Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 313 (sequence 333)
- Language
- German
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313 traurig und mit der Miene eines wahrhaft Unglücklichen aus: „O! wie bedauere ich es, daß es mir nicht gegönnt war, noch diese eine Woche in Prag zu bleiben. Welch' ein Kunstgenuß stand mir bevor? Heute tritt die göttliche Brodini auf, der ein ungeheuerer Ruf vorangeht, und ich, ich bin nicht in Prag." Mitleidige Rufe aus den Reihen der um ihn dicht geschaarten Gesellschaft belehrten ihn, wie tief bedauerlich diese Thatsache jedenfalls sei. „Wer ist die Brodini?" fragte ein schüchternes Mädchen von sehr sanftem Gesichtsausdruck. ,.Sie wissen nicht, wer die Brodini ist?" belehrte sie Gottlieb Weißfisch mit jener überlegenen Miene, wie sie der Sage nach allen „verdorbenen Studenten" eigenthümlich sein soll. ,,Sie wissen nicht, wer die Brodini ist?" wiederholte er nochmals, die schüchterne Fragerin mit seinen Blicken anstarrend. „Ich möchte es auch gerne wissen," ließ sich eine Stimme aus den hintersten Reihen der Gesellschaft vernehmen. Sie gehörte Feiwelmann dem Baß an, aber Niemand achtete darauf, welch' ein sonderbares Beben dieser Stimme innewohnte. „Nun," ließ sich endlich Gottlieb Weißfisch, nachdem er sich eine geraume Weile an der Verwilderung seiner Zuhörerschaft stillschweigend geweidet, „nun. die Brodini soll eine der größten Sängerinen sein, die die Welt seit langer Zeit gesehen. Ob sich dieser Ruf bewahrheitet, kann ich nicht mit Bestimmtheit behaupten, denn leider kann ich ihrem Auftreten nicht beiwohnen. Die Brodini ist übrigens nicht nur durch ihre Stimme so berühmt, man sagt