Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 339 (sequence 359)
- Language
- German
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339 verirrt, bald wieder auf richtiger Fährte jenes Haus gefunden hatten! Die Thore standen noch weit offen, Heller Lichterglanz ergoß sich aus die Gasse und in der Vorhalle stand noch immer der Mann mit dem breiten Bande über Brust und Schulter und dem gewaltigen Stocke in der Hand. Auf die Frage, was sie zu so später Nachtstunde wollten, brachte Feiwelmann in schüchterner, demüthiger Weise sein Begehren vor. Sie wollten die berühmte Sängerin sprechen; sie hätten ihr wichtige, unaufschiebbare Dinge mitzutheilen. Der Mann lächelte verächtlich. Was hatten die beiden Männer, deren Abkunft und Beruf seinem kundigen Auge kein Geheimniß war, mit der Künstlerin Jsabella Brodini zu thun? Er fuhr sie barsch an, und wies ihnen mit dem Stocke den Weg, den sie zu gehen hatten. Da rief der alte Mann aus der Tiefe seiner Angst und Verzweiflung: „Wenn Ihr mich nicht gehen lasset, Mann, so sterbe ich hier vor Euch!" War es die seltsame Erregtheit des Vorbeters, mochte den Mann ein Grauen überflogen haben gegenüber diesen in unheimlichem Feuer glänzenden Augen, er ging und kam nach einer Weile kopfschüttelnd mit der Weisung zurück, sie mögen ihm folgen; zwar sitze die Sängerin noch in Gesellschaft beim Nachtmale, da das Theater erst spät zu Ende gegangen sei, aber er habe sagen lassen, es wären zwei Männer da, die ihr Wichtiges mitzutheilen hätten. Sie befanden sich in einem dunkel erleuchteten Vorzimmer; daselbst hieß sie der Mann warten. Sie nahmen still und geräuschlos in einem Winkel ihre Plätze. Aus den angrenzenden Zimmern drangen verworrene Stimmen, Helle Freudenlaute und Gläserklingen an ihr Ohr. Die Hand des 22* '