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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1865-01-01 · Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865) · p. Seite 308

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 308 (sequence 328)
Language
German
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IRI
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308 ,,Herrlicher Karfunkel in der weiten, weiten Welt! ,,Wie ich noch ein Kind war zu Hause in Baiern, da hat mir einmal eine alte Frau ein Mährchen erzählt, welches ich bis auf den heutigen Tag nicht vergessen habe. Ein Königskind war seinen Eltern geraubt und von den Räubern in einen finstern großen Wald gebracht worden. Wie es älter ward, war aus ihm selber ein Räuber geworden, den man gefangen genommen und vor das Angeficht des Königs gebracht hat. Da hat man den Räuber gefragt, wer er fei und von welchen Eltern er abstamme, da hat er geantwortet: Eltern habe er keine gehabt, nur an das Eine könne er fich erinnern, daß er in seiner Kindheit mit etwas Glänzendem gespielt habe, was gerade so aussehe, wie die Krone auf dem Haupte des Königs. Da ist der König ihm um den Hals gefallen und hat ausgerufen: ,,Du bist mein Kind." Und so eine Krone, glaube ich, mit der man in seiner Kindheit gespielt hat, besitzt jeder Mensch, und wenn er noch so alt wird und sich verändert, das goldene Spielzeug geht ihm nicht aus dem Kopfe, und wenn die Todten reden könnten, würde vielleicht Mancher sagen: Es war mein letzter Gedanke. Für mich ist und war diese Krone . . . eine hölzerne Truhe, in welcher meine Mutter (mit der der Friede sei) ihre guten Sachen ausgehoben hat: ihre goldene Haube, ihre Feiertagskleider und unten auf dem Boden auch ihre einstigen Sterbegewänder! Wenn die Mutter diese Truhe aufgemacht hat, war es mir stets, als müßte ich mich auf etwas Besonderes freuen; der Schlüssel hat so merkwürdig geknarrt und die große Truhe hat gekracht, als hätte sie sagen wollen : Es ist ganz gut, daß ihr mir einmal Lust macht, ich kann es fast nicht aushalten. Und noch jetzt höre ich das Geknarre des Schlüssels und das Krachen der

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