Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 11 (13.3.1935)
- Date
- 1935-03-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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„Heldentum des Geilles4' PtfofeiTor D. Hans Schmidt über Bibel und deutfdien Proteltantismus : . Die „Saale . Zeirunp" in Hallo .berichtet über einen interessanten Vortrag, den Prozessor D. Hans Schmidt von der Höllischen Universität im Rahmen eines dcutschchristlichcn Gememdeabends Aber die Bedeutung des Alten Testament» für den deutschen Protestantismus, in der Gegonwart gehalten hat. Ausgehend von § 24, des nationalsozialistischen Programms, das vom ■' „positiven Christentum" spricht und damit eirie wie immer gemeinte Wertung der Gesamtbibol einschließt, zugleich ober von einem. Kampf gegen den „jüdisch-marxiatiochen Geist", stellte der Redner zunächst eine Vorfrage. Das Volk, in dem die Schriften des Alten Testaments, in ihrer großen Mehrzahl entstanden sind, ist nicht das Hündlervolk dor jüdischen Mittelmeerdiaspora, sondern ein Berg- und Bauernvolk, das sich im opferreichen Kampf für sehte Scholle verbintet hat.' Jenes H&ndlcrvolk stammt . vielmehr aus dem Volk der phdnizischen Handelskolonien. . Im Blick hierauf griff der Vortragende aus den verschiedenen möglichen Teilfragen, die seih Thema umschloß, die Frage heraus: heldischer1 Glaub« und das Alte Testament. Von ' Ältester Zeit': (Heldentod Souls und . Ahabs); bis in die jüngste (MokkabaerkSrnpfe) bieten die Schriften des, Alton Testaments ergreifende Bilder hohen Heldensiniis. Dem entspricht die GotteBajtschauüng. Der Gott des Alten Testaments erscheint als Herzog Beines kriegerischen' Volkes. Dieses, Volk weiß von einer großen Stundedef Geschichte, in der es auB„erwBhlt" worden ist. Diese ErwShtung führtzwar oft zur ,TJberhebung, ist aber für die Großen des Alten Testaments gleichbedeutend mit Verantwortung, litt Gegensatz zu einer Mystik, die in Gott untergeht und ihre Seligkeit darin findet, in Gott zu ruhen, kennt die Frömmigkeit des Alten Testaments einen „lebendigen", d. h. immer handelnden Gott, dessen „Bot", d.. h. dessen Führung der Geschichte zu erkennen, das Anliegen seiner Propheten ist. Diese Gottesanschauung kann man; „protestantisch" nennen. — Seit den Uranfängen der israelitischen •Religion ist der Gott dem Propheten offenbar als . der Fordernde, Heilige. Seine Forderung ist brüderliches Verhalten gegen den Volksgenossen. Es wurde weifef iezei^t, wie der große israelitische Prophetismüs in seiner Verkündigung einen unvergleichlichen Heldensinn offenbart. Die Forderung der sozialen Gerechtigkeit durch Arnos, ehelichen Treue und Reinheit durch Hosen, inneren ..'■• Aufrichtigkeit in dem größten Kunstwerk des Alten Testaments, dem Buche Hiob, wurden besonders hervorgehoben. Grund dieses Heldentums der Seele sei der „Glaube", der in nahezu neutestamentlicher Klarheit von Jesaia erkannt und in den Psalmen ausgesprochen wurde. Besonders zeige sich hier der Heldensinn des ' Glaubens in der Überwindung des Leidens. Bei dieser Würdigung der heldischen Seite des Alten' Testaments wies der Vortragende wiederholt auf Erzithlungen hin, die eine niedere Denkweise zeigen. Dioin der östlichen Diaspora entstandenen spStorcn Bücher, z. B. das „Gesetz" in seiner spfitjüdischen^ Fassung und besonders das Buch Esther verließon die protestantische Limo dess Alten Testaments, die im Neuen Testament aufgenommen wurde. Gedichte des Alten Testaments wurden in eigener Ubersetzung vorgetragen. Reicher Beifall dankte Prof. Schmidt für seinen Vortrag, der mit größtem Intorcsse aufgenommen wurde. Der jücUfch-neologe Kongreß Eine Antwort des ungarischen ReichsverweserB . Budapest. , In Anwesenheit von Vertretern der Regierung und der Budapester Stadtverwaltung wurde Hier der jüdischneolopo (liberale^ Landcakongreß durch den Präsidenten, Hofrat Stern,' mit einer Huldigung an den Reiohsverweser eröffnet. Im Anschluß daran führte .der Vertreter des Kultusministers, Staatssekretär Dr. Totti,- u. a. aus: „Mit Anerkennung kann ich feststellen, daß in den sieben Jahrzehnten seit dem ersten Landcskongreß das heimische' Judentum' dank seiner gemeinnützigen Tätigkeit und seiner konfessionellen Einrichtungen einen Wertfäktor des ungarischen. Vaterlandes bildet. Diesen Wert hat der ungarische Staat dadurch anerkannt, daß er die ■ Rezeption der israelitischen Konfession sanktioniert und in der jüngsten Vergangenheit zwei Delegierte der1 jüdischen Glaubeusgemeinschaft in dos Oberhaus berufen hat Der' ungarische Staat legt auf den zweckmäßigen Ausbau der Organisationsstatuten des heimischen- Judentums großen Wert. Er bedarf in religiösem Geist erzogene Stantsbflrger. Wer im Gottesgfauben Stütze und Trost seiner Lebensarbeit findet, wird stets eint treller und nützlicher1 Sohn1 seines Vaterlandes sein." Die' Verlesung^ eirier An'twört des' Reichs verwe se r s auf die ihm-dargebrachte Huldigung wurde mit stürmischer Begeisterung aufgenommen. In der Antwort heißt es unter anderem: „Ich hoffe, daß. Ihr Kongreß im Kreise Ihrer Glaubensgenossen auch eine Vertiefung de's G l aubens1 e ben» herbeiführen' wirb?, denn echtes religiöses Gefühl ist zu allen Zeiten zugleich auch lebendige Quelle der Stärkung der Sittlichkeit, eines vertieften Bewußtseins der Zusammengehörigkeit mit der Gesamtheit der Nation und der Solidarität jedes einzelnen Bürgers mit dem Vatertande. Ich wünsche dem Israelitischen Landeskongreß von Herzen eine von Erfolg gekrönte Arbeitt" Es wurde sodann ohne Debatte die vom Präsidium vorgelegte Haus- und Geschäftsordnung angenommen. In einem Expose über den NcuorgaiusationBentwurf wird hervorgehoben/ daß durch den Aufbau der Autonomie das letzte Merkmal der Knechtschaft getilgt werden solle, die die jüdische Konfession zu einer zweitrangigen degradiert hatte. Raffifrber Verfall Ein Vortrag den Reichsarztcführers in Stockholm In einer Sitzung der Deutsch-Schwedischen Gesellschaft in Stockholm hielt der deutsche Reichsärztoführer Dr. Gerhard Wagner einen Vortrag über die BevölkerungBfrage, bei dem er für den Niedergang der großen Kulturvölker der Geschichte einen rassischen Verfall verantwortlich ihuchtc. Eine der Gefahren, an der Völker rassisch zugrunde gingen, liege in der Rassenmlschung. „Mehrfach", so führte Dr. Wagner nach dem Bericht des „Völkischen Beobachter" aus, „ist die Besorgnis laut geworden, der Rassenstandpunkt des Nationalsozialismus könne zu einer Mißachtung anderer rassisch gebundener Volkatümcr führen. , vSDna ist falsch. Wenn, der Nationolsbzialismüs gezwungen war, der erschreckenden Vorherrschaft des Judentums in seinem eigenen Volke ein Ende zu machen, so war das eine innerpolitiecho Notwendigkeit: Deutschlands. Es lag aber darin keineswegs der Gedanke der rassischen Überheblichkeit oder gar dor Verachtung anderer Völker. Wir sind überzeugt, daß in nicht zu ferner Zeit jeder Staat Und jedes Volk früher oder später die sinnlose Vermischung mit anderen Arten ublchnbn wird, ohne doch de'n anderen Mcnscnengruppcn auf dieser Welt an sich ihre Daseinsberechtigung oder auch nur ihren Wert für die Geschichte ini. ganzen absprechen zu müssen. Wir glauben im Gegenteil, daß gerade in der reihlichen Scheidung zwischen Blut und Blut, zwischen Gebt und Geist die einzige Garantie für ein friedliches Nebeneinander der verschiedenen Mehschenarten auf dieser .Erde gegeben ist. Wir hoffen rind glauben,'daß die bevölkerungs- und rdssertpolitischcn Maßnahmen Deutschland in einigen Generationen zu einem noch stärkeren und gesünderen Volke mäche» werden als wir es heute sind." Die Rückkehr von Steuerpflichtigen Der Reichsfinanzhof hat in einer Entscheidung festfestcllt, daß das Bestehen, eines Steuersteckbriefes kein Grund ist, er die Rückkehr eines Steuerpflichtigen in das Inland verhindern müßte. Zuf Verhandlung stand die Beschwerde eines Nicht'dricrs, der hri Juni'1933 Deutschland'verließ und sich seitdem bei seinem Sohn im Ausländ aufhält. Am 1. Februar 19.34 hat die in Deutschland verbliebene Ehefrau die ehelichje Wohnung aufgegeben', Um zu ihren' Elteirn zu ziehen. Die Beschwerde gegen den daraufhin erlassenen; S t eue f i te ckb r ier f würde als unbegründet zurückgewiesen. Der Reichsfinanzhoi stellt fest, daß der Beschwerdeführer spätestens am 1: Februar 1934 seinen inländischen Wohnsitz aufgegeben habe. Der Senat habe wiederholt ausgesprocherti daß die Ausreise von NichUriern in den unruhigen Zeiten des Jahres 1933 noch nicht zu der Annahme der Wohnsitz- oder, Aufenthaltsauf gäbe zu führen brauche. Treffe ein solcher Steuerpflichtiger aber nach" dein Eintritt geregelter Verhältnisse innerhalb einer, angemessenen Frist keine Anstalten zur Rückkehr, so müsse er gegen sich den Schluß gelten lassen, daß er die vielleicht anfänglich vorhanden gewesene Absicht der Rückkehr inzwischen aufgegeben habe. Besorgnis' vor Verhaftung beim Grenzflbertritt brauche einen Steuerpflichtigen von der Rückkehr nicht abzuhalten. Der Steuersteckbrief Bei aufzuheben; sobald sein Grund weggefallen sei. tmpfeMeHswette ^BmugsqueUen BERLIN [ Auktionatoren ][ Auktionator K. Arkiuth M.dj.o. übern. Villen- und Woqnungssuflos.; Verstelgerungen v.gaaien Nachlässen, auch Einzelmöbel tar Soramet versteig. jetzt: Schlüterstr. 37, J 2 5789 [ Bäckereien 1 Moritz C.efebre Uthrtnger Str. 16, D1 Horden 8011 Spu.: Waturu. BvtttrtfrcbM Lieferung irei Haus | Buchhandlungen | Oliva - Buchhandlung Antiquität tr. 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