Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 337 (sequence 357)
- Language
- German
- Belongs to
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337 „Und mein Kind", schrie er plötzlich mit einem so -schmerzlich vorgestoßenen Tone, daß er seinem Gefährten in die Seele griff, „und was bleibt von meinem Kinde übrig? Ist das mir nicht auch von Gott gegeben worden, damit es mich erfreue? Anderen, die sie nichts angehen, fallt sie in die Arme, klammert sich an sie, als wollte sie niemals von ihnen lassen, und dabei leuchten ihre Augen und so süß tönt ihre Stimme, und sie ist voll so Anmuth und Schönheit . . . weil das ihre Kunst so verlangt. Mich aber, mich alten Mann, erfreut kein Kind, ich muß sie von mir geben, ich muß einsam leben und sterben, ich muß verdorren wie ein Baum, dem man die Wurzeln abgegraben hat — weil es die Kunst so verlangt." „David Brod, Du versündigst Dich!" rief der Baß, den alten Mann an der Schulter fassend. Aber der Vorbeter riß sich los. „Was willst Du von mir?" schrie er, und war aufgesprungen. „Du denkst nur an Dich, David!" rief Feiwelmann vorwurfsvoll, „an Dein Kind denkst Du nicht." „Das sagst Du mir?" Und der alte Mann brach in ditteres Schluchzen aus. Trotzdem rief der Baß, seiner Natur entgegen, in diesem Augenblicke unbarmherzig und die Lage des Alten nicht berücksichtigend : „Was bist Du anderes, als Einer, der sich gegen Gottes Willen auflehnt? Und Einer, der unzufrieden mit sich, erst fragt: Habe ich etwas davon, wenn mein Kind auf eine Spitze gestellt wird, wohin ich nicht gelangen kann? Weil Du Dein Leben damit zugebracht hast, Vorbeter einer Gemeinde zu sein, darf Dein Kind seine Flügel nicht ausspannen und 22