Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 7 (13.2.1935)
- Date
- 1935-02-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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'. - -'rS er stirbt nur leiblich, sein Werk geht in die Geschichte ein. Es wird Jahrhunderte überdauern und unsere Kindeskinder werden es noch sehen. -Und es wird ein .£Iyck,sejn, Dir, .Max Liebermtthn, hi Dankbarkeit treu. ':wftle«b.en.,-<- ' -.lV,\ " phot. Bonnonfold Eine der letzten Aufnahmen Max Liebermanns Neben den, nächsten Angehörigen des Verstorbenen sal; .man den . Vorsitzenden der Berliner jüdischen Gemeinde, Direktor Heinrich Stahl, den Präsidenten lies Preußischen Landesverbandes, Kammergerichtsrat i. R. Dr. Leo Wolff, den Vizepräsidenten des Preußischen Landesverbandes der jüdischen Gemeinden, und Mitglied des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde, Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee. Die offirieHe. Welt von einst war durch Geheimrat Dr. Max J. Friedländer, den früheren.-Direktor.des Kaiser-Friedrich-Museums, Ministerialdirektor Geheimrat Nentwig im ehemaligen Kultusministerium und den früheren. Stadtrat Max Gassirer repräsentiert. Ferner sahv man Geheimrat Professor Dr. Sauerbruch, die Maler Eugen Spiro, Qeorg Kolbe, Thurmanh, Frau Irma Klimsch als Vertreterin des Bildhauers Professor Fritz Klinisch, den Kunsthistoriker Professor' Dr. Max Mackowski und den großen Kreis derer, die Max Liebermann im Lehen nahe gestanden haben. Unter den zahlreichen Kränzen waren auch solche vpm Ver. ein Berliner Künstler, de^ jtdtehsb^^ Soldaten und von Dr. Ludwig und Frau Lala Fulda. Nach der Trauerfpier wurde fJer Sarg im Erbbegräbnis der Familie Lieberraann, im ^Itegtefl Teil des Friedhofs, der Erde übergeben. Leises Flockengeriesel mischte sich mit den Schollen, die Sifax Liebermanns sterbliche Hülle decken. (Siehe auch erste Beilage.) 100 Jahre Mäclchenfchule Aus Anlaß des lOOjälirigen Bestehens der MBdchen-MittelBchulc der Berliner Jüdischen Gemeinde fand am Sonntag in der Aula der Schule, in der Großen Hamburger Straße ein, Festakt statt. Die Feier wurde, init Chorgesang „Groß ist der Herr" ein; geleitet Es folgte die Ansprache des Schul- und Talmud-Tora- Vorstandes, Dr. Alexander, dor die Vertreter der Rcichsvertretung, den Präsidenten des Preußischen Landesverbandes, das Habbinat, den Berliner Gemeindevorstand mit Direktor Stahl und die Vertreter der Reprasentantcnversamihlung begrüßte. Man müsse sich fragen, so führte Dr. Alexander dann aus, ob wir in dieser schweren Zeit feiern dürften, aber man müsse dessen gedenken, was in den vergangenen 100 Jahren von den VorJ gangem geleistet wurde. Mit Stolz könne man darauf hinweisen, was in kulturellen Dingen und gerade für unsere Jugend vollbracht wurde. Man müsse aber neben die Namen derer, die dieses - Werk geschaffen und fortsetzten: Engelmann, Steinschneider und Adler, auch die setzen, di« im ihm arbeiteten, und zwar 'Guttmann, Spanier und Stern. Es sei der Wunsch .der Gemeinde, daß die Schuljugend körperlich gestählt. und daß ihr Wissen bereichert werde. -j In seinor nun folgenden Festrede 'nannte Rektor Dr. Stern die Feier ein Rauach-haschonoh, dos Beginnen eines Jahrhundorts, Er nah eine anschauliche Schilderung über die Entwicklung der Schule. Besonders Steinschneider gab der Schule ein anderes Gepräge. Unter seiner Leitung wurde sie erst» eine Arbeitsschule. Auch Rektor Stern dankte Direktor Guttmann und Rektor Spanier für deren Wirken. Stets habe die Schule Manner besessen, die aus sich heraus Neues schufen. Der Redner gab ein Bild von der S<$ltlarbeit, wie sie sein, soll und wie sie ist. E3 gelte vor allen Dingen Treue' zu bewahren und das, was dio deutsche Kultur uns gab. Das Jüdische werdo in die Schule einbezogen. Vor allen Dingen werde die Sprache der Bibel und der Gebete gepflegt aber auch das Neuhcbro'ische. Mit Freude habe die Schule von dem Plan des Gemeindevorstandes erfahren, besondere Sabbatfeiern für die Schüler zu Veranstalten. Schüler und Lehrer seien «ine Schicksalsgemeinschaft geworden; es gelte hier Schaffen am Aufbau einer Zukunft. , Frau Tinette Posch spielte sodann den 2. Satz aus dem Violin konxert von Mendelssohn. Elvira Dwinatzkv sprach den „Dank an die ' Kaiserstraße'.' von Mascha Kal6ko und die kleine Gertrud Schneider '„Hundert Jahre" von.Feige. Die Feierstunde wurde mit „Mah jokor" beschlossen, das. der" Schulchor wirkungsvoll zu Geltfr brachte. J. W. Fortsetzung von der 1. Seite . Sorgen um den treten de» Gesetzes (25. April 1933) geschlossen waren,; weiuv ejn Elternteil oder zwei Großeltern, arider Abkunft shirj.- EujgerecJiinet >yejden alle übrigen, nicht- Y Jfldiscjben fftcjita^er; ' "Pa§ Absajvjeren phvar höheren Schule gibt inicht. automatisch das Anrecht zum Studium. Es muß vielmehr die besondere Hochschulreife ausdrücklich ausgesprochen werden. Hat ein Jude es so weit gebracht und auch erreicht, daß . er zum Studium im Rahmen des numerus clausus zugelassen wird, so dürfte er voraussichtlich Schwierigkeiten technischer Art für die Ableistung seiher Studiensemester nicht finden. Denn mit der gesetzlichen Zulassung ist doch sinngemäß die Ermögichung der praktischen. Durchführung verknüpft. Er dürfte dann auch, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, die ärztliche ■ Approbation erhalten. Nach der heu gefaßten ärztlichen' Prüfungsordnung kann ja die Approbation nur dann verweigert werden, wenn Bedenken gegen, die nationale Zuverlässigkeit des Kandidaten bestehen. Auch die Doktor - promotion ist dem jüdischen Arzt nach Erhalt der Approbation nicht verwehrt. All das gilt für die Zukunft. Heute hegen die Verhältnisse leider erheblich ungünstiger. Die Anzahl der Mediziner, die noch unter den alten Bedingungen ihre Studien an der Universität und ihren Kliniken beendet haben, ist groß. Die Ableistung des vorgeschriebenen praktischen Jahres an öffentlichen Krankenanstalten aber ist ihnen aufs Äußerste erschwert. Viele Anstalten, so die der Stadt Berlin, die früher aufnahmebereit waren, Bind ihnen verschlossen; in einigen Universitätskliniken und konfessionellen Anstalten werden vereinzelt jüdische Medizinalpraktikanten aufgenommen; die große Masse der Petenten aber staut sich vor den Toren der wenigen jüdischen Krankenhäuser in Deutschland. Die Zahl der Stellen ist naturgemäß begrenzt; acht Krankenanstalten können insgesamt nur 38 Praktikanten unterbringen, davon unser Berliner Krankenhaus allein 12. Bei aller Ökonomie der Verteilung, bei aller erstrebten Gemeinschaftsarbeit der Anstalten sind immer noch Kandidaten vorhanden, die bereits im Jahre 1933 ihr Staatsexamen beendet und noch keine Möglichkeit gefunden haben, die letzten Vorschriften vor Erlangen der Approbation ^u.-erfüllen.l Immerhin ist eine nicht ganz unbeträchtliche Zahl doch schon bis dahin gelangt. Aber waa nun? — Die Aussichten auf Erteilung der Approbation sind leider nicht groß; nur die in ObeTgchlesien ' Gebürtigen " erhalten sie wohl, entsprechend den internationalen Bindungen, ohne weiteres. Den. anderen wird dagegen leider bedeutet, daß sie sich noch jahrelang gedulden, müßten, bis sie an die Reihe kämen. Denn allem Anschein nach wird auch bei Erteilung der Approbation ein Prozentverhiütnis in Anwendung gebracht, ■•vi/ Nachwuchs daB während ihres Studiums und fürihre Zulassung zum Examen' meistens noch nicht galt, unjd das nun f/Ör diese ^ergangsgrupne, 'sich besonders, Verhängnisvoll auswirkt. Besteht doch die Qefahr, daß Jahre' fleißigen, oft unter Entheiligungen durchgehauenen Studiums an diesen Zeitbedinguhgen scheitern, daß die ' Not und der Kampf um die nackte Existenz viele zwingen, den erstrebten und fast erreichten Berufseintritt 100 Meter vor dem Ziele aufzugeben. Ein Teil der jungen Mediziner hat im Ausland das Studium neu aufgenommen, wird es vielleicht zu gutem Ende bringen, ist aber dann dem deutschen Judentum als ärztlicher Nachwuchs verloren. Ein anderer Teil hat den Kampf aufgegeben, dem ärztlichen Beruf sich abgewandt und' in' schwieriger UmBchichtungsarbeit eine neue' Lebensaufgabe sich gesucht. Wieder andere haben in wissenschaftlicher Arbeit sich um den Doktorhut bemüht. Das Döktordiplom aber erhält der deutsche Mediziner nur nach erteilter Approbation. Da ihnen die fehlt, haben einige die' innen gebotene- Anregung aufgegriffen, auf die deutsche Staatsangehörigkeit zu verzichten, um so gleich jedem Ausländer den Doktorgrad ohne Approbation zu erlangen. Ein schwerer, folgenreicher Entschluß! — In einzelnen, besonders begründeten Fällen ist das' Diplom auch dann ausgehändigt worden, wenn der Doktorand eine Anstellung im Auslande nachweisen konnte und auf die deutsche Approbation zu verzichten sich entschloß. Nur wenige, werden in der Lage sein, hier den Zeitpunkt ihrer Approbation abzuwarten und in deü*^-*'*' Zwischenzeit durch Hospitieren an jüdischen Anstalten den Kontakt mit der lebendigen Wissenschaft nicht rfU zu verlieren. So stellt die Zahl der fertigen, aber nicht approbierten Mediziner, denen zur Berufsausbildung nur noch die staatliche Approbation fehlt, ein materiell and psychologisch gleich schwieriges Problem dar. Hier wird es notwendig sein, Mittel der jüdischen Öffentlichkeit und der ärztlichen Selbsthilfe bereit zu halten, um begabten Menschen eine vielleicht erfolgsschwere Zukunft offen zu lassen. Ebenso wie den Krankenanstalten und ähnlichen Institutionen die Pflicht erwächst, durch SchaffungvonArbeitsplätzen und Ausbildung smö'glichkei'teh die realen Grundlagen zu sichern.' Es handelt sich hierbei zunächst um Übergangsschwierigkeiten, die vielleicht in fünf bis sechs Jahren überwunden werden können, obwohl die Gefahr besteht, daß die „Restanten" aus der jetzigen Zeit bei der Approbationserteilung der künftigen Kandidaten zahlenmäßig „drücken" können und damit die Ubergangszeit noch mehr hinauszögern. (Den Schluß dcB Aufsatzes veröffentlichen wir in nächster Nummer) , Etnc Autotour in den Taunus Die abgefchraubte Autoradkappc — Ein Streich aus übler Gefinnung top dem Jugendgericht Frankfurt a. M. Ein 19jähriger junger Mensch hatte einen Strafbefchl über SO RM. erhalten, weil er sich .bei einer Autofahrt in den Taunus eines Diebstahls und einer Sachbeschädigung schuldig gemacht haben soll. Auf seinen Einspruch, gegen den Strafbefehl beschäftigte sich, wie das- Stadtblatt der „Frankfurter Zeitung" berichtet, das Jugendgericht mit der Angelegenheit. Auf der Autofahrt war der Angeklagte mit seiner Begleitung, unter >der sich auch seine Braut befand, in einem Lokal in Schwalbach eingekehrt. Dabei hatte die Braut des «Angeklagten, die kurz vorher bei einem Unfall eine schwere Körperverletzung davongetragen hatte, mehr getrunken als ihr gut tat. Sie mußte an die freie Luft geführt werden und unternahm bei ihrer Rückkehr einen' Rundgang durch die 'Wirtsstube, um von den Glfisern sämtlicher. Gasto zu nippen. An einem Tisch, an.dem zwei Arzte mit ihren .Frauen saßen! und Karten' Bpioltcn, schüttete sie einem von ihnen das G e - trink über dio Spielkarten, ao daß es zu einer Auseinandersetzung kam. .' Die Sache schien beigelegt zu sein, als dem einen Arzt von dem Wirt mitgeteilt wurde, daß der Angeklagte sich an dem. Auto des Arztes zu schaffen mache und die Kapsel des einen Vorderrads abschraube. Daraufhin ging der Autobesitzer hinaus und verlangte von dem. Angeklagten die Rückgabe der bereits verschwundenen KapBcl. Erst durch dos Eingreifen eines Polizeiboomten konnte der Angeklagte veranlaßt werden, die Kapsel aus Beinern eigenen Auto'herauszuholen und dem Eigentümer zu übergeben. In der Verhandlung vor dem Jugendgericht behauptete der Angeklagte, daß er beim Vorfahren seines Wagens an den des Arztes gestoßen sei; dabei sei die Kapsel heruntergefallen. Als er dann dio Kapsel wieder aufschrauben wollte, sei der Arzt, den er für einen Nichtarier hielt, herangekommen, und er habe die Rückgabe verweigert, um »dem Juden" einen Streich zu spielen. Durch den Wirt als Zeugen wurde jedoch nachgewiesen, daß der Angeklagte sich zum Abschrauben der Kapsel eines Instruments bedient hatte und sich dann an dem Rad noch weiter zu schaffen machte, vermutlich, um noch dio Schrauben des' Rades zu lockern. Dbrigena war der Arzt kein Nichtarier,'sondern Standarten-: arzt und Obertruppführer, und hatte dem jetzigen Angeklagten, als dieser sich durch seinen Ausweis als Mitglied der SA gegenüber dem Polizeibeamten legitimierte, den Ausweis abgenommen. Der Angeklagte erstattete später die Kosten für eine neue Kapsel. Sein Verteidiger bemühte sich, die Freisprechung von dem Diebstahl zu erreichen, weil der Angeklagte dem Nichtarier einen Streich spielen, Bich aber nicht an der Kapsel bereichern wollte. Demgegenüber hielt der Staatsanwalt die Anklage wegen Diebstahls aufrecht. Das Jugendgericht kam zu einer. Freisprechung des Angeklagten von der Anklage des Diebstahls, erhöhte aber die Strafe auf ISO HM., weil, wie der Richter in der Urteilsbegründung ausführte, dieser Streich «ine sehr üble Gesinnung des Angeklagten beweise, denn er wollte nur, weil er den Arzt für einen Nichtarier hielt; diesen durch das Lockern der Radschrauben in Lebensgefahr bringen. Ebenso verwerflich sei dos Verhalten des Angeklagten vor Gericht gewesen, da er es noch für richtig hielt, von den . Vorgängen eine ganz falsche Darstellung zu geben. Letzter Tag für EbrcnkreozantrSgc: Sl.Miirz Das Reichs- und Preußische Ministerium des Innern macht '( darauf aufmerksam, daß die Frist zur Stellung der Antrüge auf Verleihung des Ehrenkfcuzcs des Weltkrieges am 31. März dieses Jahres abläuft. Anträge, die nach diesem Tage gestellt werden, .künnen nur berücksichtigt werden, wenn der Antragsteller den begründeten Nachweis erbringt, daß ihm eine rechtzeitige Stellung des Antrages nicht möglich war. Es wird schon jetzt darauf 'hingewiesen, daß diesor Entschuidigungsgrund nur beim Vorliegen ganz he sonde ror Umstünde Aussicht auf Erfolg hat. Die Zeit i|| nahe in der Ihnen der Briefträger die Quittung über das Abonnement des kommenden Monats vorlegen wird. , ' übersehen Sie bitte nicht, für die rechtzeitige Erneuerung Ihres Abonnements Sorge zu tragen, damit .keine Unterbrechung in der Zustellung eintritt. Der Bezugs-; preis beträgt RM. 1,— zuzüglich 10 Pfg.. Bestellgeld. 7