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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-03-20 · 12 (20.3.1935) · page 3

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
12 (20.3.1935)
Date
1935-03-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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1. Beilage 20. März 1935 JÜDISCHE AUGEHQHE ZEITUNC Wer war der Begründer der Berliner Jüdifchen Gemeinde / Von OSWALD LASSALLY Oswald Lassally, einer der Noohkommon des Hoffaktors des Großer» Kurfürsten, Israel A a r o n , dor als Bofp-flodor dor Borlinor jüdisohon Gemeinde anzusehen ist, veröffentlicht im neao«ten Heft dor im Verlag M. a. H. Harens, Breslau, erscheinenden „Monatssoh'rift für Gosohichto und Wissenschaft des Judentums"* diu neben anderen bemerkenswerten Aufsätzen auoh eioo anregende Studio von Albert Lowkowiu aber das jfldisclio Denken seit -Hermann Cohen bringt, einen aufschlußreichen Beitrag über dio Geschiohte der Judon unter dem Groden Kurfürsten. Aus dem Aufsatz vorSffentliohon wir nachstehend einige besonders markante Abschnitte. Die Geschichte der Juden in Berlin geht bis mr Gründung der Stadt zurück. Schon in einer Urkunde vom 28. Oktober 1295 werden sie orwähnt, im Jahre 1320 überläßt die Markgrafin Agnes dem Rate zu Berlin das Recht über „alle unse yoden, arme und rike".- Aber ebenso wie in anderen Teilen Deutschlands wurden sie auch aus der Mark Brandenburg vertrieben, so 1446 im Anschluß an Judenneitzen, 1510 wegen angeblicher Hostienschflndung und 1573, weil der Finanzier Joachims II., Lippold, beschuldigt wurde, den Tod dieses Kurfürsten durch Vergiftung herbeigeführt zu haben. Zu einer dauernden Ansiedlung der Juden in Berlin war es also durch die verschiedenen Ausweisungen während des Mittelalters nicht gekommen. Erst unter dem Großen Kurfürsten beginnt eine völlige Neuorientierung der Politik gegenüber den Juden. Hatte der mittelalterliche Staat die Behandlung des Judenproblcms den Standen — den Rntsberren der Städte, den Rittorn auf dem Lande, den Prälaten und Bischöfen — überlassen, so nimmt jetzt der Große Kurfürst die Lösung der Judenfrage selbst in die Hand. Sem Land war durch den Dreißigjährigen Krieg verwüstet, die Hälfte der Untertanen getötet — die Einwohnerzahl Berlins war auf kaum 10000 gesunken —, der Viehbestand vernichtet, der Handel lag darnieder. Um die traurigen Folgen des Krieges zu beheben, -war Friedrich. Wilhelm darauf bedacht; Bein Land neu zu beleben. Wie er die Einwanderung der Holländer und Franzosen begünstigte, so strebte er auch durch die Aufnahme der Juden, dem Mangel an Menschen, und Kapital in seinem Staate abzuhelfen. Wenn er dann weiterhin die Handelstätigkeit der Juden auffallend .unterstützte, so tat er es wohl in der Absicht, durch sie mebr Geld in Umlauf zu bringen, den noch halb naturalwirtschaftlichen Charakter seines Staates in den modernen geld- und kreditwirtschaftlichen, umzugestalten. Es ist sicherlich kein Zufall, wenn in den meisten der Judenreskripto die Worte wiederkehren, „es gereiche zu des LandcB Besten und Aufnehmen, wenn darinnen viel -Handel und Wandel getrieben werde" und daß „die Juden mit ihren Handlungen Uns und dem Lande nicht schädlich, sondern vielmehr nützbar erscheinen". Diese Einstellung des Kurfürsten war es auch; die ihn bewog, wieder Juden in Berlinanzusiedeln. Der erste Jude nun, den er nach Berlin zog und den er sogar in seine persünüchen Dienste nahm, war Israel Aaron. In dem Bericht des Zeitgenossen Konsistorialrat Seidel heißt es, daß" „anno 1653 der Jude Israel Aaron Churfurstliche Bestellung bekommen habe, die Hbffstadt mit Weinen, Victualien und anderen Waren zu verlegen". 1653 war also das" Jahr der Bestallung Israels zum H o f - i uden. Nach seinen eigenen Angaben war Israel Aaron, der ous Glogau stammte, seit 1655 in Preußen ansussig. 1660 finden wir ihn in den Stadtbürgerlisten der Stadt Landsbcrg a. d. WortHe als „der Hoff-Jude unter Nr. 20 im Juden-Viertel wohnend aufgeführt. Er wohnte dort offenbar schon seit 1656, denn in einer Tabelle vom? 21. 12. 1699 heißt es, daß Aaron Israel seit 43 Jahren in Landsberg ansässig sei . . . 1663 siedelt Israel nach Berlin über, wo hundert Jahre früher vor der Vertreibung der Juden aus der Mark Brandenburg seine Vorfahren sechzig Jahre lang in der Judenstraße gewohnt hatten. Iii' dem bereits erwähnten Seidel'echen Berichte heißt es hierüber: „Dieser Jude hott dos Haus in der Stralowachen Straßen, so der Bahder am Crögell erbauet, gemietet und viele' Juden anderswoher an sich gezogen." Das Letztere stimmt allerdings nicht. Vielmehr war Israel darauf bedacht, seine Monopolstellung zu wahrep. Das geht auB einem Gutachten des Frei- Tierrn von Schwerin aus dem Jahre 1671 hervor, in dem dieser dem Kurfürsten empfiehlt, zwei Juden: in Berlin ' . aufzunehmen,;,weil der Rat sie allda gerne sehen möchte, ober. Israel sie nicht gerne da hätte". Die beiden österreichischen Juden (Benedict Veit und Abraham Rieß) wurden trotzdem mit ihren Familien aufgenommen, aber immerhin erreichte Israel, daß in § 9 des Schutzbriefes eine Bestimmung aufgenommen wurde, daß sie ihm im Handel keinen Eintrag tun dürften.' Diese Bestimmung kehrt in fast allen Schutzbriefen der damaligen Zeit wieder. ■•• Der. Ausstellungstag des Privilegiums für die beiden österreichischen Juden mit ihren Verwandten war der 10. September 1671. .Auf diesen Tag datiert Geiger die Gründung der Berliner Gemeinde; .weil diese Juden die ersten der'aus Wien vertriebenen Familien waren, deren Aufnahme der Kurfürst durch das Edikt vom 21. Mai' 1671 beschlossen hatte. Die acht Jahre von 1663—1671, die Israel Aaron allein mit seiner Familie in Berlin lebte,' werden von Geiger mit Recht nicht mitgezählt, da eine Gemeinde noch nicht vorbanden war. Gleichwohl ist Israel Aaron als der Begründer der Gemeinde anzusehen, denn, wie M. Stern ausführt, nahm Israel als Hofjude die Organisierung der ihm zwar unerwünschten Einwanderung in die Hand und er war, wie Hollo annimmt, mit höchster Wahrsoheinlichkeit der Hansherr ihres ersten gottesdienstliciien Betraumes, der unter dem' Namen seiner zweiten Frau bekannt gewordenen ,JLiebmonn'schen Synagoge" ... ' Am 15, 2. 1665 erhielt er eine Bestallung als Hofbeamter mit 200 Talern Gehalt, dazu wSchentüch 3 Taler Kostgeld und Futter für zwei Pferde.' Durch Schutzbrief vom 12. September 1671 wurde ihm die Handelsfreiheit und das Recht der Niederlassung mit seiner Familie im ganzen Lande erneut gewährleistet, darüber hinaus aber noch die Befreiung von jeglicher Einanartierung zugestanden. Israel ist in Angelegenheiten der Juden der Ratgeber und Beauftragte des Kurfürsten gewesen. So entspricht der Kurfürst in einem Erlaß vom 20. 2. 1672 „der untertänigsten Ansuchung Israels Aarons, daß der in der Neumark bisher gewesene Rabbino, namens Rabbi Cain, beibehalten werde", und befienlt, _daß auch die zugezogenen österreichischen Juden seiner Jurisdiction unterstehen sollten. In dem Schutzbrief für Israel Aaron vom 12. 9. 1671 heißt es, daß „keine Juden in Unserer Residenz Berlin, Collen oder Friedrichswerder künftig aufgenommen werden, ehe er, Israel, ihrer Mittel, Wandels und Verhaltens halber vorhoro befraget und von ihm deswegen Erkundigung eingezogen werde. Durch später; aufgehobenes Dokrot war Israel beauftragt worden, „die Schutzgelder, so die in UriBCr Chur- und Mark Branderlburgk vergleithete jüdische- Familien zu geben schuldigte, von denselben einzunehmen und Unserem Rath und Geh. Commcr-Secretario Mörtitz auszuliefern. Israel Aaron war zweimal verheiratet. Der Name dor ersten Frau, der Mutter von Aaron Israel, ist unbekannt. Jedoch ist Bicher, daß Aaron Israel aus dieser ersten Ehe stammt . . . Aaron Israel war Petschnflstecher und diesem Berufe sind seine Nachkommen durch sechs Generationen hindurch treu geblieben. Denn' auch der Sohn Aaron Israels, Marcus Aaron (gest. 16821, dessen Sohn Loeser Marcus (geb. 1705, gest. 1799), dessen Sohn Michael Loeser (geb. 1728, gest. 15. 12. 1812), dessen Sohn Wolf Loeser, der im Jahre 1812 den Namen Lassally annahm sowie mein Urgroßvater Meyer Wolf Lassally Und schließlich dessen Sohn Wilhelm waren Petscbaftstechcr. Sie waren 200 Jahre lang in Landsberg ansässig. Ein zweiter Sohn Israels Aarons, Jost (Jobios) Israel, Btammtc nicht, wie Hallo irrtümlich annimmt, aus der ersten Ehe Israel Aarons, Bondcm war ein Sohn Esther Schulhoffs . . . Ein weiterer Sohn Israel Aarons und Esther Schulhoffs, Salotnon Israel, war Schutzjude in Halle. Und zwar wurde er dort im Jahre 1688 Die Liberale Synagoge Nordost hat ihre Arbeit dieses Winters darauf eingestellt, in die geschichtliche Entwicklung des deutschen Judentums einzuführen. Auf dem letzten Gemeinde-Abend stellte sich Rabbiner Dr. Gottspjialk die Aufgabe, Leid und Freud des Judcntunv4 im Mittelalter zu schildern. Leid läßt unB der Blick auf unBcre Vergangenheit in reichem Maße schauen. Aber der Weg, den es uns führen soll, ist nicht die Verzweiflung, die meist in ihrem Gefolge ist; er soll uns vielmehr mit dem Bewußtsein erfüllen, daß es nicht genug ist mit dem, was wir tun, mit der Verpflichtung, alle Kraft aufzuwenden, um zu erhalten, was uns an Geistesschätzen und noch viel mehr an GlaubenBtreue, an Hingabe zu Religion und Gemeinschaft überkommen ist.' Von cUesem'Geeichtspunkte aus zeigte Df. Gottschalk, was von Leid und Freud unserer Vorfahren in Deutschland zu sagen ist, von den Kreuzzügen an, den Weg der Leiden und des Martyriums durch das ganze Mittelalter Hindurch. Aus zeitgenössischen Schriften, aus Memorbüchern und Dichtungen führte er diese Lcidenshelden vor. Aber dieser „Weg ohne Ende" ist als Martyrium, als bloß Leid nicht imstande, das Judentum des Mittelalters zu erhalten. Es kommt ein anderes hinzu: Aus dem Martyrium schaut uns das heldische Judentum des Mittelalters entgegen, das sich noch in den schlimmsten Umständen aufrafft und aktiv eingreift, dos sich und seinen Wert erhält und damit dio größte Leistung vollbringt, die eigene Geschichte vorwärts zu treiben. Was ihnen diese Kraft gegeben, tönt aus den Briefen und Schriftstücken von Zeitgenossen wieder. Alle diese heldischen Juden haben nicht vergessen, wo ihr letztes Ziel liegt; es sind nur schlichte Menschen, die aber eins offenbaren, daß sie in all dem Grausigen und Schlechten nicht selber schlecht geworden sind. Damit wird auch erklärt, wie stark trotz des Leides ihre Lebensbejahung wirkte. Schriften jener Zeit offenbaren die Freude an Festen und Speisen, an Lied und Gesang. In den Menschen des Mittelalters lebt das heldische Judentum der Väter, an ihnen erweist Bich dos s'chüs owaus; denn sio geben im Leben der Not sich nicht preis, sondern setzen dieses heldisch« Judentum der Väter fort in'ihre Zeit. Die zahlreiche Besucherschar, die den Betraum in der Prenslauer Promenade füllte, folgten den eindrucksvollen Ausführungen mit Ergriffenheit. Die Stimmung, wurde erhöht durch den Gesang Mendelssohnscher und Händelscher Arien, die der Kantor der Liberalen Synagoge, Herr Danziger, vortrug. Der zweite Teil aufgenommen. Durch Reskript vom 11. 12. 1702 gestattete der Nachfolger des Großen Kurfürsten, König Friedrich I. von Preußen, „aus sonderbaren hohen Gnaden und wegen der von Unserer Hofjüdin sowohl als deren verstorbenen Ehemann Uns geleisteten guten Dienste", daß der Sohn der Hofjüdin Liobmannin, Salomon Israel, ein Haus erblich ankaufen dürfe. Seine meiste Verkehrung (Handel) hatte er mit seiner Mutter, der Berlinischen Hof jüdin. Diese hatte nach Israels Tod den „Hofjubclier" Jost Liebmann geheiratet und nahm auch nach dessen Tode noch eine sehr einflußreiche Stellung bei Hofe' ein. Sie soll das Recht gehabt haben, unangemeldet das Zimmer des Königs zu betreten. Nach dem Bericht des Konsistorlalrates Seidel hat Israel Aaron „pnnquerot gemachet und sein Weib Esther Schulhoff nicht ihres Mannes Erbin sein wollen". Daß die umfangreichen Geschäfte, bei denen Israel häufig keine Bezahlung erhalten konnte, ihn Belber in Geldscnwierigkciten brachten, ist vorstandlich. Kurz vor seinem Tode sollte er seinem Gläubiger Christian Hänel eine beträchtliche Hypothek über alle Beine Güter und Vermögen konstituieren. Dos gleichfalls im Staatsarchiv befindliche von Moritz Stern veröffentlichte Pseudotcstament Israel Aarons bestätigt, daß er unter Hinterlassung erheblicher Schuldon gestorben ist. Seine Witwe Esther mußte den Kurfürsten um ein zweijähriges Moratorium bitten, wobei sie darauf hinweist, daß die Erben mit unbeweglichen Gutern in Berlin und in der Neumark genugsam possessioniert seien. Der Kurfürst entspricht der Bitte und setzt am 12. 11. 1673 eine besondere Kommission zur Untersuchung der Schulden ein. Am 17. 3. 1674 befiehlt der Kurfürst der Kommission, „da der vielen contradictiones halber die Sache notwendig ad coneursum kommen muß", die ganze Sache dem Kammergericht zur rechtlichen Erörterung zu übergeben. Die Prozesse zogen sich bis zum Jahre 1684 hin, ohne daß ersichtlich ist, wie sie endeten. Esther starb am 15. April 1714. Ihr soll eine goldene Kette mit ins Grab gelegt worden sein, dio ihr der König ernst geschenkt hatte. des Abende hatte einen besonders warmen Ton dadurch, daß er praktisch in dio Gesänge des Sederabends einführte, eine Einrichtung, die allgemein freudig begrüßt wurde. * Die Liberale Synagoge Westend veranstaltete gemeinsam mit der dortigen Bezirksgruppe dor Religiös-liberalen Vereinigung einen Gemeindeabend in der Aula Kaiserdnmm 78. Eingeleitet wurde er durch einen Bericht über die Gesamt- Vorstondssitzung der Roligiös-libcrnlcn Vereinigung für Deutschland durch den Vorsitzenden Dr. Alfred C a r o. Er legte besonders die Rede Dr. Dienemanns und ihre grundsätzliche Bedeutung dar und sprach die Uberzeugung aus, daß diese Sitzung den Beweis von neuem erbracht habe, wio lebendig der religiöse Liberalismus sei und welche großen Aufgaben für Erhaltung und Ausgestaltung des Judentums seiner harren. Den Hauptteil des Abends bildete der Vortrag von Rabbiner Dr. H. Sänger über das Thema: „Wende und Wiedergeburt im jüdischen Schickeal". Wenn Schweres über uns kommt, wird ewig die Frage gestellt: Warum? Woher? Wozu? Formt der Mensch sein Schicksal? oder: Formt es ihn? Ist es rühmlicher, Hammer oder Ambos zu sein? Jedem erscheint es rühmlicher, Hammer zu sein als Ambos. Aber das Wort bleibt doch bestehen, daß man erst am Hammer merkt, wie stark der Ambos ist. Das iBt unsere Position in der Gegonwartsgeschichte. Heute ist Geschichte für uns nicht ein Gewesen, nur Vergangenheit; heute steht sie als Gegenwartsfrage vor uns. Heute, da wieder eine Weltenwende eingetreten ist, erleben wir bewußt Geschichte und empfinden, es ist e i n Weg, den unsere Väter gegangen sind; den unsere Kinder gehen werden. Wob darf der Mensch von der Geschichtsbetrachtung erwarten? Erhellung unserer Einsicht, Klärung und Führung. ' Von solchen Gesichtspunkten aus stellte Dr. Sänger zwei Katastrophen im Judentum dar, die von 586 und von 1492, und suchte ihren. Weg und ihre Wirkung und die geistigen Kräfte herauszustellen, die hier im Judentum wirksam waren und seinen Fortbestand und seine Zukunft und seihen Wiederaufbau gewährleisteten. Und wie damals, das war der Schlußakkord seiner Ausführungen, gilt es auch heute, sich auf die geistigen, religiösen Kräfte zu besinnen und so von innen heraus das Leben stark zu machen und Wiederaufbau und Fortbestand zu sichern. H. P. DIE BIBEL ERZÄHLT Der Wodienabfchnitt Zaw enthält weitere Vorschriften für die Darbringung der verschiedenen Opferarten. Daran schließt sich der Bericht über die Einsetzung der Priester in ihr Amt. Mose bringt aus diesem Anlaß besondere Opfer, salbt Ahron und weiht die Kohanim, indem er mit dem Blut der Opfertiere ihnen Ohr, Hand und Fuß berührt. Mit den Worten: „Ihr sollt die Wacht des Ewigen halten,,- damit Ihr nicht sterbet", werden die Priester nachdrücklich auf ihre Aufgabe hingewiesen. 0 Von den Leviten, die später im jerusalemischen Tempel den Priestern beim Opfern halfen, ist in unserem Wochenabschnitt nicht , die Rede. Sie waren ursprünglich vollberechtigte Priester und verrichteten den Dienst an den Altären im Lande.; Als das Zentralheiligtum die einzige legale Opferstätte geworden war, verloren sie ihr Brot. Sie begaben sieh nach Jerusalem und mußten sich damit begnügen, Gehilfen der Priester zu sein." > Mose weiht die Priester, indem er mit dem Blut der Opfer ihnen Ohr, Hand und Fuß berührt. So seltsam diese Form uns jetzt erscheint, so deutlich erkennbar ist ihr Sinn. Wer Gott dienen will, muß bereit Bein, seine Stimme zu vernehmen' und auf sein Gebot zu achten. Er muß die Autorität des Glaubens anerkennen und sich ihr unterordnen. Zur theoretischen Anerkennung muß die praktische Erfüllung der religiösen Pflichten sich hinzugesellen. Das Judentum begnügt sich nicht mit frommem Glauben, oder religiöser Stimmung. ' Ein Priester des Ewigen muß schließlich jedes Schicksal demütig hinnehmen. Er darf sich auch gegen rätselhaftes Leid nicht auflehnen, sondern muß den Weg gehen, den ihn Gottes Liebe führt. Willen zum. Judentum, Anerkennung unseres Glaubens, die Überwindung des VerStandesdünkels sind auch in unserer Zeit die Voraussetzung für die Entstehung religiösen Lebens. Es genügt aber auch heute nicht, im Herzen ein guter Jude zu sein. Echte Frömmigkeit offenbart sich in der gewissenhaften Erfüllung der Gesetze unseres Glaubens und im demutvollen Ertragen unseres traurigen Schicksals. . „Ihr sollt die Wacht des Ewigen halten, damit Ihr nicht sterbet" ruft Mose den Priestern zu. Sie haben nicht nur die Aufgabe, den Dienst im Tempel zu verrichten. Das Heiligtum ist die Quelle religiösen Lebens. Hier soll das Volk sich mit dem einen, heiligen Gott verbunden fühlen. Die Priester haben demnach darüber zu wachen, daß die Religion der Biber keine Trübung Heldifches Judentum Berliner Gemeinde-Abende im Nordoflen und im Wefien

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