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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1865-01-01 · Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865) · p. Seite 294

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 294 (sequence 314)
Language
German
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IRI
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294 durchdringenden Augen eine Weile an. „Warum willst Dw ein Gebetbuch? ' sagte er, „sehnst Du Dich vielleicht nach Deiner Gasse und Laubhütte zurück?" Da habe ich gemeint: „Ich möchte zuweilen Mit meinem Vater und mit Feiwelmann reden, und das kann nur durch das Gebetbuch geschehen." Da hat der Graf laut aufgelacht. „So kaufen Sie ihr ein seidenes Kleid und ein Gebetbuch," hat er zu der Frau gesagt; „wo Das Letztere zu haben ist, werden Sie wohl wissen". Und er hat so spöttisch gelächelt. und die Frau auch; ich konnte nicht errathen, warum? Am andern Tage erst ist es mir klar geworden. Da hat mich die Frau auf einen Spaziergang mitgenommen, und wir sind weit, weit gegangen, bis wir in eine schmutzige und enge Gasse gekommen sind. „Das ist die „goldene Gaffe" hat sie gesagt, „sieh Dich doch um, wie Deine Leute hier aussehen." Lebendiger, großer Gott! was habe ich ihnen denn zu Leide gethan, daß sie dort so auf mich zugestürzt sind? Sie haben uns fast die Kleider vom Leibe gerissen, und der Eine hat uns Das, der Andere Jenes angeboten. Endlichfrage ich die Frau, was wir denn eigentlich in dieser Gasse thun, denn die Leute sind mir wie wilde Thiere vorgekommen. Da hat sie gesagt: „Du willst ja ein Gebetbuch kaufen, hier ist es zu haben." „Herzliebster Vater bis zu hundert Jahren, und guter Feiwelmann Baß!" „Ein alter Mann mit wackelndem Kopse und zitternden Händen, der hat uns endlich gesagt, er hätte, was wir zu kaufen wünschten. „Was für ein Gebetbuch soll es sein?" hat er mich gefragt. „Unser Gebetbuch!" habe ich gesagt. „Bist Du denn . . .?" fragte er mich, und sieht mich erstaunt an. „Mein Vater heißt David Brod," sage ich

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