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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1865-01-01 · Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865) · p. Seite 332

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 332 (sequence 352)
Language
German
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332 blicke ist sie zwischen graue Nebel eingesunken und verloren, -etwas will ihn mahnen, etwas Bekanntes, Ostgesehenes umweht ihn wie mit linden Fittigen, dann wieder ist Alles zu Ende; mit glanzlosen Blicken starrt ihn ein Fremdes an, Oede umgibt ihn; es ist nicht Bella, sein Kind. Feiwelmann aber schweigt; er ist in der Gewalt einer namenlosen Qual! Der vierte Act hat begonnen. Valentine äst allein; im Dunkeln der Nacht kommt Raoul zu ihr; doch nicht lange, und es treten die Verschworenen herein, die ihre Schwerter für den heimlich gesponnenen Mord weihen wollen. Ein Gesang hebt an, der an die dunkelsten Mächte menschlicher Leidenschaft sich richtet, ein Aufruhr sessellos entlassener Kräfte dem das segnende Wort von Priestern in arger Verkennung des Gottesgedankens die Weihe geben sollte. Als die Verschwörer sich entfernt haben, tritt Raoul aus seinem sicheren Verstecke hervor. „Wo willst Du hin," fragt Valentine. Er aber will in den Kampf, den gezückten Schwertern der Feinde entgegen, will mit seinen Brüdern sterben und fallen. „Geh' nicht von hier", fleht Valentine, „draußen wartet Dein der sichere Tod", und als er dennoch darauf besteht, da entringt sich ihr jenes berühmtem „Höre, höre mich, bleib' Raoul, denn der Streich, der Dich trifft, trifft auch mich ... ich liebe Dich! " . . . Es klingt und singt in dieser Melodie etwas, das voll eigentümlichen, fast befremdenden Eindruckes das Gemüth des Zuhörers ergreift. Wer hat diese Melodie gedichtet? Nicht aus Einem Menschengeiste ist sie hervorgegangen; als Jacob Meyerbeer sie schrieb, stand hinter ihm eine Gestalt voll unsagbarer Wehmuth in dem blassen Antlitze, mit verweinten Augen, die längst keine Thränen mehr hatten — die Erinnerung an einen Synagogengesang seines eigenen Volkes.

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