Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 331 (sequence 351)
- Language
- German
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331 des Mädchens von allen Seiten mit mörderischen Netzen umfängt. Sie ist gekommen, ihn zu warnen. Der alte, argwöhnische Kriegsknecht fragt sie um die Loosung und aus ihrem Munde dringt leise, verschämt, wie das Ausblühen einer Lilie aus dem Kelche, das Wort: Raoul! Wunderbar ist die Wirkung dieses einzigen, fast gehauchten und dennoch an die tiefsten Geheimnisse des Gemüthes anklingenden Wortes — im Saale fühlt es Jeder: hier hat ein gottbegnadigtes Mädchen in der Weihe seiner Kunst das Höchste ausgesprochen. Nun theilt Valentine dem alten Kriegsknechte mit, welche Gefahr seinem jungen Herrn droht, wie er ihn retten könne,, und er fragt: Wer bist Du? „Wer bist Du?" widerhallte es auch oben im Zuhörerraume in den Herzeil der beiden Männer. „Ein Mädchen", fingt sie, „das ihn liebt" . . . Und in klagenden, aus tiefster Leidenschaft allmälig, aber stets siegreicher hervorbrechenden Tönen, voll keuschen, ungeahnten Dustes entringt sich ihrer Brust das Geständniß, wie esinniger und schöner noch niemals in Tönen wiedergegeben wurde. Marcell legt die Hand segnend aus chren Kopf . . „Sieh, sieh hin, wie sie sich benschen läßt", flüsterte der alte Vorbeter. „Wenn sie es doch wäre!" Sie muß ja wissen, wie ein Vater fein Kind segnet? . . Hast Du gesehen, wie sie ihren Kops vorgebengt hat? ..." Die in ihrer Nähe saßen, riefen ihnen Stille zu. David Brod erschrack. Hatte er das Kind erkannt? Er wußte es selbst nicht; seine Pnlse hämmerten, seine Augen brannten in wildem Feuer; seine Lippen dürsteten! Er fühlt sich der Auflösung nahe, und kann doch nicht sterben. Jetzt dämmert ihm die Ahnung der Gewißheit auf; jetzt, im nächsten Augen-