Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 318 (sequence 338)
- Language
- German
- Belongs to
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318 ' das Gerücht aussprengen, David Brod sei in eine benachbarte Gemeinde gegangen, um dort eine alte, hundert und zehn Jahre alte Muhme zu besuchen. Morgen nachdem Frühgotkesdienste wollten sie aufbrechen, und zu Fuß müßten sie gehen, sagte David Brod, denn im Wagen halte er es nicht aus. Welche Nacht verfloß für die Beiden! In aller Stille verließ am andern Morgen David Brod mit seinem Gefährten die Gasse. Kräftig und hoch aufgerichtet schritt der alte Mann neben dem weit jüngern einher. Als sie schon auf der Straße sich befanden, die gegen Prag führt, wandte sich der Vorbeter, der bis dahin kein Wort gesprochen hatte, hastig an seinen Reisegenoffen. „Du hast doch das Geld mitgenommen, Feiwelmann," fragte er. „Welches Geld?" „Was man Dir in ihrem Namen auf dem Schlöffe gegeben hat?" „Es ist bei mir." — Dann kamen sie an dem „guten Ort" vorüber, der hart an der Straße mit seinen verwitterten Grabsteinen sich befindet. „Geduld' Dich eine kleine Weile, Feiwelmann." sagte David Brod, „ich muß mir von da drinnen eine kleine Wegzehrung holen." Nach einer Viertelstunde trat er durch das schmale Friedhofsthor wieder auf die Straße. „Und jetzt laß uns große Schritte machen, Feiwelmann," rief er mit unsicherer Stimme, „wir haben einen weiten Weg vor uns." Wovon die beiden Männer aus dem weiten Wege sprachen? Meistens schritten sie sprachlos neben einander; hie