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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-02-13 · 7 (13.2.1935) · page 5

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
7 (13.2.1935)
Date
1935-02-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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2. Beilage 13. Februar 1935 JÜDISCHE AUGEMEME ZEITUNG ,i Max Liebermanns Weg alsKünftler und Jude In einem ergreifenden künstlerischen Bekenntnis zu seinem 75. Geburtstag hat Max Liebermann gesagt, daß die Größe und die Kraft der künstlerischen Persönlichkeit dos Entscheidende in der Kunst Bei. Er hat damit den Kernpunkt dessen getroffen, wob sein reiches und wandlungBroichcs Lebenswerk zu einer Einheit zusammenschließt und ihm unvergänglichen Wert verleiht. Mannigfache Einflüsse haben Liebermanns künstlerischen Charaktor gestaltet. Er hat bei den Meistern von Barbizon golernt, er hat sich von Courbets Wucht beeindrucken lassen und sich zu der klaren Ruhe Millctschcr Gemälde hingezogen gefühlt. Rcrnbrandta Radierungen, die Impressionen des Franz Hals und die Innigkeit des holländischen Meistere Israels übten starken Einfluß auf ihn aus. Doch in stetem inneren Formen an sich selbst; in dauerndem Sichlüutern und Weiser Ausnutzung aller gestaltenden Kräfte hat er alle Einflüsse und Eindrücke inB Persönliche, nur ihm Eigentümliche gewandt, zu einer Geschlossenheit, die sich zielbewußt und selbstsicher entfaltete. Allen Hemmungen, Wirrnissen und Angriffen, denen er namentlich im Anfang bcuics Schaffens ausgesetzt war, zum Trotz. Seine Kraft ist, verschieden entwickelt, doch stets die gleiche geblieben, von den „Günserupforinncn" an, dem in der Sicherheit der Zeichnung und der Schürfe der Charakterisierung verblüffenden Werk des Zwanzigjährigen, bis zu den farbig funkelnden Gartenbildern des greisen Künstlers und dem an die Kunst des Franz Hals gemahnenden Bildnis des Berliner Chirurgen Professor Sauerbruch aus dem Jahre 1932, ein Jahr bevor er daB Ehrenpräsidium der Preußischen Akademie dor Künste, die er, sieben Mal wiedergewühlt, 12 Jahre lang als Präsident geleitet, niedergelegt hat. * Bis in die letzten Wochen seines Lebens war Max Liebcrmonn, dessen Werk nicht nur in der Kunstgeschichte EuropaB, sondern auch in der Geschichte des Judentums einen ewigen Ehrenplatz hat, Kampfobjckt der öffentlichen Meinung. Noch kurz vor ihrem Eingehen nannte die „Deutsche Zeitung" gelegentlich der Ausstellung zweier Bilder Max Liebermanns in der Hamburger Kunsthalle ihn einen „Renommierakademiker und Akademiopräsidenten der Systemzeit". „Wir lehnen", hieß es in dieser Kritik, „Liebcrmonn nicht nur aus rassischen, sondern auch aus künstlerischen Gründen mit aller Schärfe ab. Liebermann hat als Salonmaler der deutschen impressionistischen Schule unter stärkstem Einfluß des französischen Impressionismus immer abseits von allem werthaften deutschen Kunstschaffen gestandon. Sein beherrschender Einfluß auf die preußische Akademie hat das Berliner Künstlebon in der Systemzeit ta verhängnisvoller-Woise eingeengt und auf unfruchtbare Bahnen geführt." » Liebermann war, wie er von sich selbst einmal gesagt hat, „kein VerwondlungBkünstler". Er hätte ein zweiter Menzel werden können, aber er wurde ein andächtiger Schilderer des Alltäglichen, des Lebens in allen seinen Formen und Erscheinungen, nicht in der Muffigkeit und sentimentalen Atmosphäre des Ateliers, sondern im freien Licht der Natur. „Nur wer den Odem Gottes und der Natur Bpürt, wird in Wirklichkeit lebendig gestalten können", hat der Fünfundsiebzigjührigc in seinem „Credo" bekannt. So hat der um die Jahrhundertwende als „Häßlichkeitaapostel" verschriene Künstler das Leben ins Malerische übersetzt. Er hat es eingefangen im grellen Marktgcwimmol des Amsterdamer Ghettos, auf dem Haarlemer Schweinemarkt, in den Biergärten Münchens. Er hat die Natur belauscht in den holländischen Dünen, am Strand, in sonnendurchlcuchtctcn Baumallccn, und immer ist seine Kunst voller Klarheit und innerer Wahrhaftigkeit. Ob Ölgemälde, Pastell, Zeichnung oder Radierung — im Kleinsten noch wirkt sich die große Gesinnung aus. Die frühesten Arbeiten Bind in ihrer Weise schon ebenso AusdruckBfonn einer menschlichen und künstlerischen Persönlichkeit wie die letzten. Der Mensch, schreibt sein Biograph Karl Schettler, der hinter diesem Werk stoht, hat sich im Tiefsten nie verändert; er war in der Jugend schon weise und ist im Alter noch jung. Es zeigt sich, daß Liebermanna-Natur so stark ist, daß er ,gar. nicht schlechte Kunst hätte raachen können, wenn er auch gewollt hätte. * Liebermann ist stets bewußter Jude gewesen. Trotzdem nehmen jüdischo Motivo-in seinem Lebenswerk nur einen winzigen Raum ein. Man kennt von ihm aus seiner Frühzeit das Bildnis eines Rabbiners. In einer Ausstellung der Berliner Sezession, dio er begründet hat, war eine biblische Szene „Simeon und Da lila" zu sehen. Aber seit sein Gemälde „Jeaus: im Tem - p e 1", zu dem er übrigens die Modelle aus christlichen Spitälern Münchens genommen hatte, auf der Münchener Ausstellung im Jahre 1879 große Aufregung verursacht hatte, schien er der Behandlung solcher Themen abgeneigt zu Bein. Ein ,Meister des Porträts, hat er natürlich auch Bildnisse jüdischer Persönlichkeiten geschaffen. Darunter dasjenige H e r - mann Cohens, dessen Züge er in den verschiedensten Techniken seiner Kunst festgehalten hat. Das Tiefste an Mcnschengcataltung hat Max Liebermann wohl in der großen Anzahl der Selbetportrfi.ts Beines, Alters gegeben, von denen er eines dem Berliner Jüdischen Museum zum Geschenk gemacht hat. Daß Liebermann dich stets als jüdischer Künstler gefühlt hat, dafür gibt es zahlreiche Beweise. So hat er sich einem Besucher seine» Ateliers gegenüber \<fi langen Jahren auch einmal über die Rassenfrage geäußert. „Ich haite", raeinte er, „die Vermcngung anderer Rassen mit der jüdischen für nachteilig. Nota hene: ich meine für die Juden. Ich bin Judo, und ich bin stolz darauf, rassenremer Jude zu sein. Die beiden verschiedenen Hälften ergeben eben nie oin harmonisches Ganze. In der Kunst wenigstens waren nur rassenreinc Juden schöpferisch wahrhaft bedeutend. Denken Sie an Israels beispielsweise." Und auf den Einwurf des offenbar nationaljüdisch gesinnten Besuchers, daß Liebcrmann ja dann wohl auch dio Idee des Zionismus sympathisch sein müsse, entgegnete der Künstler rasch: „Nein, warum dcmi? Ich verstehe dio Rassenfrage nicht politisch. Die Juden sollen in Deutschland Deutsche, in Frankreich Franzosen sein." Darauf brannte Liebcrmann sich eine frische Zignrrc an und wandte sich anderen Themen zu. Und Karl Schefflor erzählt von ihm: „"Niemals werde ich einen Winternachmittag in seinem Atolicr vergessen, als ich zu ihm gegangen war, um für einen mittellosen Künstler eine jener Unterstützungen zu erbitten, die er - in der Stille reichlich und gorn gab. Er selbst führte das Gespräch auf sein Judentum. Und während es im Atolicr dämmrig wurde, ging der 03jährige rastlos im Raum umher, zitternd vor Erregung und Loidcndchalt, sich in soinor Rade überstürzend und in Augenblicken 211 einer fast ulttcstamcntarischcn Heftigkeit der Empfindung emporwachsend. Es hatte etwas Erschütterndes, selbst aus dem bedeutenden Altcrsuntlitz dieses ruhmreichen deutschen Künstlers die Züge des AhasvcruB, des ewigen Wanderers, hervorblicken zu sehen, den Anklagen zuzuhören, denen nichts zu entgegnen war, weil sie von diesen Lippen kamen. Niemals aber habe ich auch stärker als in diesen Augenblicken empfunden, wie tief Licbormann den Deutschen verbunden ist, wie sehr er das Land, in dem er lebt und arbeitet, in dem er gokümpft und gesiegt hat, liebt." * Max Liebermann ist tot. Seine Kunst ist unvergänglich und sie wird, um dnB Wort eines bedeutenden Kenners zu zitieren, in allen kommenden Zeiten leben und bieten, was der stärksten zeitlichen Kunst zu bieten obliegt: das Bild ihrer Zeit. Sic wird nicht Stürme der Liebe und des Hasses erregen, sie wird mehr zum Auge des Kenners als zum Herzen des Enthusiasten sprechen. Aber sie wird den Menschen dos bedeutende Bild eines Menschen enthüllen, ein Bild dor BehcrrBchlhcit und Beherrschung, der Vornehmheit und Meisterschaft. E. Ta. p Die Berliner Prejfe zum Tode des Malers Dor „Völkische B 0 o b u c h L o r'' schreibt; Daß uns die Malerei Liebermanns vom Boden cinor rassisch verbundenen 'Kunstanschauung völlig fern* steht, wäreals sachliche Feststellung vorauszuschicken. Liebermanns Malerei, Jahrzehnte überwertet, ist eine "typische Reflcxkunst insofern, ala Liobermanu durch und durch ein Epigone des französischen Impressionismus war . .; Man kann auch als allgemein bekannt voraussetzen, welche eigenwillig-despotische Rollo Liebcrmann im Berliner kuustlcbcn gespielt hat. Sein großer Einfluß begann noch vor dem Kriege, uut dem Boden üer von ihm zu einer Spaltung geführten Sezession, und dieser Einfluß stieg noch nach dem Kriege in ganz besonderem Maße, indem Liebermann uls der Künstler des marxistischen Staates zum Präsidenten der Akademie aul'Bticg. Von dieser Machtposition aus, die er bis zum Jahre 1933 behauptete, war Liebermann der absolute Beherrscher des Berliner Kunstlobens. Sein zynischer Witz, der sich gegen alles irgendwie Nationale oder Völkisch-Gebundene in dor Kunst wandte, uut ihn vielleicht berühmter gemacht als seine Malerei, die zuletzt immer leerer und üußerlichor wurde . . . ' Liebermann war Bicherlich eine Persönlichkeit, welcher Art und welcher Richtung, das festzustellen, wollen wir der späteren Geschichtsschreibung überlassen. Wir können nur feststellen, was er war — und daß er nur seinem Wosensgcsetz nach gewirkt hat. Die ,,D 0 u t a 0 b o, A.1.1 g.e.m o i n e Zs.i t.u a g" widmet . dem langjährigen frUheron Präsidenten dor Akademie der Künste oinon lüngoren Nachruf, in dorn m hoiut: Max Liebcrmann war von Grund auf Berliner. Nicht nur, weil er hier geboren, weil er, wie ein Dczcniu'um früher Hans v. Marcs, hier bei Steffcok sich die Anfänge seiner berlinischen Sachlichkeit erworben hatte; nicht nur, weil er schon vom Vater her das schöne, alte Haus an der NordBeitc.des Brandenburger Tores besaß und trotz Weimar Und Frankreich und Holland die wesentlichsten Teile seines Lebens in Berlin verbracht hatte. Es war etwas vom Geist dieser Stadt in ihm, im Guten wie im weniger Guten. Und es war kein Zufall, daß er in den vergangenen Jahren vor der großen Wende das künstlerische Leben der Rcichshauptstadt maßgeblich beeinflußte. Zuerst in der Sezession, die recht eigentlich sein Werk war, nachher in der Akademie, die unter seiner Leitung versuchte, Mitarbeit an dor Erhaltung des künstlerischen Lebens dieser Stadt zu leisten. (i ViclcB von dem, was er gemalt hat, wird absinken und vergessen .worden; diese eigentliche Leistung Beines Lebens, das i'raditionsbildcnde, das Zusammenfassen der Kräfte Berlins in der Sezession wird immer iJcbc'rmunns Verdienst bleiben. Ganz abgesehen' davon, daß er daneben technisch bedeutende Bilder gemalt hat ... Liebermann wird den Späteren zur einen Hälfte als der Maler gelten, der der impressionistischen Phase in der norddeutschen Kunstbewegung des 19. Jahrhundert dio spezifisch berlinische Prägung gab, zur andern' Hälfte als der Mann, der diese seine Auflassung vom Notwendigen und Zeitgemäßen in der Kunst konsequent realisierte und organisierte und damit vielleicht selbst den Boden schuf, auf 'dem das wachsen konnte, was ihn und sein Werk früher oder später einmal ablösen mußte. J>or „Berliner Lokalaazeigor" gibt oinou kurzen biographischen Abriß und zieht aus dorn Überblick über Liobe.rraanus Schaffen,. wie ihn dio Ausstellung dor Akademie im Jahre , 1927 vormittelto, diese Schlüsso: Ganz ähnlich. wie Hofmannsthal war Liebcrmann eine frühe und frühfertige Begabung. Wohlhabend, intelligent, beweglich, begriff und ergriff er sehr schnell die Dinge, dio zumal 'in den siebzigor und achtziger ■ Jahren in der europäischen Luft lagen. Es war die Zeit, dio sich selbst den Namen des „Impressionismus" verlieh. Eine -Zeit, dio in. berechtigtem Abwehrkampfe stand gegen erblaßte Akodemik und verniedlichte Romantik. Aber die Waffen zu diesem Kampfe, bezog Max Liebermann nicht aus der Tradition- Deutschlands — dies wäre durchaus möglich gewesen —, sondern vornehmlich auB Paris. Thoma, . Corinth, Slcvogt, die, jeder auf seine Weise, sich zu wehren suchten, gerieten in Licberraanns Schatten. ,Es ist noch, 'nicht lange her, daß man weiß, wie sehr ihn jeder'von diesen Dreien überragt I Der äußere Weg war nicht ohne Glanz. Hier' hat Liebcrmonn alles erreicht, was ein Künstler nur erreichen: kann. Sein persönlicher Einfluß war dank seiner Intelligenz in manchen Jahren außerordentlich. Fleißig und zäh hat er mit seinem Pfunde gewuchert, aber er blieb doch der-Mensch zwischen den Grenzen. . Ja .' eineni - ersten Bericht zum Todo Max Lioborräanns schreibt -die „Berliner B6r««n»eitu08": Er leitete vor dem Kriege die Sezession und nach der Revolution von 1910 die Akademie.. Er hat. in seinem langen Leben zahllose Werke geschaffen. Er wor Bbgar noch im letzten Jahrzehnt seines Lebens unermüdlich tätig.; Er war ein Schüler von Steffeck und später stark von Israels beeinflußt. Er hat den Impressiomsmus vertreten, ohne ihm .jedoch eine deutsche Form geben zu können wie Slevogt und Corinth. JSr. war jedoch ein handwerklich außerordentlich. begabter Moler. Dieser Tatsache, s'einöm Machtstreben. und der Hilfe einer kulturpolitischen Strömung, die seit 1933 in Deutschland ausgeschaltet ist, verdankt er seinen großen Erfolg und seine Berühmtheit. Ober seine Stellung in der Malerei der letzten Jahrzehnte und über dio Überschätzung seines Werkes wird demnächst noch etwas ausführlicher zu reden sein. ' In dor ..Berliner Illuatrierteu Nucht a.u s - g a b 0" heißt es: Seine äußeren Erfolge sind bekannt. Der Schlußstein wur dio Präsidentschaft der Preußischen Akademie der Künste, von der er vor zwei Jahren zurücktrat. Der Jugend, die nicht so wollte wie er, bezeugte er seine Abneigung bis zu dem Wort: „Der KttiiBtlcr, der auf die Darstellung der Erscheinungen verzichtet, ist ein Idiot". Fleiß und Intelligenz ließen ihn vieles erreichen, aber die unmittelbare Vision, dus geistige Schauen des. imieren Auges, das bei dem sterbenden Corinth so leuchtend aufstrahlte wie ein großer Durchbruch der Gnade, blieb ihm versagt. Wie seine Werke, losgelöst von allen Bedingtheiten, von Richtung und Zeit, ab absolute Werte bestehen worden, wird die Geschichte zu entscheiden haben. Die „B. Z. am U i 11 a g" sohralbt in 23 Zeiloa a. a.: Der Entwicklungsgang von seinen frühen, populärsten Gemälden mit ihren votltouigcn Farben bis zu schien späten Gartenbildcrn vom Wannsce bedeutet eine Entwicklung, die von gradliniger Folgerichtigkeit ist. Bei s.pincm Zeitgenossen. Lovis Corinth kann man da und dort auf besondere Meisterwerke hinweisen, und seine allerletzte Zeit als die überraschende Gipfelung seines malerischen Werkes preisen. Bei Liebcrmonn aber liegt in dor •icschlossenen Einheitlichkeit und relativen Gleichwertigkeit seiner Gemälde, Zeichnungen und graphischen Blätter das Imposante seines Schaffens. Eigentliche Meisterwerke zwischen fragwürdigerer Produktion fehlen bei ihm. f In dorn Nuchruf dos „B o r 1 i n 0 r Tageblatt" wird u. a. folgondes auagotührt: Liebermann .gehört zu den ganz wenigen bedeutenden Malern, die in Berlin geboren sind. Und er ist mit dieser Stadt, deren mächtigen Aufstieg er erlebte, untrennbar verflochten; nicht nur, daß er die Linie Chodowiceki—Menzel auf seine Wciso fortgesetzt hat — der junge Liebermann stand eine Zeitlang dem Pictor Berussiao nahe — er hat diese Tradition trngfähig gemacht. Er hat den kolonialen Charakter Berlins überwinden helfen. Entscheidende Züge seiner Persönlichkeit sind ohno Berlin nicht zu denken. In Liebcrmann steckte — es laßt sich nicht anders sagen — etwas Preußisches. Zucht und Disziplin regulierten sein Lehen. „Bei uns geht alles nach dor Uhr." Als Berliner aber verfügte er auch über den Mutterwitz und die Skepsis des Großstädters/ Aber er wäre nicht der Repräsentant seiner Zeit, wäre er von dem Problematischen unbelastet geblieben. Es steckt nicht in Einzelheiten, sondern bestimmt Bein Wesen ... Ein Künstlcrlcben voller Zucht und Klugheit, ohne Gefahren von außen, aber reich an inneren Spannungen, ist zu Ende gegangen und ein Leben von eigenartiger Geistreiclligkeit. Das Werk Max Licbcrmanns, ein nicht gewöhnlicher Beitrag zur Kunst, gehört bereits der Geschichte an. AU) Meister einer strengen, unerbittlichen Kuhstzucht bleibt er Vorbild. Anekdoten um Liebermann Liebcrmann über den Nutzen der Kunsthistoriker: „Die sind jar nich so überflüssig. Wenn dio nich wären, wer sollte uns Künstlern wohl nach u n s c r m Tode u 111 o r c s c h 1 0 c h t e 11 Bilder für unecht erklären?" Als Liebermann mit Lcsser-Ury befreundet war, ging das Gerücht, einige Liebermannsche Bilder seien eigentlich von Lcsser- Ury gemalt. Als Liebermann davon erfuhr, erklärte er: „Det is mir ejal, daß erzählt wird, meine Bilder seien vom Lcsscr. Aber wenn einer sagt, daß.seine Bilder von mir sind — dann wer ick g robl" * Max Liebermann wurde aufgefordert, eine Chagall-Ausstellung zu besuchen. ' „Nee", erklärt er, „da jeh ick nich hin." „Aber an dem Chagall ist wirklich was dran." '„Nee, ick will nich! Womöglich jefällt mir der Mist!" * Einige Jahre vor dem Krieg trug sich der bayerische Staat mit'der Absicht, Max Liebermann ab Professor an die Akademie der Künsle in ■ München zu berufen. Man setzte sich mit dem

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