Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 12 (20.3.1935)
- Date
- 1935-03-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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fM'^^'r^ 7K $'/*wT?rt~T~T~~ *~a-- ' - '- 'l-j_„.sj. CSjC'\ "' "' '' ^;%V'-?-'^^^ ... en age V- : Schwarze, Gelbe, Jaden Nürnberg; Auf' einer' Gnukundgcbung der, NS-Frauenacbaft sprach, Gauleiter Julius ßt reich er in Nürnberg. Er erläuterte . u. a.'- die ungeheure Bedeutung der-, Rassenfragc uhd mahnte, nach. einem Bericht der „Frflrifcischen Tageszeitung , darüberzu wachen, , daß' deutsche Frauen und; Mädchen'.-nicht .mehr dem schädlichen -Einfluß judischen Blutes ausgesetzt sind.; „Wir kennen manchen, der sogar' das Braunhemd trBgt und; ein Schrittmacher fOr den Ewigen Juden ist und es gar nicht weiß. Wer dem Teufel einmal sich beugt, der ist verloren . . ." „'Wenn wir unsere Kultur anderen Völkorn bringen, dann . gehen Bie daran zugrunde, und wenn andere ■ uns ihre Kultur bringen, dann gehen wir zugrunde. Der Jude hat Blut aus allen Völkern. ' Negerblut, Mongolenblut, gelbes Blut. Für den Juden als' Angehörigen dieses Blutgcmischs mag dies gut sein, wenn er aber dieses Blut auf unser Volk, auf unser'Blut-übertragen will, dann ist dies unser Untergang 1 Wenn wir' die Gesetze des Blutes, unseres Denkens und Fünlens nicht achten, die Stimme' GotteB mißachten, so werden wir eine ungeheure Tragik erleben. Erbsünde ist es,'" wenn ein nordischer. Mensch sich verbindet mit einem Schwarzen, mit einem Gelben oder einem Juden. Das ist das Furchtbarste ..." Der Jade und die deutfehe Frau Stettin. Gelegentlich einer Kundgebung der NS-FrauenBchaft Groß-Stettin sprach Walter Totsch über das Thema „Der Judo und die deutsche Frau". Nach dem Bericht der „Pommerschen Zeitung" betonte er, daß . die Judenfrage eine. Entscheidung des Herzens und damit des Blutes sei. „Dos stark ausgeprägte Mitgefühl der Frau dürfe sie nicht dazu verleiten, Verrater zu werden am Bestand der Nation. Die deutsche Frau dürfe Bich-nicht dazu verl«jiten lasseninjüdischen Geschäften zu kau f en , nur weil es dort vielleicht etwas billiger sei. Damit, daß sie bei deutschen Geschäften kaufe, unterstütze Bie nicht nur den einzelnen deutschen Kaufmann, sondern sie stalle sich mitten •hinein in den Kampf um die deutsche Zukunft." „Es gibt keine auflandigen Juden" Stettin. Wie die „Pommerscho Zeitung" in Stettin berichtet, fand in Stettin der Landcabauerntag Pommerns statt. In seiner Ansprache sagte Landesbaucmführer Bloedorn: „Der Jude, der ewige Feind des arischen Menschen, ist immer da, und or wird immer versuchen, sich auf irgendeine Art und Weise die Macht anzueignen. Wir haben dafür ju sorgen, daß die Juden nicht unterstützt werden. Wenn sie dann ohne Arbeit kein Geld verdienen, dann gehen sie von selbst aus Deutschland. Wir müssen uns von dem Gedanken frei machen, daß es anständige Juden gibt. Es gibt keine anstandigen Juden." Bei einer Bauernkundgebung Frankfurt a. M. Zur Eröffnung der. landwirtschaftlichen Erzeugungsschlacht veranstaltete die Kreisbauernschaft Obcrhcssen- West m Friedberg eino Kundgebung, bei der Heichsstatthalter Gauleiter S pjr e n g o r eine Ansprache hielt, über die dor Landespressedienst u. a. folgendes berichtet: Der Gauleiter habe auch Stellung genommen zur Judenfrage. Die BtandigeiV*BeifallBkundgebungenliatten bewiesen, wie sehr er den Bauern Sub dein Herzen gesprochen habe. Unter stürmischem Beifall habe der Gauleiter erklärt, daß der Jude Bein Volkstum für Bich habe, und auch für sich allein'zurecht kommen möge. Bauern follen jüdifche Händler meiden Nürnberg. Der landwirtschaftliche Gaufachberater der NSDAP, Gau Franken, erhißt eine Anordnung, in der Bestimmungen über die Lieferung von Schlachtvieh zu dem Nürnberger Schlachtviehmarkt getroffen werden. Zum Schluß der. Anordnung heißt es: „Von der Bauernschaft wird erwartet, daß sie »hr Vieh ausschließlich an arische Hflndler und Genossenschaften abliefert und nunmehr endgültig den jüdischen Händler meidet. Mit besonderer Scharfe wird gegen diejenigen vorgegangen, die diese Anordnung in irgendeiner Form zu umgehen versuchen." Juden in öffentlichen Lokalen Breslau. Die „Nationalsozialistische Schleaische Tageszeitung" in Breslau beanstandet in einem Artikel, der „Schluß mit der Rasscnachande" überschrieben ist, das Verhalten von Juden in öffentlichen Lokalen. „Immer wieder tanzen sogar in Breslauer öffentlichen Lokalen schmierige Juden mit arischen Frauen. Es darf in der Erkenntnis unserer rassischen Notwendigkeiten kein Schwanken geben und kein Zurückweichen. Wenn heute noch Juden in öffentlichen Lokalen arische Frauen zum Tanz auffordern, ist das eine offene Kampfansage gegen das völkische Deutschland. Auf eino offene Kampfansage gibt es nur eine Antwort. Wenn sich Frauenspersonen dazu hergeben, mit Juden m enge Beziehungen zu treten, verdienen sie, öffentlich a n - geprangert.zu werden . . . Lange, genug hat der deutsche ■ Mensch, der ernst und pflichtbewußt seine Kraft an den Aufbau des neuen Reiches wendet, dem jüdischen Treiben und der . Gewissenlosigkeit arischer Menschen zugesehen . . . Wir werden deshalb künftig Namen derjenigen Frauenspersonen, die sich mit Juden einlassen, und die Namen dieser Juden veröffentlichen. Es muß endlich auch in Breslau Schluß gemacht werden mit aller Rassehschande 1" Am rafßfchen Grundgedanken wird nickt gerüttelt Der Leiter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP, Dr. Groß, veröffentlicht in der „Nationalsozialistischen Parteikorrespondenz"- einen' Aufsatz zur Rassenfrage. Es heißt darin u. a.: „Wenn wir unsere Bevölkerungspolitik allmählich der Meinung der Welt gegenüber durchpauken, dann steht in dem großen Ideenkampf, in dem Kampf des rassischen Denkens als Prinzip gegenüber dem antirassischen Denken von gestern, die Entscheidung vorläufig selbst in Deutachland noch aus; denn wir wissen sehr wohl, daß unzahlige Menschen noch Zweifel und Zurückhaltung haben, und daß unzahlige Gruppen hier und da und dort immer noch versuchen, an der Folgerichtigkeit rassischen Denkens in Deutachland selbst uns etwas abzuhandeln. Gehandelt aber kann an dieser Stelle nicht werden ... es handelt sich auch um geistige Kräfte, unabhängig oder wenigstens nur indirekt abhangig vom Judentum, die uns vielleicht gefahrlicher sind. Es dreht sich um jenen geistigen Imperialismus, dem Beit Jahrhunderten oder vielleicht seit zwei Jahrtausenden sogar die Entwicklung der abendländischen Geschichte ein unorganisches Ziel gestellt hat ... ' Wir stellen uns hier auf den ganz harten und unabdingbaren Standpunkt, der heißt: An den völkischen Grundgedanken der nationalsozialistischen Bewegung, am rassischen Grundgedanken wird nichts abgehandelt und nicht gerüttelt . . ." Gleidifdi altuugs welle im Saargebiet? Köln. Der ^Westdeutsche Beobachter" in Köln befaßt sich'in einem Artikel mit den, : Besitzverhaltnissen eines Kaufhauses ' in '■ Saarbrücken und der Zusammensetzung seines Vorstandes und Aufsichtsrates. Danach •" sind im Vorstand und Aufsichtsrat auch einige Juden vortreten. In diesem Zusammenhange bemerkt das Blatt: „Seit zwei kWochen ist das Saargebiet wieder in die Verwaltung des deutschen Reiches übergegangen. Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß man in absehbarer Zeit auch hier eine „Gleichschaltungswelle" erleben wird, um die jüdischen Namen aus der 1 Öffentlichkeit verschwinden zu lassen, auf daß die Geschäftstätigkeit nicht gestört wird." Die Idee des Antifemitismus mißbraucht Anderthalb Jahre Geffingnis für verbrecherische Selbsthilfe Im „8 Uhr-Blatt", Nürnberg, vom 8.'März'lesen wir: Herr. Otto Nagel, ein 34jahriger Mensch, stand als Märtyrer vor Gericht. Er will wirklich keine, schlechten Absichten gehabt haben, als er in der Nacht zum 29. Dezember ein Ding drehte. Das Bei gewissermaßen eino Art Selbsthilfe gewesen, denn er war doch verpflichtet, die Rechte seiner Braut zu verfechten. Mit allen Mitteln. Herr Nagel glaubte, daß ihm die neue Zeit zur Ausführung seines Planes zugute kam und daß man ihm deswegen keinen Strick daraus drehen werde. Sein Vorhaben richtete sich ja gegen einen Juden. Und wenn er sich deshalb als Antisemit aufspielte, fand er die herrlichste Begründung für die Ausführung seiner Tat. Otto Nagel hat aber auch schon Volksgenossen in der schamlosesten Weise bcstohlen und sogar beraubt Man muß deshalb einem solchen Menschen das Recht absprechen, in Antisemitismus zu machen. AntisemitiamUB heißt nicht, den Juden bestchlen. Herrn Nagel wurde dies deutlich klargemacht. Seine Braut war bei einer jüdischen Familie als Dienstmadehen. Nagel kannte also die ürtlichkeiten in dem jüdischen Hause genau. Nach. Weihnachten fuhr er mit seinem Fahrrad nachts in die Bucher Straße, wo der Jude sein Stofflager hatte. Nagel überstieg mehrere Gartenzäune, bis er im Hof war, wo sich das Lager befand. An dem Gebäude zertrümmerte er ein Fenster und nahm, sich soviel Stoff mit als er tragen konnte. Die Beute fuhr er dann in seine Werkstätte in ' der Großweidenmühlstroße. In der gleichen Nacht fuhr er noch einmal in die Bucher. Straße und nahm sich wieder soviel Stoff mit, als er transportieren konnte. Den Stoff versteckte er unter dem Fußbaden seiner Werkstatte, wo ihn die Kriminalpolizei nach längerem Suchen fand. Was heißt hier schwerer Diebstahl im Rückfall? Daran dachte Herr Nagel beileibe nicht. J,Er wollte dem Juden nur zeigen, daß es heute nicht mehr gehe, ein deutsches Madchen zu hotrügen." Der Jude schulde Beiner Braut noch Lohn. Um Bich zunächst schadlos zu halten und um den Juden zu veranlassen, das Geld herauszugeben, holte sich Nagel die Stoffe, die einen Wert von 300 HM. hatten. Also lediglich um die Ansprüche seiner Braut durchzusetzen. Die'Braut bestätigte-selbstverständlich diese Angaben, die aber durch die Aussagen anderer Zeugen glatt widerlegt wurden. Das Mädchen hatte keine Lohnforderungen an den Juden und deshalb kam es dem Herrn Nagel nur auf die Stoffe an, um sich damit Geld zu machen. Als Nagel den Antrag auf Erlassung eines Haftbefehls hörte, begann er klein zu werden.. Man möge ihm doch eine mildere Strafe geben und ihn nicht verhaften, weil er am Samstag heiraten wolle. Seine wahrscheinlich nur vorgespiegelte Hochzeit wird Herr Nagel noch längere Zeit verschieben müssen. Das Gericht glaubte ihm auch dieses Vorbringen nicht, Nagel wurde zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis verurteilt und sofort verhaftet. Das Gericht ging deshalb über die Mindeatstrafe hinaus, weil sich Nagel nicht schämte, die Idco des Antisemitismus für seine eigenen und eigennützigen Ziele zu mißbrauchen. Sturm um Arierparagraph Bcachlnßunfähigkeit des Lodzer Stadtrats verhindert' Einführung Warschau. Die nationuldemokratische Mehrheit des Lodzer Stadtrats hatte auf die Tagesordnungihrer letzten Sitzung dio Einführung'dea- Arierparagraphen für die städtische Beamtenschaft gesetzt. Dem Antrag zufolge sollten! sämtliche jüdischen Angestellten der Stadtverwaltung sofort entlassen werden. Schon die Verkündung der Tagesordnung führte zu erregten Sturmszenen ini. Stadtrat und nur durch das energische Eingreifen des;' Regierungskommissars 'Ing. Wojewodski, der' den Vorsitz führte, wurde ein Handgemengo verhindert. Dem Verlangen der Nationnldcmokratcn, deu Antrag als. ersten Punkt der Tagesordnung zu behandeln, wurdo nicht entsprochen. Als um 3 Uhr nachts der Antrag zur Beratung kommen sollte, verließen die Mitglieder der Regierungspartei und-' der übrigen nichtnationaldemokratischen Gruppen gemeinsam mit den jüdischen Stadtverordneten den Beratungssaal. Der; Vorsitzende stellte Beschlußunfähigkeit fest und hob die Sitzung auf. In, einer Ausschußsitzung oW Lodzer Stadtrats, der seit kurzem. über eine Mehrheit der nationnldemok.ratischen Opposition verfügt, Wurde, wie der „Kurier Poranny'.' meldet, ein Antrag angenommen, demzufolge dio städtischen Preise der Stadt Lodz für Wissenschaft, Literatur und Kurist künftig n ü r' n ri Christen verliehen werden dürfen, dio ihre arische Herkunftnachweisen. Die Lage in Oefterreich, Polen und Rumänien New York. Im Hotel Benjamin Franklin in Philadelphia wurde in Anwesenheit von 600 Delegierten eine außerordentliche , Togung' des American Jewish Congress eröffnet. In dem Bericht über die Lage der Juden in den einzelnen Ländern wurde besonders hervorgehoben, daß in Österreich entgegen allen offiziell abgegebenen Erklärungen Maßnahmen gegen die Juden auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen und Wirtschaftslebens getroffen werden. In Polen sei infolge der gegen die städtische Bevölkerung gerichteten Steuerpolitik der Regierung und der Monopolisierungstendenzen in der Wirtschaft die Hälfte der jüdischen Bevölkerung dem Untergang nahegebracht worden. Die Einführung des neuen Arbcitsgesetzes in Rumänien stelle eine Bedrohung der Existenz der dortigen jüdischen Bevölkerung dar und atche in Widerspruch zu der verfassungsmäßig gewährleisteten bürgerlichen Gleichberechtigung. Gegen Anstritte aus der Gemeinde Danzig. Vorstand und Repräsentanz traten zu einer gemeinsamen Sitzung zusammenj um sich grundsätzlich mit der Frage 3er Stellungnahme der Gemeinde zu einem Austritt aus der Gemeinde zu beschäftigen. Als' Ergebnis der eingehenden Aussprache der GemeindckörperBchaftcn stellte dor Vorsitzende dea VoratandeB fest, daß die Versammlung jeden Austritt aus der Gemeinde gerade in der gegenwärtigen Zeit und besonders wenn er auf Grund der SteuererBparnis erfolgt, auf das schärfste verurteilt, und es für richtig hält, ausgetretenen Personen gegenüber diese Verurteilung ihrer Handlungsweise , auch in jeder gesetzlich zulässigen Weise zu erkennen zu geben. Verkauf der ärztlichen Praxis nickt geftattet Zum Verkauf dor ärztlichen Praxis erläßt jetzt der Vertrags- und Honorarauaachuß der Berliner Ärztekammer eine Bekanntmachung, in der er nochmals seinen. Standpunkt zur Frage der etwa hierfür zu gewährenden Vergütung niederlegt: Auch in verschleierter Form ist der Verkauf einer Arztpraxis nicht gestattet; ebensowenig ist die gewerbsmäßige Vermittlung durch Ärzte in einem solchen Falle erlaubt. Bei Uli e r n a h m e einer fremden Praxis darf eine Entschädigung an den biaherigen Inhaber oder an seine Witwe nur nach vorheriger Genehmigung der ärztlichen Standeavertrctung erfolgen. - ' Dieser Beschluß der Ärztekammer haut die Rechtsprechung des Reichsgerichts dahin aus, daß es die an und für sich mögliche Vergütung ihrer vorherigen Prüfung unterzieht. Schreckeiistage in Grieelieiilaiid Synagoge von Kavalla durch Granate befehädigt — Munitionsverlleck auf dem jüdifchen Friedhof Saloniki. Kriegaminister General K o n d y 1 i s, der die Operationen der Regierungstruppen gegen die Aufständischen in Mazedonien und Thrazien geleitet hat, empfing während seines Aufenthalts in Kavalla den Rabbiner der dortigen jüdischen Gemeinde, den er der freundschaftlichen Gefühle versicherte, die die Regierung gegenüber dor jüdischen Bevölkerung hegt. Der Kriegsminister sprach mit besonderer Anerkennung von der patriotischen Haltung der Juden Salonikis und der übrigen jüdischen Gemeinden Nordgriechenlands, die sich in besonderem Maße während der letzten Unruhen gezeigt habe. Die Aüfstandsbewegung in Thrazien und Ostmozedonieh hatte auch einen antisemitischen Charakter getragen. Den Freiwilligen, die in den Ortschaften dieses Gebiets für die revolutionäre Armeo geworben wurden, stellten die Agitatoren in Aussicht, daß man nach der Eroberung Salonikis die Hauser und Geschäfte der dortigen Juden den Truppen zur Plünderung überlassen werde. In Kavalla entnahmen die Aufständischen von den jüdischen Geschäften Waren, ohne sie zu bezahlen. Als eine Abordnung der jüdischen Gemeinde sich darüber beim Führer der Aufständischen, General Komanot, beschwerte, erklärte dieser, man müsse sich an dio von den Republikanern gehaßten Juden Salonikis halten. Die S y n a g o g e der Stadt wurde wahrend dea Feuergefechts zwischen der Flotto und den Batterien auf den Anhöhen hinter der Stadt von einer Granate getroffen. Die jüdischen Einwohner von Serres, Drama und Kavalla haben während der Revolt©( schreckensvolle Tage durchlebt. Der Sieg der Regierung und der Einzug der regulären Truppen wurde von ihnen mit stürmischem Jubel begrüßt. Von den jüdischen Freiwi Li igen, die-sich auf den Aufruf der Regierung hin neben über 200G jüdischen Reservisten zur Abwehr der Rebellen i zur Verfügung gestellt hoben, ist ein großer Teil bereits demobilisiert. Antifeinitifche Agitatoren anter den verhafteten VenizeliAen Neben anderen oppositionellen Zeitungen sind in Saloniki nach der Niederschlagung der Revolte auch die extrem-antisemitischen Blätter „Makedonia und „Eleutheros Typoa" verboten worden. Die Herausgeber der OppositionsblBtter wurden verhaftet oder verbannt, unter ihnen der Hauptachriftleiter der „Makedonia" und venizelistischo Abgeordnete reter Levandis. Er wurdo von der Militarpolizei in einem Hause in Saloniki, in, dem er sich verborgen gehalten hatte, verhaftet und sodann deportiert. Levandis war einer der erbittertsten Judengegner in Saloniki. Verhoftet wurdo auch der ehemalige Chefredakteur der „Makedonia" und Mitherausgeber des „Eleutheros Typos", Nico Fardis, bekannt aus dem Prozeß nach dem Pogrom im Salonikier Campbell-Viertel. Fardis, der der geistigen Urheberschaft dieses Pogroms und der Niederbrennung "deB Viertela beachuldigt war, wurde damals freigesprochen; Seit einigen Tagen sind Gerflehte im Umlauf, die jetzt ' auch von der Presse verzeichnet werden, daß_ Fardis im Gefängnis gestorben sei. Trotz des aeinerzeitigen Freispruchfl gilt es als feststehend, daß Fordia-und Levandis die Hauptschuld an den damaligen Ausschreitungen in Saloniki trifft. Wenige Tage, nach dem Ausbruch der Revolte wurde ein vor einem halben Jahr aus den Diensten der jüdischen Gemeinde 'entlassener Friedhofswärter, ein christlicher Grieche, verhaftet, weil er.auf dem jüdisohen Friedhof Bomben und Munition vorsteckt hatte, die für die Aufständischen bestimm: waren. Drei neue jüdifche Vertreter im Stadtrat von Saloniki Der Generalgouvemeur von Mazedonien, Minister Pericles Rhallis, bat eine Anzahl venizelistischer Stadtverordneter von Saloniki ihres Amtes enthoben. Unter den neuen Mitgliedern des Stadtrates, dio an ihre Stelle treten, befinden sich drei jüdische S t ad t vero rdn e tc , der Eigentümer und Cnef- redukteur der spaniolischen Zeitung „La Pronsa", Daniel Allaluf; der Direktor der ebenfalls in spaniolischer Sprache erscheinenden Zeitung „Accion", Eli Fraoes, und der Verwalter der jüdischen Vorstadt Regie-Vardar, Jomtow Jacoel. Bisher gehörte dem Stadtrat von Saloniki nur ein jüdischer Stadtverordneter, der Advokat Sora Nahmias, an.