Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 335 (sequence 355)
- Language
- German
- Belongs to
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335 zu Zeit unterbrochen ward. Was war aus ihnen geworden? War Alles, was sie bis dahin erlebt. Schein und Trug, oder begann die Rechnung ihres Daseins erst von dem Augenblicke, da sie in den Bann der zauberischen Kunst getreten waren? Wie es sich nach schwerer Krankheit fügt, daß der Genesende das Gedächtniß seines Namens verliert, so hätten auch sie nicht sagen können, wie die Welt ihrer bisherigen Anschauungen und Gewohnheiten beschaffen gewesen. War diese alte Welt für immer vernichtet und gebrochen? Wer sollte sie ihnen wieder ausbauen? Der Vorbeter war es, der zuerst aus diesem traumhaften Sinnen und Brüten erwachte. „Feiwelmann", sagte er, „Du hast einmal vor acht Jahren, und es war auch in einer Nacht, ein Wort ausgesprochen, das ist damals in mich hineingefallen wie in einen tiefen Brunnen; jetzt kommt es wieder an die Oberfläche. Du hast damals gesagt: Gott! wie groß ist der Mensch . . „Das sag' ich auch jetzt noch", rief der Baß, „und jetzt mehr als damals, seitdem ich wieder Bella gesehen habe." Der alte Mann schüttelte den Kopf. „Dein Wort" sagte er, „hat zwei Seiten, davon ist die eine glänzend und schön, die andere aber ist rauh und stachelig. Du hältst Dich an die glänzende und schöne Seite, weil Du selbst noch jung bist, ich bin gewohnt, die andere vorzuziehen, denn ich bin alt und schwach geworden. Du meinst, der Mensch ist groß in dem, was er kann; ich aber sage Dir der Mensch ist groß und gewaltig in dem, wo er entsagt, wo er leidet und doch nichts anders will, als leiden, wo er fest steht, und weiß doch, daß der Boden unter seinen Füßen wankt und zittert!"