Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 317 (sequence 337)
- Language
- German
- Belongs to
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„Sei still, Feiwelmann," rief er noch einmal, „und laß mich Nachdenken." Dann fuhr er mit den Händen nack der Stirne. „Wie ist mir doch?" schrie er mit markdurchschüttern- Ler Stimme. „Ist sie es? „Sie ist's," sagte Feiwelmann. „Mein Kind! ich soll mein Kind wieder sehen!" rang es sich in wiederholten Aufschreien über die Lippen des alten Mannes. „Weißt Du denn schon so mit aller Gewißheit, daß sie es wirklich ist?" glaubte der Baß hinzuseßen zu müssen, um die Erregtheit des Vorbeters einigermaßen zu dämpfen. David Brod lächelte schwach. „Laß nur, Feiwelmann," sagte er, „laß nur. Ich begreife, warum Du mir einreden willst, daß sie vielleicht es doch nicht sein kann. Laß nur, laß nur! Du wirst sehen, sie ist es, Gott wird das mir nicht anthun. Wird er mich zuerst erfreuen wollen, und wenn ich den Becher Wein an die Lippen geben will, wird er mir ihn wegstoßen? Nein, Feiwelmann. ich glaube, Du bist zu vorsichtig. Du wirst sehen, sie ist's." In überströmenden Worten brach sich nun die Sehnsucht des alten Mannes nach seinem Kinde.Bahn. Feiwelmann vernahm Herzenslaute, wie er sie unter dem Groll und der versauerten Stimmung des Vorbeters nicht geabnt hatte, und eine Art heiliger Scheu hatte ihn ergriffen, in diese Offenbarungen eines wunden Gemüthes mit irgend einer Aeußerung hineinzugreifen. In derselben Nacht wurde zwischen den beiden Männern der Plan festgesetzt, die Reise nach Prag schon morgen anzutreten. Niemand solle darum wissen, Feiwelmann solle