Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 324 (sequence 344)
- Language
- German
- Belongs to
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324 dieser Straße stand ein dreistöckiges, weitläufiges Gebäude, das sich schon aus der Ferne als ein Gasthos ersten Ranges kundgab. Wagen fuhren vor und fuhren ab, und in der Vorhalle stand ein Mann mit einem breiten, schwergestickten Bande über Brust und Schultern, der ein mit einem glänzenden Kopse versehenes spanisches Rohr in der Hand hielt und den Hut demüthig abzog vor jedem ab- und zufahrenden Wagen. Zwei junge Männer kamen aus dem Hause. „Sie spricht vortrefflich deutsch", hörte er den Einen sagen, „so italienisch auch ihr Name klingen mag." „Und", sagte der Andere, „hast Du ihre Physiognomie genau betrachtet? Mich gemahnt etwas im Antlitze, was ich nur in den schönen Mädchengefichtern der „breiten" oder „goldenen" Gasse zu finden gewohnt bin." „Du glaubst doch auch nicht an das alberne Märchen —?" „Daß sie eines jüdischen Vorbeters Tochter ist? Nun mein Freund, ich bin versucht, es als kein Mährchen zu betrachten." Die jungen Männer entfernten fich, Feiwelmann war vor dem großen Hause stehen geblieben. Schwindel hatte ihn ergriffen, wie im Wirbeltanze drehte und wogte Alles um ihn herum. Sie wohnte also hier, und er, Feiwelmann Baß stand unter ihren Fenstern, und David BroD schlief in seinem dunkeln Kämmerchen den Schlaf der Müden, und eine Stadt umfing sie alle Drei! Gott der Lebendige sei gepriesen dafür! Ein Wagen fuhr pfeilschnell zum Hause hinaus; eine Dame saß darin. Der Mann in der Vorhalle, mit dem riesigen Stocke in der Hand, sprang rasch zur Seite und grüßte demüthig mit abgezogenem Hute.