Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 3 (16.1.1935)
- Date
- 1935-01-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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rfvij-, w^J^v^-^W^ J k-, - *r>^^ w«--**' ^iwm VN', *r*y ^^-7,4j6^ ^t^^5f^vr^^^T7^ ■f* '* t, - AyT *m f j xj /• M! < f A-^tr** * v Ä'v >• "5*- <*wt' ^rsäL Miffionar, Philofoph Albert Schweitzer tum 60. Geburtstag / Von Dr. lutz Weltmann „Klosterbruder: ' NathanI NathanI Ihr Bold om' Christi — Boi Ootf, Ihr Boid ein' Ohrist! Ein Mauer Christ' war nie! Na'tha'n: "', ' #ohI'tuuYl' Denn was Mich Euch inHi Christen macht, das macht Euoh mir 'Zorn' Jaden I In dieserDialog-Stelle du» Leasings' dramatischem' Gedicht ist sinnvoll ausgedrückt, worum wir in'«Wer jüdischen Zeitung dieses ChiiBtlichsteü aller Christen gedenken. Eines' Zcitgenosaeri,' dessen; ganzes Leben eine Antwort' auf- Lessirigs Frage ist:. „Begreifst du' aber, wieviel andächtig Bch'w'ärmen leichter als gut handeln ist?" EJriiiridrwiinilg hatte der elsäsaiache Pfdrrerssohri aich' nicht! detftlfch vor aÜS — den Wehst' tuo; Menschen'. . Er vorrlchietif.dlesen' Dientt iri' djsr Sülle; ala! M Jahre 1928* der Dr. thedl., VtL pnilV. Dir.. med. Albert' Schweftier den' Goe the-Preis' der Stadt FfäMfiirt' erhielt, war der zweite TrÄger, dieses' Preise» de'rT großen' OffÄtuchlceit' w>ril| bekannt. Aber ein' Mann.' der die" dreifache G&'ffiescfie' Ehrfurcht! (vor .dernj'was Öbe¥, linifir üWd neben'ims ist) geleot Harte, war mif diesem Preise geehrt .worden. Er war in deV wedlogischen -WeH durch '.^seine. dre^ Jesus1-RÄc'heY aherlcannt Verfasser eine« grundlegenden' WerkeiT über Bach, irj't^rnaVonale Befunmtueif ab Orgelspieler, als er (einer aussichtsreichen Lalifbühn' auf Grund großer Erfolge1 enfia'gte und begann,' Medizäh zu studieren, um als Äj'z'tü'rid' Missionfir n.aöh! A'fri'Kd zu geheji. . Daß er sicE' ,miP seinen' theÄlogikchen und mÜMkalisch'eVi Arbeiten ü'rid Leistungen1 daS Geld zum' Studitun verdient«! — wie später zum Aufbau und zur Förderung; seiner' TärigTceit in L'ämbarene ~ ßermÄ'fehHet? die'sen' Mimn" ebenso sehr wie die Tatsache. wefche1 Bedeutung; ,M Begebung1 in" seinern Leben hatte;, Iii*;'S^er-|%hrIb-',^u3:-äieiher -KiiW^}M-3S^^^~e!itSSi&~it von einem' Viehiiüä tMe^Jiütä', der von dtr Dö'r'fjü^ehd gehänselt wurde, auch von. ihm selber zum Zeichen seines Erwachaeriseins1, bis ihn' dW verligäne' ühjl gütige Lachein' des Mannes traf, der", im' Hufe; emeä' „Wiich'erers u&r GuferäritucMcrp"' stand1 und für Schwatter ein" „groBer1 Erzieher" wurde- „Vdri Mausche habe ich zum erstenmal, gelernt, was es heißt, in Verfolgung, stille' zu schVrtiigeri'. .; Für mich ist er der M a u s c h e mit dem verzeihenden Lächeln g&lieberlV der mich' noch Heilte' zuf GSduld iwmgt,- ,wo" ich zu'riien find toben mochte". Vo'rj fleinern' Wirken' in Afrika' und' dem' Anteil seiner Gattin1, einer gebore'neii'' Breslau;erzählt' seine Schrift „Zwischen'Wassel1 und Urwald*;. Den Misaro'ri'ar zü' i&tiü, aind' vn* als Juden. nicHt berufen; aher aüth wiir vermögen' de"n' religiösen Menschen zu würdigen. i . .„Mystik und.-.Etibjk" isU deV Päiertitel yön Schweitzers. G»jburtstngSgabc ,"J)ie .Weltanschauung,der mdUchett Denker". (Verlag GH. .Beck, Müncheo);.4.Eme .Syntltt!se; aus; Mystik,, und. Ethik, ist die Summa seiner . Theologie und. Philosophie, der beiden pisziplinen, die bei ihm wieder m. einem richtigea ."Verhältnis-zueinander stehen. Schweitzers Philosophie ist, auf eine, einfache, Formel zu bringen: gut ist, was das Leben steigert, b$se,: was, seine; Hpher- «ntgwickltins* beejdt»Settti^...lfoatik. \iad,.m^k sind.,die Po}je des Lebens- und Gottesdienstes. Mystik ist Einswerden mit Gott, ihre Gefahr die Welt? und Lebensverrieinung, Ethik tätige .Menschenliebe, ihre Gefahr, eine. Hflfionaliaiorung und ein Dualismus, in denen Gott nicht die höchste Einheit ist. ■ .„ .Schweitzers. letzte. Schöp.fujag, ist, eine., Geschichte des .inr dischen Denkens von. der brahmanis,chen.. Mystik bis zur Ethik Tagores. und zugleich, vorläufiger Abschluß der deutschen Bemühungen, sich mit orientalischem .GeisW a.u>einan'de.rzusetzen, die im Anfang des vorigen Jahrhunderte begonnen, hatten. Schweitzer reihigt unsere Vorstellung, vdn vielen .Mißverständnissen, Er weist nach, daß die .„fundamentalen t)ntei)Bchiede in der. Weltanschau-, ung" der indischen Arier,, die eich. für die Welt- und Lebensvcrneinung,;Urid ,der iranisch-peraiachen wie der , europaischen,' die sich' für die; Welt-;und Lebensbejahung entschieden, „nichts mit Rassenverschiedenheit. zu, tun" habe, daß .auch da* Klima „für die Beschaffenheit; der: Weltanschauung, nicht verantwortlich gemacht werden" dürfe,' vielmehr „auf einen Vorgang im Denken" zurückgehe. ■. .1 .Es .gibt in dieser Schrift fruchtbare, Gegenüberstellungen, Grenzsetzungen und Berührungspunkte zwischen Ficbtes Philosophie und. dem .Bhavägad-Gita, zwiiehen: Nietzsches .und -dem brähmaniseben Dbermenschen', zwischen Buddha und .Christus, der kauni Kunde vom indischen Denken erhalten haben könne, zwischen Luther .und.- dem,,, japanischen Reformator Schihrah, zwischen Samkara und Thomas von Amuno, zwischen Kants Kategorischem Imperativ und Krishnas Forderung: „Dein Interesse sei nur auf das Handeln »D^k^tem^'i^f^cVslll'siya^'Siiänir. Bis zum Beginn der Neuzeit schwanken die indischen Arier zwischen altarischer. Weltbejahung und mystischer, Wertverneinung, suchen sie .bewußt oder unbewußt viinen Ausgleich.,zwischen beiden' Weltanschauungen herzustellen'. ^Früh gibt es Begegnungen, mit dein Christeritu^n: durch, portugiesische Missionare,. durch Franz Xaver, Akbar .träumt gar voh einer. Universalreligion unter Mit-, «sinbeziehung des.,Christenturas (Endendes 16. Jahrhunderts). Rani Mohan Rai (um 1800},erforscht wie Schweitzer.die W/eltrehgionen und. ist. von Jesus, tief.,beeindruckt. Unter .europäischem Einfluß erstarkt die ethische' .Weltbejahung: wenn Tagore den; Upaniahads die Entstehung durch . Inspiration abspracht,. gemahnt, das an neuere Bibelkntik, Und seine Humtoität trägt, die Züge edler westlerischer.'Aufklärer , wie Shäftesbury, Kant .und Fichte; seine Wendung zur Mystik, betrachtet Schweitzer, als Sendung Indiens: dem Europäer durch Innerlichkeit vorbildlich zu. sein. Rainakrishnd findet Worte, wie sie Schweitzer unterschreiben würde: „Jede Religion, welches auch ihre, Lehre sei, werde zu der wahren, wenn der,Mensch in ihr sich Gott in Liebe hingebe und seinem Nächsten in Lieb« diene. Es . habe also keinen Sinn, daß man seine Religion für eine andere aufgebe." * ■ .Der Leser hat die Frage auf den Lippen, was dieses^Hauptwerk Schweitzers" über das Judentüm aussage. Unmittelbar hat seine Problemstellung ja wenig damit zu tun. Implicite ist in ihm um so mehr darüber enthalten. Explicite fuhren wir auf, daß der israelitischen Propheten im Zusammenhang mit Zarathustra und dem Christentum gedacht wird (Weltgeschehen als Kampf der übernatürlichen, ethischen Macht gegen die natürliche, nichtethiBche) und in ihrem Gegensatz zum hinduistiechen Monotheismus (Gott nicht der "Weltschotifer über der Welt, sondern ihr Urgrund); die Bibel wird gegen Nietzaches Überbewertung Manus ___•_,.].'__. .1 „ 1 ,y .. 1. '. T _ _ .1 ^_uti)1:~i." t..1 ..z..il..'__T .*_.)__''' vom Hohen Lied inspirierte Denker zti hören". Spinoza wird" mit Giordano Bruno, Hegel und. Sendling als' Vertreter monistischmystischcr Philosophie gegen eine dualistische Denkweise gewürdigt Der vergleichenden Religionswissenschaft nicht unwert wäre eine Gegenüberstellung talmudischer Weisheit mit den I^bensleh'ren' indischer Denker, vbh derieü1 Schweitzer zahlreiche Proben mitteilt. Einflüsse mögen kaum, vorhanden sein.,,, Aber „warum .sollte semitischer Geist; sich nicht mit arischen Denkern beschäftigen, wo doch — wie Schweitzer ausführt —, »die Schrif't'z'e.ich^en der mdisclieh, Arier sich von einem alten semitischen Alphabet ableiten,' das wir aus' phSnizischen Inschriften und aus den Aufzeichhungen' auf dem berühmten Stein des MoabiterkSnigs Mesa kennen.,. Wann die Schrift bei den indischen Ariern in Gebrauch kommt, wissen wir nicht. Wahirscheirilich empfangen sie sie' von' phSnizischen itaufleiiten. Das älteste Zeugnis iildiichcr Schrift sind die teils in Felsen, teils in Edikte, durch die der berühmte seine Untertanen zum sittlichen und. crmahnt Er gebietet ihnen wohlwollendes Verh'afteri' gegen' Sklaven üiiil Diener, Ehrerbietung gegen elirwürdigö Poraoneri, Schöriung' der Lebewesen, Freigiebigkeit gegen' Brahmanen und Asketen." Talmudifdwr Grüß an einen Gelehrten Zu Prö/effor Dr. itariton» 60. CetuHaiag ,.,Ani27. Januar J^geht Prof.; Dr. J.,, MaT,konj der. bekannte Orientalist und hervorragende Vertreter der Wissenschaft des' JüöVintums,' deV seit i9& ÄUf" Bibuothükar. der Deuiä'ch-, Israelitischen Gemeinde in Hamburg eine' segcnBreibrie Tätigkeit entfaltet, seinen; 60. Geburtstag. Der Jubilar entstammt einer sehr Zu Auch im. öffentlichen Leben des russischen Judentums ist Marken wiederholt erfolgreich hervorgetreten. Als Mitglied des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde in Petersburg hat er in dem" bekannten Ritualmord-Prozeß gegen Beilis durch seine Artikel, die mit ebensoviel Würde wie Sachkenntnis geschrieben waren, die Ehre des jüdischen Namens erfolgreich verteidigt. Während iü Krieges entfaltete" er eine,' bemerkenswerte Tatkraft zur Lin'derun'gofer akuten Sorgeri und Nöte, und" nach dem Kriege 'hat e'r der Sache'der russischen Juden'als Mitglied des jüdischen Nationalrats wortvolle Dienste geleistet. . Religiös der Orthodoxie an gehörig — Markon lehrte am Rabbiner-Seminar iri Berlin — besitzt er doch nichts von der geistigen Enge mancher ^insbesondere deutscher) Orthodoxen. Seine in mannigfachem Leid bewährte aufrichtige Frömmigkeit, die Helle und Weite seines Geistes, Bein sprudelnder, köstlicher Humor, seine oft bewiesene edle Menschlichkeit haben ihm-gerade auch im religiös-liberalen Lager viele Freunde erworben, die in dankbarer Verehrung zii ihm' aufblicken und ihm den talmudischen Gruß entbieten: . , „Möge dein Mund weiter Weisheit .künden und mögen deine Augen weiter letichten irn? Lichte' der Töral". —er. stets als eine heilige VerpfUchtür^ aüfgcmßt, däß: rrtan ihm in Abwandlung .eines': talntuuischen Wortes zu seinem Ehrentage den Gruß entgegenrufen darf: „Du hast durch .dein Forschen und Lehren bewirkt, daß diö Tora in Israel' nicht in Vergessenheit gerfet" - Nach Ahsolvierüng des' Gymnasiums in seiner Heimat und wissenBchaftUcher Studien,,an. den Universitäten' in Petersburgs und Berlin, reichte er .seine Wktordiesertation ein, für die .er durchi Verleihung der goldenen Medaille ausgezeichnet .wurde. Dieser Erstlrngsachrift reüiie sich' eine Fülle anderer, w^a^ch'afctichei' Arbeiten auf den verschiedenen' Gebieten dies Judentums an. Markon gilt als der bedeutendste Kenner des Karfiertumi und als einer der. hervorragendsten Bibliographen der Gegenwärt, der würdige Schüler seines* großen Lehrers M. Steinschneider. . Aus der . Fülle seiner Arbeiten seien folgende Schriften hervor- §ehoben:. „Juden in Abessinjen" (1899);„Uber das . Gebetbuch, itus Knfa" (1908), „Das Karäertum, Wesen, Entstehung und Entwicklung" (1927)^ die Herausgabe der Vierteljahrsschrift „Hakedem", an der die bedeutendsten Gelehrten Europas und Amerikas mitwirkten (1907—12). Der Gelehrte Markon fand durch'" seine Ernennung als Bibliothekar der hebräischen Abteilung der Kaiserlichen Bibliothek in Petersburg, aiPder er von 1901 bis .1917 wirkte, sowie durch seiiie Berufung als Dozent an der, Universität Moskau und als ordentlicher Professor der Universität in Minsk die verdiente staatliche Anerkennung. Handwerk im Judentum toüu Wolffs ReÜen and Schriften Wenn man dieses. Blich' liest, das? Auszüge aus Red?n' und Schriften Louis W ö I f f s" ertthält, der ,seit['J^rMh^tetf für den Aufstieg des -jüdischen Handwe'.riterB^^ einem vor allem' die kliigä V|4raussicht dieses Handwe^rke'rj^rien auf, der schon ünmei* vor^ den Gefahren eirler fa^scheft Berufs¬ und Wirtechafts^rukttir aeiriie warnende^Stirdme, erh^b^h'uVd'.eine stärkere; yerlägerung.der.IWrüfB's^ durch Zui&rtn' facliUch geeigriete'r'. Jügen'd' zum'Ijaiawerif gefördert"' Bat.\ Ef ".^StÖJrft'' ejn umfasseiides Bild: votu' .Wesen .ühtf, p^^^& H&^ikeTS! iba Judentum und1 dient1 damit als' IeTbeudigei* Wegläse? in1 öÜtf Wfrtsch'aftlicfieV soaSfe,'. mkm6-..^S-'ä^^:M^-^^.ää^Bk. DeV' Vorsitzende* deW Berlirft? HMdwerke'rVefeÄ iat Keineswegs ein' SchÖhffcbe'r. Aus' Üa^-Villtäiää^t ^0M:,iääc[ &äz. des; jüdischen, 0ä(^ll&itiä^^^i auf u^^y^^ttWi^i^äii yno auf . die Betätigung iti pral^cher und.' produktiver ÄH&iiifc „Der schöpferisch; ^1^,.V^ß^fiii^ß^ w|rft;.s|^de^..^nilM jdclit' verschließen, Jffotäfrl. EöAs^ßäve Aufbauarbeitj, di^ ,4Hl. gegenwärtigen ycrfiälöussö erleichtert',; und die. dir Zutünft'. Rechnung trägt, durch vöraüaschauehde, zielbewußt' geplante Maßnahmen den Boden zu bereiten für die Gestaltung' sfeines eigenen' Sclücksals." Aber er hält auch mit seiner Kritik keineswegs' zurück und weist auf die Fehler hin, die früher gemacht wurden und in der geringschätzenden Anschauung über den Wert der jüdischen Handwerksarbeit, in der Bevorzugung geistiger Berufe und in der aus Ehrgeiz, .Tradition und falschem Stolz entstandenen verkehrten Berufswahl lagen. Iii diesem Buch, das Dr. Herbert Kahn zusammengestellt und Wilhelm M a r c ü b mit einem Geleitwort versehen hat, fallin so nicht nur Streiflichter auf die Geschichte des jüdischen Handwerks; es legt beredtes Zeugnis ab von dem schöpferischen Gestaltungswillen und der starken Gestaltungskraft der Angehörigen des .jüdischen^ Handwerkerstandes, indem es mannend, warnend und au'fbatiend d<!n sozialen' Aufstieg des' jüdischen' Handwerkerstandes innerhalb der deütacScn Jüdenheit begleitet. ' Die Schirift, die der Zentralyerband. jüdischer Handwerker. Deutschlands herausgegeben hat, ist im Biko-Verlag, Berlin, .erschienen. Die Zentralverwaltung der jüdischen Handwerkerschulcn,. die der ICA in Warschau angeschlossen-sind, hat sich'.bereif erklärt,, vorläufig 50 Schüler aus Deutschland zur Ausbildung in den jüdischen Handwerkerschulen in Polen aufzunehmen.. Es handelt sich, um Ausbildung in Maschinenschlosserei, Tischlerei, Weberei, Malerei und Dekoration. .Meldungen beim' Zentralausachuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau, Berlin- Charlottenburg, Kantstr. 158. D&r Wunderdoktor von Frößnitz Die Triäci Oei fiiffiien Meffias — Der Zauber des Nanieha — JÖär bSfe Geift aus Borniert Vom Bärin bedroht al.tj .unot, wat' jedem, der sich'' riüt praktischer Ausübung dei Mystizismus . beBchüftigte, ohne'1 ^eitSres ^geläufig,' die Erfolgi sehr tragikomische" Rolle. blieben' auch nicht aus ■— ztimindest Aui des Da Zu Ende des sechzehnten und bis in" die Mitte des, siebzehnten' Jsj|i|^i^r^-Cj|1neif|., aptelte die .aaWa^isniiielii'. -fim^güS^. im iüd^ischerf Leticn' eine sehr , große und sehr tragikomische'Rolle,. . Sabbatai .Zewi,- der,' naebdent er offiriell zmn Islam übergetreten diis Me^iasse den Ort ihrer Tätigkeit: gewöhnlich' wechselten, sehr war,'iCTS^Sto^ hinterlassen, die eifrig ' häufig,, nachdem das Feld abp—-:J'-'- — bemüht waren, die sabbatianische Lehre, richtiger den erweiterten' —i.—.- _..n^_ _«i A L ^Ürv.jl. i'i . I-l J-/n ' ...^ '/lll' ■. Aber.gTa^ubcn, den,.sie dafür ausgaben, zu verbreiten ....... Dio Zeit für Mystiker ,. wir, wie schon, so, oft, sehr günstig. Mit, TäischenBpielereieh und geheimnisvollen Redensarten konnte' man sehr leicht Einfältigen und' Blindgläubigen die Köpfe verwirren. Fi gehörte nicht sehr viel dazu, den ■ Wundennann -zu spielen und namentlich (bei den Sabbatianern war die Mühe^ gering. Wer Bich einmal hemmungslos dieser Lehre angeschlossen hatte, der war jedem Hokuspokus ohne weiteres zugänglich. Es hing natürlich .—. wie ja auch bei, der Taschenspielerkunst —„von der, Geschicklichkeit, des Gauklers ab, die, erstaunte und immer wieder staunende Menge nicht . hinter die Tricks kommen zü lassen. Es nüiß aber bedauerlicherweise festgestellt werden, daß auch entlarvte Elemente es verstanden haben, am selben Orte sogar ihrer) Hokuspokus weiterzutreiben. ' ., Ein ganz origineller Kauz in dieser Beziehung muß Löb'ele P rossni tz gewesen sein, genannt nach dem Orte Prosanitz in Mähren (jetzt Tschech'osTowakei), wo er eine Zeitlang seinen Sitz aufgeschlagen hatte. Man weiß nicht, worüber man sich mehr ■mindern soll: Über Löbens Unverfrorenheit oder die.'Dummheit' derer, die nie alle würden. .; >: Löbele Prossnitz war, ein Messias. Weriigstehs sagte ir so.' Er erklärte, daß durch das Buch Sohar; ein Hauptwerk dir Kabbali, die Tora und der Talmud ihro: Geltijng verloren hoben, daß Gott d,ert, Frommen, d. h. den: Kabbajisten, die We|t überlassen'ha^be. Allerdings nicht allen Kabb'aliaten, sondern nur den auserwählteh. Löbele war natürlich solch ein Auserwählter, ein Erlöser, dem alle Gewalt gegeben war im Himmel wie auf Erden, Wdnder -zu vollbringen und das Unmöglichste möglich zu machen] J)ie Anforderungen, die in dieser Beziehung an Löbele ge-, stellt Wurden, konnten allerdings nicht sehr bedeutend gewesen s«in. Immerhin: , er hat Wunderheilungen vollbracht. Bei der großen Zahl hysterischer Männer und Frauen, die eich unter sisiner» Anhängern befanden — ea waren wohl die meisten krankhaft ycraVilagt —, war ' eä nioht Bchwer, durch. Buggeativo Methoden .Kuren zu vollziehen^ die, bei den Einfältigen als überirdische Wunder angestaunt worden sind. Organisch Kranke hat er sicher nicht geheilt aber da war es ein leichtes, die Krankheit als eine Strafe für begangene Sünde hinzustellen, eine Strafe, verteidigt, das Hoho; Lied anläßlich hinduistiacher Lieder er-^die. üin dea ewigen Seolenheiles willen nicht unterbrochen oder wähnt, welche die Liebe zu Gptt unter dem Bilde sinnlicher Liebe gar^aufgehobeu werden durfte. Damit war der Fall für alle — mit verherrlichen /(„wie bei; den christlichen Mystikern... auf die Ausnahme'vielleicht des Kranken selber.— erledigt. Sehnsucht der Seele nach ihrem Erlöser gedeutet") und auch in Dtukzu. verstehen, ist heute jedem Laien sehr leicht. Die Tagores neu-indischen Denken meint Schweitzer „abendländische, Heilanwenduiig'der Hypnose und der Suggestion ist sehr gegrast, war, , aus mangelnden Einnahmen' wechseln mußten, zählten di6 Fehlschlage. —. besonders im'. Anfang — nicht mit. Der" Ruhm, der der, Ankunft eines solchen j^MeBsids",, vorausging, war auch oft so gewaltig,' daß er' allein schon .zauberhaft wirken mußte. , " ■,'. ... _ Man wollte jedoch nicht nur wunderbare Kräfte spüren, man wollte auch etwas.sohen. Ohne Schauspiel geht es nicht ab — das wußten diese Wundermänner sehr gut, dos wußte natürlich auch' Löbele Proaänitz. .,-.. ',. , Den Leuten sollte geholfen werden. Löbele empfing die Gläubigen in einem weißen seidenen Talai. Auf der Brust trug ex die vier Buchataben des Gottesnamens: aus Flittergold ausgeschnit; ten. Löbele stand meist vor, einein, Vorhang, hinter dem er Mischungen aus Terpentin und Spiritus und wohl sonst allerlei ' Chemikalien brennen ließ, Und die in dein' Augenblick, in dem' sich Löbele einer bestimmten Steile näherte, den Go'tteshamen aufleuchten ließen. Mim' kann sich vorstellen, was das auf naive Gemüter für eine Wirkung ausübte. .Allerdings darf man nicht vergessen, daß die Menschheit jener Zeit solche Lichtzauber noch nicht kannte. Der Anstifter der ganzen Geschichte und wohl auch derjenige, der bei einem Besuche in Prossnitz dem Löbele, wahrscheinlich nicht bloß durch Ratschläge, sondern vielleicht auch durch klingende Vorschüsse, den Rücken stärkte,,. war Nehemia Chija Ch'ajön, ein Sabbätianer aus Bosnien, der es verstand, selbst die gelehrtesten und frömmsten Rabbiner seiner Zeit hinters Licht zu führen, ihnen Gutachten und Empfehlungen abzulocken, deren sie sich später schämten. Dieser Chajon mag dem Löbele manchen Trick gelehrt haben. Jedenfalls war Löbele vom Bann bedroht worden und,geneigt gewesen, den Schwindel aufzustecken. Nach Chajöns Besuch — etwa um 1713 — nahm er jedoch Beine „meBsiänische Ideo" wieder auf, bis man ihm das Geschäft verdarb. Es iat interessant, daß gerade Über Löbele Prossnitz wenig ausführlichere Quellen existieren. In deutscher Sprache ist nichts über ihn erschienen. In hebräischer Sprache hat der durch seinen Kampf gegen die Sabbätianer und besonders gegen den ihm des Ketzertums verdächtigen berühmten Rabbiner Jonathan Eibeschütz bekannt gewordene Rabbiner Jakob Emden Aachkenasi in seinem Werko „Thora Hakenaoth" Über Löbele Prossnitz Aufschlüsse gegeben. ' v > ' Löbele Prossnitz wurd$ endlich durch eine Rabbinatsversammlung des Landes verwiesen. Er wanderte nach Ungarn aus, scheint aber dort keine großen Erfolge erzielt zu haben; wenigstens verliert sjcli seine ■ Spur, und man hat nachher wohl nichts Bemerkenswertes mehr über ihn erfahren.