Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 340 (sequence 360)
- Language
- German
- Belongs to
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340 alten Mannes lag schwer und kalt auf dem Arme seines Gefährten; aber sie zitterte nicht. Mit verstärkter Gewalt kamen jetzt die Freudenäußerungen der Tischgesellschaft zu ihnen; das Gläserklingen schien kein Ende nehmen zu wollen — und die Hand des alten Mannes drückte immer schwerer und kälter auf den Arm seines Gefährten. Sie saßen stumm neben einander. Endlich näherten sich Schritte, die Thür ging aus; auf der Schwelle erschien — die Valentine aus der Oper. Sie trug noch das weiße, wallende Gewand, ihre Haare waren halb aufgelöst; in der Hand hielt sie ein gefülltes Champagnerglas, eine nächtig schöne Erscheinung! Die beiden Männer erhoben sich aus dem Dunkel ihrer Sitze. „Bella!" rief der alte Mann, „Bella, mein Kind!" Sie schien erst zu schwanken, zu horchen. Dann mit einem Schrei, wie er noch nie in diesem Hause mochte gehört worden sein, fiel sie in die Kniee, das zerbrochene Glas klirrte in Scherben auf den Boden. „Vater!" Da war der alte Mann auf sie zugesprungen; mit einer Gewalt, die nicht in seinen schwachen Kräften lag, riß er sie empor; er hielt sie in seinen Armen. „Nicht wahr, Bella, mein Kind", rief er zwischen Weinen und Lachen, „nicht wahr, das hast Du nicht erwartet, daß Dein alter Vater noch zu Dir kommen wird? Aber ich wäre ja gestorben, wenn ich Dich nicht mehr gesehen hätte. Und das kannst Du nicht verlangen." Dann streichelte er ihre Haare und küßte ihre Stirne.- „Thut Dir denn das auch gut, Bella, mein Kind", sagte er, in traumseliger Vergessenheit sie betrachtend, „daß Du so lange wachst? Warum schläfst Du nicht schon? Bist