Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1865-01-01 · Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865) · p. Seite 312

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 312 (sequence 332)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2609281-2609302--5963-2613315
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

312 Gottlieb Weißfisch es über sich nahm, ihnen den Inhalt der berühmtesten Trauerspiele mit der vollständigen Declamation und Gesticulation der „größten" Schauspieler und Schauspielerinen auf das Getreueste wieder zu erzählen? Was hatten sie nöthig, die Oper zu besuchen? Durch Gottlieb Weißfisch kannten sie die schönsten Arien aus dem „Don Juan," aus dem „Freischütz", aus „Robert dem Teufel" und anderem Opern, die er ihnen mit schmelzender Stimme so lange vorsang, bis sie sie auswendig wußten. In diesen Kreisen war also der „verdorbene Student" eine hochangesehene Persönlichkeit, auf deren Ankunst in den Ferien Monate zuvor erwartungsvolle Gemüther gerichtet waren! An einem Sabbatnachmittage saß Gottlieb Weißfisch, der „verdorbene Student", in der Werkstätte seines Vaters, um ihn eine zahlreiche Gesellschaft von jungen Mädchen und Männern, die alle gekommen waren, ihrem Abgotte die schickliche Anstandsvisite zu machen, denn er war erst Tags zuvor in der Heimat eingetroffen. Auch Feiwelmann, der Baß war da, der sich merkwücdiger Weise mehr zu der Jugend als zum Alter hielt. An diesem Nachmittage war Gottlieb Weißfisch bei besonders guter Stimmung; er gab alle Opern zum Besten, die er seit Jahresfrist gehört, und auch mit dem Inhalte zweier Trauerspiele war er bereits fertig geworden. Seine Zuhörerschaft schwamm in Entzücken, und manches feuchte Mädchenauge schien verratben zu wollin, wie Schade es doch sei, daß der „verdorbene Student" in den Augen besorgter Eltern eine so ungünstige Figur vorstellte. Unter anderen hatte Gottlieb Weißfisch auch eine Arie aus der damals besonders viel genannten „Norma" seinen Bewunderern zum Besten gegeben; am Schluffe rief er

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.