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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-04-03 · 14 (3.4.1935) · page 4

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
14 (3.4.1935)
Date
1935-04-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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If UNSERE GESCHICHTE In einem Briot des Staatskanzlers Freiherr von Hardenberg an den Grafen von Grothe in Hamburg, datiert vom 4. Januar 1814, findet sich die folgende Bemerkung: ' „Die Geschichte unseres letzten Krieges wider Frankreich hat bereits erwiesen, daß sie (die Juden) des Staates, der sie in seinen Schoß aufgenommen, durch strenge Anhänglichkeit würdig geworden. Dio jungen MSnner jadischen Glaubens sind die Woffengefährten ihrer christlichen Mitbürger gewesen, und wir hoben auch unter ihnen Beispiele des wahren Heldenmutes und der rühmlichsten Verachtung der Kriegsgefahren aufzuweisen, so wie die übrigen jüdischen Einwohner, namentlich auch die Frauen, - in Aufopferung jeder Art den Christen Bich anschlössen." Unter Hardenbergs Kanzlerschaft erging das Edikt vom 11. Marz 1912, dessen § 1 lautete: „Dio in unsern Staaten jetzt wohnhaften, mit General- Privilegien, Naturalisations-Patenten, Schutzbriefen und Konzessionen versehenen Juden und deren Familien sind für Einlfinder und Preußische Staatsbürger zu achten", das in § 15 anordnete: „Sie (die einlSndischcn .. Juden) sind aber gehalten, alle den Christen gegen den Staat und dio Gemeinde ihres Wohnorts obliegende bürgerliche Pflichten zu erfüllen ...", und dessen § 16 befahl: „Der Militair-Konskription oder Kantonpflichtigkcit, und den damit in Verbindung stehenden besonderen gesetzlichen Vorschriften sind die inländischen Juden gleichfalls unterworfen ..." 100 Jahre später schreibt ein Stabsarzt an eine jüdische Mutter: „Am 24. Mai starb in meinen Armen ein wirklicher, von allen seinen Kameraden neidlos anerkannter Held. Ihr Sohn. Wir sK..en seit Wochen auf einem verzweifelten Posten und hoben entsetzliche Verluste. An diesem Nachmittag machten die Franzosen wieder einmal einen Sturmangriff . . . Nur der Energie und dem persönlichen Mut:ihres Sohnes, der seinen Leuten voran sich wie ein Verzweifelter wehrte, ist es zu verdanken, daß wir Sieger blieben." Und wie wird das Gesetz 1935 lauten? H. K. Aus den Gemeinden Jüdifcher Kinderfchutz Düsseldorf. Unter der Leitung von Frau Clara Samuel fand hierdie diesjährige Vorstandssitzung, der Zentrale für jüdische P f lo ge s te 1 len und Adoptions Vermittlung , Kinder- und Mutterschutz des Jüdischen Frauenbundes e. V., Sitz Elberfeld, statt. Wie aus dem Jahresbericht hervorgeht, hat sich dio Struktur der Eltcrnmeldungcn im Adoptionswesen insofern geändert, als deutsch-jüdische Eltern wieder den Mut fanden, ein Kind als eigen aufzunehmen, und wo eine Kindesan nähme zustande kam, geschah es durch Eltern in Deutschland. Im Pflegeatellenwesen konnte erneut ein Uberangebot an Pflegestellen festgestellt werden. Große Sorgen hoben die Kinder bereitet, die seinerzeit, um Härten zu vermeiden, bei ihren treusorgenden christlichen Pflegeeltern belassen wurden und nun in jüdische Umgebung verpflanzt werden müssen. Die Meldungen nichtarischer getaufter Kinder stellte die Zentrale vor weitere schwierige Probleme. Im Verlauf'der-weiteren Beratung befaßte man sich ausführlich mit Dauerpflege-Vertrflgen. Es wurde eine Kommission aus ■ besonders erfahrenen Sozialarbeitern und Fachberatern gebildet, dio entsprechende Verträge entwerfen soll. Es wurde auch die Notwendigkeit betont, die Adoptiveltern mehr denn je darauf hinzuweisen, daß sie ihren Kindern nicht nur durch Unterricht, sondern auch durch Halten religiöser Bräuche im Hause eine positiv jüdische Erziehung angedeiheii lassen. Einige schwierige Einzelfälle, in denen es sich um Kinder handelt, die heute noch in christlicher Pflege sind, und um getaufte nichtarische Kinder jüdischer Mütter, wurden unter dem Gesichtspunkt der besonderen menschlichen Verantwortung eingehend durchberaten. Erwähnjt wurde auch die Schwierigkeit, für die Schützlinge der Zentrale Lehratellen_zu beschaffen, da die einzelnen Gemeinden mit der Unterbringung ihrer ortsansässigen Jugend beschäftigt sind. Dankbar wurde der Bericht über dos Wohlergehen der neun deutschjüdischen Kinder im Waisenhaus in Glasgow-entgegengenommen, die in Verbindung mit der Zentralwohlfanxtsstclle dort gastliche und liebevolle Aufnahme gefunden haben. Die Beratungen haben erneut gezeigt, welch große Verantwortung auf der Zentral« ruht, und sie haben ihr Wege gewiesen, die sie im kommenden Arbeitsjahr zu beschreiten hat. Die Arbeit des Hilfsvereins Der Hilfsverein der deutschen Juden versendet einen Bericht über Beine Tätigkeit im Jahre 1934, dem wir folgendes entnehmen: Im Mittelpunkt der Arbeit stand die Auswanderer- Fürsorge. Die Beratung in Auswanderungsangelegenheiten erstreckte Bich ouf 15 700 Fälle bzw. 39 300 Personen, da viele von den Ratsuchenden auch für ihre Familien vorsprachen. 3200 Menschen wurde die Auswanderung durch finanzielle Beihilfen des Hilfavereins ermöglicht. Beträchtlich war auch die Zahl der Auswanderer, denen ausschließlich Beratung zuteil wurde. Nach dem Bericht des Hilfsvereins passierten im Jahre 1934 12795 Durchwanderer den Bahnhofsdienst am Schlesischen .Bahnhof in Berlin. Davon waren 5 331 Männer, 5116 Frauen und 2348 Kinder. In Hamburg und. Bremen versehen die Komitees des Vereins in Fortsetzung ihrer jahrzehntelangen Tätigkeit den Fürsorgedienst für die Aus- und Rückwanderer, die diese Häfen passieren. Die ernsten Aufgaben des Hilfsvereins erstreckten sich jedoch nicht nur auf die Auswanderung. Es galt vielmehr auch, Waisen sowie Studenten, die unmittelbar vor dem Abschluß ihres Studiums standen, zu betreuen. Kalender der jüdischen Kunstlerhilfe. Die Künstlerhilfe der Berliner Jüdischen Gemeinde, die bereits im vergangenen Jahr einen Kunstkalender herausgegeben hat, um die jüdische Öffentlichkeit mit den Werten vertraut zu machen, die unsere Maler und Bildhauer während dier letzten Jahre geschaffen haben, bereitet gegenwärtig die Herausgabe des zweiten Jahrgangs vor. Die Künstlerhilfe fordert daher die jüdischen Maler, Graphiker und Bild ira u e r Deutschlands auf, geeignete Fotos ihrer neueren Arbeiten zur Auswahl einzusenden. Die Fotos müssen bis zum 15. April 1935 an das Jüdische Museum, Berlin. N 24, Oranienburger Straße 31, eingesandt werden. Abfchiedspredigt Dr. Nordens Bericht für die „Jüdische Allgemeine" Wuppertal-Elberfeld. Das Abtreten eines Rabbiners von der Stätte seines Wirkens hat im allgemeinen nur Bedeutung für die Gemeinde, in der dieser Rabbiner bisher arbeitete. Wenn er aber zu den bedeutenden Vertretern einer bestimmten Geistesrichtung gehört, und daher «ein Wirken über den engen Kreis seiner Gemeinde hinaus Einfluß nahm, dann ist bei seinem Abschied Gelegenheit zu nehmen, auf das Wiricen eines solchen Mannes hinzuweisen. Rabbiner Dr. Norden, der zum 1. April in den Rullestand tritt, und der damit auch aus seiner Gemeinde Elberfeld ausscheidet, um sein weiteres Leben in seiner Heimatstadt Hamburg zu verbringen, ist durch Beine Aufsätze und sonstigen Veröffentlichungen den jüdischen Menschen liberaler Prägung zu bekannt, als daß man darüber viel schreiben müßte. Weniger bekannt aber dürfte der größeren jüdischen Öffentlichkeit über den Kreis seiner Gemeinde, hinaus dio Tatsache sein, daß Bein Scheiden für die Elberfelder Gemeinde einen unersetzlichen Verlust bedeutet. Die Gemeinde nahm Veranlassung, im Rahmen des Sabbat-Gottesdienstes Dr. Norden zu danken für seine scclsorgerische Tätigkeit, die er seit 1907 in der Gemeinde ausgeübt hat. 28 Jahre lang, also ein Mcnschcnnltcr, hat Dr. Norden in Elberfeld segensreich gewirkt. Wer in all diesen Jahren einmal Not gelitten hat, und seine Nöte ihm zutrug, der weiß, daß ihm Trost geworden ist nicht nur durch den Rat, Bondern auch durch die Tat. Voll Ergriffenheit vernahm die Gemeinde noch einmal die Predigt, die Rabbiner Dr. Norden zum Abschied hielt,: und der er dos Thema zugrunde legte: „Ich denke vergangener Tage". Den Dank, den Dr. Norden seiner Gemeinde in seiner Predigt abstattete, gab ihm der Vorsitzende der Gemeinde, Rechtsanwalt Brück, tausendfach zurück. Es sei an dieser Stelle nur kurz' hervorgehoben, daß die Gemeindevertretung beschlossen hat,' Rabbiner Dr. Norden zum Ehrenmitglied der Gemeinde zu machen, eine Auszeichnung, die erstmalig durch die Gemeinde Elberfeld verliehen worden ist, Hugo Israel. Dortmund. Der rheinisch-westfälische Rabbinerverband hielt in Wuppertal-Elberfeld zu Ehren des uub seinem Amte Bchci-, denden Kollegen Dr. Norden eine Zusammenkunft ab, bei der zunächst einige Referate gehalten wurden. Es sprachen Dr. Norden-Elberfeld über Maimonides und das Verbot des Wohnens in Ägypten, Dr. Eschclbacher-Düsseldorf über Wolf Jawitz, ein Historiker des Judentums, Dr. Auerbach-Rccklinghausen über EntBtehung falscher Minhogim, Dr. Hahn-Essen über die Ausgestaltung der Verbandsarbeit. Es wurde beschlossen, eine Lerngemcinschoft von Rabbinern und Lehrern für das rheinisch-westfälische Gebiet herbeizuführen, die regelmäßig in gewissen Zeitabstanden zusammenkommen soll. Die Gemeinde Elberfeld hatte es sich nicht nehmen lassen, die anwesenden Mitglieder des Verbandes und deren Damen zu einem Zusammensein zu bitten, bei dem die Persönlichkeit Dr. Nordens durch die Kollegen in anerkennendster Weise gefeiert wurde. Der Vorsitzende des Verbandes, Dr. Appel- Dortmund, Btellto eine weitere Zusammenkunft für die Zeit zwischen PcBach und Schowuoth in Aussicht, damit auf diese Weise die gemeinschaftliche Arbeit auf den verschiedensten Gebieten des jüdischen Wissens und der religiösen Praxis gefördert werde. Hamborg. Die „Jüdische Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft" veranstaltet zur Zeit eine Ausstellung der Kunst der letzten hundert Jahre aus hamburgischem jüdischen Privatbesitz und eine Ausstellung hamburgischer jüdischer Kunsthandwerker. Es sind etwa 87 Gemälde, darunter Werke erster Künstler, wio Israels, liebermann, zur Schau gestellt und auch die Erzeugnisse der Kunsthandwerker beweisen hervorragendes Können. — Als weitere Veranstaltung gab die Gesellschaft ein „Konzert mit alter Musik". Nach einem einleitenden Vortrag von Robert Müller- Hartmann, der das Wesen vorklassischcr Musik erklärte, brachten Susanne Lachmann (Violine), Erich Toeplitz (Flöte), Luigi Schaufusa (Cello)' und Edith Weiss-Mann (Cembalo) Kompositionen von Händel, Bach, Marccllo und Tclemann zu Gehör. Dio zahlreichen Anwesenden dankten durch lebhaften Beifall für dio vorzüglichen Darbietungen.- Der. Tempelverband hat Bich infolge des ständig zunehmenden Besuches seiner Freitagabendgottesdienste veranlaßt gesehen, eine Neuauflage seines für den Sabbatvorabend vorgesehenen Gebotbuches herauszugeben. Das Buch stellt im wesentlichen einen Auszug aus dem sogenannten Einheits-Gebetbuch (Gebetbuch für das ganze Jahr, bearbeitet im Auftrage des liberalen KultusauBschusses des Preußischen Landesverbandes 'jüdischer Gemeinden Erster Teil, Frankfurt a. M. 1929) dar. Im Hjnblick aul das erfreulicherweise immer stärker werdende Verlangen, auch das Haus mit Sabbatwciho xa. erfüllen^ wurde dem Gebetbuch ein Anhang beigegeben, def wesentliche Bestandteile des häuslichen Gottesdienstes enthält. Der Gouverneur von Cordova hat die hiesigo Portugiesisch- Jüdische Gemeinde zu der in Cordova stattfindenden MaimonidcB- Feier eingeladen. Die' Gemeinde hat ihren früheren, jetzt in Madrid lebenden Präsidenten, Herrn Cori, gebeten, in ihrem Auftrage an der Feier teilzunehmen. E. F. K9ln. Der Kulturbund Rhein-Ruhr veranstaltet im Monat April in allen Städten des Spiclbczirkcs einen Offenbach- Abend. Mitwirkende sind: Erna Eisncr ^(Sopran), Max Kuttner (Tenbrbuffo) und Ella Conrad (am Flügel). Der Abend wird durch einen Vortrag von Dr. Anneliese Landau „Offenbach und die Operette" eingeleitet. Auf dem Theaterprogramm steht die Komödie „Der große Bariton". Die „Vereinigung Jüdisches Lchrhaus Köln" gibt bekannt, daß die Maimomdes-Gcdenkfoier der Synagogengemeindc Köln, am Sonntag, 14. April, vorm. 11 Uhr, nicht im Großen Saal der Bürgergcscllschaft, wie ursprünglich geplant, stattfinden kann und deshalb zur angegebenen Zeit in der Synagogo RoonBtraße veranstaltet werden wird. Den Festvortrag hat Rabbiner Dr. Baeck-Berlin übernommen. "Einleitende Worte spricht Gemeinderabbiner Dr.' Kober, Vorsitzender der Vereinigung Jüdisches Lehrhaus, das Schlußwort Gemcinderabbiner Dr. Rosenthal. Musikalisch wird die Feier durch Oberkantor jFlcischmann (Bariton) und die Jüdische Chorvercinigung Köln umrahmt. Mannheim. Einen interessanten Beitrag zur jüdischen Statistik veröffentlichte j,der hiesige Arzt Dr. S. Bruchsaler . unter dem bezeichnenden Titel „Mehr Särge als Wiegen". Er kam dabei u. a. zii dem Ergebnis, daß die Zahl der jüdischen Geburten in Mannheim im Jahre 1934 10 betrug, dio der Sterbefällc aber 83. Die Geburtenziffer iBt demnach bei uns 1,7 pro Mille, die Sterblichkeitsziffer aber 13,8 pro Mille. Die hohe Sterblichkeit der Mannheimer Juden beruht auf ihrer starken Überalterung. — Der hiesige „Liederkranz" hat das Verdienst Händeis dreiaktigcB Oratorium „Joseph und seine Brüder" zur überhaupt ersten Aufführung in Deutschland gebracht zu haben. Kapellmeister Max Sinzheimer bot das Werk, dessen Höhepunkte Beine lyrischen Szenen sind, in der Bearbeitung Friedrich Chrysonders, an der man allerdings zur Steigerung der dramatischen Wirkung sowohl Streichungen wie Umstellungen vorgenommen hatte. Ein geradezu idealer Vertreter des . Joseph war Hermann Schey-Berlin, neben dem besonders Emroy JoBcph mit ihrem mühelos die Koloraturen ihrer Partie bewältigenden Sopran und Max Lipmanns tragender Tenor sich um die hochstehende Aufführung verdient machten, in der Norbert Nadehnann den Pharao mit warmem Baß, aber etwas unpersönlich sang. Zinn jubelnden Erfolg dieser denkwürdigen Erstaufführung, der auch Besucher aus' Bruchsal, Heidelberg und Karlsruhe beiwohnten, trug neben, dem in schöner Geschlossenheit' singenden gemischten Chor des „Liederkranz" das Orchester der „Instrumentalgemeinachaft" wesentlich bei. Plauen. Näch kurzer Krankheit vorschied plötzlich Herr Markus Pohoryles, der Beit vielen Jahren Mitglied des Gemeinderates war. Vor allem aber war seiner Initiative vor 15 Jahren die Gründung einer Chewra zu danken, der er auch seitdem bis zum seinem Tode vorstand. Sein Verlust ist für die ganze Gemeinde sehr schwer, da er es verstand, infolge seiner Beliebtheit und seines Ansehens ausgleichend zu wirken. Sein Andenken wird unvergeßlich bleiben. — Von unbekannter Hand sind kürzlich im Gemeindehaus, zwei Fensterscheiben eingeworfen worden. Von den Tätern fehlt jede Spur. ©As i&öi» idor cmö) In der Aufführung der Oper „Nabncco" (Nobukadnezar) von Verdi, dls als Fcstrontellvag am Donnerstag, den 4. April, '7.30 Dhr, im Berliner Theater iuro Berliaer Uraufführung erlebt, Bind die Hauptpartion folgendermaßen besetzt: Nehtikadnezar: Siegfried Url&s, Abigail: Ruth Wolffrelm, Feneaa: Anna Lipin, Ismaol: Faul Feher, Zacharias: Fritz Leohner, Baal-Priester: Walter Olitzki, Eahol: Fritzi Jokl. Was wülfl Du werden? Was kanhfl Du werden? Der-Dichter Andersen läßt den Mond erzählen, was . er alles an Glück und Leid sieht, wenn, er auf seiner Bahn in dio Stuben der Menschen schaut. Unnötig ■ zu sagen,- daß das Gestirn,' wenn es in die Häuser der deutschen Juden blickte, viel Mutlosigkeit mit nachhause nehmen würde) besonders unter den jungen Menschen würde es diese Beobachtung machen; unter den Frauen, für die es gilt, sich in das Berufsleben einzugliedern. Es ist nicht einfach, von den Aussichten der jungen Mädchen zu sprechen, die'sie heutzutage in Deutschland haben. Eine jüdische Hausfrau hatte vor kurzem mehrere junge Mädchen zu sich gebeten, um mit ihnen 'einmal, zwanglos, bei einer Tasse Tee, die wichtige Frage der Berufswahl zu erörtern. Eine junge Schülerin, die gerade' die OberseVundareife erlangt hatte, meinte: „Ich möchte gern Krankenhausfürsorgerin werden. Ich .glaube, daß mir dieser Beruf besonders liegt, der von dem richtigen Gedanken ausgeht, daß die Gesundung eines Kranken, besonders einer Frau und Mutter, nicht allein abhängig Ist vom körperlichen Genesen, sondern in weitem Maße auch beeinflußt wird von seelischer Stärkung." „Und wio denken Sie sich Ihre Ausbildung?" „Ich muß auf" einer Frauenschulo ausgebildet sein, die die pflegerische Ausbildung übernimmt. Ich glaube, daß ich. dabei unsere jüdisch-soziale Einstellung besonders kennenlernen kann. Denn ich lerne, daß das Ziel der Arbeit ist,-die Kranken seelisch aufzurichten, ihnen dio Sorge um die Familienmitglieder abzunehmen, sie in der Zeit nach der Entlassung, die so wichtig für die völlige Wiederherstellung ist, durch-Rat und Tat zu unterstützen. Natürlich muß ich nach vollendeter Ausbildung in der Frauenschulo unter einer erfahrenen Krankenhausfürsorgerin praktisch arbeiten. Bei Beratungsstunden im Krankenhaus und ihren Besuchen an den Betten der Kranken würde ich auch lernen, für die Patienten in gesundheitsfürsorgerischer, wirtschaftlicher und sozialer Beziehimg zu sorgen." Ganz anders stellt sich eine junge Abiturientin ihre Zukunft vor. „Ich habe immer Interesse für Mode gehabt, und wio mir die Bcrnfsämter mitteilen, fehlt e3 gerade auf dem Spezialgebiet der Wäsoheachneiderei an Nachwuchs. Ich bin mir bewußt, daß ich mich gründlich ausbilden lassen muß, daß ich nicht nur mit Seide,.Leinen und KunBtseide umgehen muß, sondern' daß ich auch praktisch zu kalkulieren habe. Meine Freundin M möchte am liebsten Direktrice im Modehaus werden. In vielen Gebieten ähneln sich da unsere Berufe. Denn die Grundlage ist^ hier wie dort eine gründliche Ausbildung im Konf ektionBzcichnen. Aber daneben muß die zeichnerische Begabung in vielseitigster Weise weiter entwickelt werden. Ich bin mir bewußt, daß wir alle, die wir einmal später in der Konfektion tätig sein möchten, auch persönliche Eignung zu diesem Beruf besitzen müssen. Ob wir nun Büglerin sind, die überall in den Betrieben gebraucht,, werden, oder ob wir mehr Wert legen auf die Bchneidertechnischen Arbeiten, auf Anprobieren und Abformen, Aufstecken, Ausprobieren von Modellen, immer müssen wir wissen, mit den Kundinnen umzugehen, immer müssen wir jene geschmackliche Sicherheit besitzen, von der die Käuferin im Modehaus überzeugt sein vn\\" Eine junge Dame will Sportlehrerin werden und beruft sich dabei darauf, daß sich gerade für die Sportlehrerin heute int jüdischen Kreisen gute berufliche Aussichten bieten. Denn dieser Beruf gibt der jüdischen Jugend nicht nur die Möglichkeit, im Inland in den jüdischen Sportvereinen, sondern auch im Ausland tätig zu sein, immer in der Voraussetzung, daß die Ausbildung derjenigen der staatlichen Institutionen in keiner Weise nachsteht, d. n.' qualitativ dieselbe ist wie diejenige der Hochschulo für Leibesübungen. Man muß sich klarmachen, daß an die junge Sportlchrenn große Aufgaben und Anforderungen gestellt werden. Wenn man näher hinschaut, Erfährt man, daß auch die handwerklichen Berufe in beschränkter Zahl von Frauen ausgefüllt werden können. Neben den genannten Berufs- . gruppen muß man von Zeit zu Zeit Möglichkeiten herausfinden, die nur für Einzelne in Frage kommen, weil vielleicht Begabung und Neigung sich hier glücklich verbinden. Wir denken an den Beruf der Goldschmiedin, die Kultgerät für Synagoge und Haus schafft, neben Schmucksachen für die Frau, in dem Sinne, daß sie aus Altem Neues macht in einer Zeit, in der man keine Neuanschaffungen sich leisten kann. — Wir denken an die Fotografin, die heutzutage nicht mehr reine Porträtistin ist, sondern mannigfaltige Gebiete zu ihrem ursprünglichen Arbeitsgebiet hinzuniinmt: Photomontage oder Werbephotographie. Die Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe besitzt eis vollständiges Verzeichnis der Fachschulen, an denen der Anteil der Nichtarier am Unterricht gesetzlich festgelegt ist, so daß man in der Lage ist, auch Auskunft über Aufnahmemöglichkeiten einer großen Anzahl von Fachschulen zu geben. Aus solchen Unterredungen gewinnt man durchaus den Eindruck, daß sich Begabung und Tüchtigkeit in der weiblichen jüdischen Jugend auch in Zukunft in den Berufen, die mit der Wirtschaft verbunden sind, durchsetzen können. Dr,' 0. B.; /;:..;>;.;..>

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