Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 11 (13.3.1935)
- Date
- 1935-03-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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2. Beilage 13. März 1935 JÜDISCHE AUGEMEIW ZEITUNG ' PURIM-REVUE 5 Bilder von Hans Sachs, Frans Grillparzer, Johann Wolfgang v. Goethe, Ben Chorin und Max Brod Der dramatische EBthcr-Stoff mit der Gegensätzlichkeit scinor Charaktere hat von jeher Maler und Schriftsteller zum Schaffen angeregt. Namentlich in der Roformationszcit haben sich die Stückcschrcibcr in naiver Freude dieses Themas bemilchtigt, wobei sie sich allerdings möglichst genau an die Vorgänge des Buches Esther anlehnten. Hans Sachs hat sich zweimal mit dem Stoff befaßt. Ein Esther-Stück gehörte auch zum Hepertoiro jener englischen Komödianten, für die Shakespeare seine Stöcke geschrieben hat. Fast unübersehbar ist die Zahl der Purimspielc, die allerdings in völlig unlitcrarischer Form die Geschichte von Hamon, Esther und Mordcchai behandeln. Im 17. Jahrhundert war es vor ollem Racine, der Esther auf die Bohne brachte, die übrigens später eine der berühmtesten Rollen dor jüdischen Schauspielerin Rachel wurde, während Goethe in seinem „Jahrmorktsfcst zu Plundersweilern" das Puppenspiel von Esther nur zu einer kecken Verspottung einzelner literarisch bekannter Zeitgenossen benutzte. Erst Grillparzer und in unserer Zeit Mai Brod hoben den Stoft modern umgebildet und die Charaktere »mit eigenem Geist erfüllt, wie die Behandlung des Esther-Stoffes sich gewandelt hat, sollen die nachstehenden einzelnen Szenen zeigen. SO BEGINNT DAS BUCH ESTHER: 1. Und es geschah In den Tagen des Achaschweroseh, desselbigen Achaschweroseh, der regierte von Hodu bis Kusch, hundertirndslebenundzwanzlg Landschaften; 2. In jenen Tagen, als der König Achaschweroseh saß auf seinem Königsthrone, der in Senuschan, der Burg, war, 3. Im dritten Jahreseine« Regierung, daß er ein Mahl machte, für all seiner Fürsten and Diener, das Heer von Paras und Madai, die Edeln und die Obern der Landschaften, die vor ihm waren] 4. Inden» er sennr ließ den Reichtum und die Fülle seines Königreichs und die Pracht and den Glan seiner Größe, eine lange Zeit, hunaertundachtzig Tage. 5. Und als diese Tage tun waren, machte der König für alles Volk, das sich vorfand in Schnschan, der Borg, von* Groß bis- Kfein, ein Mahl von sieben Tagen, im Hofe des Schlbßgartens des Könige. 6. Weiße, grüne and hunmelblaae Vorhänge befestigt mit Schnüren, von Byssua und PurpurwoHe um silberne Walzen und MarmorßBulen; Polster von Gold und Silber auf einem Estrich von Porphyr und Marmor, und Dar und Soehereth. 7. Und das Schenken geschah in goldenen Gefäßen, und zwar in unterschiedenen Gelfißen; und königlicher Wein in Fülle, nach Vermögen des Königs. 8. Und das Trinken geschah nach Gebühr ohne Zwang; denn also hatte der König verordnet jedem Vorgesetzten seine» Hauses, zu tun nach dem Willen eines Jeglichen. 9. Auch Waschti, die Königin, machte ein Mahl für die Frauen, im Königshaus« des Königs Achaschweroseh. 10. Am siebenten Tage, als des Königs Herz fröhlich war durch den Wein, gebot er Mehuman, Bista, Charbono, Bigta und Abagfa, Setar und Karkas, den sieben Hofbedienten, die den Dienst hatten, vor dem Angesicht des Königs Achaschwerosch, 11. Zu bringen Wascht!, die Königin, vor den König mit der königlichen Krone, um zu zeigen den Völkern und Fürsten ihre Schönheit, denn schön von Ansehen war sie. 12. Aber es weigerte sich die Königin Waschti zu kommen auf das Wort des Königs, durch die Hofbedienten. Da erzürnte der König sehr, und sein Grimm brannte in ihm. HANS SACHS: Brautwahl in Sufa Der König (gehet ein mit dem hofmeistcr und all seim hofgesind, und spricht): Vosti, die königin ist ausstrichen, Habt ir in meün reich ausgeschrieben Noch adelich schönen junckfrawen, Wie ich euch sollicliB thet vertrowen? Sind etlich kommen gen Susan? Hammon (der fürst spricht): Durchleuchtiger könig wir han Herbracht manch edle junckfrow zart, Die zeucht und schmückt königliqher ort Hegay nun zehen monat, Nach deinem willen und mandat Auss allen landen hergenommen. Der Königi So geht und heyst eine herkommen, Dass mir mein leyd geringen werd, Weyl ich mit trawren bin beschwerd. Hegay (der kämmerling spricht): Wol unter alln junckfrawen rein Ist sie die tugendhofftst und züchtigst Und wird dem könig die aller tu chtigBt; Sie ist wol zogen und gar adelich. Aus: Die Korne dl der konlgln Heiter. GRILLPARZER: Die Begegnung Kostbares Zimmer im Innern des Palastes Königi Wie heissest du? Esther« Nun eben,-Esther Herr! Hodassa nennen mich des Hauses Nachbarn. Ich brauche Beistand nicht, noch Rat noch Hülfe, Und meine Sorgen schlicht ich alle selbst. Du aber auf der einsam steilen Höhe, Belastet mit der Sorge um so Viel, Du brauchst die Helferin, brauchst dio Genossin, Der du binüberschieben kannst die breite Last Und sagen: Haiti derweil ich einmal atme. O, dass — traust du den Männern nicht des Hofs — Du irgend zu mir sprächest: Geh, Hodassa, ' Und hole mir die Herrin meines Glücks, Die unersetzte, schwervermißte Freundini Königi So weiset du, wo sie wellt? Estheri Hai dos war Misstraun! Willst du Vertrauen und hast es nicht? Suchst Neigung, Und hegst Verdacht? O armer, armer FürstI Das Edle, Hohe kauft Bich nicht, man tauscht es, Und man erhält so viel nur als man gibt. Königi. Wohl also denn, du kennst sie nicht, dio Frau, Für die du sprichst, du. lobtest sonst sie minder. Denn sie ist stolz. Esther i Auf dich. Königi Rachsüchtig. Esther: Gib Ihr nichts zu rächen. Königi Eifersüchtig — Estheri Herrl Die Eifersucht der Fraun ist Liebe Btets, Die Männer nur sind» auch aus Eitelkeit. Königi Nun denn, sie liebt mich nicht. Estheri (siebt ihn rasch an und dann zu Boden) Königi Hörst du, Hodassa? Sie liebt mich nicht und hat mich nie geliebt — Was schüttelst du dein Haupt und glaubst mir nicht? Estheri Das wäre freilich schlimm. Königi Esist, es ist, Hadassa ... Estheri Sonst dächt ich, Herr, — Königi Wie nur? GOETHE: Die Audienz Konrad Witz: Ahasverus und Esther (15. Jahrhundert) Aura.: Irma Opbn, Borlia Esther: Was Hebenswert — Man liebt es wohl? König: Auch du? Estheri Die Fürstin eben. "König: Und sagst Das all mit abgewandtem Bück? Estheri Was nützt es auch? War falsch, was ich gemeint? Dann ist denn nicht zu raten, noch zu helfen. Und also will ich gehn. Mein Oheim harrt, Schon macht ihn etwa bange mein Verweilen. Weiß ich doch kaum die Türe, wo ich eintrat. Königi (auf die Seitentüre rechts zeigend) Ich denke, hier. Estheri So, Herr, denn, lebe wohl I Und wenn — Königi Was meinst du? Estheri Wenn zu kühn ich sprach — Königi Nicht kühn, nur wahr. Auch was du nicht sprachst, Hoff ich, »ei wahr. Estheri Ich weiss nicht, was du meinst. Und so Noch einmal, Herr, leb wohl. Königi Auch du, Hodassa. Esther (ab) König: (an der Mitteltüre) Human I Hamani (eintretend) Gebieterl Königi Wer ist dieses Mädchen? Von woher kam sie? Wer sind ihre Eltern? Hamann: Wenn du befiehlst forscht man mit Eifer, Herr. König! Losa nur! Hamant Und zürnst du noch? Königi (ihm die Hand zum Kusse reichend) Der Zufall führt, Wie denn so oft, des Unverstandes Sache. (Auf einen Wink des Königs entfernt sich Hornau durch die Mitteltür) Esther (kommt zurück): Hier ist kein Ausgang. Reiche Pninbgemächer Verdoppeln sich in endlos langer Reihe, Und überall Diener, deren stummes Neigen Nachahmt die Einsamkeit und all ihr Schweigen. Hier ist kein Ausgang, Herr! Königi Ein Eingang denn! Weisat du? Du warst in meinen Zimmern! Estheri Wehl Königi Dünkt dir Dos schlimm? Und wie nun, wenna dein Looa, Iii eben diesen Zimmern künftig etwa — Estheri (auf dio Mitteltüre zeigend und drauf hingehend) Hier ist die Tür, durch die ich kam, ich seh's. , Königi (sich vor die Türe stellend) Nicht eher, bis du Rede mir gestanden I Wie nun, wenn ich dir sagte: bleib, Hadassa, Versuch', ob du mich findest wio ich dich. Aus dem Fragment .Eithet". (Man sieht an der Seite einen Thron und einen Galgen in der Ferne) Symphonie Kaiser Ahasverus. Hamon. Ahasverus (tritt auf und spricht): Sieh Hamon — bist du da? Hamani Ich warte hier schon lange. Ahasverusi Du schläfst auch nie recht aus; es ist mir um dich bange. (setzt sich) Hamani Wie bin ich, Gnädigster, voll Unmut und Verdruss, Dass ich heut deine Ruh gezwungen stören muß! Ahasverusi Was Ihr zu sagen hobt, bitt' ich Euch — kurz zu sagen. Hamann i Du kennst das Volk, das man die Juden nennt, Das ausser seinem Gott nie einen Herrn erkennt. Du gabst ihm Raum und Ruh, sich weit und breit zu mehren Und sich nach seiner Art in deinem Land zu nähren; Du wurdest selbst ihr Gott, als ihrer sie verstiess Und Stadt und Tempelspracht in Flammen schwinden liess: Und doch verkennon sie indir den güt'gen Retter, Verachten dein Gesetz und spotten deiner Götter; Dass selbst dein Untertan ihr Glück mit Neide sieht Und zweifelt, ob er auch vor rechten Göttern kniet. Loss sie durch ein Gesetz von ihrer Pflicht belehren Und, wenn sie störrig sind, durch Flamm* und Schwert bekehren I Ahasverusi Mein Freund, ich lobe dich: du sprichst nach deiner Pflicht; Doch wic's ihr ondro seht, so sieht's der König nicht. Mir i5t es einerlei, wem sie die Psalmen singen, Wenn sie nur ruhig sind und mir dio Steuern bringen. Haman: Ich seh' GroßmächtigBtcr, dir nur gehört das Reich, Du bist an Gnod' und Huld den hohen Göttern gleich! Doch ist das nicht allein: sie haben einen Glauben, Der sie beiechtigt, die Fremden zu berauben, Und der Verwegenheit stchn deine Völker bloss 0 König, "«uümc nicht! deh'ri die Gefahr ist "gross. Ahasverusi Wie wäre denn das jetzt so gar auf einmal kommen? Von Mord und Strossenraub hob' ich lang nichts vernommen. Rembraudti Verurteilung des Haman Aufn.: Irma Colin. Berlin Hamani Auch ist's das eben nicht, wovon die Rede war: Der Jude liebt das Geld und fürchtet die Gefahr. Er weiss mit leichter Müh, und ohne viel zu wagen, Durch Handel und durch Zins Geld aus dem Land zu tragen. Ahasverusi Ich weiss das nur zu gut. Mein Freund, ich bin / nicht blind; Doch das tun andre mehr,-die unbeschnitten sind. Hamani Dies alles Ii esse sich vielleicht auch noch verschmerzen: Doch finden Ble durch Geld den Schlüssel aller Herzen, Und kein Geheimnis ist vor ihnen wohlverwahrt. Mit jedem handeln sie nach einer eigenen Art. Sie wissen jedermann durch Borg und Tausch zu fassen; Der kommt nie los, der Bich, nur einmal eingelassen.' Mit unsern Weibern auch ist es ein übel Spiel; Sie haben nie kein Geld und brauchen immer viel. Ahasverus» Ha, ha) das gebt zu weitl Ha, ha, du machst mich lachen; Ein Jude wird dich doch nicht eifersüchtig machen? Hamani Das nicht, Durchlauchtigster! Doch ist'» ein alter Brauch,