Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 349)
- Language
- German
- Belongs to
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329 ,,David!" rief der Baß, indem er seinen Gefährten leise anstieß. ,,Was willst Du, Feiwelmann!" „Siehst Du nichts?" „Viel Menschen sehe ich . . „Und sie alle sind gekommen, um mein Kind zu hören?" David Brod seufzte tief auf. Aber mit dem ersten Geigenstriche der Eingangsmusik trat eine seltsame Aenderung mit dem alten Manne ein. Die Hände fest aus das Geländer gepreßt, hatte er sich zur Hälfte erhoben, und horchte mit einem Ausdruck seines Antlitzes auf die mächtig einherbrausenden Klänge, der die höchste Spannung seiner Seele verrieth. Der Vorhang war in die Höhe gegangen. Seltsam! Als der erste Act vorüber war, hatte sich der Beiden eine eigenthümliche Befremdung bemächtigt. Wo war die „Valentine" geblieben? Wohl hatten sie im Hrnterj gründe der Bühne eine verschleierte Dame gesehen, bei deren j Anblick die zu einem Festgelage versammelten Ritter in das z höchste Entzücken, namentlich der Eine unter ihnen, ein h junger Edelmann, geriethen. Aber kaum gekommen, war sie wieder verschwunden. Warum ging sie so schnell? Kam sie! wieder? Als der Vorhang wieder gefallen war, saß der alte Vorbeter wieder stumm und gleichgiltig da. Die Wogen des herrlichen Gesanges waren unverstanden an seiner Seele vorübergerauscht. Der zweite Act war gekommen. Margarethe von Valois, Königin von Navarra, ist allein in ihrem Garren und singt ein Lied, das die überwältigende Macht der alles beherrschenden Liebe zum Gegenstände hat. Da naht sich Valentine. Eine schlanke seine Gestalt beugt sich demüthig