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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-01-30 · 5 (30.1.1935) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
5 (30.1.1935)
Date
1935-01-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Unf vre „Schwenkung nach rechts" .Ein Nachtrag zur Tagung der Vereinigung Von HELMUT GALLINER Es mutet ein wenig wunderlich an, wenn die „Jüdische Rundschau" anläßlich der Hauptversammlung der Vereinigung für das religiös-liberal© Judentum uns freundlich zugesteht, «Saß „der Liberalismus auch (im Original gesperrt) eine Form der Erhaltung des Judentums gewesen iBt" und dies „ein historisch denkender Zionist heute auch eher als früher (I) anerkennen wird". Auch das „Israelitische Familienblatt" glaubt uns testieren zu müssen, daß unsere Bewegung lebt". Wir hoben die Angriffe unserer Gegner seit Jahr und Tag ruhig hingenommen, ihr uns heute zuerteiltes Lob kann uns ebensowenig von unserer Haltung abbringen. Es mag erlaubt sein, das Wort des Propheten Jeremia auf jene anzuwenden, die nun plötzlich glauben, mit freundlichen Worten Gegensätze auflösen zu können: „Sie hoben die Wunde meines Volkes leichthin geheilt, indem sie sprechen: Frieden, Frieden I Und doch ist kein Frieden." Auf der Tagung ' des Weltverbandes für religiös-liberales Judentum in London im vergangenen Sommer ist bedauert worden, daß die heurige Jugend nicht Bchon im Jahre 1912 bei der Abfassung der Richtlinien mitwirken konnte. Es erscheint uns mehr die" Abstattung _ eines' Dankes für das Historische Verdienst der alteren Generation denn ein symbolischer. Akt zu sein;'wenn gerade die Jüngeren auf der - ersten Tagung nach dem Umbruch den : Beweis erbringen konnton, daß die Männer, die im Anfang dieses Jahrhunderts versucht haben, den Liberalismus neu zu formulieren, auf dem rechten Wege waren. ■ . Wir konnten in der Diskussion erklaren, daß die Anschauung über Gemeinschaft und Individuum Belbst zur Zeit des ausgeprägtesten Individualismus ihre Gültigkeit behalten hat. „Der Enthusiasmus, den wir von der Kenntnis unserer Geschichte erhoffen, und in unserer Erziehungsmethode mit in Rechnung stellen, setzt das Bewußtseineines sozialen Zusammenhanges voraus." (M. Dienemann, Blatter für Liberales Judentum, 1808, Nr. 4J) Aber auch die Frage des Gesetzes ist aus der gleichen Grundhaltung zu beantworten. Religiöse Formen sind gesetuchtsbedingt und deshalb nicht willkürlich zu .verwerfen oder zu übernehmen, sondern aus dem Zusammenhang, der Vergangenheit und Zukunft kontinuierlich durch die Gegenwart führt, zu schöpfen. „Der unzerstörbare Lebenswille in uns knüpft in jedem Zeitalter an diejenigen Regungen an, die die stärkste Lebensbcjahung bedeuten."- Eine solche . Haltung ist nur vom Liberalen her möglich und bedeutet auch hier-die Fortsetzung einer historischen Linie. Es ist die Tapferkeit Israels, seine Anschauungen mit der jeweiligen Gegenwart zu konfrontieren. Dieser Tapferkeit verdankt,das Judentum.seine Krisenfestigkeit. Denn die Geschichte jüdischer Bewegungen ist dio Geschichte der Erhaltung des Judentums. Das'' liberale Judentum hat diesen Beweis der Erhaltung gebracht, weil es die Konfrontierung mit der Gegenwart nicht scheute.. Das gibt uns die Hoffnung, daß liberales Judentum auch heute jüdischer Jugend etwas zu sagen hat. Dio Anknüpfung an diejenigen Kräfte, die die stärkste Lebensbejahung bedeuten, heißt zu den Bünden gehen. Damit erklärt sich der von den außenstehenden Berichterstattern so befremdlich empfundene Appell an, die Jugend. Das ist der eine Ausdruck der historischen Linie; der andere. besteht in dem notwendig zu nehmenden Einfluß auf die. inneriüdische Politik. Unsere „Schwenkung nach rechts" ergibt sich nur für diejenigen, die plötzlich nicht mehr wie früher an den Indifferenten liberales Judentum beurteilen, sondern an denen, die tun, was sie sagen und sagen, was sie tun. Das Grundprinzip, nach dem religiöse Formen vom Liberalismus gefordert werden, hat keinerlei Veränderung erfahren. „Organisiert und normativ wirkend muß auch dos liberale Judentum sein." So schreiben die erwähnten Blätter bereits im Jahre 1910. Religiöse Formen des täglichen ■ Lebens sind auch' in Zukunft für uns nicht Selbstzweck, eie sind der Ausdruck der Gemeinschaft und der Weg zu persönlicher subjektiver Religiosität des Individuums. „Der innere Widerspruch des organisierten Liberalismus findet seine Lösung darin, daß er Bich die Aufgabe stellen muß und nur die Aufgabe haben darf, spontane (d. h. subjektive, persönliche) Religiosität vorzubereiten." Das ist unsere Schwenkung nach rechts. Heinrich' Stern hat es treffend in seiner Schrift „Ernst machen I" gekennzeichnet, daß wir zu keinem wahren Frieden kommen werden, wenn wir nicht durch Klarheit und Unterscheiden die innerjüdische Auseinandersetzung weiterführen. In den Bünden sind heute junge Menschen, die durch sie geformt werden können, wie noch nie zuvor jüdische Jugend seit den Tagen der Emanzipation. Wir haben auf der Tagung einen Appell an die liberalen Theologen gerichtet, jene normativen Formen aus dem Prinzip des Liberalismus zu schaffen. Möge das Wort unserer Weisen sich an uns bewahrheiten: „Togtäglich sendet Gott Beine Engel aus, um die Welt zu zerstören. Doch «in einziger Blick Gottes auf die Schulkinder und die Gelehrten genügt, um seinen Zorn in Erbarmen zu verhandeln." religiös-liberalen Vereins geleistet werde. Es gelte, den gemeinschaftbildcndcn und gcscllschafterhaltendcn Charakter des Religionsgesetzes zu erkennen und klarzulegen. Die alten, unvergänglichen Formen des Judentums können nur von innen heraus wieder Leben erhalten dadurch, daß man den Menschen, für die sie gedacht sind, neues religiöses Leben einhaucht, wenn man in ihnen den langsam wieder erwachten Glauben an ihr Judentum und dio Religion ihrer „Väter nährt und erfaßt, wenn man die Menschen Belbst wieder neu formt. Daß in diesem Zusammenhang der Jugend innerhalb der Gemeinschaft ihrer Bünde,; insbesondere des „Bundes", eine ganz entscheidende Rolle zufalle, sei klar. Dr. Fabian forderte sodann eine eindeutige' und klare Festlegung von Richtlinien, wobei es sich nicht um eine dogmatische Einengung eines an sich auf Freiheit und Entwicklung aufgebauten Gedankengebäudes handele. Die Jugend habe kein Bedürfnis nach theoretischen Diskussionen, sie verspreche sich von einer Mitarbeit nur etwas, wenn das angedeutete Ziel erkannt und in ernBter Arbeit erstrebt werde. Eine weitere große Aufgabe, führte Dr. Fabian aus, und er schloß sich dabei eng an die Gedankengänge an, die Heinz Kollormann in der „Jüdischen Allgemeinen Zeitung" wiederholt mit Nachdruck vertreten hat, sei das neu zu erweckendo G c - schichte bewußt sein, das sich nicht bestimmen lasse durch die Zcitgcbundcnhcit des Augenblicks, sondern seinen Inhalt empfangen müsse aus dem, was je die Geschichte Israels ausmachte und das sei unser Weg durch die Zeit von Gott zu Gott. Aus der Erkenntnis, daß unser Weg ein religiös-geschichtlich bestimmter sei, IicgeSeJIeichzeitig auch dio Abgrenzung gegen jede Säkularisationsforrn des Judentums. Daraus folge, "daß wir uns in jüdisch-politischer Hinsicht nicht anders als für eine religiöse Auffassung vom Judentum entscheiden könnten. Damit sei auch der Weg freigemacht für jene politische Überzeugung, die wir als deutsch-jüdisch bezeichnen und die, wenn wir sie richtig verstehen, mehr sei als eine bloße politischo 'Anschauung. Gerade weil und solange wir von der Eigenart des Judenturas als eines religiös-geschichtlichen Phänomens überzeugt sind, ist uns aufgetragen, jene Überzeugung zur' allgemeinen Oberzeugung zu machen. Auf der anderen Seite sehen wir, wie das Gebäude deutsch-jüdischer Existenz gefährdet ist, wenn es nicht gelingt, i'cnc Grundmauer zu erhalten, die man jüdische Religion nennt. )ie Jugend werde ihre Mitarbeit nicht versagen, wenn es gelte, dio gcistig-scelischc Existenz der jüdischen Juden religiös zu untermauern. Aus den Gemeinden Brief aus Breslau Bericht für die „Jüdische Allgemeine" Breslau, im Januar. Der Religiös-Liberale Verein' der Synagogengemeinde Breslau hielt unter dem Vorsitz von Philipp Lachs eine ordentliche Mitgliederversammlung ab. Der Vorsitzende ehrte zu Beginn die im letzten Jahr verstorbenen Erich Beier und Emil Waldstein artyie Justizrat .Kaiisch, die dem Religiös-Liberalen Verein unschätzbare Dienste geleistet, haben. R.-A. Spitz schilderte die Entstehung der Neuen Jüdischen Schule. Der Anstoß kam, wie er ehrlich betonte, vor allem von außen, aber die Schule mußte auch aus zwingender Notwendigkeit und psychologischen Gründen von innen heraus geschaffen werden. Das Ziel der Schule ist, neben den allgemeinen Aufgaben das Judentum mit seinen religiösen Werten und ethischen Ideen den Kindern nahezubringen. Dr. Korn behandelte die Aufgaben der Gemeinde in der jetzigen Zeit. War es doch stets die liberale Fraktion in Breslau, die die führenden Köpfe. der Gemeinde stellte, und auch jetzt hat sich ■iiciiiii 11 iiiii iiiitiiiiiirii ijiisiiiiittiiiM rii 11 tt iitii i) i ri tiiiTiirriiTiiiiiiiiiiiiiiii tri ittiiiiiijiiiiitti t [itiiii 11 ii i iiiitit Iii i ttiriiii 111 iiiuiiurti SABBAT-GAST — STATT BLUMEN i Die Jugend forciert In seinem Jugendreferat, dos Dr. Alfred Fabian, Breslau, auf der Tagung der Vereinigung für dag religiösliberale Judentum gehalten hat, hat der Redner, wie bereits kurz gemeldet, vor allem die Heranführung der Jugend an die Religion gefordert. Im' einzelnen führte der Redner etwa folgendes aus: Es geht so etwas wie ein religiöses Sehnen durch unsere jungen Menseben. Aufgabe und Problem zugleich ist es; diesen Keim zur Religion zu hegen und zu pflegen. Die Jugend ist durchaus bereit, an der VerwirkUjAimg der liberalen Idee mitzuarbeiten, aber sie will nicht kritiklos hinnehmen, was als religiös-liberales Gedankengut der vergangenen Jahre ausgegeben wird. Es ist richtig, daß die liberale Idee in ihrem Kern un-i versehrt ist. Änderungsbedürftie aber ist der stets immer wieder vorzunehmende Versuch, eine \erwirklicbung dieses Gedankenguts in der Praxis des täglichen Lebens herbeizuführen. Es kann n|cbt ausreichen, daß sich Vertreter liberaler Richtung lediglich auf ihre Tätigkeit in der gemeindlichen Verwaltung beschranken. Entscheidend ist, daß es sich bei der Arbeit um den Ausdruck . einer religiösen Massenbewegung 'handeln muß, die der Vielfalt der Menschen und der Vielfalt des Lebens gegenübertritt mit dem Anspruch, dieses Leben in seiner Totalität zu erfassen und zu »gestalten. Daraus leitet sich. auch der Anspruch , her,..das gesamte Leben der Juden in Deutschland, soweit sie liberal empfinden — und das tut auch heute noch der überwiegende Teil — in einer für alle verbindlichen Weise zu regeln. . Die Uberale Richtimg muß versuchen, die brennenden Fragen der Lebensgestaltung, die gerade für junge Menschen im Mittelpunkt der Überlegung stehen, in Angriff zu nehmen und an der Entscheidung dieser Fragen mitzuwirken. ' Sie muß zeitnahe werden, ohne zeitgebunden zu sein. Sie darf nicht vorbei- Sehen an den' brennenden Tagesfragen,, die jede Richtung im udentum einfach zur . Stellungnahme zwingen. Als Ausdruck der Ideen religiösen Judentums verwies Dr. Fabian im weiteren Verlauf seiner Hede sodann auf die praktische Arbeit, wie sie durch die Freitagabend-Feiern des Breslauer Eine wirksame Werbung für die Sabbat-Idee In nachahmenswerter Weise wirbt der reügiös-liberule Verein der Synagogengememdc Breslau für die Sabbat-Idee. Er hat geschmackvoll ausgestattete Karten herausgebracht, die die auf dem vorstehenden Bild sichtbaren Symbole des Freitagabend zeigen. Der beigefügte Text hat folgenden Wortlaut: „An Stelle der Ihnen zugedachten Blumen habe, ich den religiös-liberalen Verein der Synagogengemeinde Breslau. in die Lage gesetzt, einen Gast zu seiner Freitagabend-Feier mit Abendessen einzuladen und hoffe, Ihnen damit eine Freude gemacht zu haben." gerade in Breslau erfreulicherweise nicht viel geändert. Erich Beier und Philipp Lachs sind die Schöpfer der Beratungsstelle. Eine Hilfs- und Darlehiiskasse wurden eingerichtet, deren Gelder zur Umschichtung und I^rlinesausbildung hauptsächlich benutzt werden. Aber auch auf kulturellem Gebiet und vor allem auf religiösem Gebiet hat die Gemeinde ihr Bestmögliches getan. In ihrem Tätigkeitsbericht sprach Frau Grete Biai u. a. Ober das einzig dastehende Hilfswerk des Liberalen Vereins, über die alljährlich stattfindenden Sederabende, die Chonukkafeiem, die Freitagabende, über die ja hier bereits einmal berichtet wurde. Diese Veranstaltungen sind allgemein beliebt und ob ihres familiären Gehaltes, der kernen lange fremd sein läßt, geschätzt. Frau Bial erwähnte -auch. die B1 umerfablösunga k a r ten, die jetzt für das große Freitagabendhilfswerk ausgegeben werden ■ (siehe dje vorstehende Abbildung. Die Schriftltg.). — In der Sitzung wurde sodann der bisherige Vorstand wiedergewählt. Der Dirigent des Jüdischen MuBikve rein b Hoveland, hat aus diesem kleinen Orchester innerhalb kurzer Zeit einen vorbildlichen Klangkörper geschaffen. Im vierten Abonnementskonzert waren das dritte Brojidenburgische Konzert von Bach; und die Haydnsche Symphonie Nr. 13 bemerkenswerte Leistungen dafür. Frau Gertrud Wertheim, Cembalistin von Ruf, gelang es, erstaunlich viele klangliche Nuancierungen aus dem Cembalo herauszuholen.' _ .__. Ruth Tichauer. Eisenaeh. Der Festgottesdienst anläßlich des 50jährigen Jubiläums der Synagoge trug die Zeichen höchster Weihe. Nach Chor- und Sologesängen und dem Anzünden des ewigen Lichtes hielt Rabbiner Dr. Wiesen die Festpredigt und fand zeitgemäß tiefempfundene und . zu Herzen gehende Worte religiöser Andacht und religiöser Ermahiiung. Namens des Vorstands der Gemeinde sprach Dr. Alfred Baokhaüss und gab einen kurzen Uberblick über die Entwicklung der Gemeinde und ihrer Synagoge bis zur jetzigen Gestalt. NamenB des Landesverbandes sprach Rabbiner Dr. Frflnkel-Meiningen. Ein Postludium von Rinck schloß den Jubel-Gottesdienst würdig ab. .' Gleiwitz. Die hiesige Humanitas-Loge im U.O.B.B. beging in Anwesenheit des Großpräeidenten, Rabbiner Dr. Baeck, ihr öOjähriges Bestehen. Die Jubiläumsfeier wurde in der mit Girlanden und und den Symbolen des Ordens geschmückten Synagoge durch einen Minchah-Gottesdienst eingeleitet. Rabbiner Dr. Ochs pries die Opferbereitschaft als eine jüdische Pflicht, die unser Stammvater Isaak einzigartig vorgelebt habe. Nach der vom verstärkten Kulturbundorchester zu Gehör gebrachten Ouvertüre zu „Iphigenie in Aulis" von Gluck und der Giistcbegrfißung durch den derzeitigen Präsidenten R.-A. Dr. Kallmann, hielt Rabbiner Dr. Baeck die Festrede. Er bezeichnete den ewigen Kampf des Juden für Recht und Humanität, seinen durch Leiden geschärften Weitblick und seine von wahrem Ethos verklärten Feste als Quellen dauernder jüdischer Selbsterheuerung. Nach dem von ' Oberkantor Cohn gesungenen „"Hollelujäh" von Hummef gab Sanitätsrat Dr. Schlesinger einen historischen Uberblick, worauf der Vizegroßpräsident des polnischen Distriktes, Schalscha, seine Wünsche übermittelte. Frau Lucie Cohn kennzeichnete in einem inhaltreichen Referat die Leistungen und1 Aufgaben des Schwesternbundes. Es sprachen ferner Justizrat Arthur Kochmann, der Vorsitzende des dcutsch-oberschlcsiBchen Logenverbandes, Herr Schlamm, und Zahnarzt Hoichmann (Kattowitz). Die öffentliche Feier endete mit dem „Krönungsmarsch" von Meyerbeer und dem Maariw- Gebet, worauf am Abend für die Lögenmitgliedor ein interner Festakt folgte. H. B. Halle. Rabbiner Dr. K a h 1 b c r g , der am 1. Januar 1910 sein Amt als Rabbiner der hiesigen Gemeinde angetreten hat, beging jetzt sein 25jähriges Berufsjubiläum. Vorstand und Repräsentantenkollegium der Gemeinde brachten dem Jubilar, der der religiös-liberalen Richtung angehört, ihre Glückwünsche dar. Auch Vertreter fast aller Gemeinde-Organisationen und verschiedener Nachbargemeinden nahmen an der Feier teil. Landsberg (Warthe). Der. Vorstand der Synagogengemeinde veranstaltete ein Synagogen-Konzert, das von den Mitgliedern der - hiesigen und der umhegenden Gemeinden gut besucht war. Nach Begrüßung durch Rabbiner Dr. Fritz Plotto trug Konzertsänger und Kantor Fritz. Salomonski, Borlin, religiöse Gesänge von Mendelssohn, Schubert, Birnbaum, Haendel Bowie jiddische Lieder meisterhaft vor. Den Mittelpunkt der Veranstaltung bildete ein fesselnder Vortrag Dr. Plotkes über „Jüdische Musik . Auf dem letzten Gemeindeabend sprach der Vorsteher der Synagogengemeinde, Fabrikbesitzer Arthur H e i m a n n, über das Thema „Welche Pflichten hat die Gemeinde, und was kann sie von ihren Mitgliedern verlangen?". Der Redner legte dabei insbesondere dringend dio Stcuerpflicht und materielle Unterstützung der Wohlfahrts-Organisation und der von der Gemeinde vorbildlich eingerichteten Wirtschaftshilfe anB Herz. Bezirksrabbiner Dr. Fritz Plotke forderte sodann in einem Vortrag „Wie gestalte ich ein jüdisches Heim?", daß außer der Pflege jüdischer Gebräuche jedes jüdische Haus mit einem jüdischen Inhalt erfüllt werde, dadurch, daß jüdische Zeitungen gehalten, .Bücher jüdischen Inhalts gelesen und das Haus mit Bildwerken jüdischer Künstler geschmückt würde. — Bei der Wahl eines Vorstehers durch die. Repräsentanten' wurde der bisherige Vorsteher, Fabrikbesitzer Arthur Heimann, wiedergewählt. An Stelle des in. den Vorstand eingetretenen Stellvertreters Dr. med. Rechelmonn, als Synagogenvorsteher, wurde zum. stellvertretenden Vorstandsmitglied Tierarzt Koschminski gewählt. Zahlen aus Hamburg Bericht für die „Jüdische Allgemeine" Hamborg, im Januar. In der letzten Tagung des Verwaltungs-Ausschusses des Israelitischen Tempel-Verbands, die unter Vorsitz von Daniel Münden stattfand, wurde vom Vorsitzenden der Jahresbericht erstattet, der . die günstige .Entwicklung; des Verbandes erkennen läßt. Danach sind CO Verbands-Mitglieder durch x Fortzug und Ableben ausgeschieden. Dagegen sind 205 neue Mitglieder aufgenommen worden. Die Zahl der Verbands-Mitglieder beträgt 832. Es haben 41 Barmizwahs und 22 Trauungen im ■ Tempel stattgefunden. Die Gottesdienste am Freitagabend und. Sonnabendmorgen zeigten außerordentlich regen Besuch, an dem die Jugend erfreulicherweise in besonders starkem Maße beteiligt ist. 'Die Aktivierung der Jugend für den Gottesdienst ist die Frucht einer systematischen Erziehung in der ReUginnsschuIe. Besonders erfreulich ist, daß das Vorbeten im Jugend-Gottesdienst, gelegentlich bei den Wochentags-Gottesdiensten und am Sabbat- Ausgang, wie auch das Vorlesen aus der Tora von Jugendlichen ausgeübt wurde. Auch bei den Erwachsenen zeigt sich ein immer regeres Interesse an religiösen Fragen. Die Arbeitsgemeinschaften, die vom Tempel aus veranstaltet werden, werden von einem großen Hörerkreise besucht. ' Der Verwaltungs-Ausschuß beschloß die Ausgabe eines Gebetbuches für den Freitagabend-Gottesdienst. Eine Gebetbuch-Kommission wurde gewählt für eine neue Auflage des Tempel-Gebetbuchs, da die 1904 herausgegebene Auflage so gut. wie. vergriffen ist. — An Stelle des aus der Verwaltung ausgeschiedenen Wolfgang Meyer-Udewald wurde Dr. Helmuth Nathan gewählt. — Die bisherigen Vorsitzenden Daniel Münden und Raphael Baohrach wurden auf ein Jahr wiedergewählt. Iu der Arbeitsgemeinschaft des Tempel -Verbandes begann Rabbiner Dr. Italiener eine Vortragsreihe über: „Die Psalmen". Die Zeit einer Besinnung, auf die Quellen des Judentums, zu denen auch die Psalmen gehören, sei angebrochen. In den Psalmen sei alles ausgedrückt, was in der menschlichen Seele lebe.; Sie eignen sich ' für jede Situation, und zwar sowohl für den Einzelnen wie für die Gemeinschaft. Die Psalmen gehören zu den Kernstücken der Bibel und drücken aus: „Freude an der Gottesgemeinschaft', „Friede in Gott" uttd „Geborgenheit in Gott". Den größten Dichtern, Cervantes, Dante, Shakespeare, Herder, Goethe, haben die Psalmen Material zu ihren unsterblichen Werken

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