Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 333 (sequence 353)
- Language
- German
- Belongs to
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333 Sie war nicht eher von ihm gewichen,, bis er sie angehörl> bis er sie in die feinsten Gänge seines Gehöres ausgenommen hatte! Sie blieb bei ihm, wenn er sie entfernen wollte, und schmeichelte so lange, bis sie aufgegangen war in seiner Seele als das Saatkorn einer künftigen Blüthe! Dann erst wich sie von ihm, hüllte sich in ihre Schleier und verschwand leise, wie sie gekommen war — die Erinnerung an sein eigenes Volk! Darum ergriff sie auch die beiden Männer mit einer Gewalt, von der sie sich keine Rechenschaft zu geben wußten. Was die Anderen aus dieser Melodie vernahmen, das hörten sie nicht. Auch vor ihnen tauchte die blasse Gestalt mit den verweinten Augen auf; nur daß sie sie deutlicher erkannten, nur daß sie ihr als einer treuen Freundin die Hand drücken konnten! War sie nicht schon an ihrer Wiege gestanden, hatte sie, wenn man sie in den Schlaf lullen wollte, ihnen nicht vorgesungen, bis sie eingeschlummert waren? Wer war die stete Begleiterin ihres Lebens gewesen? Ja! das war ein abgebrochener Edelstein aus jener Krone, die ein ganzes Volk in seine Verbannung mitgenommen! Jahrtausende hatten ihre Trübungen darüber geworfen, sie war in rothes Blut getaucht worden — dennoch war sie nicht verloren gegangen! der Meister hatte nur Einen Edelstein aus dieser Krone ergriffen, aber er leuchtete wie ein echter — Karfunkel! Dreimal mußte die Sängerin diese süß bestrickende Melodie vortragen. Als sie zum dritten Male sie geendigt hatte, mitten in dem Aufruhr des Beifalls, der das ganze Haus ergriffen hatte, ries David Brod seinem Gefährten zu: „Jetzt Hab' ich sie erkannt! Sie ist's!" Niemand sonst hatte den Aufschrei dieses Vaters vernommen. Er hatte verstanden, warum die Sängerin diese Melodie so und nicht anders sang, woher dieser Liebreiz,