Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 350)
- Language
- German
- Belongs to
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330 und doch wieder so vornehm; in dem Saale ist es so stille daß man fast den Athemzug David Brod's belauscheu konnte! Dann aber klatschten Hunderte von Händen und es währte eine geraume Zeit, bis die Sängerin beginnen konnte. Jetzt trat sie näher und immer näher; ein bleiches,, von tiefdunkeln Haaren eingefaßtes Gesicht trat immer deutlicher, immer klarer hervor . . . Waren es bekannte Züge? Drang aus den wenigen Worten, die sie nun fang, ein verwandter Ton? Eine feuchtkalte, zitternde Hand legte sich auf Feiwelmann's Arm. „Soll sie das fein?" flüsterte es ihm zu. „Ich kenne sie nicht, David!" kam es in demselben Tone zurück. „Lebendiger Gott! wenn sie es doch nicht wäre!" Von nun air wahrend der ganzen Handlung vernahm Feiwelmann nicht, noch sah er, was da unten auf der Bühne vorging; feine Seele war wie sestgebanut von der vorwurfsvollen Klage, die er jetzt zu wiederholten Malen aus dem Munde des alten Mannes hörte; vom Herzen herauf quoll ihm ein bitteres Gefühl, das ihn mit namenloser Qual erfüllte: „Wenn sie es nun doch nicht wäre!" Sie war es auch nicht; vier scharf blickende Augen lagen auf der seinen Gestalt der Sängerin, verglichen jeden Zug ihres Antlitzes mit der Vergangenheit. Das vierzehnjährige Kind von damals, die Bella der Laubhütte, wollte ihnen nicht entgegentreten .... All das änderte sich aber wie mit einem Zauberworte, als im dritten Acte die große Scene zwischen dem protestantischen Marcell. und der katholischen Valentine vorfällt. Es ist Nacht; stumm brütet überall die Gefahr, die den Geliebten