Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 354)
- Language
- German
- Belongs to
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334 diese eigenthümliche Klangfülle, diefts namenlose Klagen eines wunden, opferfreudigen Herzens stammte. War sie nicht auch an ihrer Wiege gestanden? Hatte die blasse Gestalt nicht auch sein Kind in den Schlaf gelullt? Daran hatte der Vater sein Kind erkannt. Die Anderen wußten nur, daß eine große Sängerin vor ihnen geglänzt hatte. Wie sollte der alte Vorbeter den Beifallssturm verstehen, der bis zum Schlüsse des Actes sein Kind umrauschte? Als sie endlich mit einem Aufschrei, der aus einer andern Welt zu kommen schien, ohnmächtig zu Boden fällt, als Raoul, ihren Bitten trotzend, seinen Brüdern zu Hilfe eilt, da vermochte das schwache Gefäß nicht mehr den übervollen Inhalt zu fassen. Duftende Kränze flogen der Sängerin zu; oben aber im letzten Stockwerke des Hauses rief eine gebrochene Stimme: „Führ' mich hinaus, Feiwelmann, ich ersticke; führ' mich hinaus!" Als die beiden Männer aus der Welt des Scheines und der künstlichen Blendung wieder in die kühle Nachtluft traten, erholte sich der alte Mann zwar bald, aber der Sturm, der ihn erfaßt hatte, war zu gewaltig gewesen, als daß er nicht seine innerste Lebenskraft zu Boden geworfen hätte. Sie waren, ohne es zu wissen, aus der Nähe des Theaters in eine stille Gasse gekommen. Dort hatte Feiwelmann eine steinerne Bank ersehen, auf die sie Beide sich niederließen. Dort saßen sie wohl eine Stunde lang, sprachen nicht, wäbrend die Nacht um sie her immer kühler wehte, die rings waltende Stille nur durch fern verhallende Schritte von Zeit