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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-01-02 · 1 (2.1.1935) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
1 (2.1.1935)
Date
1935-01-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Jahreswende 1934/35 Von: Dr. FELIX- HEIMANN . Lange Spdnno eines Älenachcnlcbbna,-hunderte.von Tagen und. Nächten; . / > Sekundenbruchteil des Aon . . .1 Ein Jahr vy.rsinkt, ein neues zieht heran. Feierlich und ornat der Augenblick; da Versinkendes und Herannahendes sich die Hllndo reichen, und niemals an Israel» herbstlicher Jahreswende der Freudo, dem Rausche , und dem Vergessen geweiht. In ernstem Selbstgespräch vielmehr treten in den Rausch-ha-schono-Togcn IsrnelB Münncr und Frauen beim Schall der Posauno im Gotteshaus zusammen. tj, Und auch dieser erste Tag des bürgerlichen neuen Jahres sei uns und unserer Gemeinschaft ein Tag der Einkehr — aber freilich auch des Mutes der Seele, jenes Mutes, der dem Glauben an den endlichen Sieg des Guten und des Gerechten in uns selbst und in der "Welt entspringt, in die wir hineingestellt sind, und in der wir tapfer den "Weg zu Ende gehen müssen, der uns bestimmt ist. V/C r ant wo r t u n gs g o f Ü n 1, 0 p f e r wi 1 Ii g k ei t, Selbstvertrauen seien unsere Führer in diesen Stunden, .sda ein schicksalhaftes Jahr von uns sich wendet und Platz macht einem anderen, das, so hoffen wir, ein Jahr des Sogens und des Friedens, ein Jahr auch des Wiederaufstiegs werden soll für uns und die Gemeinschaft, der wir angehören. Verantwortungsgefühl, Opferwilligkoit, Selbstvertrauen werden uns befähigen, auch diese Zeit zu meistern und stärker und geschlossener denn je aus ihr hervorzugehen. Starker und immer stärker aber muß sich in jedem Einzelnen von uns der kategorische Imperativ jüdischer Pflichter f üllun g durchsetzen: „Lebe so, als wäre von der Beurteilung Deines EinzclJebens das Urteil über Deine jüdische Gemeinschaft abhängig! Tritt in die Reihen ein und kämpfe so, als wäre mit Deinem Falle das Schicksal aller Deiner Brüder und Schwestern besiegelt!" Deutschlands Juden sollen sich auch an dieser Jahreswende hürter prüfen als alle anderen und sollen auch in diesem bürgerlichen Jahre, dos jetzt beginnt, von sich selbst das Schwerste verlangen. Und es ist schon so, wio einst ein großer deutscher Jude sagte, der im Dienste der Allgemeinheit Bein Leben hingegeben hat, daß uns nämlich deshalb der Blick nach innen und nach oben gegeben sei, das Stieben zur Sache, zu den Dingen und zur Wahrheit, damit wir dos Nahe und das Ferne erfassen, damit wir dio Dinge in ihrer Beziehung zum Kosmos erfühlen, damit wir höchste Gerechtigkeit üben, uns selbst härter prüfen als alle anderen und das Schwerste von uns verlangen; und deshalb ist uns harter Boden, harter Himmel und hartes Leben gesetzt, damit wir . nie und nimmer erlahmen, selbst im härtesten Dienste und in den bittersten Prüfungen den göttlichen Geist zu erkennen und zu verherrlichen. Ferner verlangte die Abordnung, daß dio Sorge um die überzähligen Einwanderer den jüdischen Organisationen anvertraut werde, dio ihnen Sichtvermerke beschaffen und AuswandcrungsmOglichkcitcn für sie finden würden. Ministerpräsident Flandin sprach die Hoffnung auf ein gedeihliches Zusammenarbeiten mit den-jüdischen Kreisen im. Interesse des moralischen und 'wirtschaftlichen Wiederaufbaus aus. Er erklärte^ er werde. sich bemühen,: die von dem Komitee vorgebrachten Wünsche woitgehendst zu,berücksichtigen. Die „Jucleiii'efölutioii" ~ des Fafcliiftesikoiigreflcs Unterredung mit dem Vorsitzenden des Kongresses von Montreux : Rom. Der Vorsitzende des vor kurzem in Montreux abgehaltenen Kongresses verschiedener faschistischer Verbände, Abg. Eugenio Co so 1b eh i, hat dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur in Rom über den' Verlauf des Kongresses und insbesondere über das Zustandekommen der von diesem einstimmig gefaßten sogenannten „Judenresolution" folgende Aufklärungen gegeben: Der Kongreß in Montreux hat Bich in seinen Beschlüssen an die Grundsätze des italienischen Faschismus gehalten und in seiner Resolution zur Judenfrage den Gedanken der Bekämpfung der Juden auf Grund des Rassenprinzips abgelehnt. Diese Haltung wurde als allgemeiner Grundsatz festgelegt. Andererseits aber hat der FoschiBtenkongreß auf Verlangen verschiedener Delegierter dio Haltung bestimmter jüdischer Gruppen in manchen Ländern behandelt, die, statt sich als loyale Bürger zu bekennen, unter dem Einfluß der verschiedenen Internationalen stehen, die der Faschismus aufs heiligste bekämpft. Die Teilnehmer an den Beratungen von Montreux bekannten sich ferner zu dem Grundsatz, daß jede faschistische Organisation berechtigt ist, ihre inneren Angelegenheiten gemäß den örtlichen Bedingungen zu regeln und ihr feindliche Gruppen zu bekämpfen. ■ Die Resolution über dio Judenfrage, fuhr Abg. Coselschi fort, wurde von dem Franzisten Marcel Bucard redimiert und hält sich an den Gedanken der „römischen Gerechtigkeit". Beweis dafür int? daß Marcel Bucard, als er seine Resolution vorlegte, gleichzeitig eine Eh'rüh'g-d'cr jenigen Juden beantragte, die bei der Verteidigung ihres Vaterlandes im Kriege g'ie-fyi 1,1 en sind. Nach seiner Rückkehr aus Montreux wurde Abg. "Eugenio Coselschi vom Ministerpräsidenten Mussolini empfangen, dem er einen ausführlichen Bericht über die Arbeiten und Beschlüsse des Kongresses erstattete. Die Lage der jüdischen Einwanderer in Frankreich . Flandin verspricht Berücksichtigung der Wünsche Paris. Ministerpräsident Flandin hat eine Abordnung des Komitees für die Verteidigung der jüdischen Rechte in' Ost- und 'Mitteleuropa, bestehend aus dem Katholikenführer Dcpu-, üerten Marc Sangnler, Prof; Hadamard, dem Generalsekretär des Komitees, Boris Gurevitach, dem Mitglied des Konsistoriums, George Leven, und Baron de Gunzbourg, empfangen. Der Unterredung wohnte auch der europäische Direktor des Joint Distribution Committee, Dr; Bernhard Kahn, bei. Die Abordnung dankte dem Ministerpräsidenten für die Holr tupg der leitenden französischen Kreise in der Judenfrage und ihr Eintreten für den Grundsatz der Gleichberechtigung der verschiedenen Rassen. Sie lenkte jedoch die Aufmerksamkeit des Ministerpräsidenten darauf, daß in letzter Zeit administrative Maßnohrncn gegen jüdische Einwanderer getroffen und Ausweisungen vorgenommen wurden, die sich auf die Lage der jüdischen Einwaiiderer in Frankreich katastrophal auswirken'und der jüdischen öffentlichen Meinung anderer.. Länder Anlaß zu schweren, Besorgnissen' gegeben hoben. Die Tatsache, daß in Unternehmungen jüdischer Einwanderer. zahlreiche Einheimische Arbeit 'gefunden hohen, würde es rechtfertigen, daß einer gleichen Anzahl eingewanderter Arbeitskräfte Arbeitserldübnis' erteilt1 werde. „Was denkt Ihr über die Juden?" Wie sich die Zeit in deutschen Kindcrseclcn spiegelt ' München. Die in München erscheinende „Sonntag-Morgcn- Post" hatte, wie sie mitteilt, an zehn Kinder zwischen 12 und 14 Jahren zehn Fragen gestellt, um kcnnzulerncn, wie sich in der deutschen KnabcnBcclc dio Zeit widerspiegle. Frage 4 und 5 lauten: Was denkt Ihr über die Juden? Hat Hitlor recht gehabt, daß er ihre Macht in Deutschland gebrochen hat? Als Antwort auf diese Fragen verzeichnet die „Sonntag- Morgen-Post" folgendes: 1. Dio Juden schauen nur auf ihren Geldbeutel. Ihnen ist es ganz gleich, wenn dos Deutsche Reich zugrundegeht, weil sie gar keine Deutschen sind; darum können Bio auch gar.keine Vaterlandsliebe haben wio wir. 2. Der Judo hat seine Waren^ in der ganzen Welt goknuft, da bekam er sie billig und uns gab or sio teuer. Sie haben Deutschland im Kino geschwächt, weil sie bo Zeug gebracht haben und die Loute haben schließlich nichts anderes mehr mögen. Dio Deutschen wären nur mehr Knechte gewesen und sie die Herren. Und so wollen sie es auch bei den anderen Völkern machen,'daß es in der ganzen Welt nur mehr Knechte und Herren gibt. Uns Bauern haben sie oft sehr' geschunden. 4. Sie haben das deutacho Volk ausgesaugt, dos weiß ich aus der Zeitung. 5. Der Jude gehört aus Deutschland ausgeschaltet, weil wir es jetzt sehen, wie er im Ausland gogen Deutschland hetzt. 6. Ein Judo hat gesagt, alles gehört allen, aber er hat gemeint,' alles gehört den Juden. 7. Wenn die Juden in Deutschland nicht so gegen das Volk gearbeitet hätten, dann wäre es nicht vorgegangen gegen sie. 8. Der Jude hat das Bauerntum ruiniert. 9. Warum sollen wir dio Juden im deutschen Volk behalten, wo wir doch selber so viele Arbeiter haben. 10. Der Jude stammt nicht aus dem Deutschen Reich, er schiebt nur das Geld ein, wenn der Arme zugrunde geht, das läßt ihn kalt. Neues Etlios der Arbeit Das Jubiläum des jüdifchen Handwerkervereins — Louis ^olffs Fellrede Die Kundgebung, die der Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens aus Anlaß seines 40jährigen Bestehens in der Synagoge Prinzregentenstraße veranstaltet hatte, gestaltete sich zu einem machtvollen Ausdruck der Sympathie für die in die Zukunft weisenden Ziele, die das jüdische Handwerk auf deutschem Boden sich gesteckt hat. Weithin leuchtend dos Wohrzcichcn des jüdischen Handwerks, das die die Bundcslade abschließende Wand der Synagoge schmückte. Weihevolles OrgclBpiel. Einzug der Vcreinsfahncn, gefolgt von einer Schar von Lehrlingen, die zu beiden Seiten der Kanzel Platz nehmen. Von der Empore herab einleitender Chorgesang. Die große Reihe der Redner eröffnete Herr S. Pcisachowi^z mit Worten der Begrüßimg an die Vertreter der Gemeindeorganisationen und der großen jüdischen Verbände, und des Dankes an den Vorsitzenden des Jüdischen Handwcrkcrvercins, Louis Wolff, der fünfundzwanzig Jahre lang seine Kraft in den Dienst des jüdischen Handwerks gestellt hat. Nach ihm nahm Louis Wolff das Wort zu seiner Festrede. „Festlich, aber auch ernst gestimmt", so begann der Führer der jüdischen Handwerker Berlins, „haben wir uns liier zusammengefunden, um des Tages zu gedenken, an dem vor nunmehr 40 Jahren jüdische Handwerker, ich möchte sagen, eine organisierte Selbsthilfe ins Leben riefen. Der heutige Tag'ist zwar für'uns kein Tag der Ernte, aber trotz Hemmungen und Widerstfinden hoffen wir, den Ertrag unserer Arbeit eines Tages wohl geborgen in die Scheuern bringen zu können. Der Lcbcnsraum unserer Gemeinschaft wird sich in Gegenwart und Zukunft auf dem Fundament unserer Arbeit aufbauen. Dasist für uns nicht mehr die Erkenntnis einer neuen Zeit, sondern die Grundlage unserer Arbeit vom ersten Tage des Beginnens gewesen. Dio Ziels teuer ung des jüdischen Handwerks war nicht immer leicht. Dabei war für uns niemals entscheidend, in den engen Bezirken unserer Berufsarbeit stecken zu bleiben, entscheidend für uns war vielmehr und wird sein, im Zusammenhang mit unserm Beruf, das Hinoinstrebcn in die zeitgebundene Arbeit unserer Gemeinschaft. Das bedeutet Nachdenken über die weltgeschichtlichen Zusammenhänge unseres jüdischen Seins, das nicht auf nur wirtschaftlichen Interessen, sondern auf dem Ethos unserer religiösen Idee aufgebaut ist. Auf diesem Standpunkt standen wir, leider aber nicht das deutsche Judentum. Unsere unvergänglichen religiösen Wahrheiten sind wohl geborgen, weil sie uns zum unveräußerlichen Besitztum geworden Bind. Unsere wirtschaftliche Kraft aber ist dem Wandel der Zeiten unterworfen, und sie ist auch abhängig von der Stellungnahme weiter jüdischer Kreise gegenüber einer gesunden, ökonomischen Entwicklung unserer Gemeinschaft. Will man eine ehrliche jüdische Wirtschaftsgesinnung, dann muß an die Stelle der Wertungsskala der Berufe ein ehrliches Bekenntnis zur sozial-wirtschaftlichen Gleichheit treten. Will man jüdisches Gut nicht versinken lassen, dann muß der jüdische Handwerkerstand gestärkt werden; denn seine ärmsten Söhne sind zugleich die treuesten Stützen des Judentums. Der Weg unseres wirtschaftlichen Daseinskampfes wird schwer und dornenvoll Bein. Er muß mit Mut und Entschlossenheit, besonders aber mit dem festen und unbeugsamen Willen eines neuen inhaltvollen Lebcnsgcfühls gegangen werden." Im weiteren Verlauf seiner Ansprache gedachte sodann Louis Wolff der treuen Kameraden, die durch den Krieg und auf dem Schlachtfeld, der friedlichen Arbeit dahingerafft wurden, übergehend auf Wille, Weg und Sinn der Handwerklichen Arbeit fuhr Louis Wolff fort: „Der Wille unserer Arbeit wird bestimmt durch den selbstverständlichen und unverrückbaren Standpunkt, daß wir 1 ein Recht auf diesen deutschen Boden haben, aut dem Generationen vor uns gelebt, um den sio gekämpft und gelitten hoben. Der Weg unserer Arbeit aber war und ist schwer und steinig. Es galt die Schäden einer falschen Assimilation zu beseitigen, das verzerrte Bild, daa man vom jüdischen Handwerker zeichnete, zu korrigieren und damit — ohne Rücksicht auf die Gestaltung unseres politischen Schicksals — die Bahn zu einer wirtschaftlichen Neuformung innerhalb des deutschen Judentums frei zu machen. Der Sinn unserer .Arbeit: Erkennen, daß es ■ sich bei dieser wirtschaftlichen Neuformung nicht um ein Herabsteigen in gesellschaftliche Tiefebene handelt, sondern daß wir zurückkehren zu einer urjüdisclien Formung deB Lebens, die in den besten Zeiten unserer Geschichte dem Judentum Sinn und Richtung gegeben hat. Es gilt jetzt ein neues Berufsethos zu schaffen. Wir sehen heute nur' in der schöpferisch-schaffenden Arbeit eine innere Gesundung dea Judentums. Nur sie führt hinweg von der überspannten Geistesarbeit und ausschließlichen Vormittlertätigkeit." - < " In richtiger Erkenntnis, daß ein Berufsaufbau, der das Gesicht der jüdischen Gesamtheit neu formen solle, von größter Tragweite sei, habe die. Reioh s v e r t re't un g->der deutschen- Juden die Einsetzung eines Handwerkerausschusses innerhalb dieser jjpitzenorganlsation anerkannt, und dafür müsse dem PräsidiumJjflF Dank ausgesprochen werden. " -S. -'Stj-' ' ' Der Ruf „H andwerk tut not" darf aber nicht um jeden Preis verwirklicht werden. Die Zahl der zur Verfügung stellenden Arbeitsplätze ist gering, die Zahl der jüdischen LchrlingBonwärtcr relativ groß. Der neue Berufsstil erfordert daher eine scharfe Auslese. Das sa^cn wir unserer Jugend mit vollem Ernst, um-sie vor Illusionen zu bewahren. Das BcrufscthoB, das der neue Staat aufrichtet, und das auch das unsere ist, ist' aufgebaut auf dem Leistungsprinzip und hat besonders im Handwerk in einem ganz außerordentlichen Maße einen tiefgehenden Umwandlungsprozeß vollzogen, der gekennzeichnet ist durch die persönliche Verantwortung. Infolgedessen wird von vornherein eine scharfe Auslese unter den in Scharen dem Handwerk zuströmenden Jugendlichen getroffen werden müssen. Nur derjenige, der besondere Eignung, angeborene Anlage und manuelle Fertigkeit besitzt, wird die Erwartungen erfüllen, die dos Handwerk an ihn stellt. Wir bewundern die Jugend, mit der sie sich entschlossen von den im Elternhause eingesogenen Vorurteilen freimacht, indem sie mit der beruflichen Vergangenheit bricht, um sich der handwerklichen Tätigkeit zu widmen. Gemeinsam mit dieser Jugend das neue Berufsethos zu schaffen, das ist die große Aufgabo, vor die wir Alteren gestellt sind. Und wenn die schwere Zeit dieses Umbruchs bewirkte, daß unsere Jugend aus der heißen Atmosphäre geistiger Uberzüchtung herauskäme, so wären auch die Schmerzen dieser Zeit nicht vergebens gewesen. Der besondere Typ des Handwerkers, den wir schaffen wollen, muß der stolzo und aufrechte Jude sein, der handwerkliche und geistige Arbeit zu einer Synthese harmonisch vereint. Durch Beispiel und Tat wollen wir zeigen, daß unser Wirken und Streben in unserer jüdischen Tradition und Geschichte WurzeJ und Begründung findet. Das ist der letzte und tiefste Sinn unserer Arbeit." Nach Louis Wolff nahm der Vorsitzende des Zcntralvorbandcs jüdischer Handwerker Deutschlands, Wilhelm Marcus, das Wort. Er wies darauf hin, daß das Gotteshaus in der PrinzrcgcntenBtraßc letzter symbolischer Ausdruck einer anderen Epoche sei; denn dieser Bau Bei von jüdischen Baumeistern, Gesellen und Lehrlingen von Grund auf geschaffen worden. Der Berliner Verein, um den sich die Ortsgruppen geschart hätten, habe das große Glück gehabt, eine Persönlichkeit an der Spitze zu sehen, die die jüdische Handwerkcr-Bowogung geschaffen und empor- Setragcn habe. Eine Ehrung für den Mann, der fünfundzwanzig ahro diese Bewegung geleitet, könne keinen besseren Ausdruck finden als in der Ubergabe des Buches, in dem Wolff selbst 'den Leidensweg und die Tragödie des jüdischen Handwerks mit seinem Herzblut aufgezeichnet habe. Der Jubilar nahm sodann gerührt das Buch aus den Händen von Wilhelm Marcus in Empfang. Glückwünsche überbrachten: Es folgte eine lange Reihe von Begrüßungs- und Glückwunsch- Ansprachen. Die Glückwünsche der Brudervereine im Reich überbrachte Paul Goldmann -Hannover, Kammergerichtsrat a. D. Leo Wolff sprach im Namen der Jüdischen Gemeinde Berlin, des Preußischen Landesverbandes und der Reichsvertrcturig, die stets ein großes Interesse für das Handwerk gezeigt habe, für den Allgemeinen Rabbinerverband und das Berliner .Rabbinerkollegium sprach Rabbiner Dr. Max Wiener; der Vorsitzende der Ropräsentontenversammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Rechtsanwalt Heinrich Stern, brachte den Wunsch zum Ausdruck, daß die in der Repräsentojitcnvessommlung seit langer Zeit bestehende harmonische Zusammenarbeit zwischen Lehrern, Handwerkern und Kaufleuten in einer neuen, gesünderen. Berufsgliederung des deutschen Judentums ein Spiegelbild finden möge, und warnte davor, nunmehr in das Gegenteil des früheren Fehlers zu verfallen und die geistige Arbeit vor der handwerklichen als nichts zu achten; Dr. Lubinski beglückwünschte die jüdischen Handwerker zu ihrem Jubiläum namens des Zentralausschusses, der ZentralwohlfahrtssteUe, der Zentralstelle für Wirtschaftshilfe und des Reichsausschusses der Jugendverbände. Der Vorsitzende des RjF, Dr." Leo Löwonstoin, hob dio enge Verbindung zwischen Handwerkerverband und Reichsbund der jüdischen Frontsoldaten hervor. Für den Centraiverein sprach Dr. Elkelos, für die Zionistische Vereinigung für Deutschland Rechtsanwalt Lehmann. Im Namen des Jüdischen Frauenbundes, wies Frau Berta' F al konbor g daraufhin, daß die Frau den Handwerker im Hause stets zu schätzen gewußt habe; es sei ober tragisch, daß sie als Mutter erat in. der letzten Zeit begann, die. Bedeutung des Handwerks zu würdigen, ■ Als letzter Redner sprach für die Gesellr sehaft ORT, Abteilung Deutschland, George Goetz, der auf. die' ideellen und persönlichen Bindungen zwischen ORT und dem Haudwcrkervcrein seit dem Jahre 1924 hinwies.. Mit dem feiert liehen Auszug des VereinBbanners fand die Kundgebung :ih,ren Abschluß, *j Den Abschluß des Handwerkertages bildete ein geselliges . Zusammensein zum Besten notlweidender Handwerker in den Spicherri-SHlen. Zu- Beginn der Veranstaltung wurden die Mitglieder, die bereits '25 Jahr© dem Verein angehöre^, durch Ver-

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