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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-03-13 · 11 (13.3.1935) · page 6

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
11 (13.3.1935)
Date
1935-03-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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■ ' .'• v v..:.;"■ . , . Wer*s Ait den Weibern halt, der,hat die Männer auch; Und von dein niodcrn Volk, dos in der Irre wandelt, Wird Recht und Eigentum, Amt, Rang und Glück ver- " handelt. Ähasverusi Du irrst dich, guter Mannt Wie könnte das gcschch'n? Das alles muß nach mir und meinem Wissen gehh... Hainau i Gar mancher Bösewicht Ist unter diesem Volk, doch alle sind es nicht; Und vor unschuldigem Blut mög' sich dein- Schwert behüten! Bestrafen mma ein Fürst, nicht wie ein Tiger wüten. Das -Ungcheu'r, das sich mit tausend Klauen rejjt, Liegt kraftlos, wenn man ihm die Häupter niederschlägt. Ähasverusi O wohl! So hängt mir sie, nur ohne viel Geschwatze! Der Kaiser will es so, so sagen's die Gesetze. Wer sind sie? sag mir an. Hamani Ach, das ist nicht bestimmt; Doch geht man niemals' fehl, wenn man die . Reichsten nimmt. Ähasverusi Vermaledeite Brut; du sollst nicht langer leben! Und dir sei all ihr Gut und Hab' und Haus gegeben! Hamani Ein trauriges Geschenk! Ähasverusi Wer kommt dir erst in Sinn? Hamani Der erst' ist Mardochai, Hofjud' der Königin. Ähasverusi O weh! da wird sie mir kein Stundchen Ruhe , lassen!.. Hamani Ist er nur einmal tot, so wird sie schon sich fassen. Ähasverusi So hangt ihn denn geschwind und Iasst sie nicht zu mir! Hamani Wen du nicht rufen laßt, der kommt so nicht zu dir. Ähasverusi Wo ist ein Galgen nur? Hangt ihn, eh's jemand .spüret! Hamani Schon hab' ich einen hier vorsorglich auf geführet. Ähasverusi Und fragt mich jetzt nicht mehr) Ich hab' genug getan; Beschlossen hab' ich eB, nun geht'B mich nicht mehr an. Aus „Das Jahrniarktsfest zu" Plunderawellem". BEN CHORIN: Efther vor dem König In den Rhythmen ihres hohen Ganges Klang des herben Leides Lied. 1 Um die Lippen lag ein banges ' Ahnen, das vom Leben schied. Auf den Wogen der Gebete Ihres Volkes wallte sie LBngs der köstlichen Geräte Aus Topas und Lapislazuli. Biß sie in des Raumes Mitte, Von des Thrones Helle Obrstrahlt, Niedersank mit ihrer Bitte Vor des Königs zeitlicher Gewalt. """ Noch im Falle ihrer dunklen Haare . Sah er, dass sie nicht wie irgendeine Von den Frauen war: das Wunderbare Lag auf ihren Schultern und das Ungemeine VI Sprach aus jedem ihrer heißen Worte- ~ Da erkannte er und stieg herab . Von des Herrschers hochgetürmtem Orte Und gewahrte--und vergab. Aua Fritz Rosenthal (Ben Chorin): .Die Lieder des ' ewigen Brunnen a*. Verlag R. LSwlt, Wien und Leipzig. MAX BROD: Huldigung (Moräechai und seine Begleiter) Allesi Wir danken dir, Esther! Wir preisen deinen Ruhm, Esther! Wir segnen dein Haupt, Esther! (Sie tanzen um Esther) - Esther (zu Mordechai): Was wollen sie von mir? ■ Warum lärmen sie um mich? ', Mordechnii Es, sind die weisesten Männer des Volkes. Und höre, was sie beschlossen haben. Zum Andenken an deine Tat wollen sie ein Fest einsetzen, weil der Herr uns Ruhe geschaffen hat vor unserem Feinde —> ' Einen Und es soll das Fest der Lose heißen, weil Horn an das Los gegen uns geworfen hat ... ' Ein anderen Und wir schreiben es in eine Urkunde . . . '■!. Ein anderen Zum Gesetz für alle Zeitenl ' Ein anderen Zur feststehenden Pflicht für alle Geschlechter! Ein andereri Für uns und unsere Nachkommen! . Ein anderen Zum unabänderlichen Gebrauch für alle Städte und Provinzen!; ' Ein anderen Als einen Tag der Freude! . '. F Ein anderen Als einen Tag der Gasterei! . Ein anderen Einen Tag der Festgeschenkel; Ein anderer« Einen'Tag der Verkleidungen und der Schau spielet ' \- ■ ■ , Ein anderen Einen Tag der Almosen fürdie., Arinent Allei Ein Freudenfest für alle Ewigkeit! DAS BUCH ESTHER SCHLIESST MIT DEN WORTEN: Und es legte der König Achaschwcroaoh einen Tribut auf das Land und die Eilande des Meeres. Und die ganze Geschichte seiner Macht und Starke und die Erörterung von der Größe Mardechais, wie ihn der König groß gemacht, nun das ist geschrieben in dem Buche der Zeitgeschichte \ der Könige von Maidai und Paras. Denn Mardechai, der Jehudi, war der Zweite nach dem König Ächasehweroscb, und groß unter den Jeliudim, und beliebt bei der Menge seiner Brüder; er förderte das Wohl seines VoUces und redete zum Heil all seiner Nachkommen. Lehrreiche Schachpartie \ Von V. CARRICK Aus einem fernen Land kam übers Meer ein Künstler nach Jerusalem. Er zeigte ein eigenartiges Brett mit yierundsechzig genau markierten hellen und dunklen quadratischen Feldern und zweiünddreißig Figuren von verschiedener Gestalt. Von den Figuren stellte er je acht in den ersten zwei sich 'gegenüberliegenden Reihen des Brettes auf. Er sagte, die Figuren und'das Brett gehörten zusammen und bildeten ein Schachspiel von wunderbarer Art. Das Spiel fand reges Interesse, und bald vermochte der Fremde eine große Zahl , von Wißbegierigen in diese neue Kunst einzuführen. Die Kunde von dem Fremdling und seinem sonderbaren Spiel drang auch bis zum weisen König Salomo. Der Herrscher lud den Künstler zu sich in den Palast und ließ sich von ihm in dem neuartigen Spiel - unterweisen. König Salomo war begeistert. In kurzer Zeit wurde er ein Meister im Schachspiel. Niemand konnte sich mit ihm vergleichen. Nur der Fremde übertraf ihn. Aber bald kam der Tag, an dem der König auch Beinen Lehrer „matt setzte". Stolz auf seinen Sieg, forderte er den Fremden heraus, mit ihm sieben Partien zu spielen. Siogor oollto werden, wer die meisten Partien gewonnen hatte. „Wenn ich verliere, Fremdling, erhältst du die Hälfte meines Reiches", sagte der König. .' " ' „Allweiser 'Herr8cher^,''erwidertö''äer Gast,' „ich begehre nicht dein Reich, denn ich bin nicht zum .-Regieren geboren. Wenn du verlierst, so lege auf das erste-Feld des Schachbretts ein 'Weizenkorn, auf das zweite zwei, auf das dritte'vier, auf das vierte acht, auf das fünfte sechzehn und auf jedes der nächsten Felder immer wieder das Doppelte des vorigen, bis olle vierundzwanzig Felder mit der entsprechenden Zahl von Körnern belegt sein werden." König Salomos Antlitz verfinsterte sich, und er sprach: „Es ist eines mächtigen Königs nicht würdig, seine .Schuld mit Weizenkörnern zu bezahlen. Verlange, und ich gebe dir Rosse und- Wagen, schwarzäugige Sklavinnen, Gold und echte Edelsteine, soviel meine Schatzkammern bergen." „O König, ich brauche keine echten Edelsteine, brauche., keine schwarzäDgigen Sklavinnen, keine Rosse und Wagen. Lege, wie ich gesagt habe, die Weizenkörner auf die Felder des Schachbretts, wenn du verlierst." „Gut", lachte-König Salomo, „dein Wunsch soll erfüllt werden. Später kannst du dir Vorwürfe machen, daß du einen so kleinen Einsatz verlangt hattest." Der König und sein Gast begannen zu spielen. Zwei Partien gewann der Herrsche^ vier der Fremde und eine blieb unentschieden. Nun befahl König Salomo ein kleines Maß Weizenkörner zu bringen. Er legte auf das erste Feld ein Korn, auf das zweite zwei Kärner, auf das dritte vier, auf das vierte acht, auf .das fünfte sechzehn. Aber bald fehlte es auf den -Feldern eri Raum, und man mußte den . Fußboden zu Hilfe nehmen. Sie begannen die zweite Reihe zu belegen. Die Weizenkörner reichten nicht. Alsdann ließ der König noch zwei Maß Körner bringen und legte sie auf einige der nächsten Felder. Und wieder war ihre Zahl zu klein. Darauf befahl er die Sterndeuter zu sich uad sprach: „Ihr großen Meister, rechnet genau aus, wieviel Körner ich auf das Schachbrett des fremden Künstlers legen muß, damit ich ihm meine Schuld bezahlen kann." Die Sterndeuter entfernten-sich und rechneten lange. Dann traten Bie wieder vor den-König mit dem Ergebnis der Berechnung. Auch der Fremde war zugegen. „Allweiser König", verneigte sich einer der Männer, „ea ist fraglich, ob du ( überhaupt jemals imstande ww..viww8,t,.. dem Fiemdett'deine' Schuld zu"' bezahlen;'' BeBeTd.'eine Kornkammer'zu bauen von fünftausend Ellen Länge, dreitausendfflnmundert Ellen Breite und tausend fünfhundert Ellen Höhe, laß darin ein Jahr, ein zweites und noch drei Jahre hindurch die ganze Ernte aus deinem Königreich unterbringen, und wenn die Kornkammer bis unter das Dach angefüllt sein wird, gib sie dem Fremden. Erst dann wirst du deine Schuld getilgt haben." Erstaunt wandte sich König Salomo an seinen Gast: „Du hast gehört, Fremdling, was die Sternzfihler sagten. Wenn du die Höhe des Einsatzes kanntest, zu der du mich für meinen Verlust verpflichtet hattest,' weshalb hast du mich irregeführt? Weshalb ließest du einen Einsatz zu, der die Grenze meiner Leistungsfähigkeit übersteigt und mich zum Wortbruch verurteilt?" „Zürne mir nicht, allmächtiger König, daß du dein Wort brechen mußtest, daß du mir in völliger Unkenntnis der Dinge gegeben hattest", erwiderte der Fremde. „Ich hatte einzig und allein im Sinn, deinen erhabenen Geist durch eine neue Erkenntnis zu bereichern." „Wunderliche Dinge sprichst du, Fremdling. Wie sollte dein Schachbrett meinen Geist erleuchten? Erkläre mir den Sinn deiner Rede. Und wenn deine Zunge Torheiten spricht, so büßest du deine Frechheit mit dem Kopfe." „Ich bin bereit, großer König, dir den Sinn meiner Worte zu erklären." Der Fremde legte das Schachbrett auf den Tisch vor den König, nahm einen Haufen Weizenkörner und sprach: „Das Korn auf dem ersten Felde' bist du, erhabener König. Auf das zweite Feld lege, ich zwei Körner. Das Bind'dein Vater und deine Mutter,; die" dich zur iWelt brachten. Auf das dritte Feld lege ich. vier Körner. Das sind deine Großväter und deine Großmütter. Die acht Körner auf dem.vierten Felde sind deine Urgroßvater' und. deine Urgroßmütter, die deinen Großeltern das Leben gaben;' Die" sechzehn Körner auf dem "fünften Felde sind die sechzehn Yorfehren, die. deine Urgroßvater und Urgroßmütter das Licht, der Welt, haben;erblickem Tassen;" -' ,iHalt ein1-, rief der. König, „du. hast meinen GeiBt mit einer großen Erkenntnis, erleuchtet: es-gibt keinen Menschen auf' der Welt, der picht denselben Ursprung hätte, den auch ich'habe." „So ist es", sagte der Fremde. •'•' „Und wer« dem andern das Leben rauht,', raubt.:es seinem Bruder, wer dem'anderen etwas gibt, gibt es seinem Bruder, und wer dem-"anderen etwas nimmt, nimmt-es seinem Bruder." ■ „So Ist es", erwidert« Ar Fremde. „Das'ist aber .noch nicht alles. Wir hatten unsere; Wanderung in die Vergangenheit vom. ersten Felde des Schachbretts begonnen und hoben gesehen, daß es keine Menschen; gibt, die nicht Brüder wären. Nun laß .-uns in die künftigen Jahniiindertei wandern! Ich lege wieder'ein Korn auf . das erste Feld. Das bist du. Zwei' Körner auf dem zweiten Felde sind deine Kinder. Auf dos dritte Feld lege ich' vier Körner. Das sind die . Kinder deiner Kinder. Das vierte Feld bekommt acht Kömer. ' Das1 achte ' hwidertach'ttmdzwanzig. Das einundzivanzigste Feld eine' Million' achtundvie'rzigtaiiBend. fünfhuhdertscchsundsiebzig'" Körner." 1 Wieder unterbrach König Salomo den Fremden. „Ich sehe, ich sehe, sechzehn Millionen mebenhundertundsiebzigtauserid zweihundertsech'zehn Nachkommen ergibt , das erste Feld der vierten Reihe des Schachbretts. Und es dürfte auf dem ganzen Erdball kein Raum mehr sein für die Menschenzahl, die sich nach deiner Berechnung auf dem letzten Felde ergeben würde." „So ist es, erhobener König. Begreifst du die tiefere Bedeutung meiner Zahlen?" „Ich begreife sie: Wer dem anderen etwas zufügt, Gutes oder Böses, tut es den Nachkommen meiner Vorfahren." Und der allweise König Salomo sprang auf von Beinern Ruhebett und begann gedankenvoll das Gemach zu durchschreiten. Dann blieb er vor' dem Fremden stehen und sagte: „Du hast mit Hilfe deines Schachbretts meinen armseligen Verstand-erhellt. Du hast mir gezeigt, daß alle Menschen Brüder sind und eine Einheit bilden. Es gibt keine böse Tat, begangen am Einzelnen,--die:*nicht gleichzeitig an der ganzen Menschheit verübt worden wäre, wie es keine edle Handlung gibt, und sei sie noch so unbedeutend, die nicht allen Menschen zuguto käme. Und .nun, .Fremdling, sag,, welche. Belohnung du dir wünschest für .einen so unermeßlichen Dienst?" Der Fremde erwiderte: „Es gibt für mich keine größere Belohnung als den mir gewahrten Vorzug, deinen erhabenen Geist mit einer neuen Erkenntnis zu bereichern. Und wenn du in Zukunft deine Handlungen in Einklang bringst mit der neu empfangenen Erkenntnis, so sei die Stunde gepriesen, in der ich vor deinem erlauchten Antlitz erschienen bin, und gesegnet seien die.Wege, die mich in dein Land geführt haben." Der aUmächtige König Salomo kniete vor dem Fremden nieder und verneigte eich bis zur Erde. Einzig autorisierte Obertragung von Dr. Bernhard Hlrschberg-Schrader Legenden um die erften Juden in Deutfchland \ ■' Nach einer Mitteilung der „Fränkischen Tageszeitung" enthielt der Nürnberger Faschingszug auch einen Wagen und Gruppen, die deutsche Juden darstellen. - Das, Blatt bemerkt dazu: „Am heitersten . .' wurde die ausziehende Juden- «ippschaft, die in naturgetreuen Nachbildungen zu Bellen war, aufgenommen." Die Jüdisobe Buohverelnigunff bringt demnächst die lange orwartoto „Oojohiohto der Juden in Deutschland" von Profeasor-Ismor Elbogen heraus. Mit Erlaubnis des Verlages veröffentlichen wir nachstehend den Beginn des EinleitungBkapitels. Wann sind die Juden nach Deutschland gekommen? Was hat Bie bewogen, sich in einem von ihrer Heimat bo entfernten und so verschiedenen Lande anzusiedeln? Uber diese Fragen ist seit Jahrhunderten nachgedacht, auf sie in verschiedenster Form geantwortet worden. In Worms erzählte man, daß schön am Ende der Richterzeit Israeliten aus dem Stamme Benjamin dorthin ausgewandert waren, daß Esras Aufforderung zur Rückkehr ins Heimatland von ihnen > abgelehnt worden wäre, weil sie ein neues Jerusalem am Rhein gefunden hätten.' In Regensburg erzählte man, „die Juden hätten schon 300 Jahre vor Christi Geburt mit den Heiden zusammen dort gesessen, sie wollten auch eine Reliquie .von Moses' ersten steinernen Tafeln besitzen, aio sie bei ihrer Vertreibung 1519 in ihrem Toraschrein forttrugen. Zu Worms erzählte man auch, der dortige 'Judenrat habe sich mit' einer Bitte an König Herodes gewandt, um die Kreuzigung Jesu zu verhindern. In Worms, in Regensburg, in Ulm. und aridorwärts in Schwaben zeigte man ein Sendschreiben, in dem den dortigen Judengemeinden aus Jerusalem die Verurteilung und Hinrichtung Jesu mitgeteilt und eine Verwarnung vor den Umtrieben . seiner Jünger; hinzugefügt wurde.. Uberall wollte man das Original dieses Sendschreibens gesehen haben, an dem einen Orte in lateinischer, an einem anderen in deutscher oder französischer, wieder an einem in hebräischer Sprache. - In Wirklichkeit hat ein solches Original nirgends existiert, der Anlaß zur Erfindung des frommen Märchens ist völlig durchsichtig, es sollte das Alibi der Judenschaften beweisen, wenn in Zeiten der Verfolgungen gegen die „Gottesmörder" gehetzt wurde. Im Mittelalter wurden diese Märchen als Wahrheit genommen und die Berufung der Juden auf ihre lange Ansiedlung gelegentlich sogar von -nichtjüdischer Seite. als . gerichtliches ■ Beweismaterial verwendet. So bemerkt z. B. der Rat: der Stadt Mainz 1432 in einem Streit mit dem Bischof ausdrücklich: „dann die Juddeh. In zyt so sie zu Mentz gewest sind Nemlich funfzehenhundert Jar und lenger und ee der Stift zu Mentz. gepuwe(n) worde(n) ist." Auch die Juden von Worms berufen sich in einer Eingabe an den Kaiser Von Profeffor ISMAR ELBOGEN vom Jahre 1636 darauf, daß sie seit 1700 Jahren in der Stadt wohnen. In beiden Fällen wird die Behauptung, daß die Juden bereits vor Christi Geburt am Rhein gesessen haben, in amtlichen Schriftsätzen als unwiderlegbare Tatsache vorgebracht und ohne Widerspruch angenommen. Eines aber verdient Beachtung. Diese Mär wurde nur in solchen Orten am Rhein und an der Donau erzählt^ die alte römische Heeresla_ger oder Befestigungen waren und an der verschanzten großen Grenzlinie, dem Limes, logen. Das weist darauf hin, daß die. Juden von Gallien her ins Land . gekommen sind, wenn nicht in vor-, so doch in frühchristlicher. Zeit. Als Kolonisten, Kaufleute'oder'Handwerker sind Bie mit den Römern mitgezogen. Vielleicht sind einzelne auch als Soldaten hingekommen. Man hat in Mainz Grabsteine voii römischen Soldaten aus' Ituräa, einem Gren'zlond' Palästinas, ausgegraben, es werden dort vielleicht auch jüdische Soldaten gestunden und '.ihr Grab gefunden haben, '— aber eine Gemeinde konnte Bich aus diesen Soldaten nicht bilden, denn,' im Gegensatz zu den Germanen, war den römischen Soldaten verboten, Frau und Kinder im Heerlager zii haben. Als nach den Siegen der Kaiser Titus und Hadrian Hunderttausende von Juden: in die Sklaverei verkauft wurden, wird, wie in anderen westlichen Landern, ihre Zahl auch in Deutschland zugenommen' haben; Auch darüber gab es seltsame Berichte. Einer aus dem alten Geschlecht1 der Dalbergs soll viele Juden aus Palästina mitgebracht, dreißig davon der. Stadt'Worms für'einen Silberling verkauft haben, die sie lange als Sklaven'hielt, dann aber freiließ.. Nach einem andern Bericht erhielten Vonfionen aus dem WortriBgau, die im Heere des Titus gekämpft atten, von ihm schöne jüdische Mädchen zum Geschenk, die sie in die Heimat mitschleppten, zu Müttern machten, aber nicht hinderten, ihre Kinder als Juden zu erziehen. So erklärte man den Ursprung der Gemeinde Worms und begründete ihr Heimatsrecht;- man. nahm dabei sogar die Schmach der Abstammung von unehelichen Mischlingen in Kauf.. .; Auch Denkmäler nus der grauen Vorzeit wollte man > überall besitzen, selbst in Halle, dem schwäbischen-und dem saalischen. In Worms wurden bei einer Verfolgung im Jahre 1615 jüdische Grabsteine zertrümmert, darunter einer, der angeblich fünfv zehnhundert Jahre alt war, in Mainz um 1400 ein Grabstein } gefunden, der elfhundert Jahre vorher errichtet war. Wir wissen, wie wenig Glauben solche allgemeinen Zahlenangaben' verdienen,

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