Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 293 (sequence 313)
- Language
- German
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293 mit nennt. Das Singen und Clavierspielen ist aber die Hauptsache, und neulich hat der Herr Graf, wie er hier war, eine Prüfung mit mir angestellt aus allen Gegenständen, und zuletzt kam das Singen daran. Ich weiß nicht, warum ich dabei so gezittert habe, und hatte mich doch gar micht gefürchtet, wie ich das erste Mal vor ihm in seinem Garten gesungen habe. Wie ich fertig war, ist der Herr Graf gar still dagesessen, und hat kein Wort gesprochen. In dieser Nacht habe ich so viel geweint, wie damals, als sie die Mutter auf den guten Ort hinausgetragen haben. Am -andern Tage ist der Herr Graf wieder gekommen. „In allen Gegenständen bin ich mit Deinen Fortschritten vollkommen zufrieden" , hat er zu mir gesagt, „nur Dein Singen scheint nicht Wort halten zu wollen. Singe mir das gestrige Lied noch einmal." Da ist mir vom Herzen heraus etwas zu Kopfe gestiegen, es war wie ein Stoß und Schlag, daß ich meinte, aus meinen Augen fahren Blitze, und die müßten mich selbst in Brand stecken. Ich habe wieder gesungen, und dann hat der Graf seine Hand auf meinen Kopf gelegt, und hat dabei nur ein einzige- Wort: „Karfunkel" gesprochen. Das ist mir aber genug, und mehr, als hätte er einen ganzen Tag mit mir geredet. Als er dann fortging, hat er die Frau, bei der ich in Kost und Quartier bin und Alles Andere habe, gerufen und hat ihr gesagt, sie möchte mir ein neues, seidenes Kleid kaufen, und es aufs Schönste Herrichten lassen. Da weiß ich nicht, wie so es mir über die Lippen gekommen ist. aber ich habe gesagt, wenn ich um etwas bitten dürste, so wäre es kein Kleid. „Und was denn, Karfunkel?" fragte der Graf. „Ich möcht' ein Gebetbuch haben," antwortete ich, ,wie ich Eines zu Hause gehabt habe." Der Graf sah mich mit seinen