Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 336 (sequence 356)
- Language
- German
- Belongs to
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336 „Ich verstehe Dich nicht, David!" „Du wirst mich einmal schon verstehen! Hab' nur Geduld mit mir!' Nach einer längern Pause raffte er sich wieder auf. „Sag' mir doch, Feiwelmann," meinte er, „hat sie den jungen Edelmann so überaus gern, daß sie ihn nicht fortlassen will von sich? Wie sie sich an ihn geklammert hat! wie sie verzweifelt aufgeschrien hat, als er sich von ihr losgerissen und wie sie in Ohnmacht gefallen ist! Sie muß ihn außerordentlich gern haben, denn anders kann ich mir das nicht erklären." „Sie kennt ihn vielleicht nicht einmal, David", rief Feiwelmann. „Das ist ja ihre Kunst. Meinst Du, mein großer Künstler in Frankfurt am Main bat es an sich selbst erlebt, daß ihn seine eigenen Töchter, wie jenen wahnsinnigen alten König in Nacht und Sturm hinausgejagt haben? Das war wieder seine Kunst!" „Das ist ihre Kunst!" ries der alte Mann leise, und nur die Nacht verhinderte es, daß dabei ein um seine Mundwinkel spielender Zug von Hohn nicht sichtbar hervortrat» „Also ihre Kunst verlangt, daß sie heute dem, und morgen Jenem, wer ihr gerade in den Weg kommt, etwas vorheuchelt, daß man meint, es ist die höchste Wahrheit und man könnte darauf schwören?" „Ja, das ist die Kunst!" sagte Feiwelmann der Baß. „Und was wird das Ende von all der Kunst sein?" rief der Alte. „Sie erfreut sich und die Menschen damit", sagte Feiwelmann. „Ist das nicht auch etwas, als käme es von Gott?" Darauf erwiderte der Alte nichts. Fand er kein Wort der Entgegnung?