bitten unsera Leser den Anzeigenteil genau zu beachten | Bad Kissingen Diät-Kurhaus Apolant (vorm. Sanatorium Dr. jfpolant) " Eigene 'Kurmittel-' und Bade-Abteilüng Diätpension ab RM 8,50 nizUldie Uibiag: Dr. Edgar Apolant. Facharzt für innere Krankheiten ■oiernaflSGiiDelflerel Kurt Kathen! Neu-Westend, Relchsstr.37 j9Huntr.3828^B Reparatur an, Hndarunnen, Hanabuflein. Eigene Kürschnerei 1. 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