Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 330)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2609281-2609302--5961-2613313- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
310 auf das Wort eines Kaisers. Verzeihe mir, daß ich das Alles so geradezu heraussage. Aber . . Du hast Deinen Vater Ln acht.Jahren nicht gesehen, und ich . . . ich habe ihn stündlich vor Augen. „Lebe wohl, leuchtender Karfunkel, dem ich bin in tiefster Ehrfurcht Feiwelmann, der Baß." Diesen Brief siegelte der Baß noch in der Nacht, und trug ihn am andern Tage auf's Schloß, und übergab ihn demjenigen von den Bediensteten des Grafen, der ihm im Namen seines Herrn die von Zeit zu Zeit einlangenden Geldbeträge für David Brod einhändigte. Anfangs lächelte der Bedienstete so geheimnißvoll und verweigerte dann entschieden die Uebernahme des Briefes. Aber Feiwelmann bat so inständig und gerieth in einen solchen Eifer, daß der Diener endlich das Versprechen gab, er werde das Schreiben an die bezeichnete Adresse gelangen lassen. Ob aber eine Antwort erfolgen werde? ... Ach! wer Feiwelmann vom Schlosse kommen sah, so athemlos, das breite, gutmüthige Antlitz von Schweißtropfen feucht, mit den Händen um sich arbeitend, als wollte er eine unsichtbare Macht von sich abwehren, hätte vermutben können, der Baß habe in die Schatzkammer des Grafen einen kühnen Griff gethan, den er nun bergen wollte, und doch hatte er nichts Anderes gethan, . . als daß er seinen Brief an Bella in Sicherheit gebracht! Kurz nach diesem in Feiwelmanns Augen so überaus wichtigen Ereignisse, kam des säbelbeinigen Schneiders Saul Weißfisch Sohn, Goltlieb, auch unter dem Namen „der verdorbene Student," in der Gasse bekannt, auf Ferien nach Hause.