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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-04-17 · 15-16 (17.4.1935) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
15-16 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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der Ii Rabbiner Emil Pincus 80< Jahre Im Anschluß an die Tagung des Allgemeinen Rabbinervor'bandes Jtngton in Berlin die liberalen Rabbiner .unter dem Präsidium dca ' ersten ■ Vorsitzenden,, Rabbiner . Dr. Seligmann j Frankfurt a. M. Der Vormittag, stand, im Zeichen einer Gedächtnisfeier . für Maimonides. Einleitend begrüßte; Dr. Seligmanri Direktor Stahl, als Vertreter der Gemeinde Berlin," Rechtsanwalt- Heinrich Stern als Vertreter ' der Vereinigung für :roligifls-libcralcB Judentum,, die Vertreter der' , Reforrägcmeindc w>wfc die Schüler der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums; die an der Tagung teilnahmen.: ~ Direktor Stahl dankto namens der Gcmcindo und richtote die dringliche Bitte an das Plenum der Gcmcindo Berlin, in der wichtigen Frage . der rituellen Floischveraorgung durch ein autoritatives Gutachten zu helfen. Amtsgerichtsrat i. H. Michac 1 is dankte namens der Reformgemeinde. Rechtsanwalt Heinrich Stern nahm namens dor Vereinigung das Wort. Er sprach ' die Hoffnung aus, daß das versammelte Gremium von theologischen Autoritäten den berechtigten Wunsch aller Liberalen nach geistiger Ausrichtung von autoritativer Seite entgegenkommen mÜge, wie es auf der Tagung der Vereinigung vom 20» Januar' gefördert-worden sei. Er fand starke Worte gegen die Parole von der Liquidierung den deutschen Judentums,' der Säkularisierung des Judentums schlechthin, gegen den trüben Mystizismus und unehrlichen Konservatismus, die in gewissen Kreisen der jüdischen Jugend hierorts um sich greifen. Abschließend forderte Stern die Entlastung der jungen liberalen Rabbiner von unnötiger Inanspruchnahme iu»dcr Kleinarbeit der Gemeinde zugunsten einer intensiveren Arbeit für dio Jugend. •Vor, Eintritt in die Tagesordnung gedachte Dr. Seligmann ■der1 irr1 letzter. Zeit verstorbenen Mitglieder und feierte das Andenken von Felix Goldmann (Leipzig), Joseph Lehmann (Berlin), Levy (Bonn) und Lewit (Alzey). In einem sich durch seine hoch akademische Anlage und überzeugend - kenntnisreiche Darstellung auszeichnenden' Referat über „Prophetische, rnbbinischc und roligionsphilosophisehc Religiositllt im Judentum" versuchte Rabbiner Dr. Wiener eine „Typologio der jüdischen Frömmigkeit" zu geben, die. in dieser Form als durchaus neuartig bezeichnet werden muß. Das Referat war von ausgesprochen kritischem . Geist und bemühte sich in ebenso geistvoller wie mitunter anfechtbarer Schärfe, mit den herkömmlichen Auffassungen vom Prophetismus historisch, theologisch und psychologisch abzurechnen. Wiener ging von der Tatsache aus, daß prophetische Religiosität etwas Einmaliges ist, etwas gerade Unheimliches und nicht blind übertragen werden kann, namentlich nicht auf Menschen-, die keino Propheten sind. Bezeichnenderweise begeisterte sich das Mittelalter nicht für den Prophetismus, wohl aber ein Zeitalter wie das 19. Jahrhundert und dies vielleicht, weil man in einem bürgerlichen Zeitalter keine Propheten mehr, erhoffen, konnte. Der Judo des 19. Jahrhunderts reagierte mit dem kühnen Pathos tlca Prophetiamua gowissormaßch sein seelisches Abenteuerbedürfnis ab. Dabei muß vom Prößhctismus nach Auffassung Wieners., gesagt werden, daß er Jn sozialer Hinsicht' keineswegs ein- Novum darstellt und beispielsweise den Pcritatcuch nur in der Kraft seiner Sprache übertrifft. '; ■' ~ Interessant war weiter die Behauptung Wieners, daß, während in allen anderen Völkern alles nationale und kultische, Brauchtum aus dämonisch-religiösen Vorstellungen hervorgegangen sei, in Israel umgekehrt die Religion dem nationalen Fundus entstamme. Das in seiner Klarheit und Systematik glänzende Referat von Rabbiner Dr: Lewkowitz, Berlin, über „Maimonides als Religionsphilosoph" gab einen kurzen Abriß der RcligionBphilosophie Mqimums in ihrer Wissenschaftlichen Bedeutungfür seine Zeit, aber auch insbesondere für unsero Tage. Mit besonderer Betonung zeigte Lewkowitz den Primat der Vernunft in der Philosophie Maimunis auf, die heute im religiösen Loben genau so ihren Platz und ihr Recht zu behaupten habe gegen-den Irrationalismus unserer Tage. In dem Wissenschaftler Maimuni personifiziere sich das Gebot des Judentums, teilzunehmen an dem sittlichen Ringen der Menschheit durch die Verbindung mit dem geistigen Leben der Umwelt. Die eehr lebhafte Diskussion wurde — mit wenigen Ausnahmen — dem außerordentlichen Gehalt der beiden Referate nicht durchweg gerecht. Nach den Schlußworten der Referenten ging die Versammlung auf die Anregung von Direktor Stahl ein. Dr. Dienemann .berichtete über die Frage der Blütcntzichung bei Schlachttieren na c n vorheriger elektrischer Betäubung und legte überzeugend dar, daß nach den angestellten Versuchen mit dem gegenwärtig vervollkommneten. Apparat (jo,nSeiten des Roligionsgcsetzes nichts einzuwenden ist. Es wurdo beschlossen, sämtlichen Kollegen davon Kenntnis zu geben. Am Nachmittag erstattete Dr. Seligmann den Geschäftsbericht. Dr. Dienemann gab einen Bericht der Tagung der religiöa-liborolen Vereinigung vom 20 Januar 1935. Es folgte eine kurze Aussprache. Im Anschluß daran wurde der bisherige Vorstand entlastet. Die Wohlkommissioh schlug den gleichen Vorstand für die Neuwahl vor, der widerspruchslos bestätigt wurde. Der Vorstand setzt sich wie folgt zu8ammcn: erster Vorsitzender: Dr. Seligmann, zweiter Vorsitzender: Dr. Blumcnthal, Schriftführer: Dr. Italicner, Kassenwart: Dr. Wolf, Beisitzer: Dr. Salomonsld, Dr. Lazarus, Dr. Grunewald, Dr. Schönber, Dr. Vogelstcin, Dr. Dienemann, Dr. Gallinicr, Dr. Wiener. H. K. Laufbahn eines Zeitungsjungen Mit Adolph S. Ochs, dem Besitzer der „New York Times", der, wie die Tageszeitungen meldeten, im Alter von 77 Jahren in New York gestorben ist, verschwindet eine der letzten großen Figuren aus der amerikanischen Zcitungswclt vom Schlage der Gordon Bcnnet und Pulitzer. Ochs, der einer Familie entstammte, .die üus Fürth ausgewandert war, hat eine romantische Laufbahn durchmessen. Dieser Mann, der ala Zeitungsjunge begann, mit 15. Jahren Setzer wurde und bereits als Zwanzigjähriger Herausgeber einer kleinen Provinzzeitung war, hat dank seiner genialen Veranlagung die vielseitigste und .größto Zeitung der Welt aufgebaut. Nachdem er verschiedene aridere Blätter übernommen hatte, kam er mit .39 Jahren nach New York und wurde alsbald Besitzer und Verleger der damals noch völlig unbedeutenden „New York Times", die sich unter seiner Leitung nie aus der Atmosphäre der Objektivität entfernt hat. Er rettete daB Blatt vor dem Ruin, indem er den Preis für die einzelne Nummer auf 1 Cent herabsetzte, wodurch die Auflage erheblich gesteigert und dor Anzeigenteil belebt Wurde. Ausgehend von dem Gesichtspunkt, daß die Zeitungsicktüre dem amerikanischen Leser vielfach das Buch_ ersetzt, erstrebte er nicht nur den weitesten Aushau des SNachrichtonapparatcs, sondern auch eine geradezu erstaunliche Vielseitigkeit. Die umfangreichen Sonntagsnummern der „New York Times" mit ihren zahlreichen Beilagen, einer Bilderzeitung, einem Magazin, einer literarischen Rundschau und vielem anderen Wissens- und Untcrhaltungsstoff, haben nicht zuletzt dazu heigetragen, dem Blatt zu seinem Ruf zu verholten. Adolph S. Ochs, der ein Schwiegersohn des 1900 verstorbenen Rabbincri und Organisators des amerikanischen Reformjudenruma, Iaaac Meyer-Wiae, war, betätigte sich vielfach auch auf jüdiach-charitativem Gebiet und zeigte, besonderes Interesse für die von Wisc begründete Rabbincrbildungaanstalt Hcbrcw Union College in Cincinnati. Eine Blumenfpende Roosevelts New York. Unter außerordentlich starker Beteiligung der politischen und publizistischen Kreise i New Yorks wurden am 12. April dio sterblichen Uberreste des Herausgebers der „New York Times" und Mitdircktors der „Associetcd Press" Adolph S. Ochs, auf dem Friedhof Tcmple Israel in Mount Hope, New York, beigesetzt. , Die Überführung der Leiche aus Chattanooga im Staate Tennessee nach New York erfolgte mit einem Sondorzug. Vorher wurde in der Synagoge von Chattanooga, dio Ochs zum Andenken an seine Ehern erbaut hatte, ein Trauorgottesdicnjst unter der Leitung von Rabbi Abraham Feinstein abgehalten, dem der Priester der Central Prcsbytcrian Church, Dr. T. S. McCallic, assistierte. Der Sarg war mit einem herrlichen Blumengewinde geschmückt, das im Auftrage von Präsident Roosevelt niedergelegt war. Auf Grund einer Proklamation des Bürgermeisters von New York, La Guardia, hatten die öffentlichen Gebäude in New York anläßlich der Beisetzung Halbmast geflaggt. Stenz. Grade weil die Conversos in ihnen die Brüder liebten, erschwerten diese ihre völlige Aufsaugung. Die letzten Verbindungsfäden mußten daher zerrissen werden; was die Ungetauften noch am Vorabend der Unterzeichnung des Edikts von Granada für unfaßbar gehalten hatten (allesamt; einschließlich des Ministers und Günstlings Don Isaak Abravanel), es wurde Ereignis: ihre restlose Verbannung aus einer abgöttisch geliebten ..Heimat. Und dennochI „Die Welt schien sich nur vergrößert zu haben, um ihnen Platz zu schaffen. Während die vertriebenen Moriskos von der Wüste aufgesogen wurden, sprechen die eum größten Teil geretteten Juden noch heute, 4Va Jahrhunderte nach dem Auszug, die Sprache jener Heimat, die sie nicht haben wollte; in Konstantinopel, Saloniki, Amsterdam, New, York." Wieder durchschritten sie das Meer der Vernichtung und stimmten zum alten Pessach neue Erlösungshymnen ah. Pessach in schwerer ZeitI Ein merkwürdiges Zusammentreffen gibt ihm in diesem Jahre eine eigene Note. In die schwermütigen Lieder dringt ein Klang aus demselben Spanien, wo unsre Väter so viel Erhebendes und zuletzt so viel Trauriges erlebt: das verwandelte Land nimmt an der Erinnerungsfeier teil, die wir einem der größten Söhne des Judentums, Rabbi Mose ben Maimon von Cordova, darbringen, ■weit Gott ihn am Rüsttage des Pessach vor 800 Jahren nicht nur den Spaniern oder den Juden allein, sondern der Menschheit als einen Lehrer und Führer gesandt hat. Auch -dieser Mose war ein Führer zur Freiheit, zunächst zur inneren. Er harrte aber in vollkommener Überzeugung einer Zeit bürgerlicher Freiheit für seine Brüder in allen Ländern der bewohnten Erde entgegen, die sich lange verzögern, manchmal ■ erweitern, oft wieder verengen und doch zuletzt nicht vorenthalten läßt, weil sie unveräußerliche, göttliche Verheißung ist. Klarer als Maimonides hat kein jüdischer Denker bekundet, daß die Zeit eines Gesalbten aus dem Hause David eine Zeit bürgerlicher, geistiger und religiöser Freiheit sein solle, in der die Sorge der ganzen Welt sein werde, Gott, ihren Schöpfer, zu erkennen und zu verehren. Auf diese Hoffnung verzichten auch wir keineswegs an irgendeinem Pessachfeste. Sie liegt für uns auch ausgesprochen in dem Wunsche: im künftigen Jahre in Jerusalem. Sie , ist für uns nicht gleichbedeutend mit der Übersiedlung nach Erez Israel. Dankbar gegen Gott und gegen viele vorausschauende Brüder in Ost und West erkennen wir das dort sich vollziehende Wunderwerk eines Neuaufbaus an und treten für Berne Förderung ein. Und niemals, so glauben wir, wird, das Geschick wieder so grausam sein, uns grade diesem Lande seeliBch oder geistig zu entfremden, dem seit ^0 Jahren soviel neue Energien der gesamten Judenheit gewidmet sind. Aber auch hier in der Heimat begehen wir unser Fest wohl hoffnungsarm, aber nicht hoffnungslos. Die Zeiten sind schwer, und niemand sieht, was sie in sich bergen. Wir hören von draußen Osterbotschaften von langem Waffenstillstand und angestrebtem Frieden zwischen den Völkern. Die Zeit zu einem Gespräch mit der deutschen Judenheit liegt noch in der Ferne; die Partner reden wohl jeder für sich, aber nicht zueinander; es ist keine Rede und Antwort. Im Lauffeuer der Zeit wird wohj ein Wandel darin sich anbahnen, gleichviel in welcher Richtung und zu welchem Ende. Die Entscheidung wird fallen müssen: ob Verbleib oder Nichtverbleib; ehrenvoller Bestand eines anerkannten, deutschen Judentums oder Neuanfang in der sich weitenden Welt. Wir glauben der Entscheidung, treu sowohl. unserm Glauben wie unserer Heimat* getrost entgegensehn zu dürfen. Am 20/ April tritt . Emil Pincus in das neunte- Jahrzehnt seines , eegens- - reichen Lebens im Dienst der' 'jüdischen Gemeinschaft. Nichts kennzeich- ' net den vornehmen Charakter dieses wahrhaft , jüdischen Menschen, seine '> Bescheidenheit und sein ' unablässiges Wirken für die Armen und Alten, denen sein ganzes Lcbcngeweiht war, besser, als diese Zeilen, mit denen er sich an die Öffentlichkeit wendet: „Meinen bevorstehenden 80. Geburtstag mächte ich, der crnBtcn Zeit entsprechend, in stiller Zurückgezogenheit verleben, und bitte deshalb nlle lieben Freunde und Organisationen, die mir etwa liebenswürdigerweise eino Aufmerksamkeit zugedacht haben sollten, statt solcher der Altersheime unserer Gemeinde,. Zcntralbüro, Oranienburger Straße 29, in einer Spende freundlichst zu gedenken." Als man ihn im Brüderverein, wo er noch heute mit dem Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit das Amt des Pflegevaters versieht, aus Anlaß seines 75. Geburtstages ehrte, und seine Verdienste hervorhob, wobei der Redner ohne Übertreibung nur das ausdrückte, was alle Anwesenden bewegte, wehrte der bescheidene Jubilar leise ab: „Mein Gott, machen Sic es gnädigI" Ein Vorbild der Zuverlässigkeit und Treue, mit nie ermüdender Hingahe hat Emil Pincus achon zu der Zeit, als er noch im kaufmännischen Leben stand und Mitinhaber der s. Zin weiten Kreisen angesehenen Bank- und Getreide-Firma Sachs u. Pincus war, das hohe jüdische Gebot dor Nächstenliebe erfüllt. Schon früh zog ca Emil Pincus zu den Ärmsten der Armen, denen er in jahrzehntelanger aufopfernder Tätigkeit in der Armen- Kommission, dem jetzigen Wohlfahrtsamt, als Vorstandsmitglied! der Altcr8vcrsorgungsanstalt der Berliner jüdischen Gemeinde zum klugen Berater und helfenden Freunde wurde. Keiner, der sich je an Emil Pincus wandte, ist ohne seinen erfahrenen Rat und seine Unterstützung, ohne gütigen Trost und praktische Hilfe von ihm gegangen. Auch sein wirken ala Vorsitzender der Gesellschaft Hachnossatb Kallah wird nie vergessen werden. In der Geschichte der Berliner jüdischen Gemeinde nimmt das Wirken Emil Pincus' einen ganz beaonderen Ehrenplatz ein. Ober 25 Jahre lang war er Mitglied der Rcprä3cntantcnvcrsammlunp und hat viele Jahre hindurch die liberale Fraktion nicht nur mit dem ihm zu Gebote stehenden Temperament, sondern auch mit seiner ganzen Werbekraft für den religiös-liberalen Aufbau geleitet. Seit Jahrzehnten gehört Emil Pincus auch dem Vorstand der Synagoge Lützowstraßc an, dessen Vorsitzender er noch heute ist. Der schönste Gottesdienst jedoch bedeutet diesem warmherzigen, dem Leid und Schmerz der Anderen stets aufgeschlossenen Manne im Sinne des echten Judentums: die soziale Tat. Wenn wir heute Emil Pincus, einem alten Freunde unseres Blattes, zu seinem 80. Geburtstage von Herzen unsere Glückwünsche übermitteln, so wissen wir uns dabei eins mit zahllosen Menschen unserer Glaubensgemeinschaft, in deren Horzcn er sich durch sein Wirken und Schaffen, durch sein Eintreten und seine Fürsorge für die Armen und Schwachen ein ehrenvolles Denkmal gesetzt hat. Ein Freund gratuliert Lieber Freund Emil Pincus! >Es ist für mich eine besondere Ehre, daß die „Jüdische Allgemeine" mich aufgefordert hat, zu Ihrem 80. Geburtstage Ihnen einige Worte des Glückwunsches zuzurufen. Wer, wie ich, durch viele Jahre die Freude hatte, mit Ihnen zusammenzuarbeiten, der hat erkannt, mit welcher Wärme und Liebe Sie, die Arbeit in unserer Gemeinde und für unsere Gemeinde leisten. Ich glaube, über vier Jahrzehnte sind Sie in unserer Gemeinde tatig. Wohl zuerst in der Armenkommission und am längsten im Vorstand der Altersheime, in welchem Sic auch jetzt noch mein Stellvertreter Bind. Aber wie Sic sich für unsere Armen und Alteneinsetzen, so haben Sic auch auf anderen Gebieten der Gemeindcarbeit in der llcpräsentantcnversammlung und besonders als langjähriger Vorsitzender der liberalen Fraktion unsere politische Arbeit mit Ihrem vorausschauenden, weitsichtigen Blick maßgebend beeinflußt. Ich wün8chc Ihnen und uns, daß wir Sie noch recht lange unseren Mitarbeiter nennen dürfen. In alter Freundschaft Ihr Moritz Rosenthal. Blutmärchen Kalma». Agitatoren durchziehen die Dörfer Litauens und verbreiten Legenden, daß Juden christliche Kinder rauhen, um ihr Blut aus Anlaß der kommenden Pcssachtage für Mazzolh-HcratcUung zu benutzen. Die Juden in den kleinen Orten machen deswegen eine böse Zeit durch. In einigen Orten wurde die jüdische Bevölkerung angegriffen. In. einer Ortschaft in. der Nähe von Tweretsch wurde der Ortsrabbiner Isak Jaffe mißhandelt. Die Juden in einer Anzahl Ortschaften wandten sich an die Zentralstellen in Kaunas um Schutz. ' Warschau. Das Verschwinden eines christlichen Kindes, das in einem jüdischen Hause in dem Dorf Ruda im Kreis Kottewitz wohnte, führte zu der Verbreitung des Gerüchtes, dio Juden hätten das Kind getatot, um Blut für daa Peaaachfest zu bekommen. Die Dorfbevölkerung nahm gegen dio in ihrer Mitte wohnenden Juden eino drohende' Haltung ein, bis der Vorfall seine Aufklärung fand. Nachdem das Haus von der Polizei vom Dachboden bis zum Keller ohne Ergebnis durchsucht worden war, traf die Meldung ein, daß das Kind in einem Nach Dar dorfe gefunden wurde, wohin es einen Spaziergang gemacht hatte. Der Vorfallest, fürvdjo durch eine skrupellose Hetze in den Dörfern hervorgerufene Sriihmung bezeichnend. Peflachfeier im Ru J Jerusalem. Wie aus Nablus (Sichern) gemeldet wird, erwartet man, daß in diesem» Jahre eine besonders große Zahl von Gästen der Pcssachfelcr der Samaritaner auf dem Borg Gerisim um 17, April beiwolincn wird, da die Verbindung zu dem Berg durch die Fertigstellung der neuen Chaussee bedeutend verbessert wurde. Eine Tel Awiwer Rundfunkgcsellschaft führt Verhandlungen, um die Rundfunkübertragung der samaritonischen Pcssachzcremoiiie auf dem Berg Gerisim zu ermöglichen.

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