Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 15-16 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 79% known words query
- IRI
…/4109741-2613367-2613382--289-2615113- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
BERLIN 17. April 1435 ^rijftÄBi vd «W$yi*wtÄ! jft^&ft jfctotot: } % ffiWfc«68. liftBjttoAtoi E^tntÄitt fttt Hatidel i«W &ir«rt$ ^Q«bII. ^ic^U.Ä -W!;' fr« <m& w*. Q.80. » SjjSflEji .... J.H'I UHU II i .UU II I I' |',JJ.H.)jyj.t li.ul.U U:M M.JLl gjjjg (,., PREIS SS PF. Nr. 13/10/ 10. Ja|irq«ifiq AUGEME1NE Vorltig: VntUBStenoiieaidüaft ia rJeutlohitUid SJU&satger Juden tu Berlin oOml.11., Berlin" W IS. Uhllüd«tr. 168: ADibljODprelsp: Die i2ge<palt«ue aun.Zfllo AM. 0,15; f. F^mtllWlaDMlsen HM. 0,10, I. BteilormömlcKo UM. 0,0». Bei anTcr»chuld4l4U?}lcilitbotlef«hlng besteht kelfl Anipnich aul Vorgtttang. ER J Ü O I | 6 N ■ L I B E R A L E M X E I f Ü N 6 Peffach in iVhwerer Zeit / ***** te.*s. Von der sich anbahnenden, religiösen,Erneuemng wird in diesem Jahre auclv Pessach ein gut Teil cmpfängen. Wieder werden Ünsrfe Gotteshäuser oberfflUt vqü Betern, wie voh aufmerksamen H^rn sein; d|e Familipntafein werden sich geweitet halten; damit jeder, der hungrig ist, eingeladen sei und Wer darnachVerlangen trägt, Pessach feire. Kaum einer wird seih wie jeher entfremdete Sohn des Hauses in Zftngwills Novelle, „Chad gadja", der nach langer Irrfahrt draußen unter den hellerbuchteten Fenstern der elterlichen Wohnung den wohlvertrauten Melodien lauscht und.seinen Tränen freien Lauf läßt. Man möchte glauben, zu einem rechten Pessach müsse leuchtend-duftender Frühling winken, aber auch im Herzet? alles auf Freude und Dankbarkeit gestimmt sein. Soll man doch nur beginnen mit der Erinnerung an Schmerzliches, s c h Ii e ße n aber mit Rühmlichem und Glüokhaftem.. Wenn wir diesmal die Haggada-Bücnleiti schließen, können wir sie mit neuer Zuversicht und Hoffnung aus der Hand legen? Die Antwort muß lauten: Wir sollen .und können es! _ Sicher geht uns in helleren Zeiten "auch ein religiöses Fest leichter und fröhlicher ein; aber zu einer ernsteren, weihevoll ergreifenden urid darum wertvolleren Feier wird es. uns-in .harten, schweren Tagen. .-. Wir . wissen um seine Bewandtnis und' verstehen die Sprache seiner Symbole wieder besser. Von diesen umgeben, sitzen-wir ja in der Sederhacht und heißen sie zu uns reden. . Es gab einmal, so erklärt ein alter Gleichnisredner, einen armen Handelsmann, dem es nach und nach glückte, zu Wohlstand zu gelangen, der nun sein Hausviesen freier gestaltete,' seine Familie emporhob, Unbegüterten wohltat und jeden Sabbat und Festtag strahlend beging. Nur einmal iin Jabre, bei der Sedertafej, so machte er sich's zum Gesetz, legte er Sterbekleider an und erläuterte den' Tischgenosseri mit verhaltener Stihime die schmerzliche Vorgeschichte seines Hauses. Und er ließ durchblicken, daß Menschen uifd Völker hnmer mit dem Wandel des Geschickes zu rechnen hätten tind dafür gerüstet sein müßten: Tat- Bäcjilich war ihm ehr Äbsfieg^ nicht ersbftrt, U|id b1b er darin das Brot des Elends wieder emporhob, bedurfte es keiner Erläuterung. Nichts aber konnte sein (^ttvertraüen und seine Zuversicht erschüttern. . V ,.' ■•■ . *\ ■, .; . Das ist die Lage; in der wir uns heute befinden. Sie war schön oft da. Man darf sich das Pessach im 18. Jahre des letzten, frommen Königs von Juda, Josia, aus einer Beeli4che.fi Not erkllrop; es spricht ja Bände, wenn lakonisch berichtet wird, man nätte es nicht für''flBÖk°^^Nm<i^i/^eit° Äe> Tsgen der Richter, ein t*e^fli?B, jpü, f«ierm Das UnheM dj»ht<>; weiiiae. Jähre, nachher entlud ea sich über Judaea und Jerusalem und legte Statit und Tempel in Trümmer: Es wai.spdaiih i(tach;4§ifa Faflfe des Deitert tejöpels, daß Rsbb4H Gwüliej» üe> Am von Jabrie, das. Kernstuck unserer Haggada in seinem heutigen Wortlaut verfaßte. .Es. wäre menschlich verständlich gewesen, wenn die damalige Judenhell nach dem hdffhun^slöseH Verlüst dier i^itlfchefi. Ff?jhe|l und SHfr- Btanmgkeit das J^äsrichfeat' #s seinem. Fe'stkMenqer gestrichen hätte,. Das Gegenteil trat ein. Rabbari Galn- Gel fand: die rechten' Worte ftjr eine Feier, die fortan tut Iieblingsfeier der Gemeinde, mehr, noch der Familie, der Altßri;ifm| der Jungen, , der Gelehrten wie deB einfachen. Manneis Winnie. Und es ist nicht fehlgegangen, wenn man diesein religiösen Dokument mit seinen Freiheitsbotschafteneinen, entscheidenden Beitrag zur Stärkung, jüdiBchen.Erhaltungswillens beiniißt. Niemals hätte die Judenheit die Finsternis der ewigen Diaspora dur^heahreiten kflpnen,: würden'ihm'nicht die Parolen aüd der Haggada leuchtende Fackeln geworden" sein:'; Da hieß eä:'heute, hoch Khechte, in» köriu^erideri Jähre freie. MwscKw nicht *Wer allein stand wider uns auf, uns zu vernichten, sondern in jeglichem Zeitalter stellen Menschen gegen tülä auf; uns zu vernichten; aber der Hellige, gelobt sei er, Mb Mischtanrieh Aufa.; Abraham rettet uns aus ihrer' Hand. Und endlich: im künftigen Jahre in Jerusalem l Die Symbole'redeten Und trösteten. Wer die Ge- . toldoq., jgfr Bfjard of Dim/ättt,^ MMi.jwi* veröffentlicht seinen Tfltjgke4tabepeh.t f^r das J«hr 1934, ■Ja.fyfi Bericjjf Jat MW i|etjeriigo des Joint Foreign Conunittee des B(>atd 61 I)eputi«B und der Aiiglo JewisU AssoeiaUori eriöia|ten. Er ^lilldert Ungeheiid <lit) .Imge der Juden in den" eüualuei) LBddenl Euro|ilü, wobei tfflm$ WfJ, daß antijepM^pho- Prop)igand« bemflht -tti, auch jn'liglwjd Effolg? m, Jatßel^ jjfMese yon iiiriiir unbe^eUr teiiden Minderheit getrSgene Propaganda erfahre je^ocli keiner^pi UHterstfllxuha seilen^ VerahtSvortlicheJ- Piesseo'rgane oclür ernster Fflhrer der offentUchen Meinung: In einem Überblick Ober dl* jlblitisehe L»ge in Österreich Ihl.jaHre i>J34 wird iestgkteiit, tla(5 trotz Äu(re0iterhal^una| tler bilrgbrliohen Gleichbereehtigtilig und der religiösen Hechte' Ae} Juden in der neuen Verfaajnlng dluae Von den M ihrer HaHÜhabUhg berufcnei) Behörden Jn eröer Weiso iijterpre'tieVt ,\vird, ijie zu herechrjgteh lylpgfii' ^nU» gibt, insbepopdere was diq §i>tlas- Siirig jüdischer Ärigchariger freior Berufe und jüdisuber geistiger Arbeit lin allgemelrieh jus öffentlichen Diehsten anbclriffi. . Aus H u ni fl n 1 e n, wird über die Besorgnisse der )i)diach,Fn BevalketHna Ober .die Handhabung des nouei>. Arheits- (^^yej bejfichtet, öje [ Bestimmung! daß mindestens 80 °/o der Anpfjtejltcn Her Großbetriebei ,,rwnfl^cher Herkunft" sein mili- ' se)i, wordo, obwohl -sie sich nicht; von-' vornherein auf Rassen- . ghindeSlze^ statte; .von. den', antisemitischen Partelen ob Triumph ihrer ff|^rnn|$eq\'aiig«>e|)eii.,>-'I^r: -Eiefielit (^'r * d«,. tage' in Deu tech, \§ni) "»rstrepkt s^cl). apwphl .auf d{e Maßnahmen zur Ernalturig des jodischeit Qeine^chÄfislebens, als auch. auf. die Arbeit des Oberkömmlssars für^ Ahswahdfererfdrsp'rge. Es wird featpcstellt, daß- / ' .'. der Prozeß der AuflSsuüg der kleineren GemeindeiC weitere Ftirtechrltie gemacht hat. Dlp j0nge.re Generation sei itito grolich Teil hl die größeren Städte oder ijis Ausland äbeewandert,, uiü eine ExlstofiimflgUchkeit ru finden. In einlgeii Stellen ,se(?Ms Ulejiigemeindeii berichtet. worden, tUtß es,, bei -ihnen Tie ine. Kinde r iinL schul p flicht igen - Alter ^ebichte ^er rebgiosen. gymbohk an sich vpruDerziehen läßt, muß der jüdieifcben zuerkennen, daß sie an Feinsinn und Tiefe Voii keiner erreicht wird Und doch zugleich die bez$ehurig^r«}chste aller Beliräonen ist. ÜhKe gwze Geachiphte liegt im „Uherscjjreitungsopfer", im „Elendsbrot", in den „bittereh Kräutern". ,iPie Geschichtfe der Jdfleri", schreibt ein Jlisttiriker, „ist eine Historie cjer Rest^ geweäeU) des frqiriinen Kents, der sicli stets späliet"; dessen einer Teil untergehn müg, desafen andrer ewig gerettet wird. Daß wir unser Brot als Brdt des Elends immer wieder mit Tränen aßen und die kummervollen Nächte bei uns jahrhundertelang die Regel waren, nur selten von Ieucbterid'en Tagen abgelöst, bedarf keines Beweises. Der erwähnte Historiker gibt auch ein Stimmungsbild aus den letzten Tagen in dem sonnigen Spanien, das eine erschütternde Illustration zu einem Pessach in schwerer Zeit bildet. Wie stark man grade mit jenem Boden Und seinen Menschen verbunden war, dafür gibt es unzählige Beweise. „In Spanien gehörte der jüdische Hof Würdenträger fast zur caatilianischen Verfassung," „Die ,Conversps' wurden Mode; Ehen mit ihnen , sah man gern. Sie drangen bis in den hohen Adel . ,;. Sie gelangten in alle Stellen . . ." Da überraschte sie das, Gencht in Gestalt des Heil. Officium, der Inquisition. .'Wehe; wenn sie sich dabei ertappen ließen, den Sabbat auszuzeichnen, Pessach zu feiern oder in der Sterbesturide das Gesicht nach der Misrachwand zu wenden, Wehn überführt, wurde nicht einmal ihren Gebeinen im Grabe Ruhe vergönnt, und ihren Nachkommen wurden alle Vorrechte der Gläubigen entzogen. Und die Treugebliebenen, deren es zuletzt noch etwa dreimal Hunderttausend gab? „Die ewig Geschlagenen sind vor ihrem Schicksal die ewig Optimistischen" Sie verstanden den Haß nicht, der von übten kam und dessen die Oberen sich zu ihren Gunsten bedienten, und verneinten deshalb seine Exigibt In. einer viel größeren Anzahl i-on Gemeinden herrscht ejne . V§|ügo PHÖroportfon. d$j Altersaufbaues. Der Ztntia\- HHsschnß für. Hjflj».. HÄ4. Aflf>tt» hat;»eina Anstrengungen, fler ungeheueren Schwierigkeiten Herr zti werden, energisch förtgeset»|. mt Organ1kierün| voii DärlehnsC'il^seü soll dai' BSsf^htm von Kleiribe'trlebon .sichern; die für die jüdische Jugeqd fast atwsojijleßljch §Js Arbejts|itflt^h in Betracht lepmmeh. Per Bericht (wnMät M&$|».<Un - AvttoK W indischen ßchulwerlfs in Deutsch- 14&1 und diö Leistung des Kulturbunds deutscher Juden in kühatlbrtScher. ütid sozialer Hlüsicht. y«s die Frage der Seßhaftmachuhg der i\iugewah|Ierteii betrifft, w5 müßten die Anstrengungen auf diesem Gebiet fortgesetzt werden, da Wirtschatatrise und Arbeitslosigkeit viele Linder davon abgehalten haben, Ausgewanderten dauernde Niederlassung zu gewihnen. 1!. In. dem Beriobt 0be,r. Ppjen wird dqrjiuf hingewiesen, daß die schwere wiijsqhaftliche I*go 4«r «fertigen . Judenheit sich nicht ' gebessert hdtj lind daß gesetzliche Maßnahmen zu'einer weltereh VetseblrNing der Nät, insbesondere der jOdlscben;Hfindler und Handwerker, zu führen g'eeignel Bind. Im Anschluß daran wird auch djo echwlerige Lage der Dantiger Judenheit geschildert. Das Palästina-Komitee des Board berichtet, daß .'iin Jahre 1934 eia Startes Bedürfnis nach. Ausgabe iron 93;-js)ib^toreinwipd^rtiB8Mi%^l>l9l|.. eitlem daa .,GleichgeY(icht biäro' weiteren Aufbau, "sich~()jii(len Ausmaß bestand und daß nijm orykrtete, die Regier)ijlE. werde vob,Ürep geringen I^chätzung der Aufnahmefähigkeit des Landes abgeben. Die tatsächlich ausgegebenen Zfcrtifikale-QuQten hatten jedoch anttluseht. Es seien lpopch Anzeichen dafüb.vorfanden; dafi dje P,eq!erung wachsendes Veretfln<lni9 fOr.die wirklicli? Bedeutung d?r jOdlscben Anstrenr gngeli^JMasdnJ^gOTÄ Die nflehste Nummer der jüdischen Allgemehibn4' erscheint der Feiertage wegen am Freitag, den 26. April. V ■ '• " '^.t. ^ü^^l^äk&^^^a^»^^ ->- ^t'-^^-;wiwv^;-^-^i^iä>ii2tÄi«»j. t>*-< > f^aiti^'&i.^^■tU^^ä^^