Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 2 (9.1.1935)
- Date
- 1935-01-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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■ty-y* i'H Es wird o cm eltlei: ■ Wie aus Wien gemeldet wird, ist dort die Judenboykott- Agitationsschrift „Kenn Dien aus — bei Juden und Christen", die ,cin Firmcnvcrzcichnis enthielt, in dem jüdische und nichtjüdische Firmen durch auffallende Kennzeichnung unterschieden waren, von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden. * ■ Wie die „Berliner Börsenzeitung" mitteilt, ist für die Dauer des Abstimmungsmonats ein besonderer Funktclcfondienst zwischen dem Saargebiet und Palästina eingerichtet werden. * BS Die Abteilung „Altkunst" Galerie van Diemen & Co. im Kunsthandclshaus Margraf & Co. wird demnächst aufgelöst werden. Die erste Versteigerung findet in Berlin in der Zeit vom 25. bis 27. Januar statt. * B Dur „Wcscrbotc" borichtot aus Ocvclgönnc (Oldenburg), daß auf dem dortigen jüdischen Friedhof auf 15 Gräbern die Grabsteine abgebrochen worden sind. Die Polizei hat die Verfolgung eingeleitet. * B Die aus dem Allgemeinen Deutschen Waffenring ausgetretenen studentischen Verbände haben einen „Völkischen Waffenring" gegründet. Dem „Völkischen Waffenring" können nur solche Verbände angehören, „die in ihren Gliederungen ausnahmslos wedci Judcnstämmlinge, jüdisch Versippte noch Angehörige von Logen, Orden oder ihren Nachfolgeorganisationen dulden". # BS In der „Schweizerischen Musikzeitung" veröffentlicht Georg Kinsky fünf bisher unbekannte Briefe, die Richard Wagner an Mcycrbecr gerichtet hat. Die Briefe stammen aus den Jahren 1840 bis 1846 und betreffen Aufführungen des „Licbcsvcrbotcs", des „Ricnzi" und „Tonnhäuscr". B} "Wie aus Wien berichtet wird, hat Gitta A1 p a r dort in der Operette „Die verRette Königin4' einen großen. Erfolg erzielt. Auch Otto Wallburg wirkte in der Aufführung mit. * B Wie auB Paris gemeldet wird, ist der Oberrabbiner von Frankreich, Israel Levi, schwer erkrank t. Professor Levi ist 79 Jahre alt und wurde im Jahre 1919 zum Obcrrabbincr des Zcntral-Konsistoriums von Frankreich gewählt. # B Nach einer Veröffentlichung der NdZ Korrespondenz ist die Einwanderung deutscher Juden nach Palästina in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres zurückgegangen. Während Bic noch im Juli 729 betrug, werden für August nur noch 513 und für September 461 Einwanderungen gemeldet. « B Die griechische Regierung hat ein Dekret veröffentlicht, durch das der Anspruch der jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen auf staatliche Beihilfen aus dem Pudget des Ministeriums für soziale Wohlfahrt ausdrücklich anerkannt wird * B Im Zusammenhang mit einem in dem polnischen Ort Ozarow verübten Bombenanschlag auf die Mühle eines jüdischen Besitzers wurde der bekannte Antisemitenführcr Dmowski verhaftet. Ihm wird auch die Mittäterschaft bei einem Bombenanschlag auf ein jüdisches Haus in dem Nachbarort Pruszkow zur Last gelegt. 4 B In die chassidischc Klaus des polnischen Städtchens Sabinjeziory bei Otwock sind während der Nacht Huligans eingebrochen und haben die Tora-Rollen geschändet. Das Rabbinat hat einen Fasttag angeordnet^. Ein „Konkordat"? Der Prülident der Reichsfchriiltumskammer über die Judenfrage in Deutfchland Der Dichter und Präsident der Rcichssrhrifttnmsknnimcr, Hans Friedrich 1! I u n c k , hat sich in außerordentlich beachtenswerten Ausführungen mit der Judenfragc in Deutschland beschäftigt und dabei ein Problem berührt, das völlig neuartig anmutet. Im Dezemberheft der „Europäischen Revue" hat HanB Friedrich Blunck eine, wie verlautet, im Herbst 1933 entworfene „Rede an die Jugend der Wcstcrlündcr" veröffentlicht, mit der er dem gegenseitigen Begreifen dienen will, in dem er sich bemüht, die Ideologie des neuen Deutschland dem Ausland verständlich zu machen. Positiv bedeutungsvoll für uns deutsche Juden ist in diesen Ausführungen nicht nur ein eindringlicher Appell an die Ausgewanderten, auf die Lage der vier Fünftel der jüdischen Bevölkerung in Deutschland Rücksicht zu nehmen, sondern mehr noch der Schlußsatz, in dem von Bestrebungen um ein ,,K o n k o r d a t" zwischen der im Reich verbliebenen jüdischen Bevölkerung und der Regierung gesprochen wird. Hans Friedrich Blunck sagt: „Man hat uns die Beschränkung unserer jüdischen Mitbürger auf bestimmte Berufe verübelt. Wer die letzten 15 Jahre in Deutschland erlebt hat, kann die Volksbewegung verstehen, die will, daß in Deutschland alle Schichten, die die geistige Einstellung eines Volkes bestimmen, ohne jüdischen Einfluß wirken. Wir sind auch entgegen der Meinung des Auslandes sicher, daß unsere junge deutsche Literatur — um die Sic sich noch niemals ernsthaft bekümmert hoben, meine verehrten Hörer — mitten in einer reichen und fruchtbaren Zeit steht und daß unsere Theater besser spielen als früher. Wenn man darüber hinaus die Beteiligung unserer jüdischen Mitbürger an Korruptionsfällcn und unerfreulichen Erscheinungen des Kapitalismus untersucht, wenn man sich der furchtbaren Worte des Hochmuts der. früheren jüdischen Hcrren6chjcht erinnert über den Boche als hirnlosen Untertan, über den Deutschen, der nur unter jüdischer Führung zu zähmen sei, so wird man sich über die Zucht eines Volkes wundern, daß Bich mitten in einer antikapitalistiBchcn Revolution befindet. Nichts Boge ich damit zur Verteidigung bestimmter Gewaltsamkeiten. Ich darf aberdarauf hinweisen, daß in dem französisch verwalteten Constantine an einem einzigen Tag mehr Juden umkamen, als der Gesamtverlust unserer jüdischen Mitbürger in Deutschland betragen dürfte. Ich möchte auch nicht verhehlen, daß der Antisemitismus in Deutschland in breiten Schichten erst Geltung gewann durch den Boykott des Auslandes und durch die unerhörten und ungerechten Darstellungen deutscher Verhältnisse in der jüdisch geleiteten Presse des Auslandes. Unsere Emigranten, die noch vor Jahresfrist Krieg gegen Deutschland oder zumindest unsere Entwaffnung verlangten, die mit ihren Zeitungen die Parlamente unserer Nachbarländer überschwemmten, die aas junge Deutschland überhaupt nur von draußen sahen und deshalb an ihm vorüborleben — genau wio die Emigranten der französischen Revolution —, sollten endlich Rücksicht nehmen auf die Lage jener vier Fünftel der jüdischen Bevölkerung, die hier in Deutschland verblieb. Die Bestrebungen gerade des deutschen Schrifttums, zwischen der im Reich verbliebenen jüdischen Bevölkerung und der Regierung ein Konkordat zu erzielen, werden immer wieder im entscheidenden Augenblick durch Ereignisse aus dem Ausland verhindert." D|e nichlarifdieii Filmregiffeure Filmproduktion in Zahlen Das Fachblatt des HcicliBvorhandes deutscher Filmtheater gibt in seiner letzten Dezember-Nummer einen allgemein interessierenden zahlenmäßigen Rückblick-lauf die deutsche Filmproduktion den vergangenen Jahres. Während im Jahre 1934, wie berichtot wird^/in 124 Filmen' insgesamt :867 Schauspieler' in 1915'Rollen tätig woreu, spielten : im Jahre' 1933 in 120: Filmen' nur 722 Schauspieler.-ii nm',1561 Hollen. Für-die 124 Filme wurdn-6B Regisseure angesetzt, wahrend im Jahre 1933, in dem vier Filme weniger gedreht wurden, 74 Regisscure zeichneten. Der höhere Beschäftigungsgrad der deutschen Regisseure im Jahr 1934 sei — wie das Blatt betont — hauptsächlich infolge des Aus Scheidens der nichtarischen Kräfte in der Filmrcgic erreicht worden. Der meiutbeschäftigste Regisseur war — wie im Jahr zuvor — Carl Bocsc mit acht Filmen, ihm folgt Georg Jacoby mit sechs Filmen, je einen Film drehten Intendant Gustaf Gründgens und Heinz Hilpert vom Deutschen Theater. Kür die 124 uniufgcführtcn deutschen Filme wurden an 101 Autoren 4173 Drehuufträge erteilt. Wie im Vorjahre steht auch diesmal Walter Wassermann mit neun Filmen zahlenmäßig an der Spitze. Otto Hirfch 50 Jahre, alt ... Am heutigen Mittwoch wird Ministerialdirektor a. D\Dr. Otto Hirsch, der Vorsitzende dea PrttsidialausschusaeS der'.Reichsvertretung der deutschen Juden; \50 Jahre alt. Seit der^Gründung .der ReichsVortrctung ist er auf diesem verantwortungsvollen Posten tätig und hat es verstanden, durch seine ^zielbcwtuJto Energie, seine umfassende Sachkenntnis, sein unbeirrbares Verantwortungsgefühl und nicht zuletzt durch die vornehme, verbindliche Art seines Wesens sich die Verehrung seiner Mitarbeiter und der jüdischen Allgemeinheit zu sichern. Schon bevor Otto Hirsch unter Hintansotzung persönlicher Interessen sich für das leitende Amt in der Rcichsvcrtrctung zur Verfügung stellte, hat er an repräsentativer Stelle des deutschen Judentums, alfl Präsident des Oberrats der Württcmbergischcn Gemeinden gewirkt. Mit unseren Glückwünschen verbinden wir die Hoffnung, daß Dr. Otto Hirsch auch im neuon Jahrzehnt seines Lobens mit unverminderter Liebe und Kraft erfolgreich im Dienst des Judentums tätig sein möge. Sache der Einftellnng Die Westfälische Landeszeitung Rote Erde, Dortmund, schreibt: Es gibt immer noch Zeitgenossen, auch in Dortmund, die bis heute noch nicht erkannt haben, daß der Nationalsozialismus und sein Gcfolgschaftsgcdankc auf Freiwilligkeit beruhen, und zwar sind dos dieselben lieben Mitmenschen, die immer so tun, als wäre der Nationalsozialismus ein Zwang, der nichts gestattet, aber olles verbietet. Da liegt z. B. jetzt wieder ein Fall vor, den diese Zeitgenossen, die wir meinen, gar nicht mehr verstehen zu können scheinen: Viele, nichtnalionalsozialistischcn Zeitungen bringen bekanntlich seit geraumer Zeit wieder Anzeigen jüdischer Kaufhäuser. — — — „Ja, da siehst Du, wenn die dos schon wieder dürfen . . Von dürfen kann hier gar keine Rede sein. Es hat nämlich zu keiner Zeit ein Verbot bestanden, jüdische Gcschüftsonzeigen aufzunehmen. Das ist vielmehr eine Sache des Taktgefühls und der E i n s t c 1 l u n g! Der Nationalsozialismus ist kein System von Paragraphen, Verfügungen und Verboten. Wenn sich von Zeit zu Zeit deutlich die Spreu \om Weizen scheidet, so kann das in jeder Beziehung nur erfreulich und gut sein. Bedauerlich ist nur, daß die BcruJfsmeckerer immer noch nicht verstehen, dem Übel an die Wurzel zu gehen; sie sollten sich zwei Dinge merken: Erstens prüfen, gegen wen sich ihr Unwille zu entladen hat und zweitens die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis ziehen. — — Ob man allerdings hei ihnen so viel ehrliches Wollen und entschlossenes Handeln voraussetzen darf? Todesurfache Hanger — nicht Ritaalmord Wilno. Die Behörden hoben Maßnohmcn gegen die unter der weißrussischen Buucrnl>cvölkcrurig getriebene Judenhetze angeordnet. Unter den Bauern wird das Märchen von einem Ritualmord an einem Knaben aus dem Dorfe Kobilniki verbreitet, obwohl die gerichtliche Obduktion Hunger als Todesursache festgestellt hat. „Gazcta Wurszawska" meldet, daß die Bauernschaft davon überzeugt sei, daß ein Ritualmord verübt wurde. „Die verkaufte Braut" im Kulturbund ........ p"/;w™'\Tr^(pffj»fw: gfyi * > ^/^;^ f;?*W/i£^ Ein Abend reiner, unbeschwerter Freude ist diese Aufführung, eine der abgerundetsten Leistungen, die dem Kulturbund bisher gelungen sind. Ein guter Griff ist es, der nuch der erhabenen, hochdramatischen Spnärc des „Fidelio" jetzt die realistische, lebensfrohe Welt des böhmischen Bauerntums auf die Bretter bannt, einen derben Schwank ohne allzuviel Hintergründe, über den der böhmische Nationalkomponist S m e t a n a den ganzen Btrömendcn Reichtum seiner Melodik ausgegossen hat. Nur von ferne ahnt man hier etwas von dem Ringen dieses Mannes um die Musikproblcme seiner Zeit, um Beine Auseinandersetzung mit der neudeutschen Schule Wagners und Liszts, man bemerkt in der „erinnerungsmotivischen" Wiederholung der Melodien ein Hnuptstilmerkmal der romantischen Oper — im Vordergrund steht jedoch der berückende Uberfluß melodischer Einfälle, die schwelgerische Terz- und Seitenscligkeit der Harmonik und vor allem diese so überaus reiche slaviBchc Rhythmik, die einem wahrhaft in die Glieder führt. — Eine Oper „leichten nationalen Stils" hat Smetana hier angestrebt; ihren Welterfolg durfte der vom Schicksal hart Getroffene nicht mehr erfahren. Stimme und Aussprache ein echter Buffo, ferner Julius Kuthan, der als Wenzel die nötigen Lachsalven hcrvorlockt, dabei aber, soweit es seine Slolterpflicht gestattet, auch ein klangvolles Organ zeigt. Fritzi J o k 1 singt die Marie mit hellem, biegsamem Sopran; ihr Spiel ist am besten da, wo sie schalkhaft sein darf. ' Paul Feh er bringt für den Hans sein schönes tcnorales Timbre, Das Hauptverdienst der prachtvollen Wiedergabe gebührt unstreitig Joseph Roaonstock, der sein Orchester zu immer schöneren Leistungen emportreibt. Neben dem in aller Farbigkeit glühenden Streicherklang konnten sich diesmal auch die Bläser wirklieb ehrenvoll behaupten. Vom Dirigentenpult her erhält die ganze Aufführung ihren lebendigen Pulsschlag, der durch' die diskrete Untermalung der Gesangsszenen hinaurchschwingt, in der urwüchsig schäumenden Kraft der Volkstänze ober seine besten Triumphe feiert, den höchsten in dem aufpeitschend derben „Furiant" des zweiten Akts. ■• 1 :Ein frisches Tempo' zeigt -ymit Ausnahme '• allenfalls' des Anfangs — •aucti 'Kurt»B'A.uatan'ns 'Regie;'die mitj:RecIit-den Akzent auf das Bnffoneske und .Volkstümliche' wirft.'-Heinz Gbridc11 B'BülutonMIderiund Kostüme sind dem Charakter des Werks glücklich eingefügt) 'mar sollte sich der liebe blaue 'Himmel etwas aufklären; er sieht gar zu gewittrig aus'.; •: Auf der Bühne hehprrschen die komischen Gestalten die Wirkung, voran Siegfried TJ rTa a als 'leicnsatrotzcndor Kczal, dessen Hünenfigur sich doch so gut im Rhythmus zu bewegen weiß,' in ....... i; jV ■ ' - . . i '•■■.*■ V: Aus Smetanas heiterer Operi ein lustiges Quartett paoL Abraham seine glanzvolle hohe Lage mit; darstellerisch freilich muß er viel gelöster werden. Mit meisterhafter Buffotechnik stellt Gerhard Pechne r einen knurrigen Kruschina hin; als seine Gattin Kathinka setzt Susanne Stein ihre in jeder Beziehung starke Begabung ein; ihre Stimme hat einen warmen, gesättigten Klang. Ausgezeichnet auch das andere Eltempaar: Fritz Lechner und Anno, Lipiu verhalfen namentlich dem berühmten Sextettzu guter Wirkung; §cÜießUch die graziöse Lieselotte; Jacob,! a)s Esrneralda mit angenehm ,zartem Organ, Herbert 6. r, üh;b «u m ols grotesker l?ir<;ktpr sowie.Werner Hermann als. bedrohlicher „Indianer". Für die" schwungvoll derben Tänze — sie bilden szenische Höhepunkte .-r^ ^zeichnet Rolph /R o'JnV für die markig frischen Chöre BertholdT jp ander. '' '■'«...■■»..'. Jubelnder..Beifall setzt schon während des Stückes dauernd ein und 'ruft oj« Schluß Rosenstock unddie Sünger, auch riocli Vor den■ s,Ejsernen".)'; v.; . ' :■ .• < •.ft.,?>?J#'«H ,' - V,-.. ,it.n BEKANNT DURCH MUAIITA7S -WÄREN P. •i "i . ■- 19 <w* ''.'<J . n t( 15 ■ I <?,