Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 320 (sequence 340)
- Language
- German
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320 Als sie in die nächtigen Schatten des Waldes traten begann David Brod mit lauter Stimme in den heiligen Lauten der Offenbarung den Psalm des frommen Königs, den man anstimmt, wenn ein Todter zur Ruhe bestattet wird: „Der da sitzet im Schirm des Allerhöchsten, im Schatten des Allmächtigen sich berget, der spricht zu Gott: „mein Schutz und feste Burg ist Gott, auf den ich traue; denn er wird mich erretten aus des Voglers Schlingen, aus der verhängnißvollen Pest! Mit seinen Schwingen deckt er Dich, unter seinen Flügeln bist Du geborgen. Schild und Panzer seine Treue! Du fürchtest Dich nicht vor dem Grauen der Nacht, vor dem Pfeil, der bei Tage schwirrt, vor der Seuche, die im Finstern schleicht, vor der Pest, die am Mittag wüthet." Der anbrechende Morgen warf seine ersten Boten über den Himmel, über die noch schlummernde Welt; in einem Stoppelfelde hart an der Straße erhob sich eine srühgeweckte Wachtel, die ihr Lied begann; im fernen Hintergründe hob sich aus dem grauen Dufte der Dämmerung ein Etwas ab das hoch in den Lüsten glänzte und glitzerte. „Ich seh' die Thürme!" rief Feiwelmaun der Baß. David Brod aber stimmte mit weithin tönender Sprache die letzten Verse des Psalmes au. „Dir begegnet kein Unglück, keine Plage nahet Deiner Hütte! Denn er befiehlt seinen Engeln, daß sie Dich wahren aus allen Deinen Wegen; auf den Händen werden sie Dich tragen, daß Dein Fuß nicht stoße an einen Stein. Ueber Leu und Otter wirst Du schreiten, Löw und Drachen mit Füßen treten."